
„Es reicht nicht, die Zukunft zu erfinden. Wir müssen dafür sorgen, dass sie bei uns stattfindet.“ Mit dieser eindringlichen Botschaft brachte Wolf Matthias Mang, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), die zentrale Herausforderung für den Wirtschaftsstandort Hessen auf den Punkt. Beim 34. Hessischen Unternehmertag im Wiesbadener Kurhaus diskutierten Vertreter aus Wirtschaft und Politik unter dem Motto „DREHKREUZ ZUKUNFT. Was einen starken Standort morgen ausmacht“ darüber, wie Hessen seine Wettbewerbsfähigkeit sichern und die Voraussetzungen für nachhaltigen Wohlstand schaffen kann. Ein Höhepunkt der Veranstaltung am 27. Oktober war die Verleihung des Innovations- und Wachstumspreises „Hessen-Champions 2026“. Ausgezeichnet wurden drei Unternehmen, die beispielhaft für die Innovationskraft, den unternehmerischen Mut und die Zukunftschancen der hessischen Wirtschaft stehen.
Hessen ist ein internationales Drehkreuz für Menschen, Waren, Kapital und Daten. Doch die entscheidende Frage lautet, ob es gelingt, diese hervorragenden Voraussetzungen auch künftig in Investitionen, Wertschöpfung und Arbeitsplätze umzusetzen. Denn die wirtschaftliche Zukunft des Landes hängt wesentlich davon ab, ob Unternehmen hier verlässliche Rahmenbedingungen vorfinden, neue Technologien entwickeln, Innovationen in marktfähige Produkte überführen und ihre Produktionskapazitäten ausbauen können.
VhU-Präsident Wolf Matthias Mang machte deutlich, dass Deutschland zwar über innovative Unternehmen, leistungsfähige Technologien und hoch qualifizierte Köpfe verfüge, diese Stärken allein aber nicht ausreichten, wenn Investitionen und Arbeitsplätze zunehmend ins Ausland abwanderten. „Es hilft uns wenig, wenn die besten Ideen in Deutschland entstehen, die Fabriken und Arbeitsplätze dazu aber im Ausland.“ Unternehmer investierten dort, wo sie eine Zukunft sähen, und nicht an Standorten, an denen sie besonders viele Formulare ausfüllen müssten und mit hohen Kosten konfrontiert seien. Deshalb brauche Deutschland keine weiteren Standortdiagnosen, sondern Reformen, die Wachstum ermöglichten. Schließlich sei Deutschland immer dann stark gewesen, wenn die Zukunft nicht nur diskutiert, sondern auch gestaltet und gebaut worden sei.
Die gegenwärtigen Schwierigkeiten seien daher nicht in erster Linie auf mangelnde Leistungsfähigkeit der Unternehmen, ihre Produkte oder ihre Innovationskraft zurückzuführen. Vielmehr handele es sich um eine strukturelle Krise des Standorts. Mang forderte die Politik in Brüssel, Berlin und Wiesbaden auf, die Rahmenbedingungen für Investitionen grundlegend zu verbessern. Die hessischen Initiativen zum Bürokratieabbau, der Industrie-Trialog und die Baupakete zeigten, dass Veränderungen möglich seien. Nun müssten rasch zahlreiche weitere Schritte folgen, damit aus guten Ideen tatsächlich wirtschaftlicher Erfolg im eigenen Land werde.
Internationale Verbindungen und verlässliche Rahmenbedingungen

Wie eng die Zukunft Hessens mit seiner internationalen Vernetzung verbunden ist, unterstrich Dr. Michael Niggemann, Mitglied des Vorstands der Deutschen Lufthansa AG. Die Lufthansa Group investiere in neue Flugzeuge, moderne Infrastruktur und das Drehkreuz Frankfurt und bekenne sich damit ausdrücklich zu Hessen. „Wer Zukunft gestalten will, muss heute investieren“, betonte Niggemann. Für eine Exportnation wie Deutschland sei die Verbindung zur Welt eine entscheidende Voraussetzung wirtschaftlichen Erfolgs.
Damit Frankfurt auch künftig ein starkes Tor zur Welt bleibe, brauche es aus seiner Sicht niedrigere Standortkosten, faire Wettbewerbsbedingungen und eine Politik, die Investitionen ermögliche. Nur so ließen sich die gute Konnektivität Hessens und die internationale Anbindung der Wirtschaftsregionen in ganz Deutschland langfristig sichern.
Auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein hob die Bedeutung der Unternehmen für Wohlstand, Beschäftigung und gesellschaftliche Stabilität hervor. Die Unternehmer investierten, schafften Arbeitsplätze und übernähmen Verantwortung – gerade auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Damit die hessische Wirtschaft stark und wettbewerbsfähig bleibe, seien verlässliche Rahmenbedingungen unverzichtbar. Weniger Bürokratie, schnellere Verfahren, eine leistungsfähige Infrastruktur sowie mehr Freiräume für Innovation und unternehmerisches Handeln gehörten zu den entscheidenden Voraussetzungen.
Ein starker Wirtschaftsstandort entstehe dort, wo Menschen Ideen entwickelten, Unternehmen mutig vorangingen und die Politik die dafür notwendigen Grundlagen schaffe. An diesem gemeinsamen Ziel wolle die Landesregierung weiterhin zusammen mit der hessischen Wirtschaft arbeiten, erklärte Rhein.
Hessen-Champions 2026: Drei Unternehmen, drei Erfolgsgeschichten

