
Unabhängige Verlage auf der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet – Staatsminister Wolfram Weimer würdigt Mut, Eigenständigkeit und verlegerisches Engagement
Frankfurt am Main. Zwischen Messetrubel, Bücherstapeln und dem geschäftigen Kommen und Gehen der Frankfurter Buchmesse ging es am 15. Oktober um diejenigen, die häufig abseits der großen Aufmerksamkeit für literarische Vielfalt sorgen: die unabhängigen Verlage. Im Rahmen der 77. Frankfurter Buchmesse wurden die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Verlagspreises 2025 ausgezeichnet. Insgesamt erhielten 87 unabhängige Verlage ein Gütesiegel der Bundesregierung. Die Preisverleihung fand im Studio Frankfurt auf dem Messegelände statt.
Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer betonte die Bedeutung der unabhängigen Verlage für die kulturelle und intellektuelle Vielfalt Deutschlands. „Die kleinen und unabhängigen Verlage sind das Rückgrat unserer Buch- und Debattenkultur. Sie schielen nicht auf Quartalsergebnisse, sondern investieren in literarische Substanz. Sie übersetzen Autorinnen und Autoren, die noch niemand kennt. Sie experimentieren mit neuen Formen des Erzählens und Denkens. Sie bringen Stimmen in die öffentliche Debatte, die sonst ungehört blieben. Und genau das braucht eine lebendige Demokratie. Denn Debattenkultur entsteht nicht im Konsens, sondern im produktiven Dissens.“

Weimer weiter: „Der Deutsche Verlagspreis ist mehr als eine Auszeichnung: Er ist ein Bekenntnis zur Vielfalt gegen die Monokultur, zur Qualität gegen die Quote, zum Wagnis gegen die Beliebigkeit. Mein Respekt gilt all jenen Verlagen, die mit Haltung, Mut und intellektueller Redlichkeit für die Freiheit des Wortes eintreten. Wer Debattenräume öffnet, stärkt die Demokratie; wer sie mit Ideologie verengt, verfehlt ihren Geist – und auch den des Deutschen Verlagspreises.“
Drei Spitzenpreise und ein Nachhaltigkeitspreis
Insgesamt wurden 87 Verlage aus 287 Bewerbungen von einer unabhängigen Jury ausgewählt. 80 Verlage erhielten jeweils ein mit 18.000 Euro dotiertes Gütesiegel. Drei Spitzenpreise mit jeweils 50.000 Euro gingen an den Konkursbuch Verlag aus Tübingen, den MÄRZ Verlag aus Berlin und den Unrast Verlag aus Münster. Der mit 30.000 Euro dotierte Nachhaltigkeitspreis wurde an den CalmeMara Verlag aus Bielefeld vergeben. Zwei weitere Verlage, der mareverlag und der Wallstein Verlag, erhielten ein undotiertes Gütesiegel.
Die ausgezeichneten Verlage stehen für sehr unterschiedliche verlegerische Profile. Der Konkursbuch Verlag verbindet Literatur, Wissenschaft, visuelle Kunst und Alltagskultur. Der MÄRZ Verlag knüpft an seine traditionsreiche Geschichte und sein politisch-literarisches Erbe an und verbindet dieses mit einem zeitgenössischen Programm. Der Unrast Verlag steht für kritische und politische Literatur und veröffentlicht unter anderem gesellschaftstheoretische, feministische und antifaschistische Texte, Belletristik und Graphic Novels.
Der CalmeMara Verlag wurde für sein ökologisch verantwortungsbewusstes Publizieren ausgezeichnet. Der Bielefelder Kinderbuchverlag setzt unter anderem auf zertifizierte nachhaltige Produktionsweisen, verzichtet seit Herbst 2024 vollständig auf Folie und spendet 25 Prozent seiner Erlöse.

Eine Jury aus Literatur, Buchhandel und Kultur
Vorsitzender der diesjährigen Jury war Dr. Jörg Albrecht, Gründungsdirektor und Künstlerischer Leiter von Burg Hülshoff – Center for Literature. Weitere Mitglieder waren Ines Dettmann, Leiterin des Jungen Literaturhauses Köln, die Autorin und Übersetzerin Isabel Fargo Cole, der Buchhändler und Autor Linus Giese, die Lektorin und Literaturvermittlerin Katharina Holzmann, der Schriftsteller und Essayist Deniz Utlu sowie der Schriftsteller, Philosoph und Theologe Senthuran Varatharajah.
Auswahlkriterien waren unter anderem ein innovatives Verlagsprogramm, die Qualität der verlegerischen Arbeit, außergewöhnliche Projekte, eine besondere Buchgestaltung sowie kulturelles Engagement und Beiträge zur Förderung der Lesekultur.
Gerade die Vielfalt der ausgezeichneten Häuser macht den Charakter des Deutschen Verlagspreises aus. Die Programme reichen von Literatur und Kunst über politische und gesellschaftliche Debatten bis hin zu Kinder- und Sachbüchern. Auf einer Buchmesse, auf der jedes Jahr Tausende neue Titel um Aufmerksamkeit konkurrieren, rückte damit eine Verlagslandschaft in den Mittelpunkt, deren Bedeutung sich nicht allein an Verkaufszahlen messen lässt.
Der Deutsche Verlagspreis wird von der Bundesregierung vergeben und würdigt unabhängige Verlage für außergewöhnliche Programme, besonderes kulturelles Engagement, innovative Projekte und die Qualität ihrer verlegerischen Arbeit. Partner des Deutschen Verlagspreises sind die Kurt Wolff Stiftung und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels.
