
Was haben Menschen vor rund 3000 Jahren getrunken? Und welche Rolle spielten Getränke bei Festen und Ritualen? Eine außergewöhnliche Antwort darauf liefert die sogenannte Situla von Kladina. Der rund 60 Zentimeter hohe, kunstvoll verzierte Bronzeeimer aus Ostböhmen steht im Mittelpunkt der Präsentation „Die bronzene Schönheit aus Kladina – Das älteste Bieropfer in Mitteleuropa“, die vom 5. Oktober 2026 bis zum 31. Januar 2027 im Archäologischen Museum Frankfurt zu sehen ist.
Das Gefäß wurde 2017 in Kladina in der Region Pardubice entdeckt und stammt aus der späten Bronzezeit, etwa aus dem 11. bis 9. Jahrhundert v. Chr. Schon die aufwendige Gestaltung macht die Situla zu einem bemerkenswerten Zeugnis bronzezeitlicher Metallkunst. Noch spektakulärer aber ist das, was sich über ihren früheren Inhalt herausfinden ließ.
Spuren eines bronzezeitlichen Getränks
Rückstandsanalysen im Inneren des Gefäßes ergaben Hinweise darauf, dass sich dort einst ein bierähnliches Getränk beziehungsweise ein Hirsebrei mit Kräutern befunden haben könnte. Damit eröffnet der Fund einen ungewöhnlich direkten Zugang zu den Lebens- und Ernährungsgewohnheiten der Menschen vor rund drei Jahrtausenden.
Für die Archäologie sind solche Spuren besonders wertvoll. Während sich Gefäße, Werkzeuge oder Schmuck über Jahrtausende erhalten können, verschwinden organische Inhalte in der Regel. Die Rückstände in der Situla von Kladina erlauben dagegen Rückschlüsse auf die verwendeten Zutaten und damit auf eine Facette bronzezeitlicher Lebenswelt, die sonst kaum greifbar wäre.
Der Ausstellungstitel spricht vom „ältesten Bieropfer in Mitteleuropa“ und verweist damit auf eine mögliche rituelle Funktion des Gefäßes beziehungsweise seines Inhalts. Die Situla wird so zum Zeugnis einer Kultur, in der Essen und Trinken nicht nur der Versorgung dienten, sondern auch Bestandteil besonderer Zusammenkünfte und möglicherweise kultischer Handlungen gewesen sein konnten.
Ein außergewöhnliches Bronzegefäß
Die Situla von Kladina ist nicht einfach ein Gefäß des täglichen Gebrauchs. Mit ihrer Höhe von rund 60 Zentimetern und ihrer kunstvollen Verzierung gehört sie zu den bemerkenswerten Bronzeobjekten ihrer Epoche. Ihre Herstellung erforderte handwerkliches Können und den Umgang mit einem wertvollen Material.
Gerade die Verbindung von Form, Material und den im Inneren nachgewiesenen Rückständen macht den Fund so interessant. Das Gefäß lässt sich dadurch nicht allein als archäologisches Kunstobjekt betrachten. Es wird vielmehr zu einer Quelle für die Rekonstruktion einer vergangenen Welt: für ihre handwerklichen Fähigkeiten, ihre Ernährung und möglicherweise auch für ihre Feste und Rituale.
Die naturwissenschaftlichen Untersuchungen erweitern damit den Blick auf die Bronzezeit. Wo archäologische Funde häufig nur über ihre Form, ihr Material und ihren Fundzusammenhang interpretiert werden können, liefert die Situla zusätzlich Hinweise auf das, was sich einst tatsächlich in ihr befand.
Von Kladina nach Frankfurt
Die Präsentation entsteht im Zusammenhang mit dem tschechischen Ehrengastauftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2026 und dem Jahr der tschechischen Kultur. Sie verbindet damit Archäologie und zeitgenössisches Kulturprogramm und richtet den Blick weit zurück in die Geschichte der heutigen tschechischen Region Pardubice.
Die Ausstellung ist eine Kooperation des Archäologischen Museums Frankfurt, des Ostböhmischen Museums in Pardubice und der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts.
Die „bronzene Schönheit“ wird dabei zum Ausgangspunkt für eine Reise in eine Zeit, aus der keine schriftlichen Zeugnisse überliefert sind. Was bleibt, sind Gegenstände, Spuren und Rückstände – und die wissenschaftlichen Methoden, mit denen sich daraus Geschichten über das Leben der Menschen rekonstruieren lassen.
Eröffnung mit Literatur und Musik
Eröffnet wird die Präsentation am Montag, 5. Oktober, um 18 Uhr im Archäologischen Museum Frankfurt, Karmelitergasse 1.
Die Eröffnung verbindet die archäologische Präsentation mit einem literarischen und musikalischen Programm. Der bekannte tschechische Autor Michal Ajvaz stellt seinen preisgekrönten Roman „Die andere Stadt“ in einer von Jan Tussing vom Hessischen Rundfunk moderierten Lesung mit deutscher Übersetzung vor. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Ehrengastauftritts Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2026 statt.
Für den musikalischen Teil sorgt die Blaskapelle Pardubická muzika mit dem Programm „Wenn das Lied gefunden wird“. Auf dem Programm stehen Volkslieder aus der Region um Pardubice, die zugleich historisch eingeordnet werden.
Damit verbindet die Eröffnung unterschiedliche Zeitschichten: die bronzezeitliche Vergangenheit der Region, ihre musikalischen Traditionen und die zeitgenössische tschechische Literatur. Die Situla von Kladina wird so nicht nur als spektakulärer archäologischer Fund präsentiert, sondern zugleich als kulturelle Brücke zwischen Pardubice und Frankfurt.
Die Präsentation „Die bronzene Schönheit aus Kladina – Das älteste Bieropfer in Mitteleuropa“ ist vom 5. Oktober 2026 bis zum 31. Januar 2027 im Archäologischen Museum Frankfurt, Karmelitergasse 1, 60311 Frankfurt am Main, zu sehen.
Alle weiteren Informationen über: Archäologisches Museum Frankfurt
