CaricaturaSalon #7 | 60 Jahre Star Trek Trekkie-Cartoons für alle Lebensformen

© Foto: Diether v. Goddenthow

Seit dem Start der Originalserie im Jahr 1966 hat sich das von Gene Roddenberry geschaffene Universum zu einer der einflussreichsten Science-Fiction-Welten entwickelt. Figuren wie Captain James T. Kirk, Spock, Jean-Luc Picard und Data sind längst Teil des popkulturellen Gedächtnisses. Mit Technologien wie Warp-Antrieb, Holodeck, Phaser und Tricorder entwarf die Serie Zukunftsbilder, die Wissenschaftler und Ingenieure inspirierten. Der Kommunikator nahm die Idee des späteren Klapphandys vorweg, während Tablets und sprachgesteuerte Computersysteme an technische Visionen aus dem Star-Trek-Universum erinnern.

(v.li.) Museumsdirektor Martin Sonntag, Kuratorin Irina Kosenko, Künstlerinnen und Buchherausgeberinnen Annika Frank und Ruth Hebler. © Foto: Diether v. Goddenthow

Doch Star Trek war stets mehr als ein technisches Gedankenspiel. Unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs entwickelte Roddenberry eine Zukunftsvision, in der nicht Eroberung und Konkurrenz, sondern die Erforschung des Weltraums und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Lebensformen im Mittelpunkt stehen. Die Serie verhandelte gesellschaftliche, politische, ethische und wissenschaftliche Fragen, griff Themen wie Rassismus, Krieg und Machtpolitik auf und warb für Verständigung, Toleranz und friedliche Konfliktlösungen.

Ihre humanistische Botschaft ist bis heute aktuell: Vielfalt wird als Bereicherung verstanden, das Fremde nicht grundsätzlich als Bedrohung betrachtet. Unterschiedliche Kulturen, Weltanschauungen und Lebensformen sollen einander mit Respekt begegnen, Differenzen aushalten und voneinander lernen. Zugleich spielt Star Trek mit gesellschaftlichen Konventionen und stellt vermeintliche Gewissheiten infrage. Gerade der Blick auf fremde Welten macht sichtbar, wie sehr die eigenen Maßstäbe von kulturellen Prägungen abhängen. Die Utopie einer geeinten Menschheit bedeutet dabei keineswegs Gleichförmigkeit, sondern ein Miteinander, das Verschiedenheit anerkennt.

Diese Gedanken spiegeln sich auch in der Ausstellung wider. Die beiden befreundeten Cartoonistinnen und bekennenden Trekkies Annika Frank und Ruth Hebler hatten die Idee zum Cartoonband Lebe lang und lache! und überzeugten damit den Lappan Verlag. Gemeinsam mit 29 weiteren Cartoonistinnen und Cartoonisten schickten sie eine humorvolle kreative Außenmission auf den Weg. Der Caricatura Salon zeigt eine breite Auswahl aus dem Jubiläumsband: Fans dürfen sich auf bekannte Figuren und jede Menge Insiderwissen freuen. Doch auch Besucher, die dem Star-Trek-Universum bislang fernstehen, sollen auf ihre Kosten kommen. Viele Cartoons beziehen Stellung zu gesellschaftlichen und politischen Debatten und setzen humorvolle Zeichen für Vielfalt, Respekt und demokratische Werte.

Duplikat: Captain-Kirk-Sessel von der Enterprise. Besucher können hier sitzend Selfies schießen © Foto: Diether v. Goddenthow

Ein besonderes Highlight ist der berühmte Captain-Kirk-Sessel von der Enterprise, der zum Probesitzen und zu Erinnerungsfotos einlädt. Zugleich erinnert die Ausstellung daran, dass Star Trek nicht nur technische Fantasien und gesellschaftliche Debatten geprägt, sondern auch die moderne Fankultur entscheidend mitentwickelt hat. Die Serie legte wichtige Grundlagen für die Convention-Kultur und Fan-Fiction und verfügt bis heute über eine besonders aktive Fangemeinde.

Der Caricatura Salon bietet auf der Sammlungsetage des Caricatura Museums Raum für Comic, Illustration, internationale Kunst, Nachwuchspositionen und thematische Ausstellungen. Mit „60 Jahre Star Trek“ wird dieser flexible Ausstellungsbereich zum Treffpunkt für alle Lebensformen – für eingefleischte Trekkies ebenso wie für Neugierige, die sich auf humorvolle Weise mit den gesellschaftlichen Fragen und humanistischen Idealen einer außergewöhnlichen Science-Fiction-Utopie auseinandersetzen möchten.

Denn die bleibende Faszination von Star Trek liegt nicht allein in futuristischen Technologien oder spektakulären Weltraumabenteuern. Sie liegt auch in der Vorstellung, dass eine bessere Zukunft möglich wird, wenn Menschen ihre Vorurteile überwinden, Unterschiede als Chance begreifen und trotz aller Verschiedenheit gemeinsam handeln. Oder, ganz im Sinne der Serie: Lebe lang und lache!

(Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)

Alle Infos: Caricatura Museum für komische Kunst Frankfurt

„Lebe lang und lache. Eine gezeichnete Liebeserklärung an 60 Jahre Star Trek“
Zur Ausstellung ist im Lappan Verlag das von den bekennenden Trekkies Annika Frank und Ruth Hebler herausgegebene wunderbare Buch „Lebe lang und lache. Eine gezeichnete Liebeserklärung an 60 Jahre Star Trek“ erschienen, in dem 31 namhafte deutschsprachige Künstlerinnen und Künstler mit ihren besten Trekkie-Cartoons vertreten sind. Alle Cartoons wurden von Menschen gezeichnet – ohne den Einsatz generativer KI.

Besondere Extras sind ein Vorwort von TV-Moderator Ralph Caspers sowie eine klingonische Übersetzung von Lieven L. Litaer.

Das Buch dient als offizielles Begleitbuch zu den Star-Trek-Ausstellungen in der Caricatura Galerie Kassel und im Caricatura Museum Frankfurt. Es eignet sich auch hervorragend als Geschenk.

Hardcover, 128 farbige Seiten, Lappan Verlag (2026), 16,00 Euro