
Mit der feierlichen Preisverleihung in der Caligari FilmBühne endete am 27. April 2026 die 26. Jubiläumsausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films, die vom 21. bis 27. April in Wiesbaden stattfand. Festivalleiterin Rebecca Heiler, die den Posten am 1. Juni 2025 von Heleen Gerritsen übernommen hatte, ließ im Anschluss an eine Videodokumentation der ereignisreichen wie emotionalen Festivalwoche noch einmal die Höhepunkte der goEast-Festivaltage Revue passieren.

Zu den Höhepunkten gehörten neben einem abwechslungsreichen Wettbewerb mit exklusiven Deutschland- und Europapremieren sowie intensiven Begegnungen im Kino die Besuche international gefeierter Filmemacherinnen und Vertreterinnen von Filminstitutionen. Das Symposium, das unter dem Titel „Filmische Strategien des Widerstands“ lief, erfreute sich einer sehr regen Teilnahme und ausverkaufter Kinos. Das Porträt war Ada Solomon, rumänischer Produzentin und Vorsitzenden der Europäischen Filmakademie, gewidmet und zeigte Filme aus den vergangenen 20 Jahren, die sie produziert hat. Mit dem Fokusprogramm zum Thema Revolution betrat das Festival, gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain, neues Terrain und ermöglichte gesellschaftsrelevante Diskussionsrunden sowie vertiefte Reflexionen über die Bedeutung von Film und Kino für die Gesellschaft.
Seit ihrer Amtsübernahme habe sich trotz einiger Veränderungen im Programm und Ablauf des Festivals nicht grundlegend etwas geändert. Mehr als 120 Gäste aus der internationalen Filmbranche besuchten Wiesbaden. In den sieben Tagen voller Filmkunst, in denen 76 Filme gezeigt wurden, herrschte bei Workshops, zahlreichen Diskussionen, Vorträgen, Filmgesprächen und Ausstellungen trotz mitunter schwerer Themen eine positive, ja familiäre Stimmung – „eigentlich so, wie immer bei goEast“, freute sich Heiler, die bekannte, die Festivalarbeit nur dank des Kinderhütens ihres Ehemannes ausüben zu können.
Die Preisverleihung bildete den krönenden Abschluss des Festivals, bei dem die Siegerfilme des Wettbewerbs und des RheinMain-Kurzfilmwettbewerbs sowie die besten Projekte aus dem East-West Talent Lab gekürt und Preise im Gesamtwert von 26.000 Euro verliehen wurden.
Folgende Preise wurden laut goEast vergeben:

„Goldene Lilie
CLOUDS MOVE WITH GREAT SPEED (UKR 2025) unter der Regie von Roman Ostrovskyi und produziert von Iryna Kyporenko für MONS Production gewinnt die mit 10.000 Euro dotierte Goldene Lilie bei der 26. Ausgabe des goEast Filmfestivals in Wiesbaden. Die internationale Jury unter dem Vorsitz von Salomé Alexi begründete ihre Entscheidung wie folgt: „Aus dem gesamten Wettbewerbsprogramm stach ein Film mit unbestreitbarer Dringlichkeit hervor. Er unterstreicht, wie wichtig es ist, die russischen Kriegsverbrechen in der Ukraine zu dokumentieren. Geschaffen von einem Filmemacher, der aus Notwendigkeit und persönlichem Verantwortungsbewusstsein zum Soldaten wurde, legt er Zeugnis ab von Unerträglichem und zeigt Menschlichkeit unter unmenschlichen Umständen. Für ihren Mut als Regisseur und Produzentin verleiht die Jury Roman Ostrovskyi und Iryna Kyporenko für CLOUDS MOVE WITH GREAT SPEED die Goldene Lilie für den besten Film. Wir hoffen, dass sich die Wolken mit großer Geschwindigkeit in Richtung des Himmels einer friedlichen und freien Ukraine bewegen werden.“
Preis der Stadt Wiesbaden für die Beste Regie

Die Regisseurin Ivana Mladenović gewann mit SORELLA DI CLAUSURA (ROU, SRB, ESP, ITA 2025) den Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie, der mit 7.500 Euro dotiert ist. Die groteske Komödie begleitet eine gebildete, arbeitslose Frau auf ihrer Lebensreise. „Heute Abend möchten wir das Talent einer Regisseurin auszeichnen, die es versteht, die Absurdität des Alltags sichtbar zu machen, indem sie gekonnt mit Gegensätzen spielt – mit einem überraschenden und erfrischenden weiblichen Blick. Für ihre Fähigkeit, mit schwarzem Humor dazu anzuregen, die Rolle von Frauen am Rand der Gesellschaft neu zu denken, sowie für den Mut, den sie bei der Suche nach einer eigenen filmischen Sprache zeigt, verleiht die Jury Ivana Mladenović den Preis der Stadt Wiesbaden für die Beste Regie für ihren Film SORELLA DI CLAUSURA”, so die Begründung der Jury. Produziert wurde der Film von Porträt-Gast Ada Solomon und der Regisseurin selbst.
