
Ab morgen, dem 25. September 2026, zeigt der Kunstpalast Düsseldorf (Ehrenhof 4-5) bis zum 10. Januar 2027 die erste umfassende Retrospektive des bedeutenden deutschen Künstlers Jörg Immendorff in seiner langjährigen Wirkungsstadt.
Widerspruch als Motor seines Schaffens
Jörg Immendorff war eine der widersprüchlichsten Figuren der deutschen Nachkriegskunst. Er war Politischer Maler, Maoist, Provokateur, Lebemann, Professor und Selbstdarsteller in einem. Diese Widersprüchlichkeit wurde zum Motor seines Schaffens.
Der Düsseldorfer Künstler machte die deutsche Teilung, das Verhältnis von Kunst und Politik und schließlich auch die eigene Künstlerrolle zu seinen zentralen Themen. Jetzt holt ihn der Düsseldorfer Kunstpalast mit einer großen Überblicksschau zurück ins Blickfeld. Rund 120 Werke aus fünf Jahrzehnten zeichnen seinen Weg von den Anfängen an der Düsseldorfer Kunstakademie bis zu den letzten im Atelier entstandenen Arbeiten nach.
Auf der gestrigen Pressekonferenz wurde die Ausstellung vorgestellt: „Jörg Immendorff gehört zu den prägendsten Künstlerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegszeit. Umso erstaunlicher ist es, dass sein Werk seit seinem Tod nur vereinzelt museal gezeigt und aufgearbeitet worden ist“, sagt Felix Krämer, Direktor des Kunstpalastes. Die Retrospektive eröffne einen längst überfälligen Blick auf einen Künstler in seiner ganzen Vielschichtigkeit – als politischen Denker, Kulturvermittler und selbstbewussten Grenzgänger zwischen Hoch- und Populärkultur.
Die chronologisch aufgebaute Ausstellung vereint Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen sowie Dokumentationen von Immendorffs Aktionen. Archiv- und Fotomaterial, Skizzen, Schriften und Presseausschnitte vermitteln zusätzlich ein lebendiges Bild seines weit gefassten Kunstverständnisses. Die Ausstellung gliedert sich in zehn Sektionen: „Menschwerdung“, „Hört auf zu malen“, „Stützpunkt LIDL“, „Wo stehst Du mit Deiner Kunst, Kollege?“, „Café Deutschland“, „Treffpunkt Immendorff“, „The Rake’s Progress“, „Komm in das Bild“, „Befreiungsschlag“ sowie „Bilder nach den letzten Bildern“.

Im Zentrum steht dabei eine Vorstellung von Kunst als „Menschwerdung“ – als Mittel, mit dem der Mensch sein Erleben und seine soziale Rolle erkundet. In Immendorffs Werken verdichten sich persönliche, politische und gesellschaftliche Symbole, Texte und Themen zu komplexen Bildwelten. Sie kreisen um die Rolle des Einzelnen und um die Funktion der Kunst in der Gesellschaft.
„Jörg Immendorff hat von Anfang an darauf hingearbeitet, Kunst gesellschaftlich wirksam zu machen und ihr politisches Potenzial auszuschöpfen“, sagt Felicity Korn, Sammlungsleiterin für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts im Kunstpalast. Co-Kuratorin Westrey Page beschreibt Immendorff als Künstler, der sich in diesem Bestreben immer wieder neu erfunden habe – durch die konsequente Weiterentwicklung seiner Bildsprache, seine interdisziplinäre Arbeitsweise und die ständige Hinterfragung der eigenen Rolle als Künstler.
Vom Bühnenbildner zum Beuys-Schüler
Jörg Immendorff wurde am 14. Juni 1945 in Bleckede bei Lüneburg geboren. 1963 begann er an der Düsseldorfer Kunstakademie zunächst ein Studium der Bühnenkunst bei Teo Otto. Ein Jahr später wechselte er in die Klasse von Joseph Beuys. Damit geriet er ins Zentrum jener Düsseldorfer Kunstszene, die den traditionellen Kunstbegriff grundlegend verändern wollte.
