Wiesbadener Patiententag widmet sich der Darmgesundheit – Festvortrag von Darm mit Charme-Autorin Giulia Enders

Obgleich der Internistenkongress bis zur Neueröffnung des RheinMain Congress Centers noch in Mannheim vom 29. April bis zum 2. Mai 2017 veranstaltet wurde, fand der traditionelle Patiententag im Wiesbadener Rathaus statt. Den Festvortrag hielt die junge Medizinerin Giulia Enders zum Thema ihres Bestsellers „Darm mit Charme“. © Foto: Diether v. Goddenthow

Anlässlich des diesjährigen Patiententages, eine Woche vor der Eröffnung des noch interimsweise in Mannheim vom 29. April bis zum 2. Mai 2017 veranstalteten Internistenkongresses, richtete sich der Blick 2017 nicht nur auf aktuelle medizinische Forschung, sondern auch auf die Frage, wie komplexes Gesundheitswissen verständlich und alltagsnah vermittelt werden kann. Einer der Höhepunkte der Veranstaltung war der Vortrag der Ärztin und Wissenschaftskommunikatorin Giulia Enders, die unter dem Titel „Darm mit Charme“ ein Organ in den Mittelpunkt stellte, das lange Zeit unterschätzt, tabuisiert oder schlicht ignoriert worden war.

Giulia Enders mit ihrem Bestseller „Darm mit Charme“ begeisterte auch das Wiesbadener Publikum. © Foto: Diether v. Goddenthow

Mit großer Leichtigkeit und spürbarer Begeisterung gelang es Enders, das Publikum für den Darm als zentrales Organ der Gesundheit zu sensibilisieren. Ihr Vortrag folgte dabei keinem trockenen medizinischen Lehrschema, sondern einer erzählerischen Logik: Der Darm erschien nicht als bloßer Verdauungsschlauch, sondern als hochkomplexes Kommunikationszentrum, das eng mit Immunsystem, Nervensystem und sogar unserer Psyche verknüpft ist. Enders machte deutlich, dass viele alltägliche Phänomene – von Bauchschmerzen über Infektanfälligkeit bis hin zum sprichwörtlichen „Bauchgefühl“ – Ausdruck dieses komplexen Zusammenspiels sind.

Eine ihrer zentralen Aussagen lautete sinngemäß: Der Darm ist kein Randorgan, sondern ein Schlüsselorgan unserer Gesundheit. Mit anschaulichen Bildern erklärte sie, wie Milliarden von Mikroorganismen im Darm leben und dort lebenswichtige Aufgaben übernehmen. Diese Darmflora sei kein passiver Mitbewohner, sondern ein aktiver Mitgestalter unseres Wohlbefindens. Gesundheit, so Enders, entstehe nicht durch Kontrolle und Perfektion, sondern durch Balance, Vielfalt und ein gutes Zusammenspiel.

Charakteristisch für den Vortrag war die Art der Vermittlung. Enders verstand es, medizinisch komplexe Sachverhalte humorvoll, bildhaft und respektvoll aufzubereiten. Sie enttabuisierte Themen, über die sonst nur ungern gesprochen wird, ohne sie zu banalisieren. Gerade dieser Ton – eine Mischung aus Fachwissen, Empathie und Humor – machte den Vortrag für ein breites Publikum zugänglich und wirksam. Lachen und Lernen gingen Hand in Hand.

Ein weiterer wichtiger Gedanke, den Enders vermittelte, war die Idee, dem eigenen Körper wieder zuzuhören. Symptome seien nicht bloß störende Fehlfunktionen, sondern Signale eines intelligenten Systems, das auf Ungleichgewichte aufmerksam macht. Wer lerne, diese Signale ernst zu nehmen, könne langfristig gesünder und achtsamer leben. Diese Haltung – nicht gegen den Körper zu arbeiten, sondern mit ihm – zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Vortrag.

Die Autorin musste im Nachhinein noch viele Fragen beantworten und Bücher signieren. © Foto: Diether v. Goddenthow

Der große Zuspruch des Publikums zeigte, wie sehr dieses Bedürfnis nach verständlicher, menschlicher Medizin vorhanden ist. Der Vortrag in Wiesbaden knüpfte dabei an den Erfolg von Enders’ gleichnamigem Buch an und machte deutlich, warum „Darm mit Charme“ weit über ein populärwissenschaftliches Sachbuch hinauswirkt: Es verändert den Blick auf den eigenen Körper.

Am Samstag öffnete der Patiententag mit Infoständen und bot wieder eine große Anzahl medizinischer Vorträge, unter anderem rund um die Darmgesundheit. © Foto: Diether v. Goddenthow

Als Fazit lässt sich sagen, dass Giulia Enders mit ihrem Auftritt beim Patiententag nicht nur Wissen vermittelte, sondern eine Haltung: Gesundheit als Dialog zwischen Körper und Geist, als etwas Dynamisches, das Aufmerksamkeit, Neugier und Vertrauen verlangt. Ihr Vortrag war damit ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie medizinische Aufklärung gelingen kann – fundiert, zugänglich und zutiefst menschlich.

(Diether von Goddenthow)