Berlin Art Week 2026: Das Festivalprogramm im Überblick

© Foto Wolf-Dieter Grabner – Courtesy Chicks on Speed and EBENSPERGER

Vom 9. bis 13. September 2026 feiert die Berlin Art Week ihr 15. Jubiläum. Gemeinsam mit rund 120 Museen, Privatsammlungen, Projekträumen und Galerien sowie der Positions Berlin Art Fair präsentiert sie ein umfangreiches Programm in der ganzen Stadt. Zentraler Treffpunkt ist in diesem Jahr der Berlin Art Week Garten am Kulturforum mit Neuer Nationalgalerie und Gemäldegalerie.

Das Programm verbindet historische Perspektiven mit Fragen der Gegenwart und Zukunft. Im Mittelpunkt stehen insbesondere der Blick von Berlin nach Osten, geteilte Geschichte, Migration, Beziehungen zu den Nachbarregionen und dekoloniale Perspektiven. Politische Themen – von feministischem Widerstand bis zu ökologischer und geopolitischer Dringlichkeit – spiegeln sich auch in einem umfangreichen Performance-, Sound- und Theaterprogramm mit mehreren Premieren. Mit der Sektion „Featured“ rückt die Berlin Art Week zudem rund 30 von einer Jury ausgewählte Sonderprojekte und Off-Spaces in den Fokus.

Berlin, lokal. global: Neue Blickachsen

Der Gropius Bau widmet sich mit „Kreuzberg: Kunst und Migration seit 1960“ der Geschichte migrantischer Communities im Berliner Kiez, unter anderem mit Arbeiten von Mehmet Aksoy, Nuray Demir und Pınar Öğrenci. Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) und der Schinkel Pavillon eröffnen gemeinsam „Projektionen auf den Osten“; an der Fassade des n.b.k. ist eine eigens für den Ort entwickelte Arbeit der Guerrilla Girls zu sehen.

Am Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart diskutieren die „Hamburger Bahnhof Art Week Talks“ unter dem Titel „Kunsträume Ost“ die Rolle von Museen in den ostdeutschen Bundesländern. Die ifa-Galerie Berlin beleuchtet in Lecture Performances die internationale Rolle der Kunst in der DDR.

Weitere Positionen zum DDR-Erbe und zu translokalen Erfahrungen diasporischer Gemeinschaften zeigen die Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank mit „Vietnam. Kunst. DDR. Reclaiming Solidarity“, der Kvost – Kunstverein Ost mit „Izabella Gustowska: Home’s Shadows“ sowie die nGbK – station urbaner kulturen mit einer Auseinandersetzung mit der „ernsten“ Postmoderne der DDR. Die Akademie der Künste richtet mit „Metaxy: Zwischen Zerstörung und Wiederaufbau“ den Blick auf gesellschaftliche Zwischenmomente, die durch Kriege und Krisen entstehen.

Die Bienal de São Paulo ist mit der Berlin Edition „Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis“ erstmals in Deutschland zu Gast. Die Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt thematisiert Fragen der Verortung und versammelt unter anderem Arbeiten von Forensic Architecture, Cevdet Erek, Leiko Ikemura, Emeka Ogboh und Wolfgang Tillmans. Savvy Contemporary setzt mit „Vilanismo: Architectural Echotones – A Poetics Of The Surrounds“ einen eigenen kuratorischen Akzent und schlägt eine Brücke zwischen Berlin und São Paulo.

Performance, Theater und Sound

Berlin Art Week 2026, Berliner Ensemble x Gemäldegalerie, Ersan Mondtag und Nadim Samman, Alternde Meister. Foto: Kathrin Hammer, © Staatliche Museen zu Berlin

Performance ist zu einem festen Bestandteil der Berlin Art Week geworden. Die Neue Nationalgalerie präsentiert bei der fünften Ausgabe von „Perform!“ Trisha Browns „Walking on the Wall“ von 1971 sowie eine neue Präsentation von Kiani del Valle. Parallel ist dort mit Maurizio Cattelans „Night“ die Ausstellung zum Preis der Nationalgalerie 2026 zu sehen.

Bei den KW Institute for Contemporary Art zeigen Labour (Farahnaz Hatam und Colin Hacklander) die Performance „soft thought“. Im Residency Space von Between Bridges präsentiert caner teker in „b2b / nothing new“ ein Performance-Programm mit Space Afrika, Rayne, Emil Ertl und Martin Hansen. Das Georg Kolbe Museum lädt zum Performance-Festival „everybody“ ein, das die Themen der Ausstellung rund um Körperpolitiken um ein Live-Programm erweitert. Für die „Featured Night“ wird das Hotel Adlon Kempinski mit „Ürdinary Tales of City Madness“ zur Bühne für eine Lesungs- und Performance-Suite von Sunny Pudert.

Auch das Theaterprogramm bietet mehrere Premieren: Das Berliner Ensemble bespielt in Kooperation mit der Gemäldegalerie erstmals deren Räume. Ersan Mondtag und Nadim Samman präsentieren dort „Alternde Meister“. Am HAU Hebbel am Ufer eröffnen Sophia Süßmilch mit „Etwas Schreckliches wird passieren: Die Menschenfresserin“ und Theresa Reiwer mit „Internet Explorer“ neue Arbeiten. Am Gorki wird erstmals eine neue Wand am Platz der Märzrevolution als öffentliche Ausstellungs- und Aufführungsfläche aktiviert – zugleich der Auftakt der neuen Intendanz von Çağla İlk.

