Fernsehkrimi „Acht“ gewinnt den 22. Deutschen FernsehKrimi-Preis und Sonderpreis für das beste Schauspiel

Abschlussfoto Verleihung des 22. Deutschen Fernsehkrimipreises in der Caligari Filmbühne Wiesbaden. © Foto: Diether v. Goddenthow

Während einer Preisverleihungs-Gala wurden gestern Abend, 8. Mai 2026, in der Caligari Filmbühne beim 22. Deutschen FernsehKrimi-Festival in Beisein von Oberbürgermeister Gerd-Uwe Mende der Deutsche FernsehKrimi-Preis und Sonderpreis für das beste Schauspiel – zwei Preise für „Tatort – Dunkelheit“ – Sonderpreis für „Eierkratzkomplott“ – Krimiserie des Jahres ist „Sternstunde der Mörder“ verliehen.

Der Deutsche FernsehKrimi-Preis 2026 geht an „ACHT“ (ORF/ZDF), einen Landkrimi von Marie Kreutzer, die auch das Drehbuch verfasste. Das Urteil der Jury: „So schnörkellos der Titel, so präzise durchkomponiert und gleichzeitig lebendig ist dieses Glanzstück von einem Krimi von der ersten bis zur letzten Minute. Relevante Themen wie demokratiefeindliche Verschwörungsideologie und toxische Männlichkeit werden hier nicht zu einem Vehikel, sondern komplettieren das kongeniale Zusammenspiel der Darsteller, die präzise Ästhetik und die nuancierte Dramaturgie zu einem besonderen Filmerlebnis. Die Gedanken sind frei, die Emotionen und die Wucht der Geschichte zu vollenden, ohne dabei zu vergessen, das Publikum im besten Sinne zu unterhalten.“

„ACHT“ erhält zudem einen Sonderpreis für das beste Schauspiel. Ausgezeichnet werden Thomas Prenn und Regina Fritsch, die mit ihrem reduzierten Spiel einen regelrechten Sog kreierten, so die Jury: „Während die beiden Figuren einer klaren Hierarchie unterliegen, agieren die Schauspieler auf Augenhöhe, sodass man zu jedem Zeitpunkt den Respekt zwischen den beiden spürt. Regina Fritsch glänzt als Chefinspektorin Geyer mit pointierter Autorität, die sich schließlich durch ihren Adjutanten mit ihrem eigenen Gewissen konfrontiert sieht. Dank Thomas Prenns präzisem Spiel, das Innere auf minimalistische Art und Weise nach außen zu kehren, wird dieses Wechselspiel der beiden zu einem darstellerischen Hochgenuss.“

© Foto: Diether v. Goddenthow

Worum geht es im Krimi „Acht“?
Der ORF-/ZDF-Landkrimi „Acht“ von Marie Kreutzer ist ein düsterer, gesellschaftspolitischer Krimi aus Niederösterreich. Im Mittelpunkt steht die Ermordung eines angesehenen Landarztes: Ein einzelner Schuss aus großer Entfernung tötet ihn vor seinem Haus. Die Ermittlungen übernehmen Chefinspektorin Marion Geyer (Regina Fritsch) und ihr neuer Kollege Patrick Brandl (Thomas Prenn). Nach und nach zeigt sich, dass das Opfer keineswegs nur der beliebte Dorfarzt war, sondern sich offenbar in Kreisen von Waffenliebhabern, rechten Ideologen, Verschwörungsgläubigen und esoterischen Influencern bewegte. Der Film verbindet damit den klassischen „Whodunit“-Krimi mit Themen wie toxischer Männlichkeit, Radikalisierung, Frauenhass und gesellschaftlicher Spaltung. Parallel dazu erzählt „Acht“ auch viel über die beiden Ermittler: Marion Geyer steckt in einer belastenden Scheidung, während Patrick Brandl versucht, ein persönliches Trauma zu verarbeiten. Dadurch wird der Film sehr psychologisch und intim erzählt — weniger actionreich, dafür atmosphärisch und beklemmend.

