
Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen präsentiert vom 12.9.2026 bis 24.1.2027 im K20, Düsseldorf, nach 20 Jahren deutschlandweit die erste umfassende Ausstellung des Expressionisten und Mitbegründers des Blauen Reiter sowie des Tier- und Naturliebhabers Franz Marc (1880–1916): Franz Marc Die Suche nach einer besseren Welt. Mit ihren vielen expressionistischen bis abstrakten Tier- und Naturdarstellungen ist die Ausstellung insbesondere auch für Kinder und Jugendliche außerordentlich spannend.
Leuchtende Farben, berührende Themen und weltberühmte Tierbilder – was macht die Kunst von Franz Marc (1880–1916) bis heute so faszinierend? Die Ausstellung Franz Marc. Die Suche nach einer besseren Welt lädt dazu ein, auf diese Fragen Antworten zu finden und das Leben und Werk dieses herausragenden Künstlers neu zu entdecken.
Ausstellungsaufbau
Dabei zeichnet die Ausstellung Franz Marcs künstlerische Biographie in einer chronologischen Hängung mit thematischen Schwerpunkten und seinen zahlreichen Netzwerken nach. Die Gruppen und Netzwerke, in denen sich Franz Marc bewegte, werden zudem anhand einer großen, wandfüllenden Infografik in einem besonderen Raum der Ausstellung präsentiert und geben einen wunderbaren kunstgeschichtlichen Abriss von Künstlern, Ausstellungshäusern und Galeristen seiner Zeit. Zudem werden Arbeiten aus dem Kreis des Blauen Reiter, etwa von Wassily Kandinsky, Paul Klee, Maria Franck, August Macke und Robert Delaunay, dort zu sehen sein. Die Werke entstammen dem eigenen Sammlungsbestand und visualisieren das künstlerische Umfeld, in dem Marc sein Werk geschaffen hat.
Insgesamt präsentiert die Ausstellung 120 hochkarätige Gemälde und Arbeiten auf Papier und zeichnet das nur wenige Jahre währende, aber außerordentlich produktive Schaffen des bereits mit 36 Jahren früh verstorbenen Künstlers in seiner ganzen Vielfalt nach. Zu sehen sind die frühen Arbeiten bis hin zu den späten, wegweisenden, zunehmend abstrakten Kompositionen. Zu den Höhepunkten zählen Marcs ikonische Tierbilder und eindrucksvolle Naturdarstellungen, die zu den berühmtesten Werken der klassischen Moderne gehören.

Die Suche nach einer besseren Welt“ vom
12.9.2026 — 24.1.2027 im K20 Düsseldorf ist das Gemälde „Drei Katzen“, 1913, von Franz Marc, das sich im Besitz der Kunstsammlung befindet. © Foto: Diether v. Goddenthow
Tiere – ein Zeichen für Reinheit und Harmonie mit der Natur
Die Ausstellung Franz Marc. Die Suche nach einer besseren Welt lädt dazu ein, Franz Marc neu zu entdecken: Die Ausstellung zeigt, wie sich sein künstlerischer Stil über die Jahre verändert hat. Besonders bekannt sind seine Bilder von Tieren. Für ihn sind Tiere ein Zeichen für Reinheit und Harmonie mit der Natur. Seine späten Werke werden immer abstrakter. Sie zeigen weniger die echte Welt, sondern eine geistige Welt.
Wie der Titel „Die Suche nach einer besseren Welt“ andeutet, reagiert die Ausstellung auf ein damals wie heute sehr präsentes Bedürfnis nach Ursprünglichkeit und einem Leben im Einklang mit der Natur. Von den frühen Tierdarstellungen bis hin zu den kubistisch inspirierten Abstraktionen zeichnet sie den Weg eines Suchenden nach – eines Künstlers, der sich in einer vom technischen Fortschrittsglauben geprägten Zeit nach einem irdischen Paradies sehnte.
Versuch, Tiere mit ihrem Blick auf die Welt zu malen
Franz Marc liebt das Leben auf dem Land und die Natur, vor allem die Tiere. Viele Bilder malt er draußen. Am Anfang malt Franz Marc die Tiere noch, wie er es an der Kunstakademie lernt. Später versucht er zu zeigen, wie die Tiere die Welt sehen. In Paris lernt er die modernen Kunstrichtungen kennen und sieht Werke in einem völlig neuen Stil. Diese Reise verändert seine Malerei stark. Den Farben sprach er symbolische, moralische Tugenden zu. Franz Marc entwickelt eigene Regeln für das Arbeiten mit Farbe. Sie soll Gefühle und Ideen ausdrücken. Sie ist rein und kräftig. Tiere malt er nicht mehr, wie sie aussehen, sondern zeigt ihr inneres Wesen. Sie sind für Marc Symbole für eine einfache und natürliche Welt. Jetzt entstehen Marcs berühmteste Bilder. Menschen malt er in dieser Zeit kaum noch.

