IHK ist gelebte Demokratie – Demokratiefest der IHK Wiesbaden macht ehrenamtliches Engagement sichtbar

IHK-Hauptgeschäftsführerin Sabine Meder und IHK-Präsident Jörg Brömer eröffnen das Demokratiefest auf der Bühne im Hof der IHK Wiesbaden. © Foto: Diether v. Goddenthow

Um ihre demokratische Grundidee zu feiern, öffnete die IHK Wiesbaden am 20. August 2026 von 16 bis 22 Uhr ihre Türen für eine breite Öffentlichkeit. Die Besucher konnten Einblicke in die Arbeit der IHK gewinnen, das traditionell in der Kammer praktizierte Ehrenamt kennenlernen und in entspannter Sommerfest-Atmosphäre miteinander ins Gespräch kommen und netzwerken.

Wie vielfältig dieses von der Öffentlichkeit zumeist kaum wahrgenommene ehrenamtliche Engagement ist, zeigen die Zahlen: Insgesamt rund 1.427 ehrenamtlich tätige Personen engagieren sich bei der IHK Wiesbaden in verschiedenen Gremien, Ausschüssen und im Prüfungswesen. Dazu gehören 1.200 ehrenamtliche Prüferinnen und Prüfer, 158 Wirtschaftsvertreter in sieben Fachausschüssen, 63 Mitglieder der Vollversammlung sowie sechs Wirtschaftsvertreter im Präsidium.

Das IHK-Demokratiefest zeigte dabei eindrucksvoll, wie wichtig gelebte Demokratie und ehrenamtliches Engagement für die Wirtschaft, aber auch für die Gesellschaft insgesamt sind. Das ehrenamtliche Engagement in den Kammern – neben den Industrie- und Handelskammern auch in den Handwerks- und weiteren Berufskammern – geht auf das Prinzip der wirtschaftlichen Selbstverwaltung zurück. Die Grundidee: Unternehmen und ihre Vertreter organisieren und gestalten ihre gemeinsamen Belange eigenverantwortlich, statt diese allein dem Staat zu überlassen. Das Ehrenamt ist dabei ein wesentlicher Bestandteil dieser Selbstverwaltung und ermöglicht es den Unternehmen, ihre Erfahrungen und Interessen unmittelbar in die Arbeit der Kammern einzubringen.

So stand im Mittelpunkt der Veranstaltung die Frage, wie wirtschaftliche Selbstverwaltung funktioniert und wie Unternehmerinnen und Unternehmer ihren Standort und ihre Region aktiv mitgestalten können. Es ging um’s gekonnte Netzwerken und um Fragen wie: „Was hab‘ ich davon?“ Die Veranstaltung war zugleich an das diesjährige Motto der World Design Capital Frankfurt RheinMain „Design for Democracy, Atmospheres for a Better Life“ angelehnt. Denn genau das sollte das Demokratiefest sichtbar machen und feiern: gelebte Demokratie und ehrenamtliches Engagement.

Die IHK selbst ist dabei eine durch und durch demokratisch organisierte Institution. Ihre Vollversammlung, das „Parlament der Wirtschaft“, wird von den IHK-Mitgliedsunternehmen gewählt und vertritt deren Interessen. Damit bietet die IHK ihren Mitgliedern nicht nur eine Plattform zur Interessenvertretung, sondern auch konkrete Möglichkeiten, sich einzubringen, an Entscheidungsprozessen mitzuwirken und die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts aktiv mitzugestalten.

Impression vom Wiesbadener IHK-Demokratiefest am 20.082026 © Foto: Diether v. Goddenthow

Bei milden Sommertemperaturen konnten die Talks, Themenimpulse zu Unternehmertum, Netzwerken und Ehrenamt sowie die Aktionen auf der großen Bühne im Hof der IHK stattfinden. In einem Begrüßungstalk erläuterte IHK-Präsident Jörg Brömer, Geschäftsführer des Wiesbadener Bauunternehmens Brömer & Sohn GmbH, warum er sich trotz des damit verbundenen Zeitaufwands ehrenamtlich in der IHK engagiert. Er sei, so Brömer, nicht zuletzt durch das Vorbild seiner Eltern quasi in das Ehrenamt hineingewachsen. Darüber hinaus sehe er in seinem Engagement aber auch ganz konkrete Mehrwerte.

