
Darmstadt eröffnet das Böcklin-Jubiläumsjahr 2027 mit der großen Ausstellung »Arnold Böcklin. Fantastische Welten« im Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Anlässlich des 200. Geburtstags des Schweizer Künstlers Arnold Böcklin (1827–1901) widmet sich die Schau vom 05. März bis 13. Juni 2027 einem der bedeutendsten Maler des Symbolismus. Sie bildet den Auftakt einer internationalen Ausstellungsreihe, die anschließend in Berlin, Leipzig und Basel fortgesetzt wird.
Dank der großzügigen Stiftung des Industriellen Freiherrn Maximilian von Heyl und seiner Ehefrau Doris an die Stadt Darmstadt im Jahr 1924 verfügt das Hessische Landesmuseum Darmstadt über zwölf Gemälde Arnold Böcklins als Dauerleihgaben aus der Städtischen Kunstsammlung Darmstadt (heute Institut Mathildenhöhe) – darunter einige seiner Frühlingsbilder sowie die zweite Fassung der »Prometheuslandschaft« (1885). Bereits 1907 hatten die von Heyls dem Museum ein »Selbstbildnis« (1877–1879) sowie 74 seltene Handzeichnungen des Künstlers geschenkt; 67 dieser Blätter haben sich in der Graphischen Sammlung des Landesmuseums erhalten.
Als ausgebildeter Landschaftsmaler an der Düsseldorfer Kunstakademie entdeckt Böcklin schon früh seine Liebe zu Italien. Einem Land, das ihm zur zweiten Heimat wird, ihm das Studium der Alten Meister ermöglicht, ihn in die Welt der antiken Mythologie eintauchen lässt und ihm vielfältige bildkünstlerische Inspirationen für seine fantastischen Bildwelten bietet.
Sukzessive beschreitet Böcklin in seiner Malerei neue, nicht unumstrittene Wege, die weit über die Wiedergabe emotionaler Stimmungen und Seelenzustände hinausweisen und in der Auslotung des Fantastischen auch das Unterbewusste berühren. Vor allem in seinen mythologischen Sujets bricht sich das Fantastische Bahn: Böcklin deutet die Erzählungen antiker Heldinnen und Helden neu und erschafft bizarre Mischwesen, die an Erfindungsreichtum kaum ihresgleichen haben.
Böcklins Epoche ist geprägt von den tiefgreifenden Auswirkungen der Industrialisierung und den damit verbundenen gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen. Vor diesem Hintergrund entwirft seine Kunst eine fantastische Gegenwelt zur Wirklichkeit. Mit ihren vielfältigen Verweisen auf die Vergangenheit steht sie einerseits für den Geschmack des Bürgertums der Gründerzeit. Andererseits entfalten Böcklins Bilder eine emotionale Tiefe, die aus heutiger Sicht überraschende Bezüge zu modernen Auffassungen des Fantastischen erkennen lässt.
Insbesondere die Surrealisten entdecken zu Beginn des 20. Jahrhunderts dieses Potenzial. Erstmals überhaupt sind Werke von Giorgio de Chirico, Max Ernst und Salvador Dalí in Darmstadt zu sehen. Sie veranschaulichen exemplarisch, welche Wendungen die Rezeption von Böcklins Kunst genommen hat. Damit stellt sich zugleich eine Frage von erstaunlicher Aktualität: Gewinnt die Auseinandersetzung mit den in Böcklins Bildern spiegelnden Vorstellungen von Ideal und Wirklichkeit angesichts der Herausforderungen unserer Gegenwart eine neue Bedeutung?
Der herausragende Böcklin-Bestand des Hessischen Landesmuseums Darmstadt bildet den Ausgangspunkt für eine Ausstellung, die durch mehr als 30 hochkarätige Leihgaben aus bedeutenden Museen im In- und Ausland wesentlich erweitert wird. Werke unter anderem aus dem Kunstmuseum Basel, dem Museum der bildenden Künste Leipzig, den Staatlichen Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz, den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, dem Museum Folkwang in Essen und dem Von der Heydt-Museum in Wuppertal treten dabei in einen Dialog mit den Darmstädter Beständen.
In neun Stationen entsteht so eine Ausstellung von hoher ästhetischer Qualität und thematischer Dichte, die Darmstadt als besonderen Ort der Böcklin-Rezeption sichtbar macht. Eine Ausstellung dieser Art war hier seit mehr als fünf Jahrzehnten nicht mehr zu erleben.
Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft Ihrer Exzellenz Livia Leu, Botschafterin der Schweiz in der Bundesrepublik Deutschland.
Hessisches Landesmuseum Darmstadt