Der Einfluss von Beuys war entscheidend. Doch Immendorff entwickelte daraus eine ganz eigene Haltung. Während sich viele Künstler der 1960er Jahre von der klassischen Malerei abwandten, blieb er dem Gegenständlichen verbunden. Kunst sollte für ihn nicht allein über sich selbst sprechen, sondern in die Gesellschaft hineinwirken.
1968 gründete er gemeinsam mit Chris Reinecke das Aktionsprojekt „LIDL“. Die Aktionen verbanden Kunst, Politik und gesellschaftliche Intervention. Die „LIDL-Akademie“ verstand sich als Gegenmodell zum etablierten Kunstbetrieb. 1969 folgte eine „LIDL-Arbeitswoche“ an der Düsseldorfer Kunstakademie mit zahlreichen künstlerischen und politischen Aktionen.
Schon hier zeichnet sich ein Muster ab, das Immendorffs gesamtes Leben begleiten sollte: Er wollte Institutionen gleichzeitig bekämpfen und besetzen.
Der Maoist mit dem Pinsel
In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren engagierte sich Immendorff politisch auf der äußersten Linken. Er wurde Mitglied der maoistischen KPD/AO und arbeitete unter anderem grafisch für deren Umfeld. Seine Kunst war bewusst politisch und agitatorisch. Politiker und gesellschaftliche Machtverhältnisse wurden karikiert, politische Symbole Bestandteil seiner Bilder.
Immendorff verstand politische Kunst nicht als dekorative Etikettierung. Er wollte tatsächlich politisch handeln.
Doch zugleich war er keineswegs frei von Selbstironie. Der Künstler selbst wurde bei Immendorff immer wieder zum Gegenstand seiner Kritik. Und hier beginnt einer der großen Widersprüche seines Lebens: Der überzeugte Maoist wollte die bürgerliche Gesellschaft verändern – und entwickelte gleichzeitig eine ausgeprägte Lust an Öffentlichkeit, Ruhm, Luxus und persönlicher Inszenierung.
„Café Deutschland“ – Deutschland als Bühnenstück
Seinen Durchbruch brachte der Zyklus „Café Deutschland“, der zwischen 1977 und 1982 entstand und 19 Gemälde umfasst.
Ausgangspunkt war die Begegnung mit dem in der DDR lebenden Künstler A. R. Penck. Immendorff und Penck entwickelten eine künstlerische Zusammenarbeit, obwohl sie auf unterschiedlichen Seiten der innerdeutschen Grenze lebten. Aus dieser Verbindung entwickelte sich das gemeinsame Nachdenken über Deutschland, Teilung und Ost-West-Konfrontation.
„Café Deutschland“ ist kein klassischer Historienzyklus. Immendorff baut vielmehr eine Bühne auf. Politiker, Künstler, historische Figuren, Symbole und Fantasiegestalten treffen aufeinander. Die Düsseldorfer Diskothek „Revolution“ lieferte ein wichtiges räumliches Vorbild.
Das Café wird zur politischen Arena: Bundesrepublik und DDR, Kapitalismus und Kommunismus, Künstler und Politiker, Geschichte und Gegenwart begegnen sich in einem einzigen, oft chaotischen Bildraum.
Die deutsche Teilung erschien Immendorff dabei als Teil eines größeren Weltkonflikts, Deutschland als eine Art Pufferzone zwischen den Machtblöcken.
Das Entscheidende an „Café Deutschland“ ist die Bühnenhaftigkeit. Immendorff war ursprünglich Bühnenbildner gewesen – und diese Herkunft blieb seiner Malerei eingeschrieben. Seine Bilder sind keine stillen Fenster zur Wirklichkeit, sondern Theaterstücke auf Leinwand.

Vom politischen Künstler zum „Malerfürsten“
In den 1980er Jahren veränderte sich Immendorff. Der politische Künstler wurde zunehmend selbst zur Figur der Öffentlichkeit.
1982 war er auf der documenta 7 vertreten. 1984 übernahm er das Hamburger Lokal „La Paloma“ auf St. Pauli. Lederkleidung, Schmuck, Porsche, Partys und prominente Freunde gehörten nun ebenso zu seinem öffentlichen Bild wie seine Gemälde.
Der einstige Maoist bewegte sich damit mitten in jener bürgerlichen und wirtschaftlich erfolgreichen Welt, die er früher kritisiert hatte. Sein Lebensstil brachte ihm den Ruf eines „Malerfürsten“ ein. Doch Immendorff machte auch diese neue Rolle zum Gegenstand seiner Kunst.
