Lehrberufe feiern Comeback in Zeiten von KI – Run auf die IHK Bildungsmesse – azubi & studientage im RMCC Wiesbaden

Großer Andrang herrschte auf der 10. „IHK Bildungsmesse – azubi & studientage“ vom 13. bis 14. März 2026 in der RheinMain CongressHalle. © Foto Diether v. Goddenthow

Ob Wirtschaftsflaute oder Künstliche Intelligenz – in diesen Zeiten ist es für junge Menschen kurz vor dem Schulabschluss nicht immer einfach, die richtigen Weichen für ihre berufliche Zukunft zu stellen: „Soll ich studieren, ein Praktikum machen oder eine Ausbildung beginnen?“, „Welche Jobs kann KI nicht ersetzen?“ oder „Welche Berufe haben Zukunft mit KI?“ – diese Fragen bewegen viele Schülerinnen und Schüler heute noch vor der Suche nach dem eigentlichen „Traumjob“, wenn sie überlegen, wie es nach der Schule weitergehen soll.

Eine gute Gelegenheit, sich einen realistischen Überblick über mögliche Berufschancen zu verschaffen, bot vom 13. bis 14. März 2026 die „IHK Bildungsmesse – azubi & studientage“ im RheinMain CongressCenter (RMCC). Rund 11.000 Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, um sich bei Ausbildern, Auszubildenden und Personalverantwortlichen von rund 120 Unternehmen, Institutionen, Behörden und Organisationen über Einstiegsmöglichkeiten zu informieren.

Neben Ausbildern und Personalverantwortlichen beraten insbesondere auch Auszubildende im dritten Lehrjahr die Schüler, wie hier die Auszubildenden von THW und der Domäne Mechthildshausen. © Foto Diether v. Goddenthow

Neben Industriebetrieben waren Vertreter des Einzelhandels, Banken, Versicherungen und Kliniken vor Ort und präsentierten ihre Ausbildungsprogramme. Neu vertreten waren unter anderem Federal-Mogul Wiesbaden, Palast Promotion, der Rheingau-Taunus-Kreis sowie die Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien.

Jörg Brömer, Präsident der IHK Wiesbaden, IHK-Vizepräsidentin Tatjana Trömner-Gelbe, IHK-Hauptgeschäftsführerin Sabine Meder sowie die IHK-Geschäftsführerin Bildung, Christine Lutz, besuchten bei einem gemeinsamen Rundgang mit RMCC-Prokuristinnen Christiane Seelgen und Sandra Schestak verschiedene Messestände. Begleitet wurden sie unter anderem von Monika Kessler, Leiterin der Arbeitsagentur Wiesbaden, Bürgermeisterin Christiane Hinninger sowie Frans Louis Isrif, Geschäftsführer der mmm message messe & marketing GmbH.

Vor einem gemeinsamen Rundgang noch ein Gruppenfoto am IHK-Stand, (v.li.): Christine Lutz, IHK-Geschäftsführerin Bildung, Monika Kessler, Leiterin der Arbeitsagentur Wiesbaden, Tatjana Trömner-Gelbe, IHK-Vizepräsidentin, Frans Louis Isrif, Geschäftsführer der mmm message messe & marketing GmbH, Bürgermeisterin Christiane Hinninger, Jörg Brömer, Präsident der IHK Wiesbaden, Sabine Meder IHK-Hauptgeschäftsführerin, dahinter Sandra Schestak, RMCC-Prokuristin und weitere. © Foto Diether v. Goddenthow

Jörg Brömer betonte die zentrale Bedeutung der Messe für die berufliche Orientierung:
„Die Bildungsmesse eröffnet Ausstellern die ideale Gelegenheit, ihr Unternehmen als attraktiven Ausbildungsbetrieb zu präsentieren. Besucher profitieren von persönlichen Gesprächen, praktischen Einblicken und wertvollen Tipps für den Berufseinstieg.“ Zugleich dankte er dem Hausherrn, der Wiesbadener Congress Marketing GmbH, für die Bereitstellung der Location sowie den teilnehmenden Betrieben für ihr Engagement.

Auch Christine Lutz unterstrich die Bedeutung der Veranstaltung: „Uns als IHK ist es wichtig, die Vielfalt der Möglichkeiten aufzuzeigen, die eine duale Ausbildung bietet. Die große Zahl der Aussteller zeigt, wie groß das Interesse an Nachwuchskräften ist. Häufig bringen die Unternehmen ihre eigenen Auszubildenden mit, die direkt aus der Praxis berichten können. Das ist das besondere Plus der Messe: Man kommt unkompliziert ins Gespräch und findet viele Alternativen an einem Ort. Mit unserer Kampagne JETZT #KÖNNENLERNEN vermitteln wir zudem das ‚Lebensgefühl Azubi‘ und bieten Orientierung – ein Win-win für alle Seiten.“

KI verändert die Berufswahl

Am DEHOGA-Stand: Trotz der derzeitigen Flaute im Gastgewerbe werden Nachwuchskräfte weiterhin händeringend gesucht. Auch wenn vereinzelt KI-gestützte Service-Roboter oder automatisierte Hotel-Check-ins zum Einsatz kommen, gelten Arbeitsplätze im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im Tourismus weiterhin als vergleichsweise sicher. © Foto: Diether v. Goddenthow

Auf der IHK-Bildungsmesse zeigte sich in Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern ein deutlicher Wandel: Die Frage „Was interessiert mich?“ wird zunehmend ergänzt durch „Hat dieser Beruf überhaupt noch Zukunft – trotz KI?“. Künstliche Intelligenz ist längst nicht mehr nur ein Technikthema, sondern beeinflusst spürbar die Berufswahl junger Menschen. Viele Jugendliche setzen sich früh mit der Sorge auseinander, dass Tätigkeiten automatisiert werden könnten, und richten ihre Entscheidungen entsprechend neu aus. Der Traumjob wird damit zunehmend der Job, der auch eine sichere Zukunft verspricht.

