Kult-Ermittler Batic und Leitmayr mit Ehrenpreis des Deutschen FernsehKrimi-Festivals in Wiesbaden geehrt

Großer Applaus für Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl in der ausverkauften Caligari FilmBühne. Als Tatort-Duo Batic und Leitmayr haben sie 35 Jahre und in 100 Folgen ihr Publikum begeistert. Den Ehrenpreis des Deutschen FernsehKrimi-Festivals für ihre Verdienste um Fernsehkrimi nahmen die Schauspieler mit sichtlicher Freude entgegen. (v.r.) Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec und Ferdinand Hofer, Laudator und im Tatort als langjähriger Assistent Nachfolge-Ermittler. © Foto: Diether v. Goddenthow

Deutschlands „ältestes Ermittler-Duo“ Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl, alias „Batic und Leitmayr“, wurden gestern Abend beim Auftakt des 22. Deutschen FernsehKrimi-Festivals (3.–10.05.2026) von Hessens Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels, Wiesbadens Oberbürgermeister Gerd-Uwe Mende und der Festivalleiterin Kathrin Ehrlich in der Caligari Filmbühne mit dem Ehrenpreis des Deutschen FernsehKrimi-Festivals ausgezeichnet. Die Laudationes hielten Jurymitglied Liane Jessen, ehemalige Fernsehspielchefin des Hessischen Rundfunks, sowie Überraschungsgast Ferdinand Hofer, alias Kriminalassistent Kalli Hammermann im Münchner Tatort, der nach dem Abschied von Batic und Leitmayr (2026) zum Oberkommissar befördert wurde. Moderatorin Arianne Wick führte pointiert durch den Abend. Unter den zahlreichen Ehrengästen befand sich auch der Künstler Michael Schmidt, dessen Vernissage „febris“ anlässlich des Fernsehkrimifestivals zuvor von Michael Meiers, Vorstand der SV SparkassenVersicherung, sowie Dr. Irene Titze-Winter, Leiterin der Kunst- und Kulturförderung der SV SparkassenVersicherung, in der Atrium Galerie der SV (Bahnhofstraße 69) eröffnet worden war.

(v.li) Laudator Ferdinand Hofer, alias Kriminalassistent Kalli Hammermann im Münchner Tatort. Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Preisträger Miroslav Nemec, alias „Batic, Kathrin Ehrlich, Fernsehkrimifestival-Leiterin, Jurymitglied und Laudatorin Liane Jessen, Preisträger Udo Wachtveitl, alias Leitmayr, Michael Meiers, Vorstand der SV SparkassenVersicherung, Gerd-Uwe Mende, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Wiesbaden, sowie Knut Elstermann Filmkritiker und Moderator. Er wird in den kommenden Tagen die Moderation übernehmen und sämtliche Filmgespräche führen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Den mittlerweile zum neunten Mal verliehenen Ehrenpreis des Deutschen FernsehKrimi-Festivals für Verdienste um den Fernsehkrimi nahmen die Schauspieler mit viel Freude und Humor entgegen.

„Befragt, warum sie als Tatort-Duo Batic und Leitmayr nach über 35 Jahren aufhören, sagten Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec, sie hätten diesen Schritt ganz bewusst selbst gewählt: „35 Jahre – es war wirklich ein Traum“, so Udo Wachtveitl: „Mit wem wir alles zusammenarbeiten durften. Und vor allem, dass die Leute uns so angenommen haben und wir so mit dieser Stadt vernäht wurden, mit München. Das war ein großes Glück!“

Miroslav Nemec, alias Batic, und Udo Wachtveitl, alias Leitmayr. © Foto: Diether v. Goddenthow

Man wolle den richtigen Moment nicht verpassen und lieber gehen, solange die Figuren im Tatort noch lebendig, glaubwürdig und beim Publikum geschätzt sind. Nach so vielen Jahren bestehe immer die Gefahr, dass sich Geschichten und Charaktere wiederholen oder an Frische verlieren – dem wollten sie zuvorkommen.

