
In Bingen am Rhein hat am 16. Mai 2026 die 7. Skulpturen-Triennale am Kulturufer eröffnet. Bis zum 4. Oktober 2026 verwandeln sich das Rheinufer sowie ausgewählte Orte der Innenstadt erneut in einen frei zugänglichen Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst. Unter dem Titel „Verbindung und Zusammenhalt“ widmet sich die diesjährige Triennale aktuellen gesellschaftlichen Fragen rund um Gemeinschaft, soziale Stärke und kulturellen Austausch.
Seit ihrer Gründung im Jahr 2008 hat sich die Skulpturen-Triennale zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in der Region entwickelt. Veranstaltet von der Gerda und Kuno Pieroth Stiftung, präsentiert die Ausstellung alle drei Jahre internationale und nationale Positionen der Gegenwartskunst im öffentlichen Raum – niedrigschwellig, kostenfrei und eingebettet in die besondere Kulisse des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.
Für die Ausgabe 2026 werden rund 20 künstlerische Positionen entlang des Rheinufers und in der Innenstadt gezeigt. Neben klassischen Skulpturen umfasst das Programm auch Installationen sowie performative und partizipative Arbeiten. Die Kuratoren Sara Bernshausen und Lutz Driever möchten mit der Ausstellung nicht nur künstlerische Perspektiven auf gesellschaftlichen Zusammenhalt eröffnen, sondern auch Menschen, Vereine und Institutionen vor Ort miteinander vernetzen.
Die Suche nach einem neuen „Wir“ im Zentrum der Skulpturen-Triennale

Die Kuratorin Sara Bernshausen sagte bei einem Pressegespräch, vieles, was lange als selbstverständlich und gesichert gegolten habe, erscheine heute nicht mehr stabil. Angesichts geopolitischer Veränderungen, künstlicher Intelligenz, Klimawandel und gesellschaftlicher Spaltung beschäftige viele Menschen die Frage nach Orientierung und Zusammenhalt. „Ganz vieles ist im Umbruch“, erklärte Bernshausen. Besonders das „Auseinanderdriften der Gesellschaft“ sei ein Thema, das immer wieder beschäftige.

Die Suche nach Halt, Gemeinschaft und einem neuen „Wir“ stehe deshalb im Zentrum der Skulpturen-Triennale. Gemeinsam mit Mit-Kurator Lutz Driever habe sie beide 20 künstlerische Positionen ausgewählt, die sich auf unterschiedliche Weise dem Thema „Verbindung und Zusammenhalt“ annähern. Insgesamt umfasst die Ausstellung 24 Arbeiten entlang des Kultufers sowie in den Kirchen Kapuzinerkirche St. Laurentius und Basilika St. Martin. Auch vor dem Standesamt seien Kunstwerke zu sehen.
Erst rückblickend sei ihr aufgefallen, sagte Bernshausen, dass auch all diese Orte wie Kirchen und Standesamt eng mit zentralen Stationen des Lebens verbunden seien – von Hochzeit und Geburt bis zur Taufe. Entscheidend sei letztlich die Frage: „Wie kann man es schaffen, dass ein Wir wieder neu existiert?“
Kunst im Wandel des Zeitgeistes am Beispiel Schadows Prinzessinnengruppe
Der Berliner Kurator Lutz Driever, der bereits mehrere Skulpturen-Triennalen verantwortet hat, betonte, dass zeitgenössische Kunst häufig zunächst irritiere. Viele Werke seien „unbequem“ und widersprächen Erwartungen, doch genau darin liege ihre Stärke. Kunst fordere dazu auf, genauer hinzusehen, Fragen zuzulassen und neue Perspektiven einzunehmen. Was heute fremd wirke, könne sich später als bedeutender Ausdruck erweisen. Besucherinnen und Besucher lade er daher ein, den Arbeiten mit Offenheit zu begegnen: „Begegnen Sie den Arbeiten mit Neugier und Offenheit“ und lassen Sie sich überraschen, so Driever.

