
„Dieser Ort ist ein Archiv“ – dieser Satz steht am Anfang der Eröffnungspremiere der Internationalen Maifestspiele „Tristan und Isolde“, am 01. Mai 2026 um 17.00 Uhr im Großen Haus Wiesbaden. Die Inszenierung von Tiago Rodrigues verfolgt den Weg des Tristan-Mythos durch seine jahrhundertealte Geschichte voller Überschreibungen und Mehrdeutigkeiten. Er erzählt die Geschichte eines tragischen Liebespaars, dessen Liebe über das Individuum hinausgeht und Auswirkungen auf die Welt hat. Die Übertitel ersetzt er durch 932 Schrifttafeln mit einem eigenen Text und fügt Wagners Musikdrama so eine neue Ebene hinzu, die sich dem Werk gegenüberstellt, es kommentiert, hinterfragt und vermittelt. Die Tänzer Sofia Dias und Vítor Roriz blättern diese Tafeln auf und nehmen das Publikum mit in ein riesiges Archiv. „Der Stoff ist viel älter als die Oper. Als Wagner sich seiner annahm, interpretierte er ihn aus seiner subjektiven Perspektive. Als Regisseur verändere ich weder Wagners Text noch seine Partitur, aber wir nähern uns ihm ebenfalls aus dem Heute.“ sagt Tiago Rodrigues.
Unter der Leitung von GMD Leo McFall stehen internationale Wagner-Sänger auf der Bühne: Ric Furman (Tristan) startete seine internationale Karriere mit Preisen bei Wagnerwettbewerben nach einem Engagement am Staatstheater Wiesbaden. Carla Filipcic Holm (Isolde) ist eine der gefragtesten Sopranistinnen Argentiniens und erobert derzeit die europäischen Bühnen. Irene Roberts, gefeiert von der Metropolitan Opera bis zu den Bayreuther Festspielen, übernimmt die Partie der Brangäne, Tommi Hakala kommt nach seinem Erfolg in der Titelpartie des „Fliegenden Holländers“ als Kurwenal nach Wiesbaden zurück. Ensemblemitglied Young Doo Park singt König Marke.
Die Eröffnungspremiere wird im Rahmen der „Maifestspiele für alle“ live nach draußen auf den Warmen Damm übertragen. Auch das Thema „Archiv“ wird aus dem Haus herausgetragen, denn rund um die Übertragung kommen Expert*innen verschiedener Themen rund um Wagner und sein Werk als „Lebende Archive“ mit dem Publikum ins Gespräch.
Tiago Rodrigo als Associate Artist bei den Maifestspielen
Der portugiesische Schauspieler, Regisseur und Dramatiker Tiago Rodrigues leitet seit 2022 das renommierte Festival d’Avignon. Die 2023 an der Opéra national de Nancy-Lorraine entstandene Inszenierung von „Tristan und Isolde“ ist seine erste Arbeit für das Musiktheater. In diesem Jahr ist er Associate Artist der Internationalen Maifestspiele.
Bereits am 26. April um 11.30 Uhr ist er zu Gast in der Auftakt-Veranstaltung der Gesprächsreihe
„Die Kunst des Archivs“ im Foyer Großes Haus. Die von Dr. Kai Hinrich Müller und Dramaturgin Hanna Kneißler kuratierte Reihe lädt im Mai an drei weiteren Terminen zum Austausch über das Festival-Motto (17., 27. und 30. Mai).
Lecture „Theater der Transformation“ und Workshop mit Tiago Rodrigues
Zwei weitere Formate bieten am Eröffnungswochenende die Möglichkeit, den Associate Artist und seine vielfältige künstlerische Arbeit kennenzulernen. Am 02. Mai 2026 um 12.00 Uhr gibt Tiago Rodrigues für Regiestudierende und Nachwuchskünstler*innen den exklusiven Workshop
„Theater schreiben“ auf der Probebühne Wartburg. Rodrigues begreift das Theater als einen Ort der Begegnung. Am Abend um 18.30 Uhr stellt er sich daher im Gespräch „Theater der Transformation“ in der Wartburg den Fragen des Publikums und gibt Einblicke in sein künstlerisches Schaffen.
Mit dem Schauspiel „No Yogurt for the dead“ (13. Mai, 19.30 Uhr, Großes Haus) ist während der Maifestspiele eine weitere Inszenierung von ihm zu sehen. Auf berührende und humoristische Weise erschafft er aus den rätselhaften Notizen seines verstorbenen Vaters eine Hommage an das Leben und füllt die Leerstellen mit Erinnerungen und Fado-Liedern.
Hessisches Staatstheater Wiesbaden:
Christian-Zais-Straße 3:
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Telefon: +49 (0)611 132 265