Zugleich verwiesen beide darauf, dass die Arbeit an den Filmen körperlich und organisatorisch sehr fordernd sei. Mit zunehmendem Alter wachse der Wunsch, etwas kürzerzutreten, mehr Zeit für andere Projekte zu haben oder auch einfach mehr Raum für das Privatleben zu gewinnen. Ihr Abschied sei daher kein abruptes Ende, sondern ein wohlüberlegter, gemeinsamer Entschluss – mit dem Ziel, ihre langjährige Zusammenarbeit würdig und auf einem hohen Niveau zu beenden.“

Miroslav Nemec verriet augenzwinkernd eine besondere Ehre, die dem Tatort-Duo noch vor dem Ehrenpreis auch zuteil wurde: „Wir haben jetzt sogar freien Eintritt in die Polizeikantine. Beim Bayerischen Rundfunk dürfen wir auch in die Kantine. Wir haben Zugangskärtchen bekommen – das eine vom Polizeipräsidenten und das andere von unserem Innenminister Herrmann.“

Gremmels: Das Münchener Tatort-Duo steht für hochklassige Unterhaltung

Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, sagte: „Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec alias Franz Leitmayr und Ivo Batic sind absolute Publikumslieblinge. Das Münchener Tatort-Duo steht für hochklassige Unterhaltung, aber auch Eigensinn in der filmischen Umsetzung – das macht seinen Reiz und Erfolg aus. Die Auszeichnung mit dem Ehrenpreis des Deutschen FernsehKrimi-Festivals ist hochverdient. Krimis sind fester Bestandteil der deutschen Unterhaltungskultur und finden weltweit Beachtung. Das Deutsche FernsehKrimi-Festival erkundet dieses Genre und findet neue Schnittstellen zwischen Fernseh-, Film- und Kinokultur. Dieses Engagement unterstützen wir als Land Hessen gern.“

(v.li.) Laudator Ferdinand Hofer, alias Kriminalassistent Kalli Hammermann im Münchner Tatort. Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, die Preisträger Miroslav Nemec, alias „Batic, und Udo Wachtveitl, alias Leitmayr, Moderatorin Arianne Wick sowie Oberbürgermeister Gerd Uwe Mende. © Foto: Diether v. Goddenthow

Mendes Wunsch: KünftigerWiesbaden-Krimi mal im Bundeskriminalamt-Umfeld

Oberbürgermeister Gerd-Uwe Mende sagte auf die Frage, was für ihn einen guten Krimi ausmache: „Entscheidend sei ein Zusammenspiel vieler Faktoren: Spannung, eine stimmige Handlung und mitunter auch Humor. Besonders wichtig sei mir, dass die Geschichte insgesamt überzeugt und ein rundes Gefühl hinterlässt. Auch die Schauspieler können dabei eine große Rolle spielen.“
Als Kenner der Stadt äußerte Mende zudem einen konkreten Wunsch für zukünftige Wiesbaden-Krimis. Er würde sich „eine Figur wünschen, die im Umfeld des Bundeskriminalamts angesiedelt ist. Wiesbaden ist seit rund 50 Jahren Sitz dieser Behörde, die sich mit internationaler organisierter Kriminalität, Menschenhandel, Drogenhandel und Staatsschutz beschäftigt.“ Solche Themen, wenn sie einen Bezug zu Wiesbaden haben, kämen seiner Ansicht nach in Krimis bislang zu kurz. Dabei biete Wiesbaden eine hervorragende Kulisse für spannende Geschichten, so der Oberbürgermeister.

Auch bei der Frage nach der Zukunft des Krimi-Festivals angesichts des zunehmenden Spardrucks zeigte sich Mende vorsichtig optimistisch. Zwar sei die finanzielle Lage der Kommune angespannt, „wir stehen mit dem Rücken zur Wand“. Dennoch habe Wiesbaden es über viele Jahre hinweg geschafft, den Kulturetat auf hohem Niveau zu halten – nicht zuletzt auch als Verdienst des Stadtkämmerers Dr. Hendrik Schmehl, der zugleich Kulturdezernent ist. Mende zeigte sich zuversichtlich, dass es auch in den kommenden Jahren gelingen werde, das Fernsehkrimi-Festival zu erhalten.

Laudatio Liane Jessen

Liane Jessen. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Es sind zwei Personen, die wir gerne kennenlernen würden. Gott sei Dank sitzen sie heute hier zum Kennenlernen“, stellte Jurymitglied Liane Jessen in ihrer Laudatio fest: „Weil sie einen inneren Kern haben, der leuchtet, wenn wir den bayerischen Tatort mit ihnen sehen. Da gibt es so etwas wie Haltung, da gibt es so etwas wie Blicke, die mehr als Drehbuch sagen. Da gibt es einen Wortwitz, der einmalig ist im Tatort. Es gibt Räume, die die beiden betreten, als wären sie schon immer da gewesen. Und diese Art von Verbundenheit ist spürbar – und vor allem ihre Haltung auch zu Recht und Gerechtigkeit und zu Moral und Gesetz.“

Laudatio Ferdinand Hofer
„35 Jahre. 100 Filme. Je 90 Minuten. Das sind 9.000 Minuten Fernsehgeschichte“, so der Überraschungslaudator des Abends Ferdinand Hofer. 2013 stieß dieser als Assistent zum Tatort München. Nach dem Weggang der beiden Kommissare übernimmt er im Herbst gemeinsam mit Schauspielkollege Carlo Ljubek.

Ferdinand Hofer, alias Kalli Hammermann. © Foto: Diether v. Goddenthow

Das Ermittler-Duo Batic und Leitmayr sei ein Garant für gute und spannende Unterhaltung, so Hofer in seiner Laudatio: „Sie stehen für München. Der Dialekt, der Humor, das Leidenschaftliche – und hin und wieder a bissl a Grant.“ Der große Erfolg sei kein Zufall: „Es hat bestimmt was mit Talent, Disziplin, mit leidenschaftlichem Kampf und harter Arbeit zu tun. Trotzdem kam es nie verbissen rüber, es kam von der Freude an der Sache. Ich kann mich an keinen Drehtag erinnern, an dem man nicht eure Spielfreude und den Teamgeist am Set gespürt hat.“

Grußwort von Michael Meiers, Vorstand bei der SV SparkassenVersicherung
„Der Ehrenpreis stärkt das kulturelle Profil Wiesbadens und unterstreicht die Bedeutung der Stadt als Kulturstandort. Mit Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl würdigt das Festival zwei Persönlichkeiten, die den Fernsehkrimi über Jahrzehnte geprägt haben. Die SV SparkassenVersicherung freut sich, diese Auszeichnung seit vielen Jahren zu fördern“, sagte Michael Meiers, Vorstand bei der SV SparkassenVersicherung. Seit diesem Jahr ist die SV SparkassenVersicherung Stifterin des Ehrenpreises des Deutschen FernsehKrimi-Festivals.

„Batic und Leitmayr – Die Zwei vom Tatort sagen Servus“
Die feierliche Preisverleihung schloss mit der Dokumentation „Batic und Leitmayr – Die Zwei vom Tatort sagen Servus“, in der der Blick zurück im Mittelpunkt stand: Sie zeichnete die mehr als 35-jährige gemeinsame Geschichte von Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec im Tatort nach – von den Anfängen Anfang der 1990er-Jahre bis zu ihrem letzten Fall.
Die Dokumentation verband dabei mehrere Ebenen: Zum einen erinnerte sie an prägende Fälle, Entwicklungen der Figuren Ivo Batic und Franz Leitmayr sowie an die besondere Mischung aus Bodenständigkeit, Humor und Ernst, die das Münchner Duo über Jahrzehnte ausgezeichnet hat. Zum anderen gab sie exklusive Einblicke hinter die Kulissen – etwa in Dreharbeiten, Teamarbeit und die Atmosphäre am Set ihres letzten Films.

