
Gestern Abend wurde die 26. Ausgabe des goEast Filmfestival in der Wiesbadener Caligari-Filmbühne feierlich eröffnet. Festivalleiterin Rebecca Heiler und DFF-Leiterin Christine Kopf begrüßten gemeinsam mit Staatssekretär Christoph Degen, Oberbürgermeister Gerd-Uwe Mende sowie Dr. Susanne Völker, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die Gäste.
Nach der Eröffnungszeremonie und den Grußworten eröffnete ein Kurzfilmprogramm den Festivalabend. Gezeigt wurden:
THE EXHIBITION (GBR/HUN/NOR 2026) aus der Sektion goShorts,
BERLIN UNVERKÄUFLICH (BRD 1967) im Rahmen des Symposiums,
ERASERHEAD IN A KNITTED SHOPPING BAG (BGR 2025) aus dem Kaleidoskop.
Unter dem Leitgedanken „drei Perspektiven, drei Zeiten“ spannte das Programm einen Bogen von der Rückkehr in die ungarische Heimat über einen filmischen Streifzug durch das West-Berlin der Nachkriegszeit bis hin zu einem poetischen Roadmovie durch die Industriebrachen des ländlichen Bulgariens.
Grußworte

In ihren Grußworten zur Eröffnung des goEast Filmfestival 2026 betonte Staatssekretär Christoph Degen in Vertretung von Kulturminister Timo Gremmels: Revolution stehe für Aufbruch und Hoffnung, aber auch für Unsicherheit und Widerstand. Genau diese Spannungsfelder greife das Festival in diesem Jahr auf. Der mittel- und osteuropäische Film zeige eindrucksvoll, wie eng Kunst und gesellschaftlicher Wandel miteinander verbunden seien – zwischen politischem Umbruch, persönlicher Befreiung und dem Verlust von Heimat. Für Hessen sei goEast ein wichtiges kulturelles Aushängeschild, das internationale Vernetzung fördere, künstlerische Vielfalt stärke und den gesellschaftlichen Dialog lebendig halte. Sein Dank galt dem Deutschen Filminstitut & Filmmuseum, allen Partnern und Filmschaffenden. Er schloss mit dem Appell: „Lassen Sie sich inspirieren!“
Oberbürgermeister Gerd-Uwe Mende hob bei der Eröffnung – auch im Namen von Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl – die besondere Bedeutung der Caligari-Filmbühne hervor. Es sei gelungen, das traditionsreiche Haus in herausragender Weise zu erhalten und zugleich ein wichtiges Festival erneut zu eröffnen. goEast sei seit vielen Jahren ein fester Bestandteil der kulturellen Identität Wiesbadens und Ausdruck einer kontinuierlichen Zusammenarbeit zwischen Stadt, Festivalteam und Kulturinstitutionen.
Mende würdigte die langjährige Entwicklung des Festivals, das auf die Vision seiner ersten Leiterin Claudia Dillmann zurückgehe, Wiesbaden zu einem Ort der Begegnung mit mittel- und osteuropäischem Film zu machen. Diese Idee habe sich als nachhaltiger Erfolg erwiesen. goEast sei ein Ort des Austauschs, der unterschiedliche Perspektiven zusammenführe und durch ein exzellent kuratiertes Programm internationale Filmschaffende und Publikum miteinander ins Gespräch bringe.
Zugleich unterstrich er die politische Dimension des Festivals – insbesondere vor dem Hintergrund aktueller Kriege und geopolitischer Spannungen. Film leiste hier einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung und zur Reflexion globaler Entwicklungen.
Besonders hob der Oberbürgermeister den Dokumentarfilm „SCHON LANGE KEIN FRÜHLING – MEIN VATER, RUMÄNIEN UND ICH“ hervor, der im Rahmen der Reihe goKids gezeigt wird. Das Werk der Wiesbadener Filmemacherin Alexandra Bidian verbinde persönliche Erinnerung mit europäischer Geschichte und zeige exemplarisch, wie Filmvermittlung auch junge Zielgruppen erreichen könne.
Abschließend dankte er dem Festivalteam, den Jurys, den Unterstützern sowie dem Publikum und wünschte ein erfolgreiches Festival sowie zahlreiche Begegnungen mit neuen filmischen Perspektiven.