Sein Interesse an Aktionsräumen und Formen der Selbstinszenierung führte ihn in den späten 1980er Jahren zu seinen künstlerischen Wurzeln, dem Theater, zurück. Er entwarf unter anderem Bühnenbild und Kostüme für Richard Strauss’ „Elektra“ in Bremen und für Igor Strawinskys „The Rake’s Progress“ bei den Salzburger Festspielen.
Währenddessen wurden auch seine Bilder zunehmend bühnenhaft. Charaktere der Theaterstücke fanden Eingang in seine Bildwelten, historische Bezüge und die Erfahrung des Theaters wirkten auf seine Malerei zurück.
Der Affe als Alter Ego
Ab 1985 taucht ein neues Leitmotiv in Immendorffs Werk auf: der Affe. Er sollte zu seinem Markenzeichen und zu einem der bekanntesten Alter Egos des Künstlers werden.
Der „Maleraffe“ ist weit mehr als ein exotisches Tiermotiv. Er hält häufig einen Pinsel und steht damit für den Künstler selbst. Zugleich nimmt Immendorff sich und seine Zunft auf die Schippe.
Besonders deutlich wird das in einer der frühen Darstellungen: „Der Malerfeind im Maler ist sein bester Freund“ von 1985. Dort sitzt der Affe dem Künstler im Atelier buchstäblich im Rücken und malt als ironisches Korrektiv mit.
Der Affe ist damit kritischer Begleiter, Spiegelbild und Künstler-Alter-Ego zugleich.
Auch kunsthistorisch besitzt das Motiv eine lange Tradition. Der Affe steht für Nachahmung, für die Nachahmung der Natur und damit für die Frage, was ein Künstler eigentlich tut. Bei Immendorff kommt eine gehörige Portion Selbstironie hinzu: Der gefeierte „Malerfürst“ stellt sich selbst als malenden Affen dar.
Der Künstler wird zur Figur in seinem eigenen Theater.
„Café de Flore“ – die Künstler als neues Welttheater
Ende der 1980er Jahre entstand der Zyklus „Café de Flore“. Immendorffs Blick verschob sich von den politischen Gegenspielern der deutschen Teilung stärker auf die Kunstgeschichte, die europäische Künstlerwelt und die internationale Bohème.
Er stellte sich selbst neben Größen wie Giorgio de Chirico, André Breton, Piero Manzoni, Picabia oder Duchamp. Dabei ging es nicht um kunsthistorische Ehrfurcht. Immendorff setzte sich selbst mitten hinein in die Geschichte der Moderne.
Er erscheint in unterschiedlichen Rollen – als Künstler, Kellner, Gaukler, Frauenfigur, Biene oder Affe. Der Künstler wird zum Schauspieler in seinem eigenen Bild.
Das ist ein wichtiger Schlüssel zu Immendorffs gesamtem Werk: Er malte nicht nur Personen und Ereignisse. Er malte Rollen.
Revolution und Luxus – der große Widerspruch

Kaum eine Spannung prägt Immendorffs Biografie so stark wie der Gegensatz zwischen politischem Anspruch und persönlichem Lebensstil. Der Maoist, der sein kommunistisch-sozialistisches Engagement gekonnt öffentlichkeitswirksam nach kapitalistischen Spielregeln zu nutzen wusste, wurde zum erfolgreichen Künstler. Der Gesellschaftskritiker wurde Teil des Kunst- und Prominentenbetriebs. Der Gegner bürgerlicher Werte genoss Luxus und gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Der politische Maler wurde selbst zu einer Marke.
Wie so manch „revolutionär gebürsteter“ Zeitgenosse merkte auch Immendorff wohl nicht – oder verdrängte es –, dass er im Grunde seines Herzens der Fraktion der Salon-Sozialisten mit ihrem subtilen Streben nach der Realisierung eines bourgeoisen Lebensstils näherstand als seinen Thesen.
Doch diesen Widerspruch machte Immendorff immer wieder selbst zum Thema. Er wusste um die Widersprüche seines Privat- und Künstlerdaseins und stellte auch sich selbst aus.
