Dass ein Hammer mehr als bloßes Schlag- und Klopfwerkzeug sein kann, nämlich auch Symbol für menschliche Schöpfungskraft und Forscherdrang ist, zeigt auf äußerst kreative Weise der 19. Hochschulkalender „Der Hammer 2018“, der jetzt in der SV-AtriumGalerie der Sparkassen-Versicherung Wiesbaden, Bahnhofstraße 69, mit einer Begleitausstellung präsentiert wurde. Die Ausstellung kann noch bis Freitag, 1. Dezember 2017, besichtigt werden.
Geschaffen wurde dieses einzigartige hammerstarke Kalenderwerk von ehemaligen Studierenden und einem Inhouse-Team der Hochschule Rhein-Main unter Leitung der Professoren Gregor Krisztian und Rüdiger Pichler und des Fotografenmeisters Stanislaw Chomicki. Zurück geht die Idee, den Hammer als Gestaltungselement aufzugreifen, auf Rüdiger Pichler und seine mehrere hundert Exponate umfassende Hammer-Sammlung.
Zur Ausstellungseröffnung am 24. November führte Dr. Stefan Korbach, Mitglied des Vorstands SV Sparkassenversicherung, die gut 150 begeisterten Gäste ein wenig in die„verschiedensten Hammerarten und Verwendungsbereiche ein, die uns die Vielseitigkeit dieses Werkzeuges vor Augen führen“. Zum einen, so Dr. Korbach, gäbe es die bekannteren Hämmer für die Gewerke wie Steinhammer, Schlosserhammer, Fliesenlegerhammer, Spalthammer, Maurerhammer, Schieferhammer oder Schreinerhammer, zum anderen, so das SV-Vorstandsmitglied weiter, „die Unbekannteren aus der Medizin-Technik wie den Reflexhammer oder Ferrozellhammer“. Es gäbe aber auch „Uhrmacherhämmer, Nummerier- oder Buchstabenschlägel und Hämmer, die eine symbolisch-zeremonielle Verwendung haben wie der Richterhammer, der Auktionshammer, der Grundsteinhammer oder der Logenhammer. Es gibt sogar zum Öffnen von Orangenkisten einen speziellen sogenannten Apfelsinenkistenhammer“, so Dr. Korbach.
Abgebildet im Kalender seien auch „Fantasiehämmer, die aus Gummibären, Stoff, Reiszwecken oder Draht bestehen und während einer Semesterarbeit entstanden sind“, und „trotz seiner etwas groben Anmutung“ könne man „in der deutschen Sprache sehr sensibel mit dem Hammer operieren. Es mache durchaus einen Unterschied, ob man selbst wisse, „wo der Hammer hängt“ oder, ob dies uns jemand zeigen wolle. Selbst der Unterschied zwischen Haben und Sein würde deutlich, wenn wir den Hammer mit „Du hast einen Hammer“ und „Du bist der Hammer“ sprachlich in die Hand nähmen, so Dr. Korbach, was bereits Goethe, „an den man auch bei diesem Thema nicht vorbei käme“, in seinen Lebens-Maximen bekanntermaßen niederschrieb:
(…)
Du musst steigen oder sinken,
Du musst herrschen und gewinnen,
Oder dienen und verlieren,
Leiden oder triumphieren,
Amboss oder HAMMER sein!“
Prof. Dr. Detlev Reymann, Präsident der Hochschule RheinMain, betonte, dass der Hochschul-Kalender mit dem inszenierten Thema Hammer als Symbol für menschliche Schöpfungskraft und Forscherdrang auch Botschafter für angewandte Forschung und kreativen Genius sei – ein Thema, das auf spannende Weise das Selbstverständnis einer Hochschule vertrete, die wissenschaftliche Lehre mit hohem praktischen Anteil vermittelte. Das archaische Werkzeug Hammer böte, so Reymann, Freiraum für fantasievolles Spiel und eröffne Perspektiven jenseits der reinen Funktion.
