130. Internationale Maifestspiele Wiesbaden mit Tristan und Isolde eröffnet – Kostenfreie Open-Air-Übertragung lockt Hunderte Schaulustige an den Warmen Damm

Dorothea Hartmann, Gert-Uwe Mende und Beate Heine eröffneten heute auf der Treppe im Theater-Foyer die 130. Internationale Maifestspiele Wiesbaden- © Foto: Diether v. Goddenthow

Heute am 1. Mai 2026 eröffneten das Intendantinnen-Team Dorothea Hartmann und Beate Heine gemeinsam mit Oberbürgermeister Gerd Uwe Mende sowie Michael Stein, dem Vorsitzenden des Förderkreis Internationale Maifestspiele e.V., im Neo-Rokoko-Foyer des Hessisches Staatstheater Wiesbaden die 130. Internationalen Maifestspiele in Wiesbaden mit Richard Wagners Oper Tristan und Isolde.

Überschrieben ist Wagners Werk in dieser Inszenierung mit „Dieser Ort ist ein Archiv“ – ein Leitgedanke, der sich durch das diesjährige Festival zieht. Die Inszenierung lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie kollektive Mythen entstehen und welche Rolle das Theater als jahrtausendealter Erinnerungsraum spielt: Geschichten werden bewahrt, aufgebrochen, neu zusammengesetzt und fortgeschrieben.

Die Internationalen Maifestspiele waren schon immer ein Ort, an dem die großen Werke der Geschichte und neueste Interpretationen unserer Zeit zusammenkommen. Mit 270 Künstlern aus 28 Ländern feiert das Festival vom 01. bis 31. Mai 2026 sein 130-jähriges Bestehen unter dem Motto des Archivs – als Ort des Bewahrens, Erinnerns und Weiterdenkens. © Foto: Diether v. Goddenthow

Das Motiv des Archivs – zwischen Speichern und Auswählen, zwischen Identitätsstiftung und Weiterentwicklung – bildet das zentrale Thema der Festivalausgabe. Zum 130-jährigen Bestehen zeigen die Internationalen Maifestspiele einmal mehr, wie sich Tradition und Gegenwart miteinander verbinden lassen. Große Werke der Theatergeschichte treffen hier auf neue künstlerische Handschriften international bedeutender Künstlerinnen und Künstler. So entsteht ein lebendiges Archiv, das erst durch das Publikum seine Fortsetzung findet.

Festspiele für alle!

Wie bereits im vergangenen Jahr öffneten sich die Maifestspiele unter dem Motto „Maifestspiele für alle“ bewusst für die Stadtgesellschaft. Unter freiem Himmel wurde die Oper live auf eine Großbildleinwand am Warmen Damm übertragen. Hunderte Menschen – bunt gemischt – folgten der Einladung, brachten Decken oder Campingstühle mit und genossen bei sommerlichen 24 Grad im Picknick-Flair das mehrstündige Wagner-Spektakel.

Ergänzend vermittelten Expertinnen und Experten als „wandelnde Archive“ Hintergründe zum Werk. Eine Frage auf einer Archiv-Tafel – „Was ist feministisch an Tristan und Isolde?“ – ließ dabei manche stutzen und blieb zumindest vor Ort unbeantwortet.

Kostenlose Übertragung von Wagners Oper „Tristan und Isolde“ aus dem Theater ins Freie am Warmen Damm. Hunderte kamen und genossen Wagners Musik in Picknicklaune bei Wasser, Wein, Bier und Pommes. © Foto: Diether v. Goddenthow

Auch für Familien mit Kindern wird das Festival gezielt erlebbar gemacht: Am 2. Mai lädt ein großes Familienfest ein, gefolgt ab 20 Uhr von einer musikalischen Prozession mit riesigen Giraffen der „Les Girafes Compagnie“ durch die Wiesbadener Innenstadt. Solche Formate setzen besondere Akzente im öffentlichen Raum, bauen Schwellenängste ab und sprechen gezielt auch Menschen an, die bislang noch nicht oder nur selten den Weg ins Theater gefunden haben.

Das Programm der Maifestspiele 2026 vereint internationale Höhepunkte aus allen Sparten der darstellenden Kunst. Mit dabei sind unter anderem das Burgtheater Wien, die Komische Oper Berlin, das NTGent sowie die kanadische Kompanie People Watching. Zu den prominenten Gästen zählen Plácido Domingo, Jonathan Nott sowie Sängerinnen und Sänger wie Rachel Willis-Sørensen, Victoria Karkacheva, Ric Furman, Carla Filipcic Holm und Irene Roberts. Auch Schauspielgrößen wie Bjarne Mädel und Wolfram Koch sowie die südafrikanische Choreografin Dada Masilo sind vertreten. Ergänzt wird das Programm durch das Malandain Ballet Biarritz sowie innovative Virtual-Reality-Arbeiten der preisgekrönten Gruppe DARUM.

Die Jungen Maifestspiele bieten zudem einen Einblick in die internationale Vielfalt des zeitgenössischen Kinder- und Jugendtheaters. Darüber hinaus laden Workshops, die Gesprächsreihe „Die Kunst des Archivs“ sowie Filmgespräche in der Caligari Filmbühne zum Austausch mit den Künstlerinnen und Künstlern ein.

Mende begrüßte besonders die Festival-Öffnung für die Stadtgesellschaft 

Nach Gerd-Uwe Mendes Grußwort, überreichte Michael Stein, Vorsitzender des Förderkreises Internationale Maifestspiele e.V. den Intendantinnen einen Förderscheck in Höhe von 75 000 Euro. (vl.) Intendantin Dorothea Hartmann, Fördervereinsvorsitzender Michael Stein, Intendantin Beate Heine und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende. © Foto: Diether v. Goddenthow

In seinem Grußwort betonte Oberbürgermeister Gerd Uwe Mende die Bedeutung der Maifestspiele als kulturelles Aushängeschild Wiesbadens. Das Festival bringe jährlich ein internationales Publikum zusammen und stehe für hochkarätiges Theater sowie gelebten kulturellen Austausch. Zugleich hob er die wichtige Rolle der Stadtgesellschaft hervor: Mit offenen Formaten und Veranstaltungen im öffentlichen Raum gelinge es, die Festspiele über das Theater hinaus in die Stadt hineinzutragen.

Mende dankte allen Beteiligten – von den Künstlerinnen und Künstlern bis zu den Mitarbeitenden des Hessisches Staatstheater Wiesbaden – sowie den zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern. Neben der Stadt als Hauptförderin seien insbesondere private Förderer unverzichtbar, um das hohe Niveau des Festivals zu sichern.

In diesem Zusammenhang würdigte er ausdrücklich das Engagement des Förderkreis Internationale Maifestspiele e.V. und seines Vorsitzenden Michael Stein, der eine Spende in Höhe von 75.000 Euro überreichte. Stein betonte, dass es trotz wachsender Herausforderungen gelungen sei, erneut diese Summe einzuwerben. Sein Dank galt den Mitgliedern und Sponsoren des Förderkreises. Mit einem augenzwinkernden Hinweis auf „75.000 Mitgliedsanträge“ warb er zugleich um weitere Unterstützung und unterstrich die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements für die Zukunft der Maifestspiele.

Mit Vorfreude auf vier Wochen voller Theater, Musik und internationaler Begegnungen wurden die 130. Internationalen Maifestspiele schließlich feierlich eröffnet.

(Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)

Internationale Maifestspiele 2026