Gerade deshalb lässt sich sein Werk nicht auf eine einfache politische Botschaft reduzieren. Immendorff wollte nicht außerhalb der Gesellschaft stehen. Er wollte mitten hinein – und geriet genau dort in jene Widersprüche, die er zuvor künstlerisch dargestellt hatte.
„Kunst“, so zitiert der Wandtext Jörg Immendorff zum Ausstellungsstart, „sei nichts Geringeres als ‚Menschwerdung‘. Er verstand darunter die Idee, dass Kunst ein Prozess ist, in dem der Mensch sein Erleben und seine soziale Rolle erkundet. Kunst war für ihn ein Mittel, um die eigenen Widersprüche zu verhandeln.“
„Befreiungsschlag“
1996 konzentrierte sich Immendorffs Leben zunehmend auf Düsseldorf, wo er im selben Jahr zum Professor an der Kunstakademie berufen wurde. Dort lernte er auch seine spätere Ehefrau, die 30 Jahre jüngere bulgarische Künstlerin Oda Jaune, als Studierende in seiner Klasse kennen.
Wenig später erhielt er die Diagnose ALS, einer mit Muskelschwund und fortschreitender Lähmung einhergehenden Nervenkrankheit, die zunehmend die Kontrolle über seinen Körper einschränkte. Als seine Malhand immer häufiger den Dienst versagte, wechselte Immendorff zur anderen Hand. In den 2000er Jahren musste er seine Bildsprache notgedrungen vereinfachen.
Das bedeutete einen Bruch mit den komplex aufgebauten „Wimmelbildern“ der bisherigen Schaffensphasen. Die früher übervollen, kräftig farbigen Bildräume wurden reduzierter. Fragilere Linien, leerere Räume und Pastelltöne traten stärker hervor. Themen wie Tod und Vergänglichkeit rückten in den Mittelpunkt. Kunsthistorische Zitate, Vanitas-Symbole, Skelette und Spiegel wurden zu Zeichen der Endlichkeit. So konnte der Künstler aus der ALS-bedingten Tragik auch positive Aspekte gewinnen und diese Veränderung als befreiend empfinden, weil er sich dadurch stärker auf malerische Gesten sowie auf das Verhältnis zwischen Farbe und Form konzentrieren konnte.
„Bilder nach den letzten Bildern“
Jörg Immendorffs Kunst veränderte sich mit dem Fortschreiten seiner Krankheit weiter. Ab 2004 konnte er keine Gemälde oder Skulpturen mehr eigenhändig ausführen. Die körperliche Einschränkung wurde für ihn zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Neuerfindung.
Fortan entwickelte er seine Werke mithilfe von Vorlagen, Kopien sowie Schablonen und leitete ein Team von Assistenten bei der Umsetzung an. Die collageähnlichen Gemälde dieser Phase zitieren sowohl kunsthistorische Vorbilder als auch den eigenen Werdegang. Sie bieten gleichsam eine Zusammenfassung seiner künstlerischen Arbeit und machen existenzielle Themen wie Vergänglichkeit und Transzendenz anschaulich.
Immendorffs Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends, ohne dass dies seine öffentliche Präsenz oder die ihm entgegengebrachte Aufmerksamkeit gemindert hätte. Als enger Vertrauter übernahm er die Rolle eines Kulturbotschafters an der Seite des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder und wurde mit dessen offiziellem Porträt für die Kanzlergalerie beauftragt.
Die späten Werke wirken wie eine künstlerische Bestandsaufnahme seines Lebens. Zentrale Motive seines Œuvres verdichten sich noch einmal, nun verbunden mit existenziellen Fragen nach Vergänglichkeit und Transzendenz.
Immendorff arbeitete mit ungebrochener Entschlossenheit weiter, bis er am 28. Mai 2007 an den Folgen seiner ALS-Erkrankung starb.
Immendorff heute

„Siegen heißt für mich, ein gutes Bild zu malen“, sagte Jörg Immendorff im Jahr 2000 in einem Interview mit dem Kunsthistoriker Michael Stoeber, „und wenn das gelingt, siegt man immer, nicht zuletzt über sich selbst.“
In diesem Satz steckt viel von dem, was seinen künstlerischen Weg ausmacht: die Konkurrenz mit anderen, aber vor allem die Auseinandersetzung mit sich selbst. Die konsequente kritische Selbstbefragung prägte sein gesamtes Werk. Sie eröffnet Besuchern nicht nur intime Einblicke in Immendorffs Person und in die Zeit, in der er lebte, sondern zeigt auch die produktive Kraft einer Haltung, die das eigene Denken und Handeln ebenso hinterfragt wie die bestehenden gesellschaftlichen und politischen Strukturen.
