European Youth Circus Festival 2026 Wiesbaden endet mit glanzvoller Gala und Preisregen für die Gewinner

Die 13jährige Urkainerin Varvara Fedorova gewinnt den Festivalpreis von Wiesbaden in Gold. © Foto: Diether v. Goddenthow

Mit einer fulminanten Gala und nicht enden wollendem Applaus ging am Wochenende (24. und 25. Oktober 2026) der European Youth Circus in Wiesbaden zu Ende. Das Chapiteau auf dem Dern’schen Gelände war mit jeweils über 1.100 Zuschauern, viele davon auch aus dem Ausland, bis auf den letzten Platz besetzt.

Popkorndüfte und ein fetziger Bläser-Schlagzeug-Sound der Gruppe LE MARMELADE DU MONTÁGE empfingen die Gäste. Am Manegentor, dem Einlauf der Künstler, sprühte Graffiti-Künstler MANUEL GERULLIS live noch letzte Passagen des fantastischen Bühnenbildes „Out of the bubble“, bevor Regisseur Karl-Heinz Helmschrot, der künstlerische Gesamtleiter, gemeinsam mit dem Choreografen Dima Lavrynenko, mit dem er die Show zum Thema „Out of the bubble“ kreiert hatte, pointiert drei Stunden lang durch das bunte Programm führte. Nach einem tänzerischen Warm-up aller Künstler zeigten die Boys und ein Girl vom Wiesbadener Breakdance-Kollektiv Move For Freedom, was sie draufhaben. Improvisierte Hip-Hop-Einlagen von Rapper Patrick Gerner und fetzige Bläser-Schlagzeug-Sound-Einlagen von LE MARMELADE DU MONTÁGE sorgten zu Beginn, nach den Auftritten und in der Pause für grandiose Stimmung.

Den Preis der Herzen in Höhe von 1000 Euro überreichte Kulturdezernentin Dr. Patricia Becher an Janaya Jung u Felix Pieger. © Foto: Diether v. Goddenthow

Gelebter europäischer Gedanke: Frieden, Toleranz, Offenheit und gegenseitiger Respekt
Die Kombination mit Breakdance, Rap und Graffiti belebte die Show zusätzlich. „Die immer neuen innovativen Elemente des Festivals sind für uns wichtiges Argument, den European Youth Circus zu fördern“, sagte zu Beginn der Gala am Samstag Dr. Susanne Völker, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der das Festival finanziell unterstützt. Die in diesem Jahr inszenierten Artistik-Shows in Kombination mit „urbanen Künsten“ lüden nicht nur zur Unterhaltung ein, sondern auch dazu, „gleichzeitig über den Tellerrand hinauszuschauen und Respekt und Neugier außerhalb der ‚eigenen Blase‘ zu erfahren und zu zeigen“, lobte Völker.
Wiesbadens Kulturdezernentin Dr. Patricia Becher unterstrich in ihrer Begrüßung, dass der EYC mehr sei „als das Geschehen in der Manege“. Menschen aus ganz Europa kämen zusammen und „leben gemeinsam den europäischen Gedanken: Frieden, Toleranz, Offenheit und gegenseitiger Respekt“. Die Kulturdezernentin sieht den European Youth Circus als kulturelles Highlight: „Ich habe in den Wettbewerbsshows so viele hochkarätige Artistik-Darbietungen gesehen und beneide die Jury nicht um ihre Aufgabe.“ Sie dankte zudem dem Organisationsteam um Festivalleiterin Franziska Domes und allen Sponsoren.

Absolute Stars des Abends: Zirkusartisten 

Der Preis des Verbandes Deutscher Varietétheater ging an Valeria Garmider aus der Republik Moldau für ihre Darbietung auf dem Drahtseil. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die absoluten Stars des Abends waren jedoch die jungen Zirkusartisten, die das Publikum mit atemberaubender Spitzenakrobatik, überwältigender Körperbeherrschung und einer mitreißenden Bühnenpräsenz in ihren Bann zogen. Ob am Cyr-Rad, mit dem Diabolo, auf dem Drahtseil, bei anspruchsvoller Equilibristik, auf dem Einrad, am Fangstuhl oder in rasanter Jonglage – jeder Auftritt eröffnete eine neue, faszinierende Welt voller Überraschungen. Spektakuläre Sprünge auf dem Schleuderbrett, kraftvolle Figuren an den Strapaten, schwindelerregende Momente am Trapez und die scheinbar schwerelose Vertikaltuch-Akrobatik sorgten für Staunen, Nervenkitzel und immer wieder für echte Gänsehautmomente.

