
„Erzähl’ mir von Europa!“ ist ein eher leises Projekt. Die Wanderausstellung wirbt nicht offensiv mit den Vorteilen der Europäischen Union wie Frieden, Reisefreiheit, Wohn- und Arbeitsfreizügigkeit, Bildungs- und Austauschprogrammen, einem gemeinsamen Markt von 470 Millionen Menschen, dem Wegfall von Zöllen, EU-Verbraucherschutzstandards sowie Klima- und Umweltgesetzen bis hin zur Förderung ärmerer Regionen und der Angleichung der Lebensstandards. Stattdessen will „Erzähl’ mir von Europa!“ in Form einer Fotoausstellung mit Momentaufnahmen von Menschen aus den 27 Mitgliedsstaaten für Europa werben.
Die Ausstellung zeigt die Gesichter von Menschen, lässt sie über ihre Erfahrungen in ihren jeweiligen Ländern zu Wort kommen und gibt dabei kleine Einblicke in ihre – oftmals von biografischen Brüchen und Schicksalsschlägen geprägten – Leben. Es sind Momentaufnahmen von „Betroffenen“: Mitunter ein wenig desillusioniert von dem, was von den enthusiastischen Versprechen eines gemeinsamen Europas in ihrem Leben übrig geblieben ist, geben die zumeist älteren Protagonistinnen und Protagonisten nach Interviews mit jüngeren Menschen in ausgewählten Interviewpassagen, Zitaten und Leitmotiven im Sinne eines Generationendialogs bisweilen sehr intime Einblicke in ihr Leben.
An sechs Stationen zu den Themen Kindheit, Protest, Emanzipation, Freiheit, Haltung und Zukunft lädt die Ausstellung zur Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Europabildern, Wertevorstellungen und Lebensgeschichten ein. Eine Hörstation macht die Stimmen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen unmittelbar erfahrbar.

„Europa wird oft als politisches Projekt diskutiert. Mich interessieren die Menschen dahinter. Die Ausstellung bringt Gesichter und Stimmen zusammen, die zeigen, wie unterschiedlich Europa erlebt wurde und was uns trotz aller Unterschiede verbindet“, erläutert der Fotograf und Kurator der Ausstellung, Maximilian Gödecke.
Für Sabine Philipp, Leiterin des Stadtmuseums, sprachen vor allem zwei Hauptaspekte dafür, die in Zusammenarbeit mit „Demokratie leben in Wiesbaden“ und der Fachabteilung für Jugend International des Amtes für Soziale Arbeit nach Wiesbaden geholte Ausstellung im Stadtmuseum zu zeigen: „Wiesbaden ist seit 2021 Europa-Stadt und trägt damit diesen Ehrentitel. Zudem finden den gesamten Mai über auch in Wiesbaden die Europa-Wochen statt. Daher erschien es naheliegend, die Ausstellung zu diesem wichtigen Thema nach Wiesbaden zu holen“, so die Museumsdirektorin.
Ein zweiter Grund für das Stadtmuseum war und ist die Möglichkeit, erneut Projekt-, Kooperations- und Netzwerkarbeit zu betreiben.
„Als Stadtmuseum verstehen wir uns als Plattform für Vernetzung, Austausch und Begegnung. Diese Ausstellung macht genau das möglich – einerseits durch ihre Inhalte und ihr Thema: Man kommt in Begegnung mit Menschen, mit Gesichtern und mit Geschichten, hautnah, berührend und bewegend, vielleicht auch zornig oder nachdenklich machend. Andererseits entsteht Begegnung und Vernetzung mit den vielen unterschiedlichen Institutionen, Vereinen und Einrichtungen dieser Stadt, mit denen wir dieses großartige Projekt über mehrere Wochen hinweg gemeinsam umsetzen werden“, so Sabine Philipp, Leiterin des Stadtmuseums.
Die Ausstellung bietet ein umfangreiches Begleitprogramm an!
(Diether von Goddenthow /RheinMainKultur.de)