Zur Veranschaulichung verwies er auf die im Rahmen der Triennale im Lotsenhaus präsentierte Replik der Prinzessinnengruppe (Johann Gottfried Schadow). Diese sei bei ihrer Entstehung keineswegs unumstritten gewesen, werde heute jedoch als Meisterwerk des Klassizismus angesehen. Damals habe vor allem die ungewöhnliche Nähe der Figuren irritiert, da ein repräsentatives Herrscherbild eher Distanz und Hierarchie erwarten ließ. Auch die natürliche Körperlichkeit und die sichtbare Anatomie seien von Zeitgenossen kritisch beurteilt worden, ebenso die zeitgenössische Kleidung statt idealisierter Gewänder. „Schadow modelliert die Körper sehr natürlich und sichtbar unter den dünnen Gewändern. Besonders die Darstellung Luise, der späteren Königin von Preußen, erschien vielen Betrachtern zu sinnlich und zu lebendig. Die Anatomie sticht deutlich hervor. Konservative Stimmen fanden das völlig problematisch. Auch die Kleidung sorgte in diesem Fall für Diskussionen, weil die Prinzessinnen keine idealisierten historischen Gewänder tragen, sondern moderne Mode ihrer Zeit. Das dünne französische Tuch wurde als vollkommen unadäquat angesehen.“, so Driever.
Interessant dabei ist: Genau diese Punkte, die damals kritisiert wurden, gelten heute als die große Stärke der Skulptur – ihre Natürlichkeit, ihre Nähe, ihre Emotionalität, Individualität und ihre körperliche Präsenz. Kunsthistorisch war die Prinzessinnengruppe deshalb revolutionär. Sie war eines der ersten bedeutenden deutschen Doppelstandbilder: zwei Frauen in einer so persönlichen und menschlichen Darstellung. Schadow zeigte adelige Persönlichkeiten nicht nur als Herrschaftssymbole, sondern als individuelle Menschen. Genau darin liegt die besondere Bedeutung, unterstrich so Driever, weswegen diese Porzellan-Skulptur Eingang in die Binger Skulpturen-Triennale fand.
Das neue Förderprogramm der Stiftung

Die Gerda und Kuno Pieroth Stiftung, die seit 2008 die Skulpturen-Triennale in Bingen am Rhein ausrichtet, hat 2025 ein neues Förderprogramm für noch nicht etablierte Künstler aus der Rhein-Main-Region gestartet. Dank einer privaten Zuwendung aus einem Nachlass kann die Stiftung erstmals drei Künstler dabei unterstützen, jeweils eine eigene Skulptur für die Triennale zu realisieren. Die ausgewählten Kunstschaffenden erhalten neben einem individuellen Honorar auch umfassende Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Entwürfe – von der fachlichen und finanziellen Begleitung bis hin zur medialen Sichtbarkeit. Das Programm soll 2029 fortgesetzt werden.
Mit BA Sela, Emilia Neumann und Max Brück wurden drei Nachwuchskünstler eingeladen, neue Arbeiten für den öffentlichen Raum in Bingen zu entwickeln. Die Entstehungsprozesse ihrer Werke wurden filmisch begleitet und sind auf der Website sowie über Instagram (@skulpturenbingen) zu sehen.
Förder-Stipendiat Max Brück

Förder-Stipendiat Max Brück, der in Offenbach und Warschau Bildhauerei und Installationskunst studiert hat und heute in Gießen lebt, erklärte bei der Pressekonferenz sowie an seiner Arbeit am Kulturufer, er habe sich für Bingen mit dem Holzspielzeug des schwedischen Herstellers Brio beschäftigt. Die bekannten Holzeisenbahnen aus den späten 1950er-Jahren seien formal sehr klar gestaltet und ursprünglich eher einem bildungsbürgerlichen Milieu zugeordnet gewesen. Mit seinem Projekt „Brio für alle“ greife er diese Stecksystem-Idee auf, in der bereits „Bindung und Zusammenhalt“ angelegt seien.
Die Installation mit dem Titel „Stand by me“ bestehe aus zwei vergrößerten Elementen, die am Ufer platziert seien und aktiv genutzt werden könnten. Besucherinnen und Besucher könnten darauf klettern, sitzen oder rutschen. Gerade diese Aneignung durch das Publikum beobachte er bereits, was für ihn einen zentralen Moment von Kunst im öffentlichen Raum darstelle: Die Arbeiten „gehören erstmal allen“, so Brück. Zugleich betonte er, sein künstlerischer Ansatz bestehe darin, vorhandene Orte aufzunehmen und zu verstärken; bewusst habe er einen bereits genutzten Treffpunkt am Fluss gewählt und diesen gestalterisch akzentuiert.
Förderstipendiatin Emilia Neumann „ UG P I“