Für einige magische Augenblicke schien die Zeit stillzustehen. Die jungen Künstler entführten ihr Publikum aus dem Alltag in eine Welt der Träume, der Fantasie und des scheinbar Unmöglichen. Mit Mut, Eleganz, Präzision und einer beeindruckenden Portion Leidenschaft verwandelten sie jede Nummer in ein kleines Gesamtkunstwerk. Die Spannung im Zelt war förmlich greifbar, die Begeisterung übertrug sich von der Manege auf die Ränge, und immer wieder brandete tosender Applaus auf. Es war diese einzigartige Mischung aus Nervenkitzel, Poesie, Lebensfreude und purer Artistik, die den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis machte.

25 Artisten aus 152 Bewerbungen

Tigerpalast-Direktor Johnny Klinke, Jurysprecher und seit 40 Jahren an der Seite des European Youth Circus überreichte den Festivalpreis in Bronze an Olivier Eehbe (Grossbritannien) für seine Piratenperformance am Vertikaltuch. „Das ist Europa“, rief der Jurysprecher! © Foto: Diether v. Goddenthow

Aus 152 Bewerbungen hatte die Auswahlkommission des European Youth Circus im Juni die 25 Besten aus ganz Europa ausgewählt, die aus elf Ländern kamen.
In vier Wettbewerbsshows hatten die jungen Artistinnen und Artisten der Jury und dem Publikum ihre Fähigkeiten gezeigt. Nach deren Votum anhand eines Punktesystems wurden schließlich die Preisträgerinnen und Preisträger ermittelt, die am Samstagabend und am Sonntagnachmittag in den Gala-Shows auftreten durften.

Die hochkarätige Jury
Die Jury war besetzt mit Taras Shevchenko vom Cirque du Soleil (Mitglied des Casting-Teams), Menno van Dyke (ehemaliger Artist des Festivals und Leiter des Festivals Circusstad Rotterdam/Niederlande) und Kristian Kristof (Artist und Produktionsleiter des Internationalen Zirkusfestivals von Monte Carlo), der ehemaligen Artistin des European Youth Circus Anastasiya Voladas-Massot (Artistin und Direktorin des Circus Imagine, Lyon), sowie dem Sprecher der Jury, Johnny Klinke vom Tigerpalast-Varieté Frankfurt.

Klinke lobte die Stadt Wiesbaden und das Organisationsteam des European Youth Circus. Der European Youth Circus sei einzigartig in Europa: Wiesbaden sei die einzige Stadt, die seit Jahrzehnten in Eigenregie einen solchen Zirkus organisiere und diesen Austausch junger Nachwuchsartisten aus ganz Europa alle zwei Jahre ermögliche. Zugleich biete das Festival ihnen eine Plattform, sich vor großem Publikum und einer Fachjury zu präsentieren und sich im Wettbewerb zu messen.

Die Festivalpreise in Gold, Silber und Bronze – und die Engagementpreise
In der Altersklasse 12 bis 17 Jahre gingen  Gold, Silber und Bronze an:

Bronze ging an den 13-jährigen Olivier Wehbe aus Großbritannien für seine Piratenkür an den Vertikaltüchern. © Foto: Diether v. Goddenthow

Gold für die 13-jährige Varvara Fedorova aus der Ukraine. Die Artistin begeisterte Jury und Publikum mit akrobatischen Bewegungen und Figuren am Trapez, die sie mit Eleganz und Anmut vortrug. In luftiger Höhe verband sie Kraft, Beweglichkeit und tänzerische Eleganz, die sie mit Leichtigkeit und ausdrucksstark präsentierte. In luftiger Höhe verband sie Kraft, Beweglichkeit und tänzerische Eleganz zu einer faszinierenden Darbietung, die sie mit bemerkenswerter Leichtigkeit und Ausdrucksstärke präsentierte. Mit sicherem Griff, fließenden Bewegungen und präzise ausgeführten Figuren schien sie förmlich mit dem Trapez zu verschmelzen. Dabei wechselten sich kraftvolle akrobatische Elemente mit anmutigen, beinahe schwebenden Momenten ab. Die junge Artistin bewies eindrucksvoll, wie viel Körperbeherrschung, Mut und Konzentration hinter dieser scheinbaren Leichtigkeit stecken.

Silber erhielt Anna Ponomarenko, ebenfalls aus der Ukraine. Die 16-Jährige schwang an den elastischen Bändern, den Strapaten, und zeigte in luftiger Höhe Tricks mit höchstem Schwierigkeitsgrad. Mit beeindruckender Kraft, Beweglichkeit und Körperkontrolle verband sie dynamische Schwünge mit anspruchsvollen akrobatischen Figuren und verstand es beinahe unmerklich laufend den Spannungsgrad ihrer Darbietung zu steigern und einen grandiosen „Schlussakkord“ zu präsentieren.