So lerne er durch seine Funktion „jede Menge Leute“ kennen und habe zugleich die Möglichkeit, über seine ehrenamtliche Tätigkeit die Ausrichtung der IHK mitzugestalten. Vor allem aber könne er Einfluss darauf nehmen, „wie man sich mit der Politik unterhält, was für die Wirtschaft wichtig ist“. Die IHK biete dabei die Chance, sich „wirklich sehr aktiv einzubringen. Und das ist sehr schön!“

Für Brömer ist das ehrenamtliche Engagement zugleich eng mit der Bedeutung demokratischer Strukturen für die Wirtschaft verbunden. „Denn ohne Demokratie ist Wirtschaften nicht sinnvoll möglich“, betonte der IHK-Präsident. Die Demokratie schaffe mit ihrer Stabilität und Rechtssicherheit einen verlässlichen Rahmen für unternehmerisches Handeln. Auch die Bürokratie, selbst wenn sie „uns bisweilen nerve“, gehöre zu diesem stabilen Rahmen, innerhalb dessen sich Unternehmen bewegen könnten.
Hinzu komme ein weiterer, für Brömer wesentlicher Aspekt: „Wir haben hierzulande die Möglichkeit, in Frieden und in einer stabilen Gesellschaft leben und unsere Kinder aufziehen zu können.“ Das sei viel wert und gebe den Menschen Sicherheit, so der IHK-Präsident.

IHK-Hauptgeschäftsführerin Sabine Meder und IHK-Präsident Jörg Brömer stehen Rede und Antwort. © Foto: Diether v. Goddenthow

IHK-Geschäftsführerin Meder betonte auf die Frage, welchen Beitrag die IHK zur Demokratie leiste, die demokratischen Strukturen der Kammer selbst. „Wir sind gelebte Demokratie“, sagte sie. Die Meinungsbildungsprozesse erfolgten demokratisch, nach dem Prinzip „one company, one vote“: Unabhängig davon, ob es sich um einen großen regionalen Arbeitgeber oder ein gerade gegründetes Ein-Personen-Unternehmen handele, habe jedes Mitgliedsunternehmen eine Stimme. Alle rund 36.000 Mitgliedsunternehmen könnten sich zudem alle fünf Jahre an den Wahlen beteiligen und sich aktiv in die Arbeit der IHK einbringen.

Auf dieser Grundlage werde das „abgewogene Gesamtinteresse“ der Wirtschaft ermittelt. Dazu gehöre es, unterschiedliche Positionen zu diskutieren, Beschlüsse zu fassen und Interessen gegenüber Politik und Öffentlichkeit zu vertreten. Dabei, so Meder, bilde die IHK nicht nur die Mehrheitsmeinung ab: „Wir stellen immer auch relevante Mindermeinungen dar.“ Gerade darin liege für sie ein wesentlicher Ausdruck demokratischer Arbeit.

Sabine Meder sieht die Wirtschaft angesichts von Bürokratie, Fachkräftemangel, hohen Energiepreisen, steigenden Kosten und der Frage nach der internationalen Wettbewerbsfähigkeit vor großen Herausforderungen. „Wir leben in herausfordernden Zeiten“, sagte die IHK-Geschäftsführerin. Gerade deshalb wünsche sie sich, dass die Politik die Stimme der Wirtschaft stärker höre und ihre Anliegen bei politischen Entscheidungen berücksichtige.

Zugleich plädierte Meder für ein neues, ganzheitliches Bild von Unternehmertum. Unternehmertum bedeute weit mehr, als Produkte oder Dienstleistungen zu verkaufen und Geld zu verdienen. Unternehmerinnen und Unternehmer übernähmen persönliche Verantwortung und gingen wirtschaftliche Risiken ein, schafften Arbeitsplätze und zahlten Steuern. Viele engagierten sich darüber hinaus gesellschaftlich und ehrenamtlich – auch in der IHK selbst. Gerade zahlreiche mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer zeigten dies mit ihrem täglichen Einsatz.

Meder wünscht sich deshalb, dass diese unterschiedlichen Facetten unternehmerischer Verantwortung stärker wahrgenommen und anerkannt werden. „Es ist Zeit für ein echtes neues ganzheitliches Unternehmer- und Unternehmerinnenbild in unserem Land“, betonte sie. Die Debatten der vergangenen Monate hätten aus ihrer Sicht gezeigt, dass das bisherige Bild der Wirtschaft dieser gesellschaftlichen Verantwortung nicht ausreichend gerecht werde. Ihr Wunsch: stärker sichtbar zu machen, „dass das Anerkennung verdient“.

IHK-Vizepräsident Theo Baumstark und Vollversammlungsmitglied Laura Busche, das älteste und das jüngste Mitglied der Vollversammlung, eint die Motivation, sich ehrenamtlich in der IHK zu engagieren: Sie wollen selbst anpacken und etwas verbessern, statt lediglich zu meckern. © Foto: Diether v. Goddenthow

Bei „Meet the Presidents“ kamen die Gäste direkt mit dem IHK-Präsidium ins Gespräch. IHK-Vizepräsident Theo Baumstark, Geschäftsführer der Theo Baumstark & Co. GmbH und zugleich ältestes Mitglied der IHK-Vollversammlung, traf dabei im Talk auf das jüngste Mitglied des Gremiums, Laura Busche, Coach und Buchautorin.