goEast Dokumentarfilmpreis
OUTLIVING SHAKESPEARE (ARM, NLD 2025) unter der Regie von Inna Sahakyan und Ruben Ghazaryan wurde mit dem mit 1.000 Euro dotierten goEast Dokumentarfilmpreis für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Die dokumentarische Tragikomödie zeigt den Alltag in einem armenischen Pflegeheim und die Proben für ein Theaterstück. „Der Film, den wir auszeichnen, begegnet all seinen Protagonist*innen mit großer Geduld, Zärtlichkeit und Ehrlichkeit. Indem er den Probenprozess eines Theaterstücks in einem Altenheim begleitet, gelingt es den Filmschaffenden, jede Figur mit Liebe und Menschlichkeit darzustellen, Raum für ihre freie Entfaltung zu schaffen und gängige Vorstellungen vom Altern aufzubrechen. Der goEast Dokumentarfilmpreis geht an OUTLIVING SHAKESPEARE von Inna Sahakyan und Ruben Ghazaryan, produziert von Agasi Azarian“, so die Begründung der Jury.
Lobende Erwähnung
Mit einer lobenden Erwähnung wurde THE QUEEN AND THE SMOKEHOUSE (POL 2025) von Iga Lis ausgezeichnet. Das Porträt einer Arbeiterin nimmt die Kinobesucher*innen mit nach Polen, wo im Touristenrummel am Ostseestrand Miecia, die „Königin von Łeba“, seit vierzig Jahren ihre Fischräucherei mit Humor, Strenge und unerschütterlichem Anspruch führt. „Für die frische, intime und einfühlsame Darstellung einer auseinanderdriftenden Generation sowie für ihr präzises Gespür für Orte und Figuren spricht die Jury einer vielversprechenden jungen Stimme des polnischen Kinos eine besondere Erwähnung aus. Sie geht an Iga Lis für THE QUEEN AND THE SMOKEHOUSE“, begründete die Jury.

3sat Spielfilmredaktion: THE BEAUTY OF THE DONKEY
Als langjähriger Medienpartner von goEast wählt 3sat aus dem Wettbewerbsprogramm des Festivals jährlich einen Film aus. Dieser wird im Folgejahr im Umfeld des goEast-Festivals im 3sat-Programm präsentiert.
In diesem Jahr entschied sich das Auswahl-Team von 3sat für den hybriden Dokumentarfilm THE BEAUTY OF THE DONKEY (CHE, KOS, FRA, USA 2025) von Dea Gjinovci. „Eine Vater-Tochter-Reise der besonderen Art. Sie taucht ein in die Vergangenheit eines kleinen Dorfes im Kosovo – und in die Geschichte der eigenen Familie. Dea Gjinovci vermischt kunstvoll Erinnerungsebenen, sie mixt dokumentarisches Beobachten und die Theaterbühne. Auch inhaltlich bietet sie uns ein abwechslungsreiches Spiel: Friedliche Dorfszenen wechseln ab mit Zeiten der Gewalt, als die albanische Minderheit vertrieben wurde, und der Kosovo im Krieg versank. Dabei gelingt THE BEAUTY OF THE DONKEY eine so persönliche wie universelle Erzählung über die Möglichkeit einer Versöhnung, wie auch über Unmöglichkeit des Vergessens über Generationen hinweg.“
Der Film soll zum goEast Festival 2027 bei 3sat seine TV-Premiere feiern. goEast freut sich über die Fortsetzung der Medienpartnerschaft mit 3sat, die dafür sorgt, dass Filmkunst aus Mittel- und Osteuropa auch künftig ins Fernsehen kommt.