Auch die Förderstipendiatin Emilia Neumann, die unter anderem auch durch ihre Kunst-am-Bau-Arbeit am RheinMain Congress Center in Wiesbaden bekannt ist, erläuterte, dass ihre Werke bewusst ohne feste Gebrauchsanweisung auskämen: „Im Idealfall gebe ich keine Gebrauchsanleitung!“ Ihre Installation bestehe aus einem „Konglomerat von Abgüssen alltäglicher Gegenstände“, die „ich in Beton ausgegossen habe und eingefärbt habe. Sie verstehe ihre Kunst generell „als konstantes neues Ausverhandeln von gegenwärtigen Situationen: Ich, 2026 als 40jährige Frau mach das jetzt so aufgrund der Formung oder wie ich Welt wahrnehme“. In Wiesbaden, so ergänzt sie, sei die Arbeit bereits bekannt und dort etwas größer, jedoch in der Formensprache es reduzierter ausgeführt als in ihrem Triennale-Beitrag; „UG P I.“, so der Name, zeichne sich durch eine größere Vielfalt aus, da hier viele unterschiedliche Formen zusammenkämen. „Ich will natürlich, dass man aufgrund von Sinneswahrnehmung da eintauchen kann!“.
Obgleich die Förderung von Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern nicht grundsätzlich an eine Altersgrenze gebunden sei, solle mit dem Förderprogramm sowie Kooperationen, etwa mit der Kunsthochschule Mainz und der Artist Residency Schloss Balmoral, gezielt der künstlerische Nachwuchs unterstützt und die Region Bingen als Kunst- und Kulturstandort weiter gestärkt werden. Ziel sei es, insbesondere junge Kunstschaffende zu fördern und die kulturelle Entwicklung der Stadt nachhaltig auszubauen.
Internationale Positionen auf der Skulpturen-Triennale – „Doppelgängerin“

Neben Förderkünstlern und regionalen Kooperationen zeigt die Skulpturen-Triennale auch Arbeiten zahlreicher nationaler und internationaler Positionen, darunter VALIE EXPORT und Michael Sailstorfer.
VALIE EXPORT wurde vor allem durch ihre radikalen feministischen Performances und Filme bekannt. Internationale Aufmerksamkeit erhielt sie 1968 mit der Aktion „Tapp- und Tastkino“, bei der sie das Publikum aufforderte, durch Öffnungen eines Kastens ihre nackten Brüste zu berühren. Die Arbeit galt als Provokation gegen Sexismus und Gewalt und zugleich als Beispiel des „Expanded Cinema“, das Film, Performance und reale Aktionen miteinander verband.
Bei der Binger Skulpturen-Triennale ist sie mit ihrer großformatigen Arbeit „Doppelgängerin“ vertreten, die unmittelbar neben dem Industriekran installiert wurde und als einer der spannendsten Beiträge der Ausstellung gilt.
VALIE EXPORT hat die Eröffnung der Triennale nicht mehr miterleben können: Wie Kuratorin Sara Bernshausen mit großer Betroffenheit auf der Pressekonferenz mitteilte, sei die Künstlerin erst vorgestern im Alter von 85 Jahren überraschend verstorben. Bernshausen bezeichnete VALIE EXPORT als „Ikone der feministischen Medienkunst“, die viele Künstlergenerationen inspiriert habe.
Die „Doppelgängerin“ ist ein überwältigendes Projekt. Allein diese sich kreuzenden Riesenscheren in Original betrachten zu können, lohnt einen Besuch der Binger Skulpturen-Triennale.