Für Baumstark steht hinter seinem ehrenamtlichen Engagement eine klare Überzeugung: „Nicht nur meckern, sondern machen.“ Wer etwas verändern wolle, dürfe nicht lediglich danebenstehen und Kritik üben, sondern müsse sich einbringen und mitgestalten. „Dieses Dabeisein ist wichtig“, betonte Baumstark. Nur wer mitmache, könne gemeinsam darüber entscheiden, „was ist richtig, was ist falsch“.

Auch Laura Busche versteht ihr Engagement in diesem Sinne als Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und neue Perspektiven einzubringen. Sie habe sich gefragt, was sie konkret dazu beitragen könne, dass Dinge besser funktionierten und „eine andere Perspektive noch gehört wird“. Daraus sei für sie die Frage entstanden: „Welchen Beitrag kann ich leisten?“ Ihre Überzeugung: „Wir sind nie zu klein, zu jung und zu weiß nicht was, um mitzureden, um uns einzubringen.“ Deshalb habe sie sich zur Wahl gestellt – mit Erfolg bereits beim ersten Versuch.

Ihr Engagement verbindet Busche zugleich mit ihrer persönlichen Beziehung zu Wiesbaden. Sie sei zwar in der Stadt geboren, habe aber lange nur wenige Anknüpfungspunkte gehabt. Erst durch ihre Tätigkeit habe sie entdeckt, wie vielfältig das Angebot in Wiesbaden und wie groß die Zahl der Anlaufstellen und Möglichkeiten sei. Daraus erwachse für sie eine weitere Motivation: „Es gibt so viele Angebote, so viele Anlaufstellen, wir müssen nur drüber sprechen und sie halt sichtbarer machen.“ Auch darin sieht sie einen konkreten Beitrag, den sie mit ihrem Engagement leisten kann.

IHK-Vizepräsident Julius Wagner. © Foto: Diether v. Goddenthow

IHK-Vizepräsident Julius Wagner, Vorsitzender des Stiftungsrates Kloster Eberbach, sieht in der IHK eine besonders gute Möglichkeit, sich für die Unternehmerinnen und Unternehmer am Standort einzusetzen. Die IHK biete Unternehmen und Gründern eine professionelle, engagierte und erfahrene Struktur, in der sie sich einbringen und ihre Interessen vertreten können. Aus seiner mehrjährigen beruflichen Erfahrung und persönlichen Leidenschaft heraus sei es entscheidend, dass die Wirtschaft, insbesondere auch von der Politik, gehört werde. Die IHK verstehe er daher als eine der bedeutendsten und ernst zu nehmenden politischen Beraterinnen. Auch wenn die politischen „Ohren“ bisweilen taub seien, dürfe man sich davon nicht abbringen lassen, mit guten Argumenten und aus der Kraft des aktiven Unternehmertums heraus ehrenamtlich Einfluss zu nehmen. „Wenn wir das nicht hätten, würde Demokratie nicht funktionieren“, betonte Wagner. Während Fach- und Branchenverbände die Interessen einzelner Wirtschaftszweige verträten, müsse die IHK die unterschiedlichen Interessen der gesamten regionalen Wirtschaft zusammenführen. Gerade diesen Interessenausgleich sieht Wagner als ihre besondere Stärke – auch wenn er kompliziert und manchmal anstrengend sei.

Wagner kennt beide Seiten: Als früherer Hauptamtlicher beim DEHOGA Hessen vertrat er ausschließlich die Interessen von Gastronomie und Hotellerie. „Wenn draufgehauen werden muss, brauchst du die Verbände“, sagte er. Die IHK müsse dagegen die unterschiedlichen Interessen – vom Autohandel über kleine Gewerbebetriebe bis zu Hotellerie und Gastronomie – ausgleichen und zugleich ihre hoheitlichen Aufgaben wahrnehmen. Das mache die IHK-Arbeit weniger pointiert, sei für die politische Wahrnehmung aber entscheidend. Aus seiner Erfahrung führe diese ausgleichende Rolle gerade in politischen Gesprächen zu „großer Ruhe und großer Ernstnahme“.

Impression vom Wiesbadener IHK-Demokratiefest am 20.082026 © Foto: Diether v. Goddenthow

In der „Speakers Corner“ wurde die Frage diskutiert: „IHK – und was hab ich davon?“ Beim Format „IHK der Zukunft“ brachten die Gäste ihre Ideen für die Weiterentwicklung der IHK ein. Außerdem stellte die IHK ihre vielfältigen Services für Unternehmen vor – von der Gründung über die Ausbildung bis zur Unternehmensnachfolge.

Wer wollte, konnte bei Live-Musik sein berufliches Netzwerk erweitern und erfahren, wie die IHK das eigene Unternehmen weiterbringen kann. Das Demokratiefest lief von 16 bis 22 Uhr, ein Vorbeikommen war jederzeit möglich.

(Diether von Goddenthow /RheinMainKultur.de)

Weitere Informationen: IHK-Wiesbaden