
Kulturminister Sven Teuber eröffnete am 25.8.2026 um 18 Uhr im Landesmuseum Mainz die Präsentation einer römischen Weihgabe aus Trier
Ein außergewöhnliches Räuchergefäß aus der Römerzeit ist ab sofort im „Schaufenster der GDKE“ im Landesmuseum Mainz zu sehen. Das bemerkenswerte Objekt wurde 2020 bei archäologischen Ausgrabungen in der römischen Vorstadtsiedlung auf der linken Moselseite von Trier entdeckt. Nach aufwendiger Restaurierung präsentiert die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) den Fund nun erstmals der Öffentlichkeit.
„Diese außergewöhnliche Weihgabe an den Gott Merkur zeigt, wie wichtig archäologische Untersuchungen im Vorfeld von Baumaßnahmen sind. Sie bewahren Zeugnisse unserer Geschichte, die andernfalls unwiederbringlich verloren wären. Zugleich macht das restaurierte Gefäß sichtbar, welche herausragende Arbeit bei Ausgrabung, Erforschung und Konservierung unseres kulturellen Erbes geleistet wird“, sagt Kulturminister Sven Teuber anlässlich der Eröffnung der Sonderpräsentation.
Die Ausgrabungen der GDKE-Direktion Landesarchäologie Außenstelle Trier waren durch Wohnungsbauvorhaben ausgelöst worden. Dabei kamen umfangreiche Baubefunde eines Wohn- und Gewerbequartiers zum Vorschein, das seit der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. auf der linken Moselseite bestand.
In der Schuttverfüllung eines sogenannten Streifenhauskellers stießen die Trierer Archäologen neben zahlreichen weiteren Funden auf Scherben eines reduzierend gebrannten römischen Glanztongefäßes aus der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. Rund zwei Drittel des Gefäßes sind erhalten. In der Werkstatt des Rheinischen Landesmuseums Trier gelang es, aus den Fragmenten seine ursprüngliche Form zu rekonstruieren.
„Das ‚Schaufenster der GDKE‘ ermöglicht es uns, besondere Funde und die Geschichten dahinter unmittelbar erlebbar zu machen. Bei der Weihgabe an Merkur fasziniert nicht nur das Objekt selbst. Von der archäologischen Bergung bis zur aufwendigen Restaurierung wird deutlich, wie viele unterschiedliche Kompetenzen zusammenwirken müssen, bevor ein solcher Fund der Öffentlichkeit präsentiert werden kann“, erklärt die Direktorin des Landesmuseums Mainz, Dr. Birgit Heide.
Besonders spannend sei zunächst die Gefäßart, erklärt Dr. Joachim Hupe, Leiter der Landesarchäologie, Außenstelle Trier, denn „diese Keramik ist ein Trierer Eigengewächs – wurde aber weit über die Region hinaus gehandelt – bis in den Donauraum.“ Dabei handelte es sich um eine sogenannte Pabortine, „eine schwarze Glanztonkeramik, die so stark poliert ist, dass sie an Metall erinnert.“ Der Fund sei offensichtlich kein Standardprodukt, so der Trierer Landesarchäologe, sondern „ein individuell für eine Weihgabe an Merkur angefertigtes Gefäß aus einem bislang nicht lokalisierten Heiligtum in der näheren Umgebung, das bei einem Trierer Töpfer in Auftrag gegeben wurde.“ Eine Besonderheit sei die mit weißem Tonschlicker aufgetragene Inschrift auf der oberen Hälfte des Gefäßes: [DE]O MERCVRIO SANCT[O] – „Dem heiligen Gott Merkur (geweiht)“. Merkur galt in der römischen Welt unter anderem als Schutzgott der Händler und Reisenden.

Die Fundsituation sei diffus gewesen, da die Scherben verstreut im Schutt des Kellers eines der wohl einst vier ehemaligen römischen Streifenhäuser lagen. So war die Bergung der Kellerverfüllung echte Detektivarbeit, erklärt Hupe. Immerhin konnten rund zwei Drittel des Gefäßes geborgen werden, ausreichend, um seine ursprüngliche Form zu rekonstruieren. Die Restaurierung erforderte besonders viel Fingerspitzengefühl, da die Gefäßwand des 19,7 Zentimeter hohen Gefäßes stellenweise an seiner größten Ausdehnung nur einen Millimeter dick ist“, sagte Hupe. Er und Minister Teuber dankten der Restauratorin Magdalena Machura aus der Werkstatt des Rheinischen Landesmuseums Trier für ihre herausragende Arbeit. Ohne diese könnte die GDKE dieses einzigartige Weihegefäß gar nicht präsentieren.
Auffällig sind die seitlich um die 10,5 Zentimeter große Mittelöffnung angebrachten vier kleinen Öffnungen mit Tüllen, die vermutlich der Sauerstoffzufuhr dienten und so das kontinuierliche Brennen von Räucherwerk ermöglichten. Auffällig ist, dass das Gefäß keinerlei Rußspuren aufweist. Obwohl seine Konstruktion die Verwendung als Räuchergefäß nahelegt, scheint es als solches nie benutzt worden zu sein.
„Das Räuchergefäß erzählt weit mehr als die Geschichte eines einzelnen Fundes. Zusammen mit den übrigen Grabungsergebnissen erweitert es unser Wissen über die römische Vorstadtsiedlung auf der linken Moselseite und über das Leben der Menschen, die dort vor fast 2000 Jahren wohnten und arbeiteten“, betont der Trierer Landesarchäologe.
Mit der Präsentation „Weihgabe an den Gott Merkur“ rückt das Landesmuseum Mainz im „Schaufenster der GDKE“ einen besonderen Fund und zugleich die Arbeit der Landesarchäologie in den Mittelpunkt. Die Landesarchäologie ist eine Direktion der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE).
Infos: Landesmuseum Mainz – GDKE
