
B2B-Matching-Event im Alten Postlager Mainz bringt innovative Gründer mit etablierten Unternehmen, Investoren und Business Angels zusammen
Wie werden aus guten Geschäftsideen erfolgreiche Unternehmen? Und wie können etablierte mittelständische Betriebe von den innovativen Ansätzen junger Startups profitieren? Um diese Fragen drehte sich am 4. November 2026 das B2B-Matching-Event „Match & Grow in RLP“ im Alten Postlager in Mainz. Die gemeinsame Veranstaltung der Innovationsagentur Rheinland-Pfalz und des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums brachte mehr als 40 Startups aus ganz Deutschland mit etablierten Unternehmen, Investoren und Business Angels zusammen. Im Mittelpunkt standen neue Kontakte, mögliche Kooperationen und die Frage, wie Innovationen schneller ihren Weg in die unternehmerische Praxis finden können.

Dass es dabei nicht um ein unverbindliches Kennenlernen, sondern um handfeste geschäftliche Perspektiven ging, machte Moderator Nils Zeizinger gleich zu Beginn mit einem Augenzwinkern deutlich: „Match & Grow“ sei ausdrücklich keine Speed-Dating- oder Verkupplungsveranstaltung für Singles, sondern ein B2B-Matching-Event. Die teilnehmenden Startups präsentierten innovative Lösungen unter anderem aus den Bereichen Wissensmanagement, Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Prozessoptimierung, Energiemanagement und erneuerbare Energien. Einige Ideen seien bereits ausgereift, andere steckten noch in den Kinderschuhen. Gerade darin liege aber auch der Reiz des Formats: Gründer benötigten nicht nur eine gute Idee und eine funktionierende Technologie, sondern ebenso die richtigen Kontakte, erfahrene Partner und gegebenenfalls Investoren, die an ihr Vorhaben glaubten.
Land setzt auf Vernetzung und Kooperation
In ihrem Grußwort unterstrich Simone Schneider, Staatssekretärin im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium, die Bedeutung solcher Begegnungsplattformen für die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Gründer, Unternehmer, Investoren und Partner verbinde der gemeinsame Wille, etwas zu bewegen, neue Ideen auf den Weg zu bringen, Märkte zu erschließen und die Zukunft der Wirtschaft aktiv mitzugestalten.

„Aus Match soll Grow werden“, brachte sie die Zielsetzung des Treffens auf den Punkt. Aus einem ersten Kennenlernen sollten Kooperationen entstehen, aus guten Ideen erfolgreiche Geschäftsmodelle und aus Kontakten langfristige Partnerschaften. Gerade für den rheinland-pfälzischen Mittelstand, der das Rückgrat der regionalen Wirtschaft bilde, seien neue Impulse, Technologien und Geschäftsmodelle wichtig. Während etablierte Unternehmen über Know-how, Infrastruktur und Kundenzugänge verfügten, brächten Startups frische Ideen, digitale Lösungen und den Mut mit, Dinge anders zu denken. In dieser Verbindung liege ein erhebliches Potenzial: Ein Startup könne eine innovative Technologie entwickeln, ein mittelständisches Unternehmen diese gemeinsam mit dem jungen Partner zur Marktreife bringen und ein Investor anschließend das Wachstum unterstützen.
Die Landesregierung wolle dafür gute Rahmenbedingungen schaffen und die Zusammenarbeit zwischen Startups und etablierten Unternehmen gezielt fördern. Als Beispiele nannte Schneider unter anderem das Projekt „Startups Mittelstand“ und das Accelerator-Programm. Dass auch Startups aus anderen Bundesländern in Mainz vertreten waren, wertete sie als wichtiges Signal. Innovation halte sich schließlich nicht an Landesgrenzen. Rheinland-Pfalz müsse sich als offener Innovationsstandort präsentieren und von der Vernetzung mit anderen Innovationsregionen profitieren.
Erfolgreiche Kooperation braucht mehr als eine gute Technologie

Wie sich solche Partnerschaften in der Praxis entwickeln und welche Voraussetzungen sie benötigen, wurde anschließend im Gespräch „Startup meets Mittelstand“ deutlich. Auf dem Podium diskutierten Sabine Mesletzky, Geschäftsführerin der Innovationsagentur Rheinland-Pfalz, Simone Schneider, Daniel Spang, Senior Innovation Expert beim international tätigen Wormser Familienunternehmen Renolit, Markus Heidt, Gründer von Crateflow, sowie Oliver Sacha, Bereichsleiter Unternehmensservice und Gründungspolitischer Sprecher der IHK Rheinhessen.