Impression Caligari Filmbühne. © Foto: Diether v. Goddenthow

Zugleich wurde der Abschied selbst zum Thema: Weggefährten, Kollegen und die beiden Schauspieler blickten zurück auf eine außergewöhnlich lange Zusammenarbeit, sprachen über Veränderungen im Fernsehen und darüber, wie sich ihre Rollen im Laufe der Zeit entwickelt haben. Die Dokumentation zeigte damit nicht nur Nostalgie, sondern auch, wie eng die Figuren mit der Fernsehgeschichte verbunden sind – und warum ihr Abschied für viele Zuschauer das Ende einer Ära bedeutet.

Zahlreiche weitere prominente Filmgäste werden in Wiesbaden zum FernsehKrimifestival erwartet

Ab dem heutigen Montag startet um 18 Uhr das Fernsehkrimifestival mit dem Wettbewerb um die Krimiserie des Jahres. Um den Titel konkurrieren „Schattenseite“ (ARD Degeto Film/HR/Funk), „Sternstunde der Mörder“ (ARD Degeto Film/NDR/ServusTV/CANAL+ Austria/HR) und „Take the Money and Run“ (ZDFneo). Erwartet werden unter anderem die Schauspieler Jonas Nay, Florian Geißelmann und László Branko Breiding, die Autor*innen Jonas Ems, Hanna Hribar und Boris von Sychowski sowie die Regisseurin Christian Balthasar.

Auch zu den Vorführungen und Filmgesprächen der nächsten Tage werden prominente Gäste erwartet wie die Schauspieler und Schauspielerinnen Rosalie Thomass, Fabian Hinrichs, Andrea Sawatzki, Eva Löbau, Sönke Möhring, Jonas Nay, Florian Geißelmann, Felix Klare und Anna Shirin Habedank. Zudem werden zahlreiche namhafte Vertreter und Vertreterinnen aus den Gewerken Regie und Drehbuch erwartet, wie die Grimme-Preisträger Dustin Loose, Stefan Schaller, Buket Alakuş, Magnus Vattrodt, Laila Stieler und Florian Oeller.

Vom morgigen Dienstag an bis Donnerstag treten zehn Filme im Wettbewerb um den 22. Deutschen FernsehKrimi-Preis an. Eröffnet wird dieser mit der Premiere von „Tatort – Gottesgarten“ (BR), in dem Rosalie Thomass erstmals an der Seite von Fabian Hinrichs zu sehen ist. Beide Darsteller werden ebenso in Wiesbaden sein wie Regisseur Dustin Loose und Drehbuchautor Constantin Lieb. Darüber hinaus haben sich zahlreiche Gäste angekündigt, darunter die Schauspieler Andrea Sawatzki, Felix Klare und Eva Löbau sowie der jüngst mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Regisseur Stefan Schaller.

Am Donnerstag widmet sich eine Gesprächsrunde mit Tahera Ameer (Vorstand der Amadeu Antonio Stiftung), Drehbuchautorin Laila Stieler und Redakteurin Melvina Kotios dem Thema Rechtsextremismus und dessen Darstellung im Fernsehfilm. Im Anschluss präsentieren prominente Lesepaten vier nominierte Drehbuchstoffe im Nachwuchswettbewerb „Tatort rechtsaußen“, die unter anderem von rechter Gewalt gegen queere und obdachlose Menschen erzählen.

Die Preise des 22. Deutschen FernsehKrimi-Festivals werden am Freitag, den 8. Mai, um 20 Uhr in der Caligari FilmBühne vergeben. Die Moderation der Film- und Seriengespräche sowie der Preisverleihung übernimmt erneut der renommierte Filmjournalist Knut Elstermann.

Den Abschluss des Festivals bildet am 9. Mai ab 18 Uhr die Lange FernsehKrimi-Nacht, bei der alle zehn nominierten Wettbewerbsfilme in einem Marathon bis zum nächsten Morgen gezeigt werden.

(Krimifestival / Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)

Alle weiteren Details über „FernsehKrimifestival“