Neues Riesengemälde „Titanomachie“ lockt ins Museum Reinhard Ernst Wiesbaden

Feierliche Erstpräsentation des wandfüllenden Kunstwerkes Titanomachie. (v.li.): Künstler Michael Anthony Müller, Kuratorin Lea Schäfer, Kunsthändler-Legende Rudolf Zwirner, Stifterehepaar Reinhard und Sonja Ernst sowie Dr. Oliver Kornhoff, Gründungsdirektor des Museum Reinhard Ernst. © Foto: Kathrin Grün

Die feierliche Erstpräsentation von Michael Anthony Müllers Auftragsarbeit „Titanomachie“ fand am 17. Mai 2026 im Museum Ernst statt. Das riesige Gemälde des Berliner Künstlers, bestehend aus fünf Tafeln, hat eine Gesamtlänge von 10 Metern und ist 4,70 Meter hoch. „Titanomachie“ ist zurzeit ein Publikumsmagnet im Museum Reinhard Ernst. Das Großgemälde wird nun zwei Jahre lang an der Stirnseite eines der großen Ausstellungssäle hängen. Vorgestellt wurde das Gemälde von der Berliner Kunsthändler-Legende Rudolf Zwirner. Er gilt als Erfinder der modernen Kunstmesse und prägte ab den 1960er Jahren als Galerist maßgeblich den Durchbruch der zeitgenössischen Kunst in Europa. Im folgenden Gespräch mit mre-Kuratorin Lea Schäfer sprach Michael Anthony Müller über seine Arbeit „Titanomachie“.

Michael Anthony Müllers fünfteilige „Titanomachie“ (2024–2026) greift einen zentralen Stoff der griechischen Mythologie auf: den entscheidenden Kampf zwischen Titanen und Olympiern, der vor der Erschaffung der Menschheit stattfand. Das traditionsreiche Genre des Schlachtengemäldes bot dem Künstler dabei die Möglichkeit, eine der grundlegenden Fragen der Malerei im monumentalen Format neu zu verhandeln: Inwieweit lassen sich auch in der Abstraktion Erzählungen und Inhalte darstellen?

Michael Anthony Müller präsentiert sein fünfteiliges Großgemälde „Titanomachie“ © Foto: Kathrin Grün

Michael Anthony Müller entwarf hierfür einen ausladenden malerischen Kosmos, der zwischen Zugänglichkeit und Verschlossenheit oszilliert und dem mythologischen Götterkampf ein zeitgenössisches Bild verleiht. Die antike Titanomachie, angesiedelt in einer Zeit vor jeder Ordnung der Welt in menschliche Dimensionen und Wahrnehmungen, wird bei ihm zum Ausgangspunkt drängender Fragen der Gegenwart: Wie steht es um unsere aktuelle Weltordnung? Können wir uns heute noch ein Bild der Welt machen?

Für Anthony Müller ist  „Abstraktion  eine Bewegung nach innen, dorthin, wo die Dinge beginnen, sich selbst zu verlieren, wo Form nicht verschwindet, sondern sich so weit verdichtet, dass sie nicht mehr als Gegenstand erscheint, sondern als Druck, als Verhältnis, als ein Kräftefeld, das den Körper nicht darstellt, sondern ihn durchläuft. Ich abstrahiere nicht, um zu entfernen, sondern um freizulegen, was im Sichtbaren bereits arbeitet, ohne sich zu zeigen: jene unruhige Struktur, die unter der Haut liegt, nicht verborgen, sondern unlesbar, weil wir zu sehr an das glauben, was sich abbilden lässt.“

Bekannt wurde Anthony Müller insbesondere auch durch sein monumentales, 5,8 mal 86 Meter messendes Gemälde Der geschenkte Tag (2021–2022/2025), das in 24 Segmenten den Tagesablauf der sogenannten Dioskuren, der Zwillinge Kastor und Polydeukes, darstellt, die nach dem Tod des einen und der Aufgabe der Unsterblichkeit des anderen in alle Ewigkeit tageweise zwischen dem Olymp und der Totenwelt des Hades wandern – täglich aufs Neue geboren werden und sterben.

Museum Reinhard Ernst
Wilhelmstraße 1
65185 Wiesbaden

 

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