
Die Stimmung beim 25. Jahresempfang der Handwerkskammer Wiesbaden auf dem Gelände des Berufsbildungs- und Technologiezentrums Wiesbaden II „Robert-Werner-Haus“ am 1. September 2026 war optimistisch. Zwar bleibt die wirtschaftliche Lage vieler Handwerksbetriebe angespannt. Hohe Belastungen und zurückhaltende Investitionen prägen weiterhin das Bild. Gleichzeitig gibt es jedoch Entwicklungen, die neue Perspektiven eröffnen und Anlass zu Zuversicht geben. Über die Herausforderungen und Chancen für das Handwerk diskutierten rund 260 Gäste aus Politik, Handwerk, Wirtschaft, Verwaltung und öffentlichem Leben.
Kammerpräsident Stefan Füll verwies in seiner Eröffnungsrede insbesondere auf die Entwicklung am Ausbildungsmarkt. Die Nachwuchsgewinnung bleibe eine der zentralen Aufgaben des Handwerks. Zugleich wachse das Interesse junger Menschen an einer handwerklichen Ausbildung. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge entwickle sich kammer-, landes- und bundesweit positiv.
Besonders erfreulich sei dabei, so der Kammerpräsident: „Wir kriegen immer mehr junge Leute mit hohen Schulabschlüssen auch ins Handwerk.“ Das sei gerade mit Blick auf die Nachfolgeregelungen wichtig, wenn die Babyboomer aus dem Berufsleben ausschieden und in vielen Betrieben die Nachfolge geregelt werden müsse.
Immer mehr junge Menschen erlebten das Handwerk als vielfältig und attraktiv, mit beruflichen Perspektiven und der Möglichkeit, früh Verantwortung zu übernehmen. All das spreche die junge Generation derzeit an, „vielleicht auch die Angst, dass sie nachher Jobs haben, die durch KI abgelöst werden können. Das kann ihnen im Handwerk nicht passieren, denn noch deckt die KI keine Dächer ab“, unterstrich Füll.
„Natürlich sind damit nicht alle Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt gelöst. Aber die Richtung stimmt“, betonte der Kammerpräsident. Die Handwerkskammer werde deshalb weiter in ihre Bildungsstandorte und in eine moderne berufliche Bildung investieren.
Gemeinsam an besseren Rahmenbedingungen arbeiten

Wiesbadens Bürgermeisterin Christiane Hinninger unterstrich die Bedeutung des Handwerks für die Landeshauptstadt. Rund 3.400 Handwerksbetriebe mit etwa 16.000 Beschäftigten stünden für Arbeitsplätze, Ausbildung und Wertschöpfung. „Ohne Handwerk läuft hier nämlich gar nichts“, sagte Hinninger mit Blick auf Wohnungsbau, Sanierung, Mobilität und Klimaschutz. Als wichtigen Baustein der Zusammenarbeit hob sie die gemeinsam entwickelte Handwerksagenda Wiesbaden 2030 hervor. Auch in finanziell schwierigen Zeiten halte die Stadt an ihrer Förderung der beruflichen Bildung fest.
Hauptgeschäftsführer Pierre Schlosser stellte den gemeinsamen Gestaltungswillen in den Mittelpunkt. Die Gespräche des Abends seien von Aufbruch und dem Wunsch geprägt, Dinge gemeinsam voranzubringen. „Wir wollen die Zukunft gestalten. Bauen ist immer ein Zeichen, ein hoffnungsvolles Zeichen des Optimismus. Und das sollten wir uns beibehalten“, fasste Schlosser den Anspruch zusammen.
Den politischen Schlusspunkt des Abends setzte der stellvertretende Hessische Ministerpräsident Kaweh Mansoori. Er bezeichnete die enge Zusammenarbeit zwischen Politik und Handwerk angesichts von Fachkräftemangel, Energie- und Wärmewende als besonders wichtig. Die höhere Meisterprämie, die Reform des Hessischen Vergabe- und Tariftreuegesetzes und der Ausbau der beruflichen Orientierung seien wichtige Schritte. Gleichzeitig seien weitere Reformen notwendig, damit Betriebe wirtschaftlich arbeiten und sich die Menschen handwerkliche Leistungen weiterhin leisten könnten.
„Wir werden uns aus dieser Krise nicht heraussparen, sondern wir werden aus ihr herauswachsen“, machte Mansoori deutlich.
