
Rheinland-Pfalz erlebt 2026 eine neue Dynamik bei Unternehmensgründungen. Die Zahl der Gewerbeanmeldungen ist im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 9,2 Prozent gestiegen. Besonders erfreulich: Auch die Zahl der Neugründungen legte um 9,6 Prozent zu. Allerdings zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass der Zuwachs vor allem auf Gründungen im Nebenerwerb zurückgeht. Umso wichtiger sind innovative Geschäftsideen, die den Schritt in eine nachhaltige unternehmerische Selbstständigkeit wagen und neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnen.
Dass es davon in Rheinland-Pfalz zahlreiche vielversprechende Beispiele gibt, bewies einmal mehr der Gründungspreis „Pioniergeist 2026“. Fünf Unternehmen wurden am 3. November in Mainz für ihre zukunftsweisenden Konzepte und ihren unternehmerischen Mut ausgezeichnet. Insgesamt 36.500 Euro Preisgeld gingen an junge Unternehmen, die mit neuen Ideen Antworten auf gesellschaftliche, medizinische, ökologische und wirtschaftliche Herausforderungen entwickeln.
Der Gründungspreis wird gemeinsam von der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), den Volksbanken und Raiffeisenbanken in Rheinland-Pfalz, dem Südwestrundfunk und dem rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium vergeben. Die Preisverleihung fand im Foyer der ISB statt.
Wirtschaftsminister Michael Ebling würdigte die Preisträger als beispielhafte Vertreter einer vielfältigen und innovativen Gründungsszene: „Pioniergeist bedeutet, den Mut zu haben, neue Wege zu gehen, aus einer guten Idee ein Unternehmen zu machen und auch dann dranzubleiben, wenn es schwierig wird. Genau diesen Mut, diese Kreativität und diesen Unternehmergeist feiern wir heute.“
Die ausgezeichneten Gründerinnen und Gründer zeigten eindrucksvoll, wie vielfältig und innovativ die Gründungsszene in Rheinland-Pfalz sei. Mit ihren Ideen entwickelten sie neue Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen, schafften wirtschaftliche Perspektiven und gestalteten die Zukunft des Landes aktiv mit. Ebling gratulierte allen Preisträgern und dankte den Partnern des Wettbewerbs dafür, den Ideen eine Bühne zu geben und die Menschen dahinter sichtbar zu machen.
Dr. Ulrich Link erläuterte die Entscheidung der Jury: „Tooth Club denkt Zahnmedizin konsequent von den Menschen her, die bisher nur schwer Zugang zu ihr fanden. Mit der Verbindung aus spezialisierter Praxis und eigenen Präventionsprodukten schafft das Team ein Angebot, das es in dieser Form noch nicht gibt und jenen Pioniergeist verkörpert, den wir mit diesem Preis würdigen.“

Dense Immune: Neue Impfstofftechnologie für besonders gefährdete Menschen
Der zweite Preis, verbunden mit einem Preisgeld von 10.000 Euro, ging an Dense Immune aus Mainz. Die Auszeichnung überreichte Stefan Hackbart, Generalbevollmächtigter der Volksbank Darmstadt Mainz. Das junge Unternehmen arbeitet an einer neuartigen Impfstofftechnologie gegen das Humane Cytomegalovirus (HCMV). Das weit verbreitete Virus verläuft bei gesunden Menschen meist harmlos, kann bei immungeschwächten Personen jedoch schwerwiegende Komplikationen hervorrufen.
Der innovative Ansatz basiert auf virusähnlichen, aber nicht infektiösen Partikeln, die bestimmte Bestandteile des Virus enthalten. Sie sollen das Immunsystem gezielt auf eine Abwehrreaktion vorbereiten. Damit richtet sich die Technologie insbesondere an Organ- und Stammzelltransplantationspatienten, für die eine CMV-Infektion ein erhebliches gesundheitliches Risiko darstellt.
Stefan Hackbart unterstrich die Bedeutung der Unterstützung junger Unternehmen durch die Genossenschaftsbanken: „Unsere Genossenschaftsbanken unterstützen Gründerinnen und Gründer dabei, ihre Ideen in die Tat umzusetzen und daraus Innovationen zu schaffen. Deshalb fördern wir diesen Wettbewerb aus voller Überzeugung. Die Gründer der Dense Immune haben den Schritt aus Forschung und Entwicklung hinein in die unternehmerische Verantwortung gewagt. Sie verbinden wissenschaftliche Neugier mit Beharrlichkeit, unternehmerischen Mut mit Gestaltungswillen und wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlichem Nutzen.“
CAVIGEN: Digitale Zellmodelle für präzisere Forschung
Mit dem dritten Preis und 5.000 Euro wurde die CAVIGEN GmbH aus Rülzheim ausgezeichnet. Das Unternehmen entwickelt eine digitale Plattform, mit der menschliche Zellmodelle unter realitätsnäheren Bedingungen untersucht werden können. Dadurch sollen Forschungsergebnisse aussagekräftiger und die Entwicklung neuer Medikamente in der medizinischen und pharmazeutischen Forschung unterstützt werden. Zugleich eröffnet die Technologie Möglichkeiten, den Einsatz von Tierversuchen zu reduzieren.
E4RTH: Klimaschutz und Kapital zusammenbringen
Der mit 5.000 Euro dotierte Sonderpreis der Business Angels für die beste Gründungsidee ging an E4RTH aus Mainz. Das Unternehmen setzt auf innovative Geschäftsmodelle an der Schnittstelle von Klimaschutz und Finanzierung. Über eine eigens entwickelte Plattform werden Investitionen mit konkreten Umweltprojekten zusammengeführt. Ziel ist es, nachhaltige Vorhaben wirtschaftlich attraktiv zu gestalten und sie für Unternehmen und Investoren transparent und unkompliziert zugänglich zu machen.
Klaus Wächter, Vorsitzender der rheinland-pfälzischen Business Angels, begründete die Auszeichnung: „E4RTH zeigt eindrucksvoll, dass Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg keine Gegensätze sein müssen. Das Team verbindet innovative Ansätze mit einem klaren Geschäftsmodell und macht nachhaltige Lösungen für Unternehmen und Investoren zugänglich. Genau diesen unternehmerischen Pioniergeist wollen wir als Business Angels fördern.“

Mangolade: Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft neu gedacht
Ein weiterer Sonderpreis wurde in der Kategorie Nachhaltigkeit vergeben. Stefan Hackbart, Generalbevollmächtigter der Volksbank Darmstadt Mainz, überreichte stellvertretend für die 31 rheinland-pfälzischen Volksbanken und Raiffeisenbanken das mit 1.500 Euro dotierte Preisgeld an Mangolade aus Trier.
Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung nachhaltiger Lebensmittelzutaten aus Mangokernen spezialisiert. Diese fallen bei der industriellen Verarbeitung von Mangos üblicherweise als Nebenprodukt an. Mangolade nutzt die bislang wenig beachteten Rohstoffe, um ressourcenschonende Alternativen für die Lebensmittelindustrie zu entwickeln und Lebensmittelverluste zu reduzieren. Dabei verbindet das Unternehmen wissenschaftliche Forschung mit den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und schafft neue Perspektiven für die nachhaltige Herstellung von Zutaten und Lebensmitteln.
„Den Volksbanken und Raiffeisenbanken kommt auf dem Weg zur grünen Transformation eine gewichtige Rolle zu. Deshalb ist es uns ein bedeutendes Anliegen, einer Neugründung wie dieser mit einem beispielhaften nachhaltigen Geschäftsmodell durch die Prämierung eine Plattform zu bieten“, begründete Hackbart die Entscheidung.
Unternehmertum und Spitzensport: Was Gründer vom Zehnkampf lernen können
Dass Unternehmertum und Spitzensport durchaus vergleichbare Herausforderungen mit sich bringen, verdeutlichte die Keynote von Frank Busemann. Der ehemalige Zehnkämpfer zog dabei Parallelen zwischen sportlichem Erfolg und dem Aufbau eines Unternehmens. Beide erforderten Leidenschaft, Durchhaltevermögen, eine klare Vision und die Bereitschaft, die eigene Komfortzone zu verlassen.
„Gründen ist ähnlich wie der Zehnkampf. Man muss mit einer großen Leidenschaft in Bereiche vorstoßen wollen, die weit jenseits der Komfortzone liegen. Das funktioniert nur mit einer klaren Vision und ebenso viel Mut und Leidenschaft“, lautete seine Botschaft an die ausgezeichneten Gründer und die Gäste der Preisverleihung.
Weitere Infos: Pioniergeist