Bronze ging an den 13-jährigen Olivier Wehbe. Als Pirat der Karibik erzählte der Publikumsliebling des Abends an den Vertikaltüchern seine Geschichte vom Piratenleben inklusive eines gefundenen Schatzes, den er mit dem Wiesbadener Publikum teilte. Mit akrobatischen Figuren am langen, senkrecht herabhängenden Tuch verband er Körperkraft, Beweglichkeit und präzise kontrollierte Bewegungen. Zusätzlich erhielt er den Preis der Wiesbadener Kirchen.

In der Altersklasse 18 bis 25 Jahre

Carla Rousavy gewann in der Altergruppe bis 25 Jahren den mit 1700 Euro dotierten Festivalpreis in Silber des Circus Montie. © Foto: Diether v. Goddenthow

Den Goldenen Festivalpreis erhielt Markian Strotsiak aus der Ukraine für Jonglage, der bereits vor vier Jahren am European Youth Circus in Wiesbaden teilgenommen hatte. Er jonglierte zwar mit traditionellen Requisiten wie Bällen, Ringen und Keulen, präsentierte seine Darbietung jedoch mit einem Hauch Moderne und nahezu in Perfektion. Außerdem erhielt er den Engagementpreis des Tigerpalastes Frankfurt.

Carla Rousavy wurde für ihre Strapaten-Darbietung mit Silber ausgezeichnet. Sie war die einzige deutsche Vertreterin bei den Hauptpreisen Ihre Disziplin verlangt Kraft und Körperspannung ebenso wie Eleganz und ein ausgeprägtes Gespür für die Wirkung der Bewegungen in der Luft. In ihrer Nummer spielen laut eigenen Angaben Leidenschaft, Mut und Selbstfindung eine zentrale Rolle, Ebenso erhielt sie den Engagementpreis des Cirque Imagine aus Lyon/Frankreich.

Der mit 1.200 Euro dotierte Festivalpreis in Bronze ging an die Highflyers (Lorin Szakacs, Luca Feher, Kitti Gulyas Krisztina Graman-acs) für Ihre atemberaubende Darbietung am Schleuderbrett. © Foto: Diether v. Goddenthow

Bronze errangen die Highflyers aus Ungarn für ihre Schleuderbrett-Nummer. Bei dieser dynamischen Disziplin katapultieren sich die Artisten mithilfe eines federnden Brettes in die Höhe. Sprünge, Flugphasen und präzise Landungen müssen dabei perfekt aufeinander abgestimmt sein – eine Disziplin, bei der das Zusammenspiel der Gruppe entscheidend ist. Die vierköpfige Gruppe, die ausschließlich aus jungen Damen zwischen 18 und 20 Jahren besteht, begeisterte Publikum und Jury mit ihren atemberaubenden Sprüngen, gefährlichen Salti und Schrauben auf dem Schleuderbrett. Außerdem erhielten die Highflyers den Anerkennungspreis des Cirque du Soleil.

Weitere Engagementpreise

Jano Schorno begeisterte mit seiner Diabolo-Kunst und erhielt einen Engagement-Preis von Circus Roncalli. © Foto: Diether v. Goddenthow

Weitere Engagementpreise erhielten Joana Lokaichuk aus Deutschland für ihre Equilibristik-Darbietung (DCC Entertainment Breakin Circus) und der Schweizer Diabolo-Artist Jano Schorno (Circus Roncalli).

Joana Lokaichuk faszinierte mit ihrer Equilibristik, bei der Körperbeherrschung, Balance und höchste Konzentration gefragt sind. Mit kontrollierten Bewegungen und anspruchsvollen Gleichgewichtsfiguren stellte sie ihr artistisches Können unter Beweis.

Jano Schorno wiederum begeisterte mit seiner Diabolo-Kunst, bei der er das Spielgerät mit beeindruckender Geschicklichkeit an der Schnur in Bewegung hält, beschleunigt und durch die Luft wirbeln lässt. Das präzise Zusammenspiel von Timing, Koordination und technischer Finesse macht diese Disziplin zu einem mitreißenden Spiel aus Dynamik und Eleganz.

Die Engagementpreise würdigen nicht nur die außergewöhnlichen Leistungen der jungen Künstler, sondern bieten ihnen zugleich ein wichtiges Karrieresprungbrett: Sie eröffnen ihnen die Chance, ihr Können auf renommierten Zirkus- und Varieté-Bühnen einem anspruchsvollen Publikum zu präsentieren.

