
Wiesbaden, 19. Februar 2026 – Farbe bekennt, Kunst verbindet und ein Denkmal wird zur Bühne junger Kreativität: Heute Vormittag sind auf dem Wiesbadener Schlossplatz acht farbkräftige, abstrakte Kunstwerke feierlich enthüllt worden. Geschaffen wurden sie von Schülern der IGS Alexej von Jawlensky Schule und des Kunst-Leistungskurses des Gymnasiums Michelstadt. Präsentiert werden die Werke auf der Schutzabdeckung des Denkmals Wilhelms von Oranien, das aufgrund der laufenden Bauarbeiten derzeit eingehaust ist.
In Anwesenheit von Astrid Wallmann sowie den Stadträtinnen Bettina Gies und Christine Jouaux-Frönd erlebten die beteiligten Schüler den bewegenden Moment, in dem ihre Werke erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden.
Die Kunstaktion geht auf eine Einladung der Stadt Wiesbaden zurück und wurde initiiert von Harald Hamm von Gramenz Garten- und Landschaftsbau, der die Ertüchtigungsmaßnahme des Schlossplatzes als Bauleiter begleitet, sowie vom Museum Reinhard Ernst, vertreten durch Eva Authried, Leiterin der Vermittlung.

Wo sonst Bauzäune und Maschinen im Zuge der Sanierung und Neubepflanzung des Schlossplatzes vor der Marktkirche das Bild bestimmen, leuchten nun – vorübergehend – kräftige Farben, dynamische Formen und mutige Kompositionen. Der schützende Holzzaun rund um das Denkmal ist damit zu einer eindrucksvollen Open-Air-Galerie mitten im Herzen der Stadt geworden.
Die Arbeiten entstanden in den vergangenen vier Monaten in den Kunsträumen einer Wiesbadener und einer Michelstädter Schule. Beteiligt waren der Kunst-Leistungskurs des Gymnasiums Michelstadt unter der Leitung von Oberstudienrat Alexander Wessinger und Studiendirektorin Christiane Schwermer sowie die IGS Alexej von Jawlensky Schule unter der Leitung von Kunstlehrer Esra Hofacker und der Stufenleiterin sowie Kulturschulbeauftragten Tatjana Zens. Bei der Wahl ihrer Sujets und der Ausarbeitung ihrer Ideen waren die Schüler vollkommen frei.
Esra Hofacker beschreibt den kreativen Prozess so: „Die Beschäftigung mit den Künstlern der abstrakten Kunst – auch den im Museum Reinhard Ernst vertretenen – hat die Schüler sehr inspiriert. Wir haben im Unterricht verschiedene Maltechniken ausprobiert, aber die individuelle Ausführung blieb ihnen überlassen. Der Fokus lag auf der Umsetzung eigener Visionen. Dies funktionierte in den gebildeten Kleingruppen äußerst organisch und harmonisch.“

Auch Oberstudienrat Alexander Wessinger erläuterte die Herangehensweise seines Leistungskurses: „Das Hauptaugenmerk lag auf der Improvisation. Der Besuch im Museum hat das noch einmal vertieft. Vor allem das Betrachten der Originale im großen Format hat die Schüler sehr beeindruckt, auch weil sie bisher mit dieser Art von Kunst und auch mit Kunst im Original wenig in Berührung gekommen sind. Die einzelnen Gruppen haben auf DIN-A2-Papier erste Entwürfe skizziert, die dann ins Großformat übertragen wurden. Sie waren dabei vollkommen frei. Die Schüler hatten keinerlei Schwierigkeiten, ohne konkretes Motiv zu arbeiten und sich auf die reine, gegenstandslose Malerei und den dazugehörigen Malprozess einzulassen.“
Zur Vorbereitung hatten die Schüler im November 2025 die Sammlung abstrakter Kunst im Museum Reinhard Ernst besucht. Nach einer theoretischen Einführung in die abstrakte Malerei durch Museumsdirektor Dr. Oliver Kornhoff und Museumsmitarbeiterin Blanka Slavik sowie einer Besichtigung der Baustelle auf dem Schlossplatz entwickelten sie über mehrere Monate hinweg ihre Konzepte. Bemalt wurden acht großformatige Seekieferplatten mit jeweils 2,50 Metern Breite und 1,25 Metern Höhe.
Landtagspräsidentin Astrid Wallmann würdigte das Projekt bei der Enthüllung: „Die Kunstaktion ist ein tolles Format und sicherlich eine eindrückliche Lernerfahrung für alle Schülerinnen und Schüler. Besonders schön an diesem Projekt finde ich, dass junge Menschen die Möglichkeit erhalten, eine zentrale Fläche in unserer Stadt zu bespielen und hier ihre Ideen und Kreativität zu präsentieren.“
Auch dem Museum Reinhard Ernst liegt mit dem Projekt eine grundlegende Botschaft am Herzen. Eva Authried betonte: „Nur gemeinsam sind wir stark. Wenn jeder die Möglichkeit erhält, sein Bestes zu sein und zu geben, dann entstehen wahre Kunstwerke. Die abstrakte Kunst ermöglicht es dabei mehr als jede andere Kunstform, Ausdruck wie auch Projektionsfläche unserer Wünsche und Ideen zu sein.“
Bis Sommer 2026 wird der Schlossplatz umfassend modernisiert. Doch schon jetzt zeigt sich, dass Veränderung mehr sein kann als Baustelle und Bauplan: Mit ihren Arbeiten haben die jungen Künstler dem Platz nicht nur Farbe verliehen, sondern auch Fantasie, Mut und Zukunft. Ihre Werke sind ab sofort als Ausstellung im Freien zu besichtigen.