Von den Idealen der Lebensreform geprägt
Die Ausstellung zeigt, wie eng der Künstler in die pulsierende Kunst- und Kulturszene vor dem Ersten Weltkrieg vernetzt war. Vor allem zeigen die präsentierten Werke, wie tief Marcs Werk mit den Idealen der Lebensreform und einer pantheistischen Naturmystik verbunden war, in der Tiere als reiner und göttlicher als der Mensch galten. Die Besucher können zudem anhand der präsentierten Werke sehr schön Marcs künstlerische Entwicklung zwischen 1905 und 1914 nachvollziehen: von den frühen Tierdarstellungen bis zu den kubistisch inspirierten Abstraktionen.
Dieser Ausstellungsbogen zeichnet gekonnt den Weg eines Suchenden nach – eines Künstlers, der sich in einer vom Fortschrittsglauben geprägten Zeit nach einem irdischen Paradies sehnte. Seine Bilder waren für Marc Enklaven der Harmonie, aber auch Entwürfe einer neuen, ideellen Welt, mit denen er gegen die Rationalisierung und Technisierung der Umwelt und die geistige Verflachung der Gesellschaft ankämpfte.
Sehnsucht nach Leben in Frieden und im Einklang mit der Natur

Wie der Titel Die Suche nach einer besseren Welt andeutet, reagiert die Ausstellung auf ein damals wie heute sehr präsentes Bedürfnis nach Frieden und einem Leben im Einklang mit der Natur. Für Franz Marc war diese Suche zugleich die Auseinandersetzung mit seiner eigenen künstlerischen Identität. In knapp acht Jahren durchlief er vom Postimpressionismus bis zur Abstraktion nahezu das gesamte Spektrum der modernen Kunstentwicklung. Die Ausstellung verfolgt die wechselnden Motive und Malstile, macht die überraschenden Brüche und fortwährenden Zweifel sichtbar, die sein Werk prägen, und eröffnet neue Einblicke in Marcs Haltung zu den gesellschaftlichen Umwälzungen und zum heraufziehenden Krieg.
Biographische Details
Franz Marcs (geb. 8.2.1880 in München, gest. 4.3.1916 in Braquis bei Verdun, Frankreich) künstlerischer Weg begann an der Münchner Akademie, wo er sich zunächst mit dem Naturalismus und dem Jugendstil auseinandersetzte. Die Freundschaft mit dem Schweizer Tiermaler Jean-Bloé Niestlé (1884–1942) ab 1905 bekräftigte und fokussierte sein Interesse auf die Darstellung von Tiermotiven. Dabei ging es Marc weniger um die naturalistische Wiedergabe, sondern um das Begreifen des inneren Wesens der Tiere. Die Tiere zu malen, „wie sie selbst die Welt ansehen und ihr Sein fühlen“ (Briefe, 8.4.1915), beschreibt Marc selbst als seinen primären Ansatz. Die Tierbilder gründen auf einem pantheistischen Weltbild, das die Tiere als Verkörperung einer für den Menschen verlorenen Göttlichkeit versteht.
1903 und 1907 reiste Marc nach Paris und studierte im Louvre alte und neue französische Kunst. Vor allem der Postimpressionismus, der Fauvismus und insbesondere Maler wie Vincent Van Gogh (1853–1890) und Paul Gauguin (1848–1903) zogen ihn in den Bann. Ab 1908 veränderte sich Marcs Verständnis von Komposition und Farbe grundlegend. Diese war für Marc nicht nur ein Mittel der Ausdruckssteigerung, sondern besaß eine tiefere symbolische Bedeutung. Auf der Basis von u. a. Wolfgang von Goethes Farbenlehre entwickelte er eine eigene Theorie der Farben: Gelb verkörpert Weiblichkeit, Sanftmut und Sinnlichkeit, Rot das Brutale, Erdgebundene, Blau das Geistige, Intellektuelle und Männliche. Mit dieser kontrastreichen – expressionistischen – Leitidee der Farben strebte Marc danach, metaphysische Dimensionen in seinen Bildern sichtbar zu machen.
Entdeckung der Abstraktion.
Eine gemeinsame Reise mit dem Freund und Mitstreiter August Macke (1887–1914) nach Paris 1912, bei der sie Robert Delaunay (1885–1941) und Sonia Delaunay (1885–1979) zweimal besuchten, bewirkte einen Quantensprung in der Malerei der beiden Künstler. Zwar kannte Franz Marc seit 1910 kubistische Werke von Georges Braque (1882–1963) und Pablo Picasso (1881–1973), doch es waren die lichtdurchfluteten, kristallinen Fensterbilder von Robert Delaunay, die ihn zu den eigenen prismatischen Bildkompositionen inspirierten.
In den Monaten vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die harmonische Verschmelzung von Tier und Natur, die Marcs Schaffen bis dahin dominiert hatte, durch eine zunehmend abstrakte Bildsprache ersetzt. Schon ab 1913 begann das Tiermotiv seine vorrangige Bedeutung bei der Suche nach einer besseren Welt zu verlieren. Eine Reise ins gesellschaftlich und politisch zerrissene Südtirol bewirkte, dass sich die ehemals harmonischen Landschaftsvisionen zu dystopischen Szenerien mit einsamen, ausgemergelten Tierkreaturen verkehrten. Werke wie Das arme Land Tirol, 1913, aber auch Kämpfende Formen und Zerbrochene Formen aus dem Jahr 1914 spiegeln Marcs inneren Aufruhr und den Zwiespalt der Gefühle angesichts der sich anbahnenden tiefgreifenden Zeitenwende und der zunehmenden Kriegsgefahr.

