
Am 25. April 2026 hatten die Museen in Frankfurt und Offenbach zur traditionellen Nacht der Museen eingeladen, und über 40.000 Menschen waren gekommen. Kulturdezernentin Dr. Ines Hartwig erklärte, dass es erneut gelungen sei, „die Kunstszenen in Frankfurt, Offenbach und Eschborn zu einem einzigen Kulturraum“ zu verbinden. „Es war ein Fest für alle, das die Gründungsidee des Museumsufers konsequent weitertrug und mit Ausstellungen, Performances und Musik feierte.“

Zum Teil gab es lange Schlangen bis Mitternacht, was auch daran lag, dass in diesem Jahr die Sicherheitskontrollen besonders gewissenhaft durchgeführt wurden und sämtliche Taschen sowie Mäntel an eigens erweiterten Garderoben abgegeben werden mussten, sodass manch einer auch frustriert aufgab: „Dies tue ich mir nicht an!“ So standen vor dem Städel Museum die Menschen in zwei scheinbar endlosen Warteschlangen links und rechts, vor dem Historischen Museum reichte die Schlange noch um 22 Uhr bis auf den Römerberg, und im Caricatura Museum hätte Perscheid seine Freude an einer so schönen Cartoon-Vorlage gehabt, wie sich die Besucherinnen und Besucher auch im Inneren wie ein Lindwurm durch die Stockwerke im Haus am Weckmarkt bewegten. Klar, es fehlte am Römerberg zur Entlastung der Besuchermengen die Schirn Kunsthalle Frankfurt, die ihr Interimsquartier in der ehemaligen Dondorf-Druckerei an der Bockenheimer Warte aufgeschlagen hatte – wo in diesem Jahr auch der Schwerpunkt der Museumsnacht lag.
Auch dort gab es mitunter lange Schlangen, aber man kam gut hinein und fand Angebote auf allen Etagen sowie im Außenbereich des Innenhofes mit Café – bei den angenehm milden Temperaturen ein schönes Erlebnis. Hier und an anderen Orten rund um den geplanten Kulturcampus wurde dieser neu konzipierte Kulturraum erlebbar. Zwischen dem Dondorf-Areal, dem Bockenheimer Depot und Vision 31 öffneten sich Räume für Ausstellungen, historische Führungen, Zwischennutzungen und Tanzperformances.

Auch Wissenschaft und Forschung setzten starke Akzente – insbesondere rund um den ehemaligen Universitätscampus. Das Senckenberg Naturmuseum verband aktuelle Ausstellungen mit Musik. Umringte Zentren waren der Sauriersaal und der Saal der Wale. An mehreren im Museum verteilten Stationen gaben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den – auch zahlreich jungen – Besucherinnen und Besuchern, teils auch auf Englisch, ganz besondere Einblicke in ihre Arbeit und ließen sich bereitwillig „Löcher in den Bauch“ fragen. Zudem lud bis Mitternacht die „Aha?!-Forschungswerkstatt“ dazu ein, selbst aktiv zu werden und naturwissenschaftlichen Phänomenen auf die Spur zu kommen. Zwischen den Sauriern gab es ein abwechslungsreiches Wissenschaftsquiz, und eine DJane ließ die Knochen (leicht) beben.
Die Sternwarte ermöglichte neben Himmelsbeobachtungen auch spannende Vorträge, und im Zoo Frankfurt wurde zwischen Schau-Fütterungen am Weiher getanzt.
Während im Kontext der World Design Capital 2026 Fragen von Gestaltung und Zukunft in den Mittelpunkt rückten, begann im Archäologischen Museum der Abend mit einer Reise in die „unsichtbare Stadt“: Die Sonderausstellung „Frankfurts römisches Erbe“ ließ die antike Vergangenheit der Mainmetropole lebendig werden.
Kunstklassiker und große Ausstellungsmomente gehörten ebenso zur NACHT: Das Städel Museum präsentierte „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“, und das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum gab spannende Einblicke in das Leben und Werk des berühmten deutschen Regisseurs Wim Wenders.
Die NACHT wurde zugleich zur Bühne für Performance, Tanz und Musik: Die Frankfurt am Main Queens brachten den Frankfurter Kunstverein zum Beben, und Dragqueens übernahmen im Historischen Museum – glitzernd, laut und bunt. Elektronische Musik prägte das MOMEM, das mit Ausstellungen zur Frankfurter Clubgeschichte am Abend selbst zum Club wurde.

Viele Häuser setzten auf Beteiligung: Das EXPERIMINTA ScienceCenter bot über 180 Experimentierstationen, das Museum Angewandte Kunst öffnete Räume für gemeinsames Gestalten. Das Deutsche Architekturmuseum lud zu Swing, Showtanz und Karaoke ein, das Bibelhaus ErlebnisMuseum führte Archäologie mit Minecraft und VR zusammen. Im Deutschen Ledermuseum entstanden Accessoires aus Leder, und die Deutsche Börse Photography Foundation brachte Besucher:innen aus Eschborn bis ins Weltall.

Die NACHT, die von 19 Uhr bis 2 Uhr morgens stattfand, brachte Disziplinen, Orte und Menschen zusammen. Führungen, Gespräche und Workshops gaben Einblicke in aktuelle Sonderschauen. Dazwischen entstanden Musik, Bewegung und Dialog – sowie die besondere Atmosphäre zweier Städte, die für eine Nacht ihre Museumslandschaft gemeinsam inszenierten.
(Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)