Sonderpreis EIERKRATZKOMPLOTT – EIN STINATZ-KRIMI“.
Ein weiterer Sonderpreis geht nach Österreich, an „EIERKRATZKOMPLOTT – EIN STINATZ-KRIMI“. Regie führte Daniel Geronimo Prochaska, das Drehbuch stammt von Stefan Hafner und Thomas Weingartner nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Stipsits. Der Jury gefiel: „Eierkratz-Komplott“ lädt uns an einen Ort ein, den wir so noch nicht kannten, den wir jetzt aber definitiv nicht mehr missen möchten. Vor allem dank eines ebenso warmherzigen wie einzigartigen Ensembles haben wir uns von der ersten Minute an verliebt in eine Welt, in der das Ausblasen von Eiern ebenso existenziell ist wie ein Toter auf der Sonnenbank. Aber auch die einzigartige Kamera, die liebevolle Ausstattung, der überraschende Schnitt und die pointierte Musik zeigen uns, was alles möglich ist, wenn Humor in das Krimi-Genre Einzug hält.“

Worum geht es in „Eierkratz-Komplott – Ein Stinatz-Krimi“?
„Eierkratz-Komplott – Ein Stinatz-Krimi“ ist ein österreichischer Regiokrimi mit viel schwarzem Humor, burgenländischem Lokalkolorit und skurrilen Figuren. Im Mittelpunkt steht erneut Gruppeninspektor Sifkovits, gespielt von Thomas Stipsits, der während der Karwoche in sein Heimatdorf Stinatz zurückkehrt. Dort erschüttert ein Mord die beschauliche Provinz: Fredi Horvatits wird mit einem Eierkratzmesser erstochen — ausgerechnet mit jenem Werkzeug, das traditionell zum kunstvollen Verzieren von Ostereiern verwendet wird. Besonders brisant ist, dass das Messer seiner eigenen Mutter gehört.
Sifkovits beginnt zu ermitteln und bekommt dabei Unterstützung von der legendären „Kopftuchmafia“, also den älteren Frauen des Dorfes, die wie immer bestens über alle Geheimnisse und Intrigen Bescheid wissen. Schnell zeigt sich, dass im halben Südburgenland zahlreiche Menschen ein Motiv gegen das Opfer gehabt hätten. Hinter der dörflichen Osteridylle verbergen sich alte Konflikte, Familiengeheimnisse und persönliche Rechnungen. Je tiefer Sifkovits gräbt, desto stärker wächst sogar der Verdacht, dass seine eigene Mutter in die Sache verwickelt sein könnte.
Der Film verbindet klassische Krimispannung mit trockener österreichischer Komik und viel regionalem Flair. Die traditionelle Kunst des „Eierkratzens“ bildet dabei nicht nur den Hintergrund der Handlung, sondern wird selbst zu einem zentralen Element des Falls. Wie schon die vorherigen Stinatz-Krimis lebt auch „Eierkratz-Komplott“ von seinen eigenwilligen Figuren, dem burgenländischen Schmäh und der Mischung aus Dorfkomödie und Mordermittlung.