Verbindungen und Gruppierungen.
Trotz seines zurückgezogenen Lebens im Münchner Voralpenland war Franz Marc kein introvertierter Künstler. Der Maler von Tiermotiven war vielmehr ein kritischer Geist, der bereit war, in künstlerischen Debatten klare Positionen zu vertreten und der Konflikte nicht scheute. Mit größter Souveränität und Kenntnis agierte Marc als „Botschafter des Blauen Reiter“ im Umgang mit Künstlern, Sammlern und Galeristen. Seine umfassende akademische Bildung – ein Studium der Literatur- und Sprachwissenschaften – und seine zweisprachige Erziehung durch seine Elsässer Mutter prägten ihn ebenso wie seine intensive Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst, für die er sich in programmatischen Texten leidenschaftlich einsetzte.
Franz Marc pflegte intensive Freundschaften und künstlerischen Austausch. Neben Niestlé war es vor allem August Macke, der ab 1910 sein enger Freund und Gesprächspartner wurde. Mit ihm tauschte sich Marc in Briefen und Gesprächen über künstlerische Fragen aus, sie diskutierten über Farbsymbolik und neue Ausdrucksformen. Mackes Einfluss war spürbar, als Marc begann, seine expressive Farbpalette und flächige Kompositionen auszubauen. Als Mitglied der Neuen Münchner Künstlervereinigung lernte er Anfang 1911 Marianne von Werefkin (1860–1938), Gabriele Münter (1877–1962), Alexej von Jawlensky (1864–1941), Arnold Schönberg (1874–1951) und Wassily Kandinsky (1866–1944) kennen, mit dem er Ende 1911 die Redaktionsgemeinschaft des Blauen Reiter gründete.
Auch die Berliner Künstlerin Maria Franck (1876–1955), die Marc 1905 kennenlernte und 1913 heiratete, spielte eine bedeutende Rolle in seiner künstlerischen Entwicklung. Sie war nicht nur Muse und Vertraute, sondern auch eine Partnerin, die ihn intellektuell unterstützte. Ihre gemeinsamen Reisen und ihr reger Austausch mit Gleichgesinnten stärkten Marcs Überzeugung, dass Kunst nicht nur eine individuelle Ausdrucksform, sondern auch ein kollektiver Prozess ist.

Entsprechend arbeitete Marc daran, sein Netzwerk weit über München hinaus auszubauen. Es erstreckte sich nach Berlin, Bonn und Paris. Zu seinen wichtigsten Kontakten zählten der Berliner Sammler Bernhard Köhler (1849–1927) sen. und Herwarth Walden (1878–1941), Begründer der Zeitschrift Der Sturm. Beim Ersten Deutschen Kunstsalon, den Walden 1913 initiierte, beriet Marc bei der Auswahl der Künstler und der Gestaltung der Hängung. Walden präsentierte Marcs Werke nicht nur in Deutschland, sondern brachte sie auch nach Paris, wo sie in den Galerien von Daniel-Henry Kahnweiler (1884–1979) und Ambroise Vollard (1866–1939) auf großes Interesse stießen. Franz Marc (1880–1916) schätzte den Austausch mit Galeristen und Künstlern und war sich über den Einfluss auf sein eigenes Kunstschaffen bewusst. Zu den besonderen Freundschaften, die Marc pflegte, gehörten zudem die mit Else Lasker-Schüler (1869–1945), Alfred Kubin (1877–1959) und Paul Klee (1879–1940).
Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Gemälde Drei Katzen, 1913, von Franz Marc, das sich im Besitz der Kunstsammlung befindet. Das wichtige Gemälde wurde von dem damaligen Direktor Werner Schmalenbach 1973 angekauft. Drei Katzen stammt aus der Spätphase des Künstlers und zeigt die Tiere kompositorisch eingebunden in die sie umgebende Natur. Auf signifikante Weise verdeutlicht es den Übergang von der romantischen Tiermalerei zur Abstraktion.
K20 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf
