
Eine neue Kunstinstallation im Plenarfoyer des Hessischen Landtags gibt seit heute einen anschaulichen Einblick in die parlamentarische Geschichte Hessens seit der Gründung des Landes vor 80 Jahren. Die sogenannte Präsidentengalerie vereint Porträtaufnahmen aller hessischen Landtagspräsidenten – von Otto Witte (1946–1954) bis Boris Rhein (2019–2022) – und würdigt damit die Persönlichkeiten, die das Parlament über Jahrzehnte geprägt haben.
Zur Enthüllung der Galerie begrüßte Landtagspräsidentin Astrid Wallmann zahlreiche Gäste im Landtag. In ihrer Ansprache betonte sie die Bedeutung sowohl institutioneller Strukturen als auch politischer Persönlichkeiten für die Entwicklung des Landes: Wenn man auf acht Jahrzehnte hessischer Geschichte zurückblicke, werde deutlich, dass neben den demokratischen Institutionen insbesondere die Menschen in verantwortlichen Ämtern den Parlamentarismus geprägt hätten. Hessen könne stolz auf die Geschichte seines Parlaments sein.

„Von diesem Landesparlament sind auf verschiedenen Feldern wichtige Impulse für die politische Landschaft in der Bundesrepublik ausgegangen. Die Präsidentengalerie macht ein Stück dieser Parlamentsgeschichte sichtbar“, sagte Wallmann bei der Einweihung. Es sei ein zentrales Anliegen, die Errungenschaften und Besonderheiten der freiheitlich-demokratischen Ordnung zu bewahren, zu vermitteln und weiterzutragen – insbesondere an nachfolgende Generationen.
Gemeinsam mit Ministerpräsident Boris Rhein sowie Karl Starzacher, Landtagspräsident von 1991 bis 1995 und ehemaliger hessischer Finanzminister, eröffnete Wallmann die Installation offiziell. Symbolisch stehen sich damit in der Galerie frühere und heutige Amtsträger gegenüber – ein sichtbarer Ausdruck der parlamentarischen Kontinuität.
Die Präsidentengalerie befindet sich an einem bewusst gewählten Ort: an der Wand zwischen Musiksaal und Plenarsaal des Hessischen Landtags. Der Musiksaal im historischen Stadtschloss war der Tagungsort des ersten hessischen Landtags im Jahr 1946 bis in die frühen 1960er Jahre. Seit 2008 tagt das Parlament im heutigen Plenarsaal. Zugleich ist das Foyer ein stark frequentierter Bereich, den täglich zahlreiche Besucher passieren und der so einen niedrigschwelligen Zugang zur Parlamentsgeschichte ermöglicht.
Künstlerische Installation aus aufwendigem Druckverfahren
Gestaltet wurde die Galerie vom Wiesbadener Künstler Karl-Martin Hartmann, der international vor allem als Glaskünstler bekannt ist. Für das Projekt wählte er jedoch bewusst einen fotografischen Ansatz. Hartmann arbeitet seit Jahrzehnten auch als Fotograf und hat sich insbesondere durch die Wiederbelebung der historischen Technik des sogenannten Gummidrucks einen Namen gemacht.

Dieses Edeldruckverfahren aus dem 19. Jahrhundert gilt als äußerst aufwendig: Jedes Porträt entsteht in mehreren Arbeitsschritten mit teilweise mehr als zehn Belichtungsschichten und benötigt eine Herstellungszeit von mehreren Wochen. Dadurch erhalten die Bilder eine charakteristische Oberflächenstruktur und eine besondere ästhetische Tiefe, die sich deutlich von klassischen Fotoabzügen unterscheidet.
Jedes der elf Porträts ist ein Unikat. Durch die einheitliche Technik und das gleiche Format bilden die Werke zugleich eine geschlossene visuelle Einheit und entfalten ihre Wirkung als zusammenhängende künstlerische Installation.
Wallmann zeigte sich erfreut, dass mit Hartmann ein renommierter hessischer Künstler für die Gestaltung gewonnen werden konnte. Neben seiner Arbeit im Museum Reinhard Ernst sowie künstlerischen Beiträgen in der Wiesbadener Marktkirche sei insbesondere seine fotografische Arbeit weniger bekannt, verdiene jedoch große Aufmerksamkeit.
Zum Abschluss ihrer Begrüßung übermittelte die Landtagspräsidentin auch die Grüße ihres langjährigen Amtsvorgängers Norbert Kartmann, der aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte. Er lasse ausrichten, wie eng er dem Hessischen Landtag weiterhin verbunden sei.

Mit der neuen Präsidentengalerie erhält der Hessische Landtag nun einen dauerhaft sichtbaren Erinnerungsort, der Geschichte, Kunst und demokratische Tradition miteinander verbindet und Besucher wie Abgeordnete gleichermaßen an die Entwicklung des Parlamentarismus in Hessen erinnert.
(Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)
