
Seit Mittwochabend hat auch das Landesmuseum Mainz das „Fußballfieber“ gepackt. So heißt die neue große Sonderausstellung, die sich der Fußballkultur in Rheinland-Pfalz widmet – ein Thema, das auf den ersten Blick ungewöhnlich für ein Museum erscheinen mag, sich beim Rundgang aber schnell als ebenso emotional wie gesellschaftlich relevant erweist.
Nach erfolgreichen Stationen in Koblenz, Kaiserslautern und Speyer ist Mainz die vierte und letzte Station der Wanderausstellung. Für den Abschluss wurde die Schau von Kuratorin Johanna Weiler gemeinsam mit dem 1. FSV Mainz 05 um zahlreiche regionale Perspektiven erweitert. Schon am Eingang empfängt der „Kinder-Schwellkopp“ Kevin die Besucherinnen und Besucher und schlägt augenzwinkernd die Brücke zwischen Fußball- und Fastnachtskultur – zwei Leidenschaften, die in Mainz eng miteinander verwoben sind.

Eröffnet wurde die Ausstellung von dem neuen rheinland-pfälzischen Kulturminister Sven Teuber, der in einer persönlichen und leidenschaftlichen Rede die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs hervorhob. Fußball sei weit mehr als ein Sport, sagte Teuber. Er verbinde Generationen, stifte Identität und bringe Menschen unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund zusammen.
„Fußball ist in Rheinland-Pfalz mehr als ein Sport – er steht für Leidenschaft, Erinnerung und eine lebendige Fankultur“, betonte der Minister. Die rund 2.000 Fußballvereine im Land mit ihren hunderttausenden Mitgliedern und ihrer intensiven Jugendarbeit würden dies täglich beweisen.

Besonders herzlich begrüßte Teuber die früheren deutschen Fußballmeisterinnen Bärbel Petzold und Frau Breuer, die als Pionierinnen des Frauenfußballs gewürdigt wurden. Er erinnerte daran, wie schwer es Frauen noch in den 1970er Jahren gehabt hätten, sich im Fußball durchzusetzen. Umso wichtiger sei es, diese Leistungen sichtbar zu machen. Passend dazu widmet die Mainzer Ausstellung dem Frauenfußball einen erweiterten Bereich. Zu sehen ist unter anderem der Spielerpass von Bärbel Petzold, die 1974 mit der TuS Wörrstadt die erste deutsche Meisterschaft im Frauenfußball gewann – das Finale wurde damals im Mainzer Bruchweg-Stadion ausgetragen.
Auch der Präsident und Vorstandsvorsitzende des 1. FSV Mainz 05, Stefan Hofmann, würdigte die Ausstellung mit großer Begeisterung. Fußball sei nicht nur Sport, sondern ebenso kulturelles und gesellschaftliches Erlebnis. Gerade an der Basis in den Vereinen zeige sich die eigentliche Stärke des Fußballs: bei Kindern auf den Bolzplätzen, bei ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainern sowie bei Eltern und Unterstützern, die Woche für Woche den Vereinsalltag tragen.

Zugleich sprach Hofmann offen über die zunehmende Kommerzialisierung des internationalen Profifußballs. Trotz aller wirtschaftlichen Entwicklungen sei die Begeisterung für den Sport jedoch ungebrochen. Die Ausstellung mache genau diese Vielfalt sichtbar: Fußball als Leidenschaft, als Gemeinschaftserlebnis und als Teil der Alltagskultur.
Tatsächlich gelingt „Fußballfieber“ weit mehr als eine klassische Sportausstellung. Interaktive Stationen laden Besucherinnen und Besucher aller Altersgruppen dazu ein, selbst aktiv zu werden und die Welt des Fußballs spielerisch zu entdecken. Historische Exponate, Fanartikel, Trikots, Pokale, Eintrittskarten und persönliche Erinnerungsstücke erzählen Geschichten von großen Erfolgen, kleinen Vereinsmomenten und emotionalen Erlebnissen.

Dabei spannt die Ausstellung den Bogen von legendären Vereinen wie dem 1. FC Kaiserslautern oder Mainz 05 bis hin zu kleinen Amateurvereinen wie dem FC Ente Bagdad. Immer wieder wird deutlich, dass Fußball in Rheinland-Pfalz tief in der Alltagskultur verwurzelt ist.
Auch Mainz 05 nimmt in der Ausstellung breiten Raum ein. Zu sehen sind unter anderem Fußballschuhe aus der Bundesliga-Aufstiegssaison 2004 sowie Erinnerungsstücke der erfolgreichen Frauenmannschaft, die jüngst den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hat. Dass Mainz 05 heute sowohl mit den Männern als auch mit den Frauen in der Bundesliga vertreten ist und dennoch ein eingetragener Verein geblieben ist, erfüllt Hofmann sichtbar mit Stolz.

Museumsdirektorin Dr. Birgit Heide sieht in der Ausstellung einen wichtigen Brückenschlag zwischen Sport und Kultur: „Mit ,Fußballfieber‘ holen wir ein Thema ins Museum, das viele Menschen emotional begeistert.“ Auch die Generaldirektorin der GDKE, Dr. Heike Otto, betonte, Fußball sei Teil der Alltagskultur und erzähle von Identität, Gemeinschaft und regionaler Verbundenheit.
„Fußballfieber – Fußballgeschichte(n) aus Rheinland-Pfalz“ ist noch bis zum 15. November 2026 im Landesmuseum Mainz zu sehen. Begleitet wird die Ausstellung von Vorträgen, Gesprächen und zahlreichen Mitmachangeboten. Wer die Ausstellung besucht, merkt schnell: Hier geht es nicht nur um Tore und Tabellen, sondern um Erinnerungen, Emotionen und ein Stück gelebter Kulturgeschichte.
(Diether v. Goddenthow /RheinMainKultur.de)