Sabine Mesletzky erläuterte, dass die Innovationsagentur gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium eine Plattform schaffen wolle, auf der innovative Startups und etablierte Unternehmen miteinander ins Gespräch kommen. Neben zahlreichen kleineren regionalen Matching-Veranstaltungen im Jahresverlauf sollte „Match & Grow“ einmal jährlich die Möglichkeit bieten, das gesamte Land und darüber hinausreichende Innovationsnetzwerke, auch aus anderen Bundesländern, zusammenzuführen. Ziel sei es nicht allein, einen interessanten Veranstaltungstag zu gestalten, sondern deutlich zu machen, dass es sich lohne, in Rheinland-Pfalz zu investieren, hier Startups zu gründen und Unternehmen weiterzuentwickeln. Die Innovationsagentur verstehe sich dabei als Vermittlerin, die Partnerschaften zwischen Unternehmen, Startups und Forschungseinrichtungen anbahne und Innovationen in die wirtschaftliche Praxis bringe.

Dass erfolgreiche Kooperationen nicht allein von der technischen Qualität einer Lösung abhängen, sondern vor allem auch von den Menschen, die dahinterstehen, verdeutlichte Daniel Spang am Beispiel eines Projekts bei Renolit. Das Unternehmen beschäftige sich derzeit mit flexiblen Photovoltaikfolien und habe dafür weltweit nach geeigneten Startups gesucht. Aus ursprünglich 36 betrachteten Unternehmen seien schließlich drei Partner ausgewählt worden, mit denen die Zusammenarbeit inzwischen seit drei Jahren bestehe. Ausschlaggebend sei dabei nicht ausschließlich gewesen, wer das beste Produkt oder die technisch überzeugendste Lösung anbieten könne. Ebenso wichtig sei die persönliche Chemie gewesen. Schließlich müsse eine Zusammenarbeit über einen längeren Zeitraum funktionieren. Startups arbeiteten häufig in einem ganz anderen Tempo als etablierte Unternehmen. Während junge Gründer möglichst innerhalb weniger Wochen Fortschritte erzielen wollten, benötigten größere Unternehmen mitunter mehrere Monate für interne Abstimmungen und Entscheidungen. Diese unterschiedlichen Arbeitsweisen müssten zusammenpassen.

Auch Markus Heidt von Crateflow, einem Unternehmen, das mithilfe künstlicher Intelligenz Lagerbestände analysiert und daraus konkrete Bestands- und Bestellentscheidungen ableitet, betonte die Bedeutung klarer Verantwortlichkeiten. Entscheidend sei, im jeweiligen Unternehmen einen Ansprechpartner zu finden, der sich tatsächlich für den betreffenden Prozess verantwortlich fühle. Ebenso wichtig seien eindeutig definierte wirtschaftliche Kennzahlen. Es gehe nicht darum, Innovation um ihrer selbst willen einzuführen, sondern einen messbaren Nutzen für das Unternehmen zu erzielen und konkrete betriebswirtschaftliche Verbesserungen zu erreichen.

Oliver Sacha von der IHK Rheinhessen ergänzte die Perspektive des Mittelstands. Vertrauen sei ein wesentlicher Schlüssel für erfolgreiche Kooperationen. Viele Unternehmen müssten zunächst erkennen, welches konkrete Problem durch eine Zusammenarbeit mit einem Startup gelöst werden könne und welcher Mehrwert daraus entstehe. Gerade mittelständische Betriebe seien angesichts zahlreicher Herausforderungen und regulatorischer Anforderungen häufig stark eingebunden. Deshalb müsse man ihre tatsächlichen Bedürfnisse kennen und gezielt Lösungen anbieten. Es gelte, in die Unternehmen hineinzugehen, Probleme aufzuspüren und gemeinsam nach passenden Innovationspartnern zu suchen.
Mut zum ersten Schritt und Vertrauen als Erfolgsfaktoren
Wie kann es gelingen, dass in Rheinland-Pfalz künftig noch mehr Kooperationen zwischen Startups und mittelständischen Unternehmen entstehen? Auf diese Frage waren sich die Gesprächsteilnehmer weitgehend einig: Es braucht konkrete Anlässe, persönliche Begegnungen, Vertrauen und vor allem den Mut, einfach anzufangen.
Nicht immer fehle es an passenden Lösungen oder innovativen Ideen. Vielmehr scheitere es mitunter daran, dass Unternehmen den ersten Schritt nicht wagten und mögliche Risiken scheuten. Dabei gehörten auch Rückschläge zum Innovationsprozess. Man müsse Dinge ausprobieren, Erfahrungen sammeln und auch aus weniger erfolgreichen Projekten lernen. Gerade kleinere Unternehmen, die bislang noch keine Kooperation mit einem Startup eingegangen seien, gelte es, für solche Partnerschaften zu gewinnen.

Simone Schneider appellierte deshalb an alle Beteiligten, die Begegnungen des Tages zu nutzen, miteinander ins Gespräch zu kommen und die geknüpften Kontakte weiterzutragen. Nicht jede vorgestellte Idee müsse unmittelbar zum eigenen Unternehmen passen. Vielleicht erweise sich ein Kontakt an anderer Stelle als wertvoll oder führe über weitere Gespräche zu einem geeigneten Kooperationspartner.
Neben den Gesprächs- und Vernetzungsformaten bot „Match & Grow in RLP“ gezielte Pitch- und Matchmaking-Sessions, eine Keynote von Max Wittrock, Mitgründer des Müsliversands mymuesli, sowie ein Panel zum Austausch über die Zusammenarbeit von Startups und Mittelstand. Den Abschluss bildete die Preisverleihung des „GROW in RLP“-Programms.
Damit setzte das Mainzer Treffen ein deutliches Zeichen für eine stärkere Vernetzung der Innovations- und Wirtschaftsakteure. Denn aus guten Ideen werden erfolgreiche Geschäftsmodelle nicht allein durch technische Innovationen. Es braucht Menschen, die einander vertrauen, ihre unterschiedlichen Kompetenzen zusammenbringen und bereit sind, gemeinsam neue Wege zu gehen.
Format und Ziel von „Match & Grow“
Das Veranstaltungsformat setzt auf die direkte Verbindung von Präsentation und persönlichem Austausch. In zwei Pitch & Match Sessions stellen Startups ihre Technologien
und Geschäftsmodelle vor. Im anschließenden Networking können Unternehmen und Investoren unmittelbar mit den Gründungsteams ins Gespräch kommen und Möglichkeiten einer Zusammenarbeit ausloten. Thematische Schwerpunkte sind unter anderem künstliche Intelligenz, datenbasierte Prozesslösungen und Energiemanagement.
Drei Pitch-Bühnen wurden von den Premiumpartnern Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), Futury und southwestX gestaltet. Auch Startups aus anderen Bundesländern beteiligten sich. Damit öffnet der Summit das rheinland-pfälzische Innovationsökosystem für überregionale Partnerschaften und zusätzliche Wachstumschancen.

Match & GROW bildet zugleich den Auftakt für eine engere Verzahnung der beiden Landesangebote „Startup meets Mittelstand“ und „GROW in RLP“. Das von der Innovationsagentur umgesetzte Projekt „Startup meets Mittelstand“ unterstützt Unternehmen dabei, Kooperationspotenziale mit Startups zu erkennen und geeignete Partner zu finden. Das Accelerator-Programm GROW in RLP begleitet junge Unternehmen in ihrer Wachstumsphase mit Coaching, Mentoring und unternehmerischer Expertise.
Gemeinsames Ziel ist es, den Zugang zu neuen Technologien zu erleichtern, Gründungsunternehmen beim Wachstum zu unterstützen und die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der rheinland-pfälzischen Wirtschaft zu stärken.
(Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)