Partizipatives Projekt „mein kann dein sein“
Ein besonderer Bestandteil des diesjährigen Programms ist das partizipative Projekt „mein kann dein sein“ der Kunsthochschule Mainz. Studierende der Klasse von Maximiliane Baumgartner entwickelten im Rahmen eines semesterübergreifenden Projekts eine künstlerische Tauschplattform, die über die gesamte Laufzeit der Triennale hinweg Menschen miteinander ins Gespräch bringen soll.
In mehreren öffentlichen Aktionen tauschen die Studierenden sowohl materielle Dinge – etwa Bilder oder Objekte – als auch immaterielle Werte wie Erinnerungen, Geschichten oder Wissen mit Bürgerinnen und Besucherinnen. Die gesammelten Tauschobjekte werden in einer eigens entwickelten Struktur am Kulturufer aufbewahrt und formen ein offenes, fragmentarisches Gegenarchiv der Stadt Bingen.
Ausgangspunkt des Projekts ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte Bingens, dem Tourismus entlang des Rheins sowie Bildwelten der Rheinromantik. Die zentrale Frage lautet: Was bleibt an einem Ort zurück, wenn Menschen kommen und weiterreisen? Im Mittelpunkt steht dabei der Austausch mit den Menschen vor Ort und die gemeinsame Entwicklung neuer Erzählungen über die Stadt.
Geplant sind mehrere Tauschaktionen während der gesamten Triennale, darunter die Eröffnungstauschaktion am 16. Mai 2026 unter dem Motto „Wir tauschen etwas, was wir verloren haben, gegen etwas, das du gefunden hast.“ Weitere Aktionen widmen sich unter anderem persönlichen Rheinblicken, Erinnerungen an Spielplätze in Bingen oder dem Austausch von „Landschaft gegen Interior“. Höhepunkt des Projekts ist eine Aktion im Rahmen des großen Kunstpicknicks am 9. August 2026.
Die Künstler der Skulpturen-Triennale Bingen

Die Skulpturen-Triennale lässt sich flexibel begehen – etwa am Kulturufer beginnend, etwas unterhalb vom Hotel „Papa Rhein“ in Richtung Museum am Strom beziehungsweise NH Bingen Hotel (Nahemündung in den Rhein) oder umgekehrt. Alternativ kann der Rundgang auch am „Zollhafen“, etwa in der Mitte des Kultufers, gestartet werden.
Einige Arbeiten sind auf den ersten Blick nicht auf Anhieb zu entdecken, etwa Thomas Judischs „Too many Birds“. Seine im Ahornbaum platzierten Krähenattrappen werden ein wenig von den nun voll entfalteten Blättern ein wenig verdeckt. Auch Thuy Tien Nguyens Bauminstallation „Slicky slide for super strong spine“ kann man zunächst auch mal übersehen. Aber solche eine Suche mit Hilfe der Karte macht ein Besuch umso spannender.
Informationstafeln helfen jeweils ein wenig bei der Einordnung der Positionen, wobei letztlich der Betrachter entscheidet, welche Deutung für ihn die Beste sein könnte.
Talk of the Town“ von Lena Marie Emrich

Mit ihrer Installation „Talk of the Town“ widmet sich die Bildhauerin Lena Marie Emrich der ambivalenten Kultur des Klatsches und der sozialen Kommunikation. Die Arbeit besteht aus modularen „Gossip Chairs“ – skulpturalen Sitzinseln aus Acryl, Mineralien, Pigmenten und feuerverzinktem Stahl –, die gezielt Begegnungen und Gespräche im öffentlichen Raum fördern sollen.
Emrich verstehe die Sitze dabei nicht als neutrale Möbel, sondern als „Architekturen, die Begegnungen formen“. Die unterschiedlich angeordneten Module – vom Zweisitzer bis zur geschwungenen Dreierformation – erzeugten bewusst Nähe und Vertrautheit. Wer dort Platz nehme, sitze „quasi mit dem Mund am Ohr der Nachbarin“ und werde Teil einer sozialen Choreografie aus Austausch, Gerüchten und Geschichten.
Zugleich greife die Arbeit Gestaltungsgeschichte und soziale Räume des Miteinanders auf. Emrich, die auch als Szenografin und Kostümbildnerin unter anderem für die Schaubühne arbeitet, inszeniere mit den „Gossip Chairs“ eine Bühne des Gesprächs. Geheimnisse, Halbwissen und Anekdoten würden dabei wie bei einer „Stillen Post“ von Sitz zu Sitz weitergetragen.
Scheuklappe oder Adjuster von Hannah Hallermann

Ein weiteres Werk der Skulpturen-Triennale stammt von der Berliner Künstlerin Hannah Hallermann, die am Binger Kulturufer ihre erste große Außenarbeit präsentiert. Die Bildhauerin erklärte, sie fertige ihre Arbeiten meist selbst oder gemeinsam mit Handwerkerkollektiven an. Genau dieses gemeinsame Arbeiten spiele auch in ihrem Werk „Werkzeuge“ eine zentrale Rolle. Werkzeuge seien für sie nie neutral, sondern hingen von der Haltung der Menschen ab, die sie benutzen. So könne man mit einem Hammer Schaden anrichten oder „jemandem ein Haus oder einen Schutzraum bauen“.
Ihre in Bingen gezeigte Arbeit „Adjuster“, die erstmals aus Edelstahl entstanden sei, beschäftige sich mit dem Bild der Scheuklappe. Ausgangspunkt sei das Gefühl der Überforderung angesichts der Vielzahl gesellschaftlicher Krisen und Informationen gewesen. Die Arbeit frage danach, worauf Menschen ihre Aufmerksamkeit richten und was sie bewusst ausblenden. Hallermann beschrieb die Skulptur als „Instrument der Einstellung“, das unterschiedliche Blickrichtungen und Perspektiven ermögliche – vom bewussten Wegsehen bis hin zum Blick nach innen.
Gerade dieser innere Blick sei ihr wichtig, weil neue und „radikale Ideen“ oft aus dem Inneren entstünden. Die Arbeit gebe keine fertigen Antworten, sondern eröffne einen Prozess des ständigen Neujustierens. Es gehe darum, die eigene Haltung immer wieder zu hinterfragen, dazuzulernen und die Perspektive verändern zu können. Deshalb heiße die Arbeit bewusst nicht „Scheuklappe“, sondern „Adjuster“, so Hallermann.
„Outdoor Wrap (S/im) / Cherry Blossom“ Bettina Allamoda

Die deutsch-amerikanische Künstlerin Bettina Allamoda, die in Berlin lebt, hat ihre Arbeit „Outdoor Wrap (S/im) / Cherry Blossom“ eigens für die Skulpturen-Triennale geschaffen. Die Installation lasse offen, ob es sich um ein Zelt, eine Plane oder vielleicht um ein Objekt aus dem Modedesign handle – „etwas aus dem Prêt-à-porter-Segment“, das an einen umhüllten Frauenkörper erinnere.
Zwischen japanischen Kirschbäumen spannt sich ein azurblaues Metallgerüst, das mit einem 25 Meter langen, irisierenden Paillettenstoff besetzt ist. Die Arbeit greife frühere Versionen aus Rom und Schloss Schwante auf und passe sie an den Ort in Bingen an. Die Konstruktion wirke zugleich fragil und widerstandsfähig.
Die glitzernden Stoffbahnen erinnerten an Segel, Bühnenkostüme oder Filmkulissen. Tatsächlich stammen die Metallgerüste aus den Cinecittà Studios, wo Allamoda sie während eines Aufenthalts in der Villa Massimo entdeckte. Der halbtransparente Stoff reflektiere Licht, Wasser und Bewegung und schimmere je nach Wetter in Aqua-, Gold- oder Rosatönen.
Insgesamt präsentieren 20 Künstlerinnen und Künstler ihre Werke: Bettina Allamoda, Max Brück, Lena Marie Emrich, VALIE EXPORT, Menno Fahl, Albrecht Genin, Hannah Hallermann, Thomas Judisch, Karsten Konrad, Sasha Kurmaz, Stefan Marx, Emilia Neumann, Thuy Tien Nguyen, Haleh Redjaian, Michael Sailstorfer, Prinzessinnengruppe (Johann Gottfried Schadow), Nadine Schemmann, Martine Seibert-Raken, BA Sela
sowie das Studierendenprojekt der Kunsthochschule Mainz unter Leitung von Maximiliane Baumgartner mit Josephine Angermann, Selina Hammer, Jiyoon Kim, Song Lim, Lisa Lindenthal, Ole Monzel, Silas Müller, Michelle Raitses, Karl Tovar und Lilian Fee Würth, betreut von Maximiliane Baumgartner, Björn Drenkwitz und Robert Meyer.
Vielfältiges Rahmenprogramm

Ein umfangreiches Rahmen- und Vermittlungsprogramm begleitet die Skulpturen-Triennale bis zum 4. Oktober 2026. Wie bereits in den vergangenen Jahren sind die JUNGEN KUNSTVERMITTLERINNEN – Schülerinnen der Kunst-Leistungskurse der Hildegardisschule und des Stefan-George-Gymnasiums – an Wochenenden vor Ort präsent und vermitteln Besucher*innen die ausgestellten Werke in persönlichen Gesprächen.
Zur Ausstellung erscheint zudem ein umfangreicher Katalog. Ergänzend führen QR-Codes an den Kunstwerken direkt zu weiterführenden Informationen und ausführlichen Texten auf der Website der Triennale.
Auch Schulen aus der Region beteiligen sich aktiv an der Ausstellung. Unter dem Titel „Performing the City“ entwickeln Schüler*innen des kooperativen Leistungskurses Bildende Kunst der Hildegardisschule und des Stefan-George-Gymnasiums gemeinsam mit der Mainzer Künstlerin Anne Hoffmann und dem Kunstlehrer Christian Eich performative Arbeiten für den öffentlichen Raum. Die Projekte verstehen den Stadtraum als sozialen Begegnungsort und erweitern die Ausstellung um junge künstlerische Perspektiven.
Zu den weiteren Höhepunkten des Rahmenprogramms zählen die beliebten Veranstaltungen „Kunst und Wein“ am 13. Juni und 26. August 2026. Gemeinsam laden der Winzer Frank Hemmes und die Kunstvermittlerin Jutta Nelißen zu Führungen entlang ausgewählter Kunstwerke ein. Neben Informationen zur Kunst stehen dabei regionale Weine und kulinarische Angebote im Mittelpunkt.
Mit dem „Salon Radikal Freundlich“ findet am 25. Juni 2026 zudem eine Kooperationsveranstaltung mit der Artist Residency Schloss Balmoral in Bad Ems statt. Ziel des Vernetzungstreffens ist es, gemeinsam neue kulturelle Projekte zu entwickeln sowie Themen wie Respekt, Freundlichkeit und Antirassismus im ländlichen Raum zu stärken.
Darüber hinaus lädt der Binger Literaturkreis zu literarischen Begegnungen an ausgewählten Kunstwerken ein. Die jeweiligen Termine werden im Veranstaltungskalender der Stadt Bingen sowie auf der Website der Skulpturen-Triennale veröffentlicht.
Ein weiterer Höhepunkt ist das große Kunstpicknick am 9. August 2026 in den Rheinanlagen. Besucherinnen sind eingeladen, bei einem gemeinsamen Kunstfest rund um die ausgestellten Werke miteinander ins Gespräch zu kommen, kreative Workshops zu besuchen und die Triennale in entspannter Atmosphäre zu erleben. Interaktive Kurzführungen, Angebote der Jungen Kunstwerkstatt und Beiträge der Jungen Kunstvermittlerinnen ergänzen das Programm.
Mit ihrem offenen und partizipativen Konzept lädt die Skulpturen-Triennale Bingen 2026 Besucher*innen aus der Region und darüber hinaus dazu ein, zeitgenössische Kunst unmittelbar im öffentlichen Raum zu erleben und neue Perspektiven auf gesellschaftliches Miteinander zu entdecken.
Alle Infos im Detail: https://skulpturen-bingen.de/
Alle Infos im Detail: https://skulpturen-bingen.de/