Im Mittelpunkt der Preisverleihung, die gemeinsam mit Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori stattfand, standen Unternehmen, die auf unterschiedliche Weise zeigen, wie sich Innovationskraft, Verantwortung und unternehmerische Weitsicht in konkrete Erfolge umsetzen lassen. Zwei südhessische und ein mittelhessisches Unternehmen wurden in den drei Kategorien „Innovation“, „Arbeitgeber des Jahres“ sowie „Weltmarktführer & Hidden Champion“ zu den „Hessen-Champions 2026“ gekürt.
Der stellvertretende Ministerpräsident und hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori gratulierte den Preisträgern und Finalisten. Die Ausgezeichneten zeigten, welche Stärke in der hessischen Wirtschaft stecke. Hinter ihren Erfolgen stünden mutige unternehmerische Entscheidungen ebenso wie Beschäftigte, die mit ihrem Können Tag für Tag zum Unternehmenserfolg beitrügen. Damit Unternehmen in Hessen investierten und neue Ideen verwirklichen könnten, benötigten sie Planungssicherheit und schnellere Genehmigungen.
Zugleich betonte Mansoori, dass sich die Stärke einer Wirtschaft nicht allein an Umsätzen und Gewinnen messen lasse. Entscheidend sei ebenso, was bei den Beschäftigten ankomme: faire Löhne, sichere Perspektiven und gute Arbeitsbedingungen.
Auch Wolf Matthias Mang würdigte die Gewinner als Beispiele für eine Unternehmenskultur, die Chancen erkenne und aus Ideen konkrete Erfolge mache. Die „Hessen-Champions“ stünden für den festen Willen, Neues zu wagen, Herausforderungen anzupacken und mit Zuversicht voranzugehen. Diese Haltung passe hervorragend zum diesjährigen Motto des Unternehmertags „Drehkreuz Zukunft – Was einen starken Standort morgen ausmacht“. Sein herzlicher Glückwunsch gelte den drei Gewinnern, zugleich dankte er ausdrücklich allen Finalisten.
Dr. Steffen Huth, Geschäftsführer der MBG H Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Hessen mbH, hob insbesondere die Bedeutung kleiner und mittlerer Unternehmen hervor. Wirtschaftliche Stärke sei keine Frage der Unternehmensgröße, sondern hänge von Menschen ab, die Chancen erkannten und nutzten. Gerade der Mittelstand sei das Rückgrat der Wirtschaft: Er schaffe Arbeitsplätze, entwickle neue Ideen, übernehme Verantwortung für die Regionen und treibe den Wandel mit Entschlossenheit voran.
Der Wettbewerb mache sichtbar, wie viel Innovationskraft, unternehmerischer Mut und Zukunftsorientierung in den hessischen Unternehmen steckten. Die MBG H unterstütze kleine und mittlere Unternehmen deshalb seit vielen Jahren gezielt mit Eigenkapitalfinanzierungen. Denn ein starker Mittelstand sei entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts.
Auch Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI), verwies auf die große Innovationskraft und das Zukunftspotenzial der hessischen Unternehmen. Als Wirtschaftsförderer erlebe man immer wieder, wie viel Unternehmergeist im Land vorhanden sei. Zugleich benötigten starke Unternehmen starke Partner. Die regionale Wirtschaftsförderung setze deshalb auf enge Zusammenarbeit, gebündelte Kompetenzen und gemeinsame Netzwerke. Die Erfolge der Preisträger und Finalisten seien Ansporn, diesen Weg mit Überzeugung fortzusetzen.
Die Preisträger im Porträt
Kategorie Innovation: baier & michels GmbH & Co. KG, Ober-Ramstadt

In der Kategorie „Innovation“ überzeugte die baier & michels GmbH & Co. KG aus Ober-Ramstadt. Das Unternehmen, kurz b&m, zählt zu den führenden Herstellern metallischer Präzisionsteile und entwickelt sowie produziert Verbindungsteile, Verschluss- und Dichtsysteme und komplexe Antriebsteile. Dabei kommen sowohl Kaltumformung als auch Zerspanung zum Einsatz.
Mit rund 500 Mitarbeitern an sieben Standorten beliefert baier & michels Kunden weltweit. Zu den wichtigsten Abnehmern gehören Unternehmen aus der Automobilindustrie, dem Maschinenbau sowie der Agrar-, Bau-, Forst- und Medizintechnik. Die Auszeichnung würdigt die Innovationsleistung eines Unternehmens, das mit hoch spezialisierten Präzisionslösungen in unterschiedlichen Industriezweigen vertreten ist und damit die technologische Leistungsfähigkeit des südhessischen Wirtschaftsstandorts unterstreicht.
Kategorie Arbeitgeber des Jahres: GEORG FEHL & SOHN GmbH, Freiensteinau