Ivan Slipchenko überzeugt die Kinderjury
Den Preis der Kinderjury erhielt Ivan Slipchenko mit seiner grandios spannenden Rola-Bola-Darbietung, die mit zunehmender Höhe und zusätzlichen Elementen Schwierigkeit und Spannung erheblich steigerte. Ivan Slipchenko glückte es als Highlight gar in höchstwackeliger Position auf oberster Ebene, sich eine Hose anzuziehen, während sich unentwegt die Rollen unter den Brettern in unterschiedliche Richtungen bewegten. Die Auszeichnung durch die Kinderjury unterstreicht, dass Artistik nicht nur durch technische Perfektion überzeugt, sondern auch durch Spannung, Originalität und die Fähigkeit, Zuschauer unmittelbar in ihren Bann zu ziehen.

Janaya und Felix gewinnen den „Preis der Herzen“

Janaya Jung und Felix Pieger gewinnen an den Strapaten den mit 1000 Euro dotierten Preis der Herzen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Der Publikumspreis „Preis der Herzen“ ging an Janaya und Felix aus Deutschland für ihre gemeinsame Strapaten-Darbietung. Die Auszeichnung ist eine besondere Anerkennung, denn sie spiegelt unmittelbar die Begeisterung des Publikums wider. Die Zuschauerinnen und Zuschauer hatten ihren Favoriten per Stimmkarte gewählt und damit Janaya und Felix die Herzen erobert. Der mit 1.000 Euro dotierte „Preis der Herzen“ würdigt nicht nur die künstlerische Leistung des Duos, sondern auch die besondere emotionale Wirkung seiner Darbietung. Bei ihrer Darbietung an den Strapaten verband das Duo hoch oben unter der Zirkuskuppen Kraft, Vertrauen und präzise aufeinander abgestimmte Bewegungen zu einer faszinierenden perfekt harmonisierenden Partnerartistik mit anspruchsvollen Figuren.

Weitere mit Geld dotierte Preise
Weitere Geldpreise gingen an Inka & Joel aus Finnland für ihre Darbietung am Fangstuhl, für die sie den Preis der Circus-, Varieté- und Artistenfreunde Schweiz erhielten. Bei dieser außergewöhnlichen Partnerartistik sind Kraft, Vertrauen und perfektes Zusammenspiel gefragt. Die beiden Künstler müssen ihre Bewegungen präzise aufeinander abstimmen, um sich in luftiger Höhe in anspruchsvollen Figuren zu präsentieren und dabei die Balance zu halten.

Einrad-Gruppe Sparkle Riders aus Berlin erhielt den Preis der Gesellschaft der Circusfreunde Deutschland e.V. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Einrad-Gruppe „Sparkle Riders“ aus Deutschland wurde mit dem Preis der Gesellschaft der Circusfreunde Deutschland ausgezeichnet. Auf ihren Einrädern kommt es auf Geschicklichkeit, Gleichgewicht und eine sichere Beherrschung des ungewöhnlichen Fortbewegungsmittels an. In einer artistischen Gruppendarbietung verbinden sich technische Präzision, Synchronität und dynamische Bewegungen zu einem eindrucksvollen Zusammenspiel.

Marlene Ziechmann aus Deutschland erhielt den Preis des Neuen Theater Höchst für ihre Darbietung am Cyr Wheel. In dem großen, frei beweglichen Metallreifen verschmelzen Drehungen, Schwung und fließende Bewegungen zu einer faszinierenden Kombination aus Akrobatik und tänzerischer Eleganz. Mit Körpergefühl und perfekter Balance nutzt die Artistin die Dynamik des Rades, um sich scheinbar mühelos durch den Raum zu bewegen.

Der Preis des Verbandes Deutscher Varietétheater ging an Valeria Garmider aus der Republik Moldau für ihre Darbietung auf dem Drahtseil. Auf der schmalen, anspruchsvollen Balancefläche sind höchste Konzentration, ein ausgeprägter Gleichgewichtssinn und absolute Körperkontrolle gefragt. Jeder Schritt, jede Bewegung verlangt Präzision und Sicherheit – gerade diese Mischung aus Spannung, Eleganz und artistischem Können macht den Drahtseilakt zu einem besonderen Erlebnis.

Regisseur, Künstlerischer Leiter und Moderator des Abends Karl-Heinz Helmschrot und die Artisten des European Youth Circus verabschieden sich. Nach dem EYC ist vor dem EYC 2028. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Veranstaltung wurde vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain und vielen weiteren Sponsoren unterstützt. Weitere Informationen zum European Youth Circus gibt es unter www.wiesbaden.de/eyc. Nach dem European-Youth-Circus ist vor dem European-Youth-Circus. Und so verabschiedet sich das EYC-Orga-Team auf Seite 79 der Veranstaltungsbroschüre entsprechend: „WIR FREUEN UNS AUF DEN NÄCHSTEN EUROPEAN YOUTH CIRCUS 2028“

(EYC, Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)