Sonderpreis für das beste Schauspiel an Edin Hasanović und Melika Foroutan
Auch das neue Ermittlerteam im Frankfurter „Tatort“, das für „Tatort – Dunkelheit“ (2025, siehe unten) auch den Publikumspreis erhielt, hat die Jury überzeugt. Seit 2025 ermitteln die neuen Tatort-Kommissare Edin Hasanović und Melika Foroutan gemeinsam in der neuen Frankfurter „Tatort“-Reihe, die sich vor allem auf ungelöste Altfälle konzentriert. Zu ihren bisherigen Fällen zählen „Tatort: Dunkelheit“, der erste gemeinsame Einsatz des Teams, „Tatort: Licht“ sowie „Tatort: Fackel“, in dem ein tödlicher Hochhausbrand zahlreiche Fragen aufwirft. Bereits vor seiner Rolle als Frankfurter Ermittler war Edin Hasanović außerdem in einem Berliner „Tatort“ zu sehen und hatte dort einen Gastauftritt in der Folge „Gegen den Kopf“.
Mit einem Sonderpreis würdigt die Jury Edin Hasanović und Melika Foroutan für ihr herausragendes Zusammenspiel: „Melika Foroutan beeindruckt mit einer eleganten Präsenz in ihrer Souveränität, sowohl innerhalb der Figur als auch im Spiel selbst. Ohne jede Eitelkeit eröffnet sie der Verletzlichkeit ihres Gegenübers einen Schutzraum. Die Wucht in Edin Hasanovićs kompromisslosem Spiel konfrontiert uns mit dem Schmerz seiner Figur Hamza und lässt uns keine Chance, dem zu entkommen. In dieser Kombination erschaffen sie in den kammerspielartig anmutenden Szenen im Keller eine elektrisierende Lebendigkeit, die gleichermaßen fesselt und berührt.“

Studierendenjury „Sternstunde der Mörder“

Als Krimiserie des Jahres zeichnet die Studierendenjury „Sternstunde der Mörder“ aus, eine deutsch-österreichisch-tschechische Koproduktion. Regie führte Christopher Schier, das Drehbuch schrieb Klaus Burck nach dem gleichnamigen Roman von Pavel Kohout. Der Serie gelinge es, Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg aus neuer Perspektive zu erzählen. In der Begründung heißt es: „Sternstunde der Mörder“ fängt uns mit ausdrucksstarken Bildern ein, kontrastreich geleuchtet, kreativ aufgelöst, und wirft uns in das Prag von 1945, eine Zeit, in der Gewalt an der Tagesordnung steht, mit der jedoch visuell sensibel umgegangen wird – implizit und doch nicht verharmlosend.
Die Serie zeichnet sich durch eine große Stimmigkeit aus. Kostüm, Bildgestaltung, Geschichte und Charaktere ergänzen einander, und besonders der Einsatz der Zweisprachigkeit fällt ins Auge. Oder eben nicht; denn geschickt geben sich Deutsch und Tschechisch die Hand und verleihen den Charakterbeziehungen neue Bedeutungsebenen.
Die Zuschauer werden von der Vielschichtigkeit der Charaktere herausgefordert, von Sympathie und Abneigung zum grundsätzlichen Hinterfragen überzugehen. Die Rollen der Frauen wirken historisch angepasst und zeugen gleichzeitig von Stärke, Bestimmtheit und Relevanz.“

Worum geht es in „Sternstunde der Mörder“?
Die vierteilige Krimiserie „Sternstunde der Mörder“ spielt im März 1945 im von den Nationalsozialisten besetzten Prag, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Während alliierte und sowjetische Truppen immer näher rücken und die Stadt zwischen Untergang und Befreiung steht, erschüttert eine grausame Mordserie Prag: Mehrere Frauen werden auf brutal ritualisierte Weise ermordet, ihren Leichen wird sogar das Herz entfernt.
Mit den Ermittlungen wird der junge tschechische Kommissar Jan Morava betraut, der unter schwierigen Bedingungen arbeiten muss. Ihm wird der österreichische Gestapo-Beamte Erwin Buback zur Seite gestellt, der offiziell bei der Aufklärung helfen soll, tatsächlich aber im Auftrag des NS-Regimes nach Widerstandskämpfern innerhalb der Prager Polizei sucht. Zwischen den beiden Männern entsteht eine angespannte Zusammenarbeit voller Misstrauen, politischer Konflikte und moralischer Grauzonen.
Im Verlauf der Handlung entwickelt sich die Serie von einem klassischen Serienmörder-Krimi zu einem historischen Drama über Gewalt, Angst, Opportunismus und Menschlichkeit in Zeiten des Krieges. Während die Ermittler versuchen, den sogenannten „Witwenmörder“ zu stoppen, geraten sie immer tiefer in die Wirren der letzten Kriegstage und des nahenden Prager Aufstands. Dabei verknüpft die Serie Krimispannung mit der Frage, wie Menschen in Extremsituationen zwischen Überleben, Schuld und Moral handeln.