Als „Arbeitgeber des Jahres“ wurde die GEORG FEHL & SOHN GmbH aus Freiensteinau ausgezeichnet. Die familiengeführte Fehl+Sohn Gruppe ist ein Gebäudetechnik-Spezialist in dritter Generation und beschäftigt 210 Mitarbeiter. Das Unternehmen setzt auf ein Arbeitsumfeld, in dem Zusammenhalt, Wertschätzung und Engagement eine zentrale Rolle spielen.
Zu den Besonderheiten gehört die im Handwerk angebotene Vier-Tage-Woche. Auch bei der Ausbildung setzt das Unternehmen auf langfristige Perspektiven: Eine eigene Ausbildungswerkstatt und die Übernahmegarantie nach bestandener Gesellenprüfung sind wichtige Bestandteile der Ausbildungsstrategie. Darüber hinaus übernimmt die Fehl+Sohn Gruppe Verantwortung für die regionale Wirtschaft. Mit den Betrieben Ettenberger und Nanz führt sie Unternehmen weiter, für die sich keine Nachfolger gefunden haben. Dadurch bleiben Arbeitsplätze und handwerkliche Strukturen in der Region erhalten.
Die Auszeichnung macht deutlich, dass unternehmerischer Erfolg nicht allein von technischen Innovationen oder wirtschaftlichen Kennzahlen abhängt. Auch die Gestaltung attraktiver Arbeitsbedingungen, die Förderung des Nachwuchses und die Sicherung regionaler Beschäftigung tragen wesentlich zur Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens bei.
Kategorie Weltmarktführer & Hidden Champion: PRIMES GmbH, Pfungstadt

In der Kategorie „Weltmarktführer & Hidden Champion“ ging die Auszeichnung an die PRIMES GmbH aus Pfungstadt. Das Unternehmen entwickelt und fertigt hochpräzise Messsysteme zur Analyse von Laserstrahlen und Laserleistung. Seit seiner Gründung im Jahr 1992 steht PRIMES für innovative Lösungen, mit denen sich stabile Prozesse und eine hohe Produktqualität ermöglichen lassen.
Die Systeme kommen in einem technologisch anspruchsvollen Umfeld zum Einsatz, in dem die präzise Analyse von Laserstrahlen eine wichtige Voraussetzung für industrielle Anwendungen und die Forschung ist. PRIMES hat seine Innovationskraft bereits mehrfach unter Beweis gestellt: 2022 erhielt das Unternehmen in Aachen für sein SFM den Innovation Award Laser Technology. 2025 folgte der Hessische Staatspreis für Energie.
Heute zählt PRIMES international zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Laserstrahldiagnostik. Die Auszeichnung als „Hessen-Champion 2026“ unterstreicht damit die Bedeutung hoch spezialisierter Technologieunternehmen, die mit ihrer Expertise auf internationalen Märkten erfolgreich sind.
Gemeinsam für einen starken Wirtschaftsstandort

Der Wettbewerb „Hessen-Champions“ wird vom Hessischen Wirtschaftsministerium, der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Hessen (MBG H) durchgeführt. Die Organisation übernimmt die Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI).
Die drei ausgezeichneten Unternehmen stehen für unterschiedliche Wege zum Erfolg: baier & michels mit metallischer Präzision und technologischer Innovation, GEORG FEHL & SOHN mit einer mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur und der Sicherung regionaler Arbeitsplätze sowie PRIMES mit hoch spezialisierten Messsystemen für internationale Märkte. Gemeinsam zeigen sie, wie vielfältig die hessische Wirtschaft aufgestellt ist und welches Potenzial in ihren Unternehmen steckt.
Der 34. Hessische Unternehmertag machte zugleich deutlich, dass unternehmerische Leistungsfähigkeit allein nicht genügt, um einen Standort dauerhaft wettbewerbsfähig zu halten. Damit Innovationen, Investitionen und Arbeitsplätze in Hessen entstehen und bleiben, braucht es nach Auffassung der Wirtschaftsvertreter und der Landespolitik verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren, leistungsfähige Infrastruktur und faire Wettbewerbsbedingungen.
Die Botschaft des Unternehmertags ist damit klar: Hessen verfügt über innovative Unternehmen, engagierte Beschäftigte und eine starke internationale Vernetzung. Entscheidend wird sein, diese Stärken konsequent zu nutzen und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass aus Ideen auch künftig wirtschaftlicher Erfolg im eigenen Land wird.
(vhu, HMWVW, Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)