So verändert KI die Perspektive auf Ausbildung und Studium deutlich. Galt noch vor wenigen Jahren ein Studium für viele als nahezu garantiertes Aufstiegsversprechen und sicherster Weg in eine stabile Karriere, zeigt sich heute ein differenzierteres Bild. Schülerinnen und Schüler beobachten, dass KI zunehmend wissens- und textbasierte Aufgaben übernimmt – etwa Recherche, Analyse, Gestaltung, Auswertung, Übersetzungen, juristische und steuerrechtliche Routineaufgaben bis hin zu (einfacherer) Programmierung. Dadurch entstehen neue Unsicherheiten, insbesondere bei klassischen akademischen Einstiegsberufen mit hohem Anteil an Routine-Denkarbeit.

Vor diesem Hintergrund erleben zahlreiche Ausbildungsberufe ein Comeback, da ihre Qualifikationen langfristig gefragt bleiben. Auch auf der Wiesbadener Bildungsmesse war ein wachsendes Interesse an Ausbildungsberufen und dualen Studiengängen zu erkennen, die praktische Fähigkeiten, technisches Know-how und menschliche Interaktion miteinander verbinden.

Duale Ausbildung
Zwei Bildungswege haben dabei besonders an Attraktivität gewonnen. Zum einen die duale Ausbildung: Sie ermöglicht einen frühen Berufseinstieg, vermittelt konkrete praktische – häufig nicht durch KI ersetzbare – Fähigkeiten und trifft auf eine hohe Nachfrage am Arbeitsmarkt.
Dazu zählen insbesondere Berufe im technischen Handwerk wie Elektroniker/in für Energie- und Gebäudetechnik, Anlagenmechaniker/in SHK (Heizung, Klima, Sanitär), (KfZ-)Mechatroniker/in, IT-Fachinformatik für Systemintegration, Industriemechaniker/in, Dachdecker/in, Maurer/in oder Zimmerer/Zimmerin. Aber auch Dienstleistungsberufe im Event- und Veranstaltungsbereich, in der Gastronomie, im Verkehrswesen – etwa als Fachkraft im Fahrbetrieb (FiF) – sowie im Gesundheits- und Sozialwesen, beispielsweise in der Pflege, als Erzieher/in oder Physiotherapeut/in, gelten als Tätigkeiten, die sich kaum automatisieren lassen.

Duales Studium
Zum anderen gewinnt das duale Studium weiter an Bedeutung. Die Kombination aus akademischem Wissen und praktischer Erfahrung bereitet praxisnah auf technologische Veränderungen vor und ermöglicht häufig einen direkten Übergang in eine feste Beschäftigung nach Studienabschluss.

Besonders zukunftsstark gelten duale Studiengänge in Technik und Industrie wie Elektrotechnik, Mechatronik, Maschinenbau mit Automatisierung oder Wirtschaftsingenieurwesen. Auch im Bereich IT und Digitalisierung sehen viele leistungsstarke Schülerinnen und Schüler in Studiengängen wie Informatik, Wirtschaftsinformatik oder Data Science & KI-Management eine Art „Zukunftsversicherung“ – vorausgesetzt, sie arbeiten nicht gegen KI, sondern in Bereichen, in denen KI als Werkzeug genutzt und weiterentwickelt wird.

Hohe Nachfrage nach Nachwuchskräften

Ausbildungsberufe bietet auch die TriWiCon der Wiesbadener Congress u Marketing Gmbh an. © Foto: Diether v. Goddenthow

Positiv nahmen viele junge Besucherinnen und Besucher wahr, dass Unternehmen trotz teilweise schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen weiterhin intensiv nach Nachwuchs suchen. Auch wenn in einigen Bereichen – insbesondere in Teilen der Industrie – von angespannten Arbeitsmärkten und einzelnen Stellenabbauten berichtet wird, zeigte sich auf der Messe ein anderes Bild: Vor allem das Handwerk sucht weiterhin dringend junge, technikinteressierte Fachkräfte.

Ein ähnlicher Eindruck entstand im Hotel- und Gaststättengewerbe, das zuletzt durch Insolvenzen und wirtschaftliche Herausforderungen belastet war. Dennoch gelten engagierte Nachwuchskräfte hier ebenso wie im Tourismus- und Veranstaltungsbereich weiterhin als rar und entsprechend gefragt. Besonders deutlich wird der Bedarf im Pflegebereich: Kaum eine Branche bietet derzeit stabilere Beschäftigungsperspektiven und langfristige Zukunftschancen.

Offene Atmosphäre und direkte Einblicke

Lockere Atmosphäre, wie hier am Stand der Wiesbadener Volksbank. © Foto: Diether v. Goddenthow

An den Messeständen herrschte insgesamt eine offene und entspannte Atmosphäre. Mit Gewinnspielen, Mitmachaktionen, Rätseln, praktischen Experimenten und kleinen Give-aways gelang es den Ausstellern, Interesse für unterschiedliche Berufsfelder zu wecken. Jugendliche konnten unkