Architektenkammer Rheinland-Pfalz fordert schnellere Verfahren und mehr Vertrauen beim Bauen

Kammer-Präsident Joachim Rind begrüßt gut 400 Gäste beim Politischen Sommerfest der Architektenkammer Rheinland-Pfalz im Zentrum Baukultur Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Mainz, 12. August 2026. Beim Politischen Sommerfest der Architektenkammer Rheinland-Pfalz hat Kammerpräsident Joachim Rind für einfachere und schnellere Verfahren beim Planen und Bauen geworben. Zugleich forderte er mehr Vertrauen in die Kompetenz der am Bau Beteiligten und bot dem neuen Minister für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur, Sven Teuber, die Unterstützung der Kammer bei der Vereinfachung von Prüf- und Planungsverfahren an. Gut 400 Gäste aus Politik, Verwaltung, Planung, Wirtschaft, Verbänden und Gesellschaft kamen am Mittwochabend zum traditionellen politischen Austausch der Architektenkammer zusammen.

Neben Kammerpräsident Joachim Rind sprachen die Vizepräsidentin des rheinland-pfälzischen Landtags, Jaqueline Rauschkolb, und der neue Minister für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur, Sven Teuber.

Kammerpräsident Joachim Rind. © Foto: Diether v. Goddenthow

Rind begrüßte, dass die neue Landesregierung die Bereiche Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur in einem Ministerium zusammengeführt hat. Die Bündelung der bislang auf verschiedene Ressorts verteilten Themen in einem neuen Bauressort war eine langjährige Forderung der Architektenschaft. Mit der Hoffnung auf Synergien durch den neuen Zuschnitt verband Rind die Forderung nach deutlich einfacheren und schnelleren Verfahren. Lange Prüf- und Bewilligungsprozesse führten immer wieder zu Verzögerungen und teilweise auch zum Stillstand von Vorhaben. „Wir brauchen Prüfverfahren mit Augenmaß“, forderte Rind.

Mit weniger Vorschriften allein sei es jedoch nicht getan, betonte der Kammerpräsident. Notwendig sei vielmehr ein Kulturwechsel im Umgang mit den am Planen und Bauen Beteiligten. „Vertrauen entgegenbringen und Verantwortung übernehmen wollen sind die Grundlagen für einen neuen Geist“, sagte Rind.

Sven Teuber, Minister für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz © Foto: Diether v. Goddenthow

Bauminister Sven Teuber griff diese Themen in seinem Beitrag auf und betonte die gesellschaftliche Bedeutung des Bauens: „Bauen ist mehr als Technik und Verfahren. Baukultur prägt, wie wir leben, wie wir uns begegnen und wie sich unsere Städte und Dörfer anfühlen.“ Bauen sei vor allem eine Frage von Haltung. Dazu gehöre auch, dass Bauen und Wohnen nicht allein als Finanzprodukt begriffen würden, sondern als gesellschaftliche und soziale Aufgabe, gemeinsam Städte und urbane wie auch ländliche Räume zu gestalten.

Auch bei den Verfahren bestehe zweifelsohne Handlungsbedarf, sagte Teuber. Es brauche schnellere und einfachere Genehmigungs- und Planungsverfahren. Zugleich dürfe eine Beschleunigung nicht zulasten der Qualität gehen. „Aber schneller und effizienter darf nicht heißen, dass wir an Qualität sparen“, so Teuber. „Im Gegenteil: Ich will, dass wir wieder mutiger bauen und auch öfter schöner bauen. Das gelingt nur, wenn wir Verantwortung teilen und der Praxis mehr vertrauen.“

Gerade in Zeiten, in denen der Markt schwächele, brauche es zudem einen Staat, der verlässliche Rahmenbedingungen schaffe und dort unterstütze, wo dies erforderlich sei. „Diesen Weg gehen wir gemeinsam mit den Architektinnen und Architekten im Land“, betonte der Bauminister.

Jaqueline Rauschkolb, Vizepräsidentin des rheinland-pfälzischen Landtags. © Foto: Diether v. Goddenthow

Landtagsvizepräsidentin Jaqueline Rauschkolb verwies in ihrem Grußwort auf zentrale Zukunftsaufgaben für die Baubranche und die Politik. Es gelte vor allem, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, klimafreundlich und ressourcenschonend zu bauen und zu sanieren, die Lebensqualität in Städten und Gemeinden zu erhöhen sowie die Infrastruktur weiter zu modernisieren. Dabei müsse auch der Gebäudebestand verstärkt in den Blick genommen werden. Sanierung, Umbau und Umnutzung gewännen zunehmend an Bedeutung.

Rauschkolb dankte der Architektenkammer für den regelmäßigen Austausch zwischen Politik und Baubranche. Dieser Dialog sei wichtig, um die anstehenden Aufgaben bereits heute gemeinsam und im Interesse der Menschen im Land anzugehen.

Zum Politischen Sommerfest lädt die Architektenkammer Rheinland-Pfalz traditionell am ersten Mittwoch nach den Sommerferien ein. Die Veranstaltung bietet Landespolitik, Kommunen, Verwaltung und den planenden Berufen Gelegenheit, über aktuelle Fragen des Planens und Bauens in Rheinland-Pfalz ins Gespräch zu kommen und gemeinsame Lösungsansätze zu diskutieren.

Architektenkammer Rheinland-Pfalz

Zentrum Baukultur Mainz