
Heute wurde der erste von drei Bauabschnitten des Schlossplatzes vor der Marktkirche Wiesbaden feierlich seiner Bestimmung übergeben. Nach dem Baubeginn am 27. August 2025 konnte der Schlossplatz – trotz zwischenzeitlich erforderlicher archäologischer Grabungen – bereits neun Monate früher als ursprünglich geplant fertiggestellt werden. Damit können auch die Weinstände des am 14. August 2026 startenden Rheingauer Weinfestes wieder wie gewohnt vor der Marktkirche untergebracht werden.
„Wir freuen uns sehr über die termingerechte, ja sogar vorzeitige Fertigstellung. Was hier von den Bauarbeiterinnen und Bauarbeitern geleistet worden ist, war wirklich ganz großes Kino. Es war toll, jeden Tag aus dem Fenster zu schauen und zu sehen, wie das Projekt vorankommt. Dafür herzlichen Dank“, unterstrich Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende in seinem Grußwort. Die Pflasterarbeiten und die gesamte Umsetzung seien eine „wirklich unglaubliche Leistung“ gewesen. „Es war hohe fachliche Arbeit, verbunden mit einer unglaublichen Geschwindigkeit. Das hat dazu geführt, dass wir deutlich vor der geplanten Zeit fertig geworden sind. Das möchte ich auch gerne festhalten: Es soll Eingang in die Annalen finden, dass ein Bauprojekt der öffentlichen Hand einmal schneller fertig geworden ist als vorgesehen.“
Mit dem Abschluss des ersten Bauabschnitts ist ein wichtiger Meilenstein des Gesamtprojekts erreicht: 24 neue Bäume wurden gepflanzt, neues Natursteinpflaster verlegt und die technischen Voraussetzungen für die vielfältige Nutzung des Platzes geschaffen. „Ich finde, der Platz ist sehr gut gelungen. Natürlich wird man bei solchen Projekten ein paar Jahrzehnte brauchen, bis alles so aussieht, wie man sich das endgültig vorstellt. Die größten Bäume gibt es nicht sofort. Aber ich glaube, dass dieser Platz ein wirklicher Gewinn für unsere Stadt sein wird“, so Mende.
„Der Schlossplatz ist Herz und Schmuckstück unserer Stadt. Umso mehr freut es mich, dass er deutlich vor dem ursprünglich vorgesehenen Termin und pünktlich zum Weinfest wieder zur Verfügung steht“, sagt Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende. „Hier treffen Tradition, Begegnung und Innenstadtleben aufeinander. Die Neugestaltung verbindet die Bedürfnisse von Veranstaltungen mit mehr Schatten, Aufenthaltsqualität und klimaangepasstem Grün. So sichern wir die traditionsreiche Nutzung des Platzes und machen ihn gleichzeitig fit für die Zukunft.“
Gute Bedingungen für die neuen Bäume

Ein besonderer Schwerpunkt der Neugestaltung liegt auf den Wachstumsbedingungen der 24 neuen Bäume. „Wir haben den Schlossplatz so umgestaltet, dass die Bäume trotz der intensiven Nutzung des Schlossplatzes gute Wachstumsbedingungen bekommen“, sagt Baudezernent Andreas Kowol. „Besonders wichtig sind dabei die großen unterirdischen Baumquartiere, über denen das Pflaster auf einer freitragenden Unterkonstruktion ‚schwebt‘. Oberirdisch sieht man nur die Baumscheiben, darunter stehen den Wurzeln aber großflächige, miteinander verbundene Pflanzräume zur Verfügung. Was hier passiert ist, ist eine Investition in die Zukunft: Jahr für Jahr werden die Baumkronen sich ausdehnen und mehr und mehr Schatten spenden.“
Unter der Platzfläche wurden zwei große, zusammenhängende unterirdische Baumquartiere geschaffen, jeweils für zwölf Bäume. Jedes dieser Quartiere ist etwa 1,5 Meter tief und erstreckt sich über eine Fläche von rund neun mal 30 Metern. Dadurch steht den Wurzeln deutlich mehr Raum zur Verfügung, als an der Oberfläche sichtbar ist. Dieser große unterirdische Wurzelraum ist für die langfristige Entwicklung der Bäume von zentraler Bedeutung.
Das Pflaster über den neuen Baumstandorten liegt auf einer Stahlträgerunterkonstruktion, damit der Boden bei Festen, Aufbauten und Publikumsverkehr nicht weiter verdichtet wird. Das Pflaster „schwebt“ gewissermaßen über dem Boden. Dadurch werden die Bäume und ihr Wurzelbereich besser geschützt, während die Veranstaltungsnutzung des Platzes weiterhin möglich bleibt. Stände können sicher aufgebaut werden, ohne die Erdschichten dauerhaft zu belasten; zugleich erhalten die Wurzeln ausreichend Luft und Raum.
Ergänzt wird das System durch zwei jeweils 20 Kubikmeter große Zisternen mit insgesamt 40.000 Litern Fassungsvermögen zwischen dem Denkmal Schweiger und der Marktkirche. Dort wird Regenwasser aus der gesamten Platzfläche gesammelt und zur nachhaltigen Bewässerung der Bäume genutzt. Zusätzlich ist die Entwässerung so angelegt, dass Wasser über die Baumstandorte abfließen kann.
Auch die technische Infrastruktur wurde für die künftige Veranstaltungsnutzung verbessert. Die Strom-, Wasser- und Abwasseranschlüsse für die Standbetreiber sind bereits im Boden versenkt und lassen sich bei Bedarf hochklappen. Dadurch wird der Platz bei Veranstaltungen barriereärmer: Lose Kabel, Kabelbrücken und damit verbundene Stolperfallen entfallen.
Gepflanzt wurden Japanische Zierkirschen (Prunus serrulata ‚Kanzan‘), Weiße Maulbeeren (Morus alba ‚Fruitless‘) und Tulpenbäume (Liriodendron tulipifera). Die Arten wurden standortgerecht ausgewählt und sind an trockene und heiße Bedingungen angepasst. Sie sollen sich langfristig zu gesunden, schattenspendenden und klimaresilienten Bäumen entwickeln und zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen.
Die Japanischen Zierkirschen sorgen im Frühjahr für eine auffällige Blüte, die Weißen Maulbeeren gelten als robust und hitzetolerant und sind als Straßen- und Stadtbäume gut geeignet. Die Tulpenbäume entwickeln große Kronen mit hohem Schattenpotenzial. Gemeinsam sollen die Bäume künftig für mehr Aufenthaltsqualität sorgen und den Schlossplatz auch an heißen Tagen besser nutzbar machen.
Historischer Platz mit vielfältiger Nutzung

