
Mit der Ausstellung „Persönlicher Blick“ ist am Sonntag, 8. März 2026, im Kunstforum Mainturm in Flörsheim am Main die zweite Biennale am Main eröffnet worden. In Vertretung von Bürgermeister Dr. Bernd Blisch begrüßte Michael Kröhle, Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung, die Gäste zur Vernissage. Grußworte sprachen zudem Dr. Susanne Völker, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, sowie Dr. Christopher Naumann, Leiter des Kulturamtes der Stadt Flörsheim am Main. Eine Einführung in die Ausstellung gab außerdem Dr. Irene Haas vom Kunsthaus Taunusstein.
Die Biennale am Main läuft vom 8. März bis zum 31. Mai 2026 im Kunstforum Mainturm und steht unter dem Titel „Persönlicher Blick“. Sie ist ein Beispiel für gelungene interkommunale Zusammenarbeit: Kooperationspartner des ambitionierten Kunstprojekts sind in diesem Jahr das Kunsthaus Taunusstein, das Kunstforum Seligenstadt sowie die Ateliergemeinschaft Wäscherei in Offenbach.

Michael Kröhle begrüßte die Besucherinnen und Besucher auch im Namen von Bürgermeister Dr. Blisch, der terminlich verhindert war. Besonders dankte er dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain für die Unterstützung der Biennale: Ohne dieses Engagement wäre eine Ausstellung dieser Größenordnung nicht möglich. Gerade für eine vergleichsweise kleine Stadt wie Flörsheim am Main sei es eine besondere Chance, hochwertige zeitgenössische Kunst präsentieren zu können. Veranstaltungen wie die Biennale zeigten, dass anspruchsvolle Kunst nicht nur in großen Metropolen beheimatet sei, sondern auch in Mittelzentren Menschen zusammenbringen, inspirieren und zum Austausch anregen könne. Der Dialog über Kunst sei zudem ein wichtiger Beitrag für Offenheit, gegenseitiges Verständnis und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Auch Dr. Susanne Völker betonte in ihrem Grußwort den gemeinschaftlichen Charakter des Projekts. Die Biennale am Main sei ein echtes Gemeinschaftswerk, das nur durch das Zusammenspiel vieler Beteiligter möglich werde. Gleichzeitig rücke die Ausstellung in diesem Jahr bewusst den individuellen Zugang zur Kunst in den Mittelpunkt. Ausgangspunkt ist die Sammlung des Kunsthauses Taunusstein, die 2026 ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Anders als viele andere bedeutende Kunstsammlungen folgt sie keinem streng kunsthistorischen Konzept. Stattdessen entstand sie aus der persönlichen Begeisterung der Sammler – aus einem ganz eigenen Blick auf Kunst.
Genau dieser persönliche Zugang bildet die Grundlage des Ausstellungskonzepts. Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Ländern und aus der Region haben Werke aus der Sammlung ausgewählt und darauf mit eigenen Arbeiten reagiert. Insgesamt beteiligen sich 37 Künstlerinnen und Künstler an der Biennale – darunter 15 aus der Sammlung sowie internationale Positionen unter anderem aus Brasilien, Korea und Spanien. In Malerei, Fotografie, Installation und performativen Formaten entsteht so ein vielschichtiger Resonanzraum zwischen Sammlung und Gegenwartskunst.
Dr. Irene Haas vom Kunsthaus Taunusstein erläuterte in ihrer Einführung die besondere Geschichte der Sammlung. Sie sei nicht nach kunstwissenschaftlichen Kriterien aufgebaut worden, sondern habe sich aus persönlicher Begeisterung entwickelt. Das erste Werk habe das Sammlerpaar eher zufällig bei einer Vernissage entdeckt – ein Erlebnis, das den Grundstein für die heutige Sammlung legte.

Haas stellte einige der präsentierten Künstler aus der Sammlung Haas van Gemmern vor. Einer der ersten Künstler, mit dem 2003 die Sammlung Haas van Gemmern begann, war Reinhard Stangl, der hier mit dem Werk „Der große Stern“ (2010) vertreten ist. Die Werke des Berliner Künstlers, so Haas, verbänden Figuration und Abstraktion und zeichneten sich durch farbreiche, vielschichtige Kompositionen aus. Er fühle sich der Tradition verpflichtet und habe zugleich eine eigenständige zeitgenössische Bildsprache entwickelt. Thematisch setze er sich mit Menschen, Alltagssituationen sowie Stadt- und Landschaftsbildern auseinander und zeige dabei ein feines Gespür für das Komische wie auch für das Tragische im Menschlichen.

Dr. Irene Haas zeigte sich außerdem besonders erfreut, dass die koreanische Künstlerin SEO trotz Schwierigkeiten im Luftverkehr rechtzeitig zur Vernissage nach Flörsheim anreisen konnte. Die 1992 in Gwangju (Südkorea) geborene Künstlerin kam nach ihrem Kunststudium nach Berlin und schaffte es mit großer Beharrlichkeit, bei Georg Baselitz an der Universität der Künste zu studieren, wo sie schließlich auch Meisterschülerin wurde. Ihre Arbeiten verbinden hyperrealistisch gemalte, oft digital entworfene Architekturen mit archaisch wirkenden Landschaften. In diesen kontrastreichen Bildwelten thematisiert SEO die Verfremdung des Natürlichen sowie die Spannungen zwischen digitaler Gegenwart und ursprünglicher Natur.
Über die Jahre seien immer mehr Arbeiten hinzugekommen, viele davon großformatige Werke, die heute das Profil des eigens dafür errichteten Kunsthauses in Taunusstein prägen.

Dr. Christopher Naumann, Leiter des Kulturamtes Flörsheim, hob die besondere Herausforderung hervor, eine Ausstellung mit vier Standorten und mehr als 30 beteiligten Künstlerinnen und Künstlern zu organisieren. Der „persönliche Blick“ sei dabei der rote Faden der Biennale: die individuellen Geschichten hinter den Werken und die Beziehungen zwischen Sammlung und zeitgenössischen künstlerischen Positionen.
Besucherinnen und Besucher können diese Hintergründe auch digital erkunden. Zu vielen Arbeiten führen QR-Codes zu Künstlerkarten und Hintergrundinformationen über die beteiligten Positionen und ihre Verbindung zur Sammlung.
Mit der Biennale am Main laden die beteiligten Institutionen dazu ein, Kunst aus unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Ausstellung versteht sich dabei nicht nur als Präsentation zeitgenössischer Kunst, sondern auch als Ausdruck regionaler kultureller Zusammenarbeit und Vielfalt.
(Diether von Goddenthow /RheinMainKultur.de)
Orte der Biennale Main

Atelier Wäscherei Offenbach
07.03. – 07.04.Birkenlohrstraße 1-3, 63071 Offenbach am Main
Kunstforum Mainturm
08.03. – 31.05.Dr.-Georg-von-Opel-Anlage 2, 65439 Flörsheim am Main
Kunstforum Seligenstadt
29.03. – 21.06.Frankfurter Straße 13, 63500 Seligenstadt
Kunsthaus Taunusstein
08.03. – 15.11.Hauptstraße 1 A, 65232 Taunusstein
