
Caricatura Salon #5 Stricheln und Sticheln – Satire in der Krise der Demokratie, im Rahmen des World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 und „80 Jahre Hessen“, vom 6. März bis zum 7. Juni 2026 im Caricatura Museum Frankfurt

Beim heutigen Pressepreview im Museum für Komische Kunst präsentierten Caricatura-Direktor Martin Sonntag gemeinsam mit Dr. Susanne Völker, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Kuratorin Irina Kosenko sowie dem Satiriker und Titanic-Exredakteur Mark Stefan Tietze die neue bitterböse Ausstellung „Stricheln und Sticheln. Satire in der Krise der Demokratie“ vor. Als Gäste hatten es trotz gegenwärtig erheblicher ÖPNV-Grenzprobleme zwischen Bayern und Hessen die Cartoonisten Achim Greser und Heribert Lenz, Elias Hauck und Dominik Bauer sowie der Satiriker und Ex-Titanic-Chefredakteur Thomas Gsella ins Caricatura am Frankfurter Weckmarkt geschafft.
Irgendeine Krise gäbe es ja immer, denn German Angst gehöre anscheinend zu unserer Genetik, was allerdings dazu führen könne, „dass eine relevante Krise als solche nicht mehr ernst genommen wird“, so der Caricatura-Direktor bei der Begrüßung. Während die Ölkrise vorbei sei und auch die Klimakrise medial schon wieder durch sei und es auf die Frage, was denn mit der „Krise der Demokratie“ sei, im Allgemeinen heiße: „Na, da kann man nix machen“, stehe am Ende wieder die Frage: „Wie konnte es nur so weit kommen? Eine Frage, die uns anscheinend ratlos zurücklässt.“ Hier setze die Ausstellung »Stricheln und Sticheln« an, nämlich, so Sonntag, um zu schauen, „was an unserer Demokratie überhaupt noch wehrhaft ist und wie jeder Einzelne dieser Krise passiv oder aktiv gegenübersteht.“
Das Caricatura Museum Frankfurt geht dabei der Frage nach, wie wir „unsere stabile Grundordnung und ein geregeltes Miteinander, das auf humanistischen Grundwerten basiert, sichern, wie wir mit Rechtspopulismus und Extremismus überhaupt umgehen und wie wir die Meinungsfreiheit sowie die Freiheit der Kunst verteidigen.“

Karikaturen sind politische Bildung im Kurzformat, denn hier werden Komik und satirische Übertreibung zum kritischen Instrument. In ihrer Überspitzung provozieren sie Haltung und schaffen Raum für lebendigen Meinungsaustausch. Als kritisches Korrektiv ermöglichen sie einen niederschwelligen Zugang zur politischen Debatte und bieten Orientierung. Als gewaltfreies Instrument können sie dazu beitragen, Tabus zu brechen und extremistische Positionen in ihrer Absurdität zu entlarven. Dabei zeigt Satire wie ein Seismograph die Verfasstheit einer Gesellschaft an: Je freier sie arbeiten kann, desto aufgeklärter ist ihr Umfeld.
Es gelte, eine stabile Grundordnung und ein Miteinander zu sichern, das auf Respekt und humanistischen Grundwerten basiere, sagte Dr. Susanne Völker. „Das Mittel der Satire kann Türöffnerin für Gespräche und Impulsgeberin für Diskussionen über die gesellschaftliche Lage sein. Dabei zeigt die Satire wie ein Seismograph die Verfasstheit einer Gesellschaft an: Je freier sie arbeiten kann, desto aufgeklärter ist ihr Umfeld. Eine Gesellschaft, die über sich selbst lachen kann, ist eine Gesellschaft in Freiheit. Das mag sich für Einzelpersonen ganz ähnlich verhalten. Das legen jedenfalls zahllose Coachings für innere Reife, Resilienz und Stärke nahe. Ihr Umgang mit Kritik zeigt, wie gefestigt eine Person ist oder eben eine Demokratie. Wer gefestigt ist, nimmt sich einerseits selbst nicht so wichtig und setzt andererseits Grenzen“, so Völker.
Dass Satire dabei anecken und unangenehm sein kann, ist einer ihrer Wesenszüge. Ihre Kritik präsentiert sie verschlüsselt und dreht mithilfe wohlgesetzter Pointen auch die schärfsten Spitzen ins Komische. Lachen hilft – vor allem in der Kritik.

Im Rahmen der »World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026« möchte das Caricatura Museum Frankfurt mit dieser ebenso tiefsinnigen wie abwechslungsreichen und unterhaltsamen Ausstellung einen Beitrag zur Stärkung der Demokratie leisten, so Völker. Mehr noch: Um die Reichweite der Schau zu erhöhen, wurde sie als Wanderausstellung konzipiert und wird anlässlich „80 Jahre Hessen“ an mehreren Orten der Region gezeigt, insbesondere an Orten der Demokratie wie Rathäusern und Kulturzentren. Gesetzt sind bereits die Orte Bad Homburg, Hanau und Offenbach. Ach ja, und die Löwen des Frankfurter Zoos hätten sich auch schon um die Ausstellung beworben, aber doch eine Absage erhalten, warf Achim Greser augenzwinkernd ein. Aber im Ernst: Ab Mitte Juni können sich entsprechende Einrichtungen der Demokratie um die Wanderausstellung beim Kulturfonds Frankfurt RheinMain GmbH bewerben: https://www.kulturfonds-frm.de/.
„Eine Gesellschaft, die über sich selbst lachen kann, ist eine Gesellschaft in Freiheit. Das mag sich für Einzelpersonen ganz ähnlich verhalten. Das legen jedenfalls zahllose Coachings für innere Reife, Resilienz und Stärke nahe. Ihr Umgang mit Kritik zeigt, wie gefestigt eine Person ist oder eben eine Demokratie. Wer gefestigt ist, nimmt sich einerseits selbst nicht so wichtig und setzt andererseits Grenzen“, ist sich Dr. Susanne Völker sicher. Sie hat im Begleitbändchen zur Ausstellung den zentralen Beitrag über „Freiheit, Diskurs und Verantwortung – Demokratie und Satire als kongeniales Duo“ verfasst.

Gezeigt werden ausgewählte Arbeiten der Cartoonistin und Comiczeichnerin Katharina Greve, der Karikaturistinnen-Duos Greser & Lenz sowie Hauck & Bauer sowie satirische Gedichte des Autors Thomas Gsella. Bestens bekannt sind alle durch ihre Veröffentlichungen in TITANIC. Sie gehören zu den renommiertesten Vertreterinnen ihrer Zunft, so Irina Kosenko. Die Ausstellung, im Ambiente eines Caricatura-Salons #5, präsentiert mit den Themenschwerpunkten „Volkssouveränität“, „Grundrechte“, „Wahlen“, „Gewaltenteilung“ und „Kritische Öffentlichkeit“ 37 bittersüße Cartoons und 7 Gedichte.
Die ursprüngliche Idee zur Ausstellung stammt, so Mark Stefan Tietze, vom Verein KulturSzene Churfranken RheinMain. Das Caricatura Museum hat das Konzept in Zusammenarbeit mit dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain weiterentwickelt.
(Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)
(siehe auch Greser & Lenz)
Caricatura Museum für komische Kunst Frankfurt