Mit der Umgestaltung wird der Schlossplatz nicht nur optisch aufgewertet, sondern auch technisch und ökologisch zukunftsfähig gestaltet. Der Platz im historischen Zentrum wird jährlich intensiv genutzt – unter anderem für die Rheingauer Weinwoche, den Sternschnuppenmarkt, das Internationale Stadtfest und den Fastnachtsumzug. Zusätzlich dient er als Ausweichfläche, wenn das Dern’sche Gelände belegt ist. Deshalb wurde bei der Neugestaltung nicht nur auf ein ansprechendes Erscheinungsbild, sondern vor allem auf eine robuste, klimaangepasste und langfristig tragfähige Lösung gesetzt.
Die Versiegelung des Platzes hat sich gegenüber dem früheren Zustand nicht erhöht. Es wurde lediglich ein neuer Oberflächenbelag eingebaut, der der zukünftigen Nutzung besser gerecht wird. Das neue Natursteinpflaster wirkt derzeit noch vergleichsweise massiv, weil die Bäume jung sind. Mit zunehmendem Wachstum der Baumkronen werden jedoch mehr Schatten und eine stärkere optische Auflockerung entstehen.
Weitere Arbeiten folgen
Noch offen sind Arbeiten an der späteren Grünfläche links vor der Kirche. Dort erfolgen zunächst archäologische Untersuchungen sowie eine Prüfung auf mögliche Kampfmittel, da der Bereich kriegsbedingt belastet sein könnte. Der Fußweg zur Kita wird nach der Rheingauer Weinwoche fertiggestellt.
Im Zuge der Neugestaltung des Gesamtareals wird die Grünfläche um etwa zehn Meter nach Norden verlegt und aufgewertet. Um die Pflanzflächen künftig vor Beeinträchtigungen und Schäden durch Veranstaltungen zu schützen, wird der Bereich eingefasst und neu bepflanzt. Dadurch können dort künftig keine Veranstaltungsstände mehr errichtet werden; aufwendige Wiederherstellungsmaßnahmen nach Veranstaltungen entfallen. Die Fläche kann damit ganzjährig ihre Grünfunktion erfüllen. Bei der noch laufenden Planung spielen insbesondere die Aspekte Hitzeschutz, Klimaresilienz und Schatten eine wesentliche Rolle.
Die deutliche Verkürzung der Bauzeit ist das Ergebnis einer optimierten Bauablaufplanung, der engagierten und zügigen Ausführung durch das beauftragte Bauunternehmen sowie der hervorragenden Zusammenarbeit aller am Projekt beteiligten Partner. Positiv wirkten sich zudem die günstigeren Baugrundverhältnisse gegenüber den ursprünglichen Annahmen sowie die zügige Durchführung und Freigabe der archäologischen Untersuchungen aus.

„Dass dieser Bauabschnitt so zeitig fertig wurde, zeigt, was durch eine gute Planung, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und das hohe Engagement aller am Bau Beteiligten erreicht werden kann. Unser besonderer Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der beteiligten Unternehmen, den Planungsbüros und den Fachbehörden“, erklären Oberbürgermeister Mende und Stadtrat Kowol. „Ebenso bedanken wir uns bei allen Bürgerinnen und Bürgern, den Gewerbetreibenden, den Kirchengemeinden sowie den Besucherinnen und Besuchern der Innenstadt für ihr Verständnis und ihre Geduld während der Bauzeit.“
Die Gesamtkosten des ersten Bauabschnitts belaufen sich auf rund 4,5 Millionen Euro. Nach derzeitigem Stand wird der vorgesehene Kostenrahmen vollständig eingehalten.
Sofern die Beschlüsse der städtischen Gremien zu den weiteren Bauabschnitten vorliegen, soll die Umgestaltung des Schlossplatzes Schritt für Schritt zu einem modernen und multifunktionalen Stadtraum weitergeführt werden. Die Landeshauptstadt wird die Öffentlichkeit auch während der weiteren Bauphasen regelmäßig über den Projektfortschritt informieren.
Mit der Neugestaltung verfolgt die Stadt das Ziel, den Schlossplatz als wichtige Veranstaltungsfläche mit leistungsfähiger technischer Infrastruktur zu erhalten und zugleich klimaresilient weiterzuentwickeln. Grundsätzlich versucht die Stadt Wiesbaden, innerstädtische Flächen überall dort zu entsiegeln und zu begrünen, wo dies möglich ist. Aktuelle Beispiele sind der Elsässer Platz und das Bülowplätzchen im Westend, die geplanten Baumpflanzungen auf der Schwalbacher Straße sowie das „500-Bäume-Programm“.
(Diether von Goddenthow /RheinMainKultur.de)