Publikumspreis „Tatort – Dunkelheit“
Die Publikumsjury des Wiesbadener Kuriers entschied sich für den „Tatort – Dunkelheit“ des Hessischen Rundfunks von Regisseur Stefan Schaller. Das Drehbuch schrieben Senad Halilbašić, Stefan Schaller und Erol Yesilkaya. Das Genre „Cold Case“ habe die Jury „regelrecht vom Hocker gehauen“. Und weiter: „Der von uns ausgewählte Film hat eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Mit beeindruckender Ruhe und gleichzeitig enormer Spannung erzählt er einen nahbaren, glaubwürdigen und emotional tiefgehenden Fall. Was uns begeistert hat, sind die herausragenden schauspielerischen Leistungen – nicht nur in den Hauptrollen, sondern auch der Nebendarsteller. Im Zentrum steht ein sympathisches und empathisches Ermittlerteam, das eine außergewöhnliche Glaubwürdigkeit entwickelt. Der Film erzeugt Spannung, ohne große Actionszenen. Über weite Strecken erinnert er fast an ein Kammerspiel, und die Geschichte hält das Publikum vom ersten bis zum letzten Moment in ihrem Bann.“

Im Frankfurter „Tatort: Dunkelheit“ übernimmt das neue Ermittlerduo Hamza Kulina (Edin Hasanović) und Maryam Azadi (Melika Foroutan) seinen ersten gemeinsamen Fall. Im Mittelpunkt steht ein ungelöster Vermisstenfall: Vor vielen Jahren verschwand die achtjährige Anna spurlos, nun tauchen plötzlich neue Hinweise auf, die darauf hindeuten, dass das Mädchen damals entführt wurde und der Täter möglicherweise noch immer aktiv ist.

Die Ermittlungen führen tief in die Vergangenheit einer Familie, die bis heute unter dem Verschwinden des Kindes leidet. Gleichzeitig geraten auch frühere polizeiliche Fehler und Versäumnisse ins Zentrum. Hamza Kulina und Maryam Azadi arbeiten in einer neu gegründeten Frankfurter Cold-Case-Einheit und müssen sich nicht nur mit widersprüchlichen Zeugenaussagen und verdrängten Erinnerungen auseinandersetzen, sondern auch gegenseitig erst kennenlernen und Vertrauen aufbauen.

„Dunkelheit“ ist weniger ein klassischer Action-Krimi als vielmehr ein atmosphärischer, psychologisch erzählter Fall über Schuld, Erinnerung und die Folgen ungelöster Verbrechen. Die Folge setzt stark auf Spannung, emotionale Belastung und die Dynamik des neuen Ermittlerteams.

 

Preis für die vielversprechendste Stoffidee im Drehbuchwettbewerb
Der Preis für die vielversprechendste Stoffidee im Drehbuchwettbewerb „Tatort rechtsaußen“ geht an den Schauspieler und Nachwuchsautor Aykut Kayacık für die Miniserie „Wölfe“ über zwei verdeckte Ermittlerinnen, die parallel die türkischen Grauen Wölfe und die deutsche Neonazi-Szene infiltrieren.
Worum geht es im Tatort „Dunkelheit“?

Über das Festival:
Das Deutsche FernsehKrimi-Festival ist eine Veranstaltung des Kulturamtes der Landeshauptstadt Wiesbaden mit Unterstützung durch Hessen Film & Medien, den Hessischen Rundfunk und die SV SparkassenVersicherung, in Kooperation mit dem Medienzentrum Wiesbaden und dem Wiesbadener Kurier.

Alle weiteren Informationen: Fernsehkrimifestival