Auch klanglich zeigt sich die Berlin Art Week vielseitig. Der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart präsentiert mit „Ryuichi Sakamoto: seeing sound, hearing time“ eine große Retrospektive des japanischen Komponisten. Das Reethaus lädt in der „Featured“-Sektion mit „The Ear is the Eye of the Soul“ zu einer von Hans Ulrich Obrist und Ben Vickers kuratierten Listening Experience mit Soundwalk Collective und Beiträgen unter anderem von Brian Eno, FKA twigs, Patti Smith und Kali Malone.

Im Konzerthaus Berlin verbinden Leyla Yenirce und Solomon Garçon Spoken Word, Field Recordings, Noise, Ambient und Techno zu einem politischen Statement feministischen Widerstands. Beim Berliner Hörspielfestival übernehmen Community-Radios die Frequenzen, unter anderem bei Cashmere Radio. Klang-Performances präsentieren außerdem JJJJJerome Ellis im Haus am Waldsee, Wadada Leo Smith bei MALA (Music Art Life And…) sowie die LAS Art Foundation mit einer Live-Soundarbeit von Tati au Miel und einem Soundwalk von Omsk Social Club.

Im PalaisPopulaire wird Nevin Aladags Skulptur „Public Resonator“ aktiviert. Gleichzeitig zeigt das Haus mit „Moving Clouds“ die Ausstellung von Lucia Tallova, der Deutsche Bank „Artist of the Year“ 2026.

Kunstmarkt

Bei der Gallery Night in Kooperation mit dem Gallery Weekend Berlin öffnen rund 50 Berliner Galerien ihre Türen mit neuen Präsentationen. Zu sehen sind unter anderem Wu Tsang bei Isabella Bortolozzi, Kerstin Brätsch und Katharina Sieverding bei Galerie Thomas Schulte, Jeremy Shaw bei Galerie Neu sowie David Horvitz, Alfredo Jaar und Zhang Peili bei Hua International.

Die Positions Berlin Art Fair bringt mehr als 90 internationale Galerien aus rund 20 Ländern in die Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf Galerien aus der Türkei.

In den Wilhelm Hallen in Reinickendorf präsentieren Berliner Galerien und Institutionen mit „Hallen 07“ eine 9.000 Quadratmeter große Gruppenausstellung, darunter ChertLüdde, Esther Schipper und Robert Grunenberg. Der VBKI-Preis Berliner Galerien zeichnet junge Berliner Galerien aus; nominiert sind in diesem Jahr die galerie burster, Gallery Gudmundsdottir und Super Super Markt.

Private Sammlungen

Im Rahmen der Open Houses öffnen private Sammlungen ihre Türen mit neuen Ausstellungen und besonderen Einblicken. Beteiligt sind unter anderem die Boros Collection, Fluentum, Kienzle Art Foundation, Miettinen Collection, Sammlung Hackelsberger und das Achim Freyer Kunsthaus. Die Julia Stoschek Foundation verabschiedet sich mit einer Closing Week von ihrem Berliner Standort.

Beim Format „Meet the Artist“ geben Künstlerinnen und Künstler im Gespräch mit Sammlerinnen und Sammlern Einblicke in ihre Arbeit, unter anderem in der Sammlung Ivo Wessel im Taut-Haus am Engelbecken. „Discovering Collections!“ von Berlin Art Week und Collection Night ermöglicht angemeldeten Besucherinnen und Besuchern erstmals Einblicke in fünf bisher nicht öffentlich zugängliche Privatsammlungen.

Die haubrok foundation öffnet sich mit „Another Sunday Afternoon for Berlin Art Week“ für einen Tag mit Ausstellungen, Open Studios und Live-Events. „Hardcore. Die Ausstellung zum Buch“ zeigt unter anderem Positionen von Karin Sander und Heimo Zobernig; „HAR I“ mit Seongwon Park ist die erste Abschlussausstellung der Haubrok Artist Residency.

Weitere Highlights

Zu den weiteren Höhepunkten zählen zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen. Die Berlinische Galerie präsentiert mit Jeewi Lee und „Residual Memories“ die Preisträgerin des Gasag Kunstpreises 2026. Im Kindl – Zentrum für zeitgenössische Kunst sind vier Ausstellungen zu sehen: Kira Freije („Between Sunlight“), Mischa Kuball („boiler house“), Thu-Van Tran („Write As Beasts Scream at Night“) und das Künstlerinnenduo Neozoon („together“).

C/O Berlin zeigt eine Einzelausstellung von Carrie Mae Weems („The Heart of the Matter“) sowie „After Nature“ mit Arbeiten von Stelios Kallinikou und Susanne Kriemann im Rahmen des Ulrike Crespo Photography Prize 26. Die Schering Stiftung präsentiert mit „7 Summers“ das Ergebnis eines gemeinsamen künstlerischen Experiments von Diakron und Emil Rønn Andersen.

Das Haus am Lützowplatz widmet sich in „On Landscape. Zwischen Eskapismus und Entspannung“ der Landschaftsmalerei. Die nGbK zeigt mit „In touch – Goldrausch 2026“ Arbeiten der Absolventinnen des gleichnamigen Künstlerinnenprogramms, begleitet von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm.

Der vollständige Programmkalender der Berlin Art Week ist bereits online und wird laufend aktualisiert. Weitere Informationen und wöchentliche Programmhinweise bietet der Berlin Art Week Newsletter.