Philippe Sands © Philippe Sands Friedenspreis d Deutschen Buchhandels 2026

Der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels hat den französisch-britischen Juristen und Autor Philippe Sands zum diesjährigen Träger des Friedenspreises gewählt. In der Begründung des Stiftungsrats, dessen Vorsitzender der Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz ist, heißt es:

„Als eine der wichtigsten intellektuellen Stimmen unserer Zeit setzt sich der französisch-britische Jurist und Schriftsteller für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche Verteidigung des Völkerrechts ein. Der Nachkomme von Holocaustüberlebenden zeigt entlang der eigenen Familiengeschichte, wie dieses Recht entstanden ist und welche Erfahrungen hinter den Tatbeständen ‚Genozid‘ und ‚Verbrechen gegen die Menschlichkeit‘ stehen.
In seinem literarischen Werk, das mit erzählerischer Brillanz ebenso überzeugt wie mit historischer Tiefe, blickt Philippe Sands sowohl auf die Motive der Täter als auch auf das Leid und die Leben der Opfer. Durch seine abgewogene und immer empathische Darstellung erhalten sie eine Stimme und erfahren Respekt. Die universellen Rechte jedes einzelnen Menschen stehen im Mittelpunkt seiner juristischen Tätigkeit, in der er die Opfer von Kriegsverbrechen und Rassismus, Folter und kolonialem Unrecht verteidigt. Das Bestreben, Ökozid als Straftatbestand beim Internationalen Gerichtshof zu verankern, um die Zerstörung von Ökosystemen unter Strafe stellen zu können, geht ebenfalls auf seine Initiative zurück.
Philippe Sands ist weit mehr als ein Chronist völkerrechtlicher Missstände und Verbrechen: Er ist engagierter Autor und Humanist, der trotz wachsender Widerstände unermüdlich für Menschenrechte eintritt und um Gerechtigkeit und Verständigung ringt.“

Philippe Sands, geboren am 17. Oktober 1960 in London, ist Professor für Internationales Recht am University College London sowie Gastprofessor an der Harvard Law School. Er arbeitet am Internationalen Gerichtshof in Den Haag und wirkte als einer der gegenwärtig wichtigsten Menschenrechtsanwälte an bedeutenden Verfahren des internationalen Rechts mit.

Schon früh befasste sich Sands als Jurist mit dem internationalen Recht. Als Anwalt und Professor setzt er sich für humanitäre Ziele und die Stärkung internationaler Rechtsnormen ein. In mittlerweile mehr als zwei Dutzend Fällen ist Sands als Jurist vor dem Internationalen Gerichtshof aufgetreten, unter anderem für die Solomon Islands zur Bedrohung und zum Einsatz von Nuklearwaffen, für Georgien im Rechtsstreit mit Russland bezüglich des Südossetien-Konflikts, für Palästina im Verfahren zur Rechtmäßigkeit der israelischen Besetzung sowie aktuell für Gambia im Verfahren gegen Myanmar wegen der Völkermordtaten des Militärs an der muslimischen Minderheit der Rohingya.

Als Direktor des Centre for International Courts and Tribunals am University College London nimmt Sands eine zentrale Rolle in der Forschung und Lehre zum internationalen Gerichtswesen ein. Anfang der 2020er Jahre entwickelte er, ausgelöst durch immer häufiger auftretende ökologische Katastrophen im Kontext der globalen Erderwärmung, gemeinsam mit anderen Juristen den Tatbestand des Ökozids. Seitdem setzt er sich vehement für dessen Aufnahme als Verbrechen beim Internationalen Strafgerichtshof ein.

Neben der Veröffentlichung juristischer Fachbücher und Aufsätze ist Philippe Sands seit 2016 auch als literarischer Sachbuchautor tätig. Dabei bewegt er sich bewusst jenseits der üblichen Grenzen zwischen Sachbuch, literarischer Erzählung und Reportage.

In seinen ersten beiden Veröffentlichungen schreibt Sands gegen das Vergessen an und verbindet persönliche Lebensgeschichten mit den großen Fragen des Völkerrechts. „Rückkehr nach Lemberg“ (dt. 2018) erzählt von der Verfolgung und Ermordung jüdischer Menschen in Lemberg während der deutschen Besatzung und schildert zugleich die Lebenswege zweier jüdischer Juristen, die für das internationale Recht entscheidend werden. „Die Rattenlinie“ (2020) ist eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des SS-Offiziers Otto Wächter.

Zwei Strafverfahren, an denen er am Internationalen Gerichtshof beteiligt war, bilden die Grundlage für seine folgenden Veröffentlichungen. In „Die letzte Kolonie“ (dt. 2023) geht es um den Fall des Chagos-Archipels, dessen Bewohner zwischen 1968 und 1973 gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen, damit dort ein US-Militärstützpunkt entstehen konnte. „Die Verschwundenen von Londres 38“ (2025) thematisiert das Verfahren gegen Augusto Pinochet. Darin geht es auch um die historisch bedeutsame Frage, ob ein ehemaliger Staatschef sich auf Immunität berufen kann, wenn ihm Folter und andere schwere Menschenrechtsverbrechen vorgeworfen werden.

Für seine Bücher erhielt Philippe Sands zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Baillie Gifford Prize (2016), den Wingate Literary Prize (2017), den British Book Award (2017), den Prix Montaigne (2018), den Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln (2023) sowie den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis (2025). Philippe Sands lebt mit seiner Frau und drei Kindern in London.

Dem Stiftungsrat gehören aktuell Klaus Brinkbäumer, Dr. Peter Frey, Hadija Haruna-Oelker, Sebastian Guggolz, Jo Lendle, Jagoda Marinić, Prof. Dr. Ethel Matala de Mazza, Christiane Schulz-Rother sowie Prof. Dr. Mirjam Zadoff an.

Die Verleihung des Friedenspreises findet am Sonntag, 11. Oktober 2026, in der Frankfurter Paulskirche statt und wird um 10:45 Uhr live in der ARD übertragen. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.

Weitere Informationen sind abrufbar unter www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de.