FIPRESCI Preise
Mit dem Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI in der Kategorie Spielfilm zeichnete die FIPRESCI-Jury, bestehend aus Silvia Bahl, Stojan Sinadinov und Mariola Wiktor, CAT ON MY MIND (LVA 2025) der Regisseurin Laila Pakalniņa aus. Die Begründung der Jury lautete: „Alles, was in diesem Film auf der Leinwand erscheint, ist Fiktion – und doch basiert er auf echten Fotonegativen aus den 1960er- bis frühen 1980er-Jahren, die einst in einem Mülleimer gefunden wurden. CAT ON MY MIND von Laila Pakalniņa erzählt keine klassische Geschichte, sondern entfaltet sich als visuell-poetische Erkundung und origineller Filmessay über die Erinnerungen und Emotionen der auf den Fotos festgehaltenen Menschen. Gleichzeitig ist der Film eine tiefgehende Reflexion über menschliche Wahrnehmung und das Wesen des Kinos“, so die Begründung der Jury.
Der Fipresci Dokumentarfilm-Preis des goEast Filmfestivals 2025 geht an OUTLIVING SHAKESPEARE (ARM, NED 2025) von Inna Sahakyan und Ruben Ghazaryan. „Outliving Shakespeare“ von Inna Sahakyan und Ruben Ghazaryan ist mehr als ein gewöhnliches Porträt älterer Bewohner*innen eines armenischen Altenheims in der postsowjetischen Ära. Mit subtilem Humor und großem Einfühlungsvermögen zeigt der Film, wie Kunsttherapie Einsamkeit und Verluste in ihrem Leben verwandelt. Die Protagonist*innen dieses Films widersetzen sich fortwährend den Unsicherheiten einer Welt voller brutaler politischer Konflikte und Spannungen“, so die Jurybegründung.
RheinMain Kurzfilmpreis
Der vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain gestiftete und mit 2.500 Euro dotierte RheinMain Kurzfilmpreis geht an KISMET (SVN, HRV 2024) von Žiga Virc. „Revolution beginnt selten laut. Sie beginnt leise, im Inneren eines Menschen, mit der Entscheidung, einen anderen Weg zu gehen. Im Wirbel aus Traditionen und Erwartungen erzählt der Film mit einer dichten, fast dokumentarischen Kameraführung konsequent aus der Perspektive eines Mädchens und verhandelt dabei die Frage nach Schicksal und den Möglichkeiten, die einem überhaupt offen stehen. So entsteht in 15 kondensierten Minuten ein schillerndes Bild, ein Moment der Selbstinszenierung mit der Befragung der Rollen, die die Darstellerinnen bewusst reproduzieren, sich aneignen oder auch ablehnen. Für seinen eindringlichen Film KISMET gratulieren wir Žiga Virc herzlich zum Gewinn des RheinMain-Kurzfilmpreises.”, lautete die Jurybegründung von Marie-Hélène Gutberlet, Dascha Petuchow und Pavel Schnabel.
East-West Talent Lab Nachwuchspreise
Im East-West Talent Lab, das erneut mit Unterstützung von Renovabis durchgeführt wurde, fand das Project Market Pitch vor einer dreiköpfigen Jury, bestehend aus Bettina Brokemper, Veronika Janatková und Aliaksei Paluyan, sowie zahlreich erschienenem Fachpublikum statt.
Der Pitch the Doc-Award, ein Sachpreis, der aus Beratungsdienstleistungen im Wert von 500 Euro besteht, geht an das Projekt aus DREAMS COVERED IN CHROME der Regisseurin/Produzentin Trëndelina Halili aus Kosovo. „In einer Stadt, in der die Berge von innen heraus aufgefressen werden, in der die Tunnel die Männer verschlingen, sind es die Frauen, die zurückbleiben. Durch die kollektive weibliche Stimme bewegt sich die Filmemacherin mit poetischer Präzision zwischen der harten Alltagsrealität und der Nacht, in der Träume das ausdrücken können was im täglichen Leben nicht möglich ist.“, so die Jury.
Renovabis Recherchestipendium
I ONLY PRAY TO SARA KALI (ROU) der roumanischen Regisseurin Mihaela Drãgan wird mit dem mit 3.500 Euro dotierten Renovabis Recherchestipendium ausgezeichnet. „Ganz im Sinne ihrer Schutzheiligen, die Ausdauer und Kraft verkörpert, nimmt uns die Filmemacherin mit auf ihre persönliche Suche nach Zugehörigkeit. Sie erobert die Erzählung ihrer eigenen Gemeinschaft zurück und verleiht einem unterrepräsentierten Teil unserer Gesellschaft eine Stimme. Sie kämpft mit ihrem Projekt gegen institutionelle Macht und will die heilige Tradition vor kulturellem Voyeurismus bewahren.“ , so die Jury.
Die Jury vergibt eine lobende Erwähnung an das Filmprojekt ROUND GLASSES (UKR), Regie: Kyrylo Naumko. „Wir freuen uns, dass der Regisseur mit charmantem Humor und auf einzigartige Weise die moralische Frage aufwirft, mit der unsere europäische Gesellschaft zur Zeit ringt. Wir ermutigen den Filmemacher, eine Antwort auf diese existenzielle Frage zu finden, auch wenn die klugen Männer mit den runden Brillen schweigen.“, so die Jury
DFF-Patrons‘ Circle Publikumspreis
Der neue, vom DFF-Patrons‘ Circle gestiftete Publikumspreis ist mit 1.000 Euro dotiert und geht an dem Dokumentarfilm THE QUEEN AND THE SMOKEHOUSE (POL 2025) von Iga Lis.“

„Alle Preisträger*innen noch einmal im Überblick:
1. Goldene Lilie für den Besten Film
CLOUDS MOVE WITH GREAT SPEED (UKR 2025), Regie: Roman Ostrovskyi
2. Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie
SORELLA DI CLAUSURA (ROU, SRB, ITA, ESP 2025), Regie: Ivana Mladenović
3. goEast Dokumentarfilmpreis
OUTLIVING SHAKESPEARE (ARM, NLD 2025), Regie: Inna Sahakyan und Ruben Ghazaryan
4. Lobende Erwähnung der internationalen Jury
THE QUEEN AND THE SMOKEHOUSE (POL 2025), Regie: Iga Lis
5. 3sat-Ankauf
THE BEAUTY OF THE DONKEY (CHE, KOS, FRA, USA 2025), Regie: Dea Gjinovci
6. Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI (Spielfilm)
CAT ON MY MIND (LVA 2025), Regie: Laila Pakalniņa
7. Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI (Dokumentarfilm)
OUTLIVING SHAKESPEARE (ARM, NED 2025), Regie: Inna Sahakyan und Ruben Ghazaryan
8. RheinMain Kurzfilmpreis
KISMET (SVN, HRV 2024), Regie: Žiga Virc
9. Pitch the Doc-Award
DREAMS COVERED IN CHROME (KOS), Regisseurin/Produzentin: Trëndelina Halili
10. Renovabis-Recherchestipendium
I ONLY PRAY TO SARA KALI (ROU), Regie: Mihaela Drãgan
11. Lobende Erwähnung East-West Talent Lab
ROUND GLASSES (UKR), Regie: Kyrylo Naumko
12. Publikumspreis
THE QUEEN AND THE SMOKEHOUSE (POL 2025), Regie: Iga Lis“
(goEast – Marta Moneva-Enchev)
Alles rund um das Festival: geEast-Filmfestival