Dr. Susanne Völker, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, betont: Filme sind Resonanzräume – für Erinnerungen, Hoffnungen und Widersprüche. Sie prägen Wahrnehmung und eröffnen Perspektiven, die dazu einladen, Position zu beziehen. Das Leitmotiv „Revolution“ des goEast Filmfestival 2026 steht für jene Momente des Umbruchs, die Gesellschaften neu ausrichten. In vielen Ländern Mittel- und Osteuropas – etwa in Serbien, Bulgarien, Albanien oder Georgien – ringen Menschen historisch wie gegenwärtig um Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Dabei bleibt die Grenze zwischen friedlichem Protest und Eskalation oft fragil; nur wenige Revolutionen verlaufen ohne Konflikte.
Gerade hier entfaltet Kunst ihre besondere Stärke: Sie macht komplexe Zusammenhänge sichtbar, erzählt vielschichtig und eröffnet Räume für Ambivalenz – ohne einfache Antworten zu liefern.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Kurzfilmwettbewerb goShorts unter dem Motto „Revolutions per Minute“: verdichtet, experimentell und im besten Sinne rebellisch.
Als langjähriger Förderer würdigt der Kulturfonds goEast als bedeutendes Forum für internationale Perspektiven und kulturellen Dialog in der Region.
Beim goEast Filmfestival startet auch der dritte Festivaltag wieder früh – mit frischen Perspektiven für ein junges Publikum und einem vielfältigen Programm in Wiesbaden und der Region.

goKids & Archivpräsentation
goEast erweitert 2026 gezielt sein Angebot für jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer:
SCHON LANGE KEIN FRÜHLING – MEIN VATER, RUMÄNIEN UND ICH (DEU/ROU 2025, 10 Uhr, Caligari) von Alexandra Bidian – eine persönliche Spurensuche von Wiesbaden nach Rumänien.
COLOURFUL DREAMS (ESSR 1974, 14 Uhr, Caligari) von Virve Aruoja und Jaan Tooming – poetisch, verspielt und musikalisch geprägt von Arvo Pärt.
Wettbewerb im Caligari
Drei Premieren im Wettbewerb:
THE WIND BLOWS WHEREVER IT WANTS (GEO/GBR 2025, 16 Uhr) von Ivan Boiko – eine wortlose Reise durch den Kaukasus.
A GOODNIGHT KISS (LTU/EST/BGR 2025, 18:15 Uhr) von Giedrė Žickytė – Porträt der Holocaust-Überlebenden Irena Veisaitė.
CAT ON MY MIND (LVA 2025, 20:45 Uhr) von Laila Pakalniņa – eine poetische Hommage an Fotografie und Katzen.
Weitere Screenings in der Region
Filme laufen auch in Wiesbaden, Frankfurt, Mainz und Darmstadt, darunter:
AMIRA’S CHILDREN (CZE 2025)
GOD WILL NOT HELP (HRV/ITA/ROU/GRC/FRA/SVN 2025)
THE QUEEN AND THE SMOKEHOUSE (POL 2025)
sowie weitere Vorstellungen von THE WIND BLOWS WHEREVER IT WANTS
Startschuss fürs Symposium
Unter dem Titel „Filmische Strategien des Widerstands“ beginnen die ersten Filmprogramme:
Kurzfilmprogramm zu Irena Vrkljan und der DFFB (17 Uhr, Murnau), kuratiert von Tobias Hering
BRÜDER UND SCHWESTERN (DEU 1991) von Pavel Schnabel
DO YOU KNOW SUNDAY-MONDAY? (HUN 1969) von Lívia Gyarmathy
Außerdem im Programm
Workshop „Respectful Romani Representation“ (14 Uhr, Altes Gericht)
Kurzfilmprogramm „Romani Cinema: Against the Odds“ (19 Uhr, Apollo)
Kurzfilmprogramm „Kontrollverlust“ im Rahmen des Ada-Solomon-Porträts (22 Uhr, Apollo)
Das komplette Tagesprogramm finden Sie online.
Zum Ausklang lädt das Festivalzentrum im Alten Gericht ein – Zeit für Gespräche, Begegnungen und einen entspannten Abend im Clubhouse.