Als man sich in der Hochschule Rhein-Main Gedanken über ein Thema für den neuen Hochschulkalender gemacht habe, kam ihm die Idee mit dem „Hammer“, erläutert Professor Pichler vom Studiengang Kommunikationsdesign. Seit 20 Jahre sammelt Prof. Pichler Hammer, mittlerweile über 500 Exponate. Seine Idee sei aufgegriffen worden. Man habe zum Entwurf einzelner Motive, der einzelnen Kalenderblätter, diesmal ehemalige Studierende sowie ein Inhouse-Team eingeladen. Herausgekommen sei im Ergebnis ein überraschender Wechsel in der Bildsprache, so dass jeder Monat zum Aha-Erlebnis wurde. Der Hammer-Kalender ist ein Ganzjahres-Botschafter der Hochschule Rhein-Main und ein Kreativprodukt des Studiengangs Kommunikationsdesign.
Einmal im Schnelldurchgang erläuterte Professor Gregor Krisztian die einzelnen Kalenderblätter: Der Urhammer, ein steinzeitlicher Hammer aus der Pichler-Sammlung, wurde auf dem Januarblatt abgedruckt. Dabei erfahren wir, dass das altgermanische Wort Hammer, ursprünglich „Stein“, dann „Werkzeug aus Stein“ beziehungsweise „Steinhammer“ bedeutete. Im Februar-Kalenderblatt wird „Die Holz-Hammer-Methode“ mit einem „schlagkräftigen Gesellen“ thematisiert, der beispielsweise „in der Forstwirtschaft zum Markieren von Baumstämmen eingesetzt“ wird. Wir erfahren hier, so Prof. Krisztian, „dass seine formalästhetische Anmut als konstruktivistisch-angewandte Hammer-Skulptur und wahre Hand-Werk-Zeug-Kunst nicht nur Hammer-Freunde-Herzen höher schlagen lässt. Besonders spannend ist das vierte Monatsblatt des Hammerkalenders 2018 mit dreißig aufgedruckten fantasievollen Hammer-Postkarten, die die Kunst- und Handerwerker-Welt so noch nicht gesehen hat. Diese abgebildeten Nonsens-Hämmer kann man auch als Postkarten erhalten. Sie laden dazu ein, mindestens ebenso verrückte Botschaften an humorvolle Menschen zu schicken. Aber auch alle weiteren Kalenderblätter, die Prof. Krisztian vorstellte und jeder in der SV-AtriumGalerie besichtigen kann, sind so einzigartig, ein Ausstellungsbesuch oder der Kauf dieses Kalenders lohnt.
Als Vernissagen-Gag, ein Kalender-Exemplar zu verlosen, wurden die Gäste zum „analogen Bloggen“ eingeladen: Sie konnten mit Papierfähnchen für ihren Namenseintrag versehene lange Stahlnägel in einen großen Holzblock hämmern. Von diesem „Blocken“ wurde reger Gebrauch gemacht. Glücksfee spielte Emeritus Professor Volker Liesfeld: In Blinder-Kuh-Manier zog er mit verbundenen Augen den entsprechenden Gewinner-Nagel aus dem Block heraus.
Seit 20 Jahren erscheinen jährlich die Kalender der Hochschule RheinMain in Wiesbaden, zum zweiten Mal wurde der Kalender in der SV Atrium Galerie der Sparkassen-Versicherung präsentiert. Zurück geht die Idee auf Professor Volker Liesfeld, der viele Jahre in der Hochschule Rhein-Main lehrte und an diesem Abend mit einer verknoteten und vergoldeten überdimensionierten Stahlnadel dafür geehrt wurde. 1991 hatte Professor Liesfeld den Anstoß zur Schaffung eines jährlichen erscheinenden Hochschulkalenders gegeben, der, so Professor Pichler, „weltweit mehr Preise als der Pirelli-Kalender“ erhalten habe.
Der Hochschulkalender vom letzten Jahr zum Thema Synästhesie wurde gleich zwei Mal ausgezeichnet, einmal beim weltgrößten Kalenderwettbewerb in Stuttgart, dem »gregor international calendar award 2017« mit einem Award of Excellence. In den USA holte er beim »World Calendar Award 2017« einen Silber-Award. Auch der Hammerkalender dürfte gute Chancen haben, auch ausgezeichnet zu werden.
Der Hammerkalender kann bestellt werden unter: kalender@hs-rm.de
(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)