Fast zwei Jahrzehnte nach Immendorffs Tod ruft die Retrospektive im Kunstpalast einen ebenso bekannten wie oft missverstandenen Künstler ins Bewusstsein zurück, dessen kunsthistorischer Einfluss weit über das Rheinland hinausreichte. Die Ausstellung eröffnet einer neuen Generation den Zugang zum Werk des Düsseldorfer Künstlers und bietet Anlass, dessen aktuelle Relevanz neu zu bewerten.
Was zeichnete Immendorffs Werk aus?
Immendorffs Werk lässt sich kaum auf einen einzigen Stil reduzieren. Gerade seine Wandlungsfähigkeit ist charakteristisch.
Da ist zunächst die politische Malerei: die Bundesrepublik, die deutsche Teilung, die Machtverhältnisse des Kalten Krieges und die gesellschaftliche Rolle des Künstlers.
Da ist die Bühnenhaftigkeit: Figuren treten auf, spielen Rollen, begegnen einander und verkörpern politische oder kulturelle Kräfte. Die Herkunft aus der Bühnenkunst ist dabei unübersehbar.
Da ist die Überfülle seiner großen Bilder: Symbole, Zitate, historische Persönlichkeiten und politische Zeichen drängen sich in komplexen Bildräumen. Der Betrachter muss sich seinen Weg durch das Bild regelrecht erarbeiten.
Und da ist die Selbstinszenierung. Immendorff taucht immer wieder selbst als Figur auf. Er malte sich nicht nur als Beobachter, sondern als Beteiligten – und machte damit den Künstler selbst zum Bestandteil der Geschichte.
Hinzu kommt die Selbstironie, verkörpert vor allem durch den Affen. Der Malerfürst stellt sich selbst infrage und macht sich zum Gegenstand seiner eigenen Beobachtung.

„Siegen heißt für mich, ein gutes Bild zu malen“
„Siegen heißt für mich, ein gutes Bild zu malen“, sagte Jörg Immendorff im Jahr 2000 im Gespräch mit dem Kunsthistoriker Michael Stoeber, „und wenn das gelingt, siegt man immer, nicht zuletzt über sich selbst.“
In diesem Satz steckt viel von dem, was seinen künstlerischen Weg ausmacht: die Konkurrenz mit anderen, aber vor allem die Auseinandersetzung mit sich selbst.
Immendorffs konsequente Selbstbefragung zieht sich durch sein gesamtes Werk. Er hinterfragte nicht nur gesellschaftliche und politische Strukturen, sondern ebenso die eigene Position darin.
Vielleicht erklärt gerade das die Widersprüchlichkeit dieses Künstlers. Immendorff war Revolutionär und Professor, Maoist und erfolgreicher Teil des Kunstbetriebs, Gesellschaftskritiker und Prominenter, politischer Maler und Selbstdarsteller. Er bekämpfte Institutionen und wurde selbst Teil ihrer Hierarchien. Er kritisierte die bürgerliche Welt und genoss zugleich ihre Möglichkeiten. Er wollte den Künstler gesellschaftlich wirksam machen und wurde selbst zu einer öffentlichen Figur. Immendorff wollte nicht nur Bilder malen. Er wollte mit ihnen handeln, provozieren, eingreifen und sich selbst darin immer wieder neu befragen.
(Dokumentation: Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)
Alle weiteren Informationen „Kunstpalast Düsseldorf“
Katalog zur Ausstellung
Jörg Immendorff
Herausgeber: Felicity Korn, Westrey Page und Stefanie Patruno
Verlag: Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2026, 192 Seiten mit 179 Abbildungen, davon 136 farbig
Format: 28,5 × 23,5 cm. Hardcover, ISBN: 978-3-7533-1001-5, 34 Euro im Buchhandel; im Museumsshop des Kunstpalastes 29,80 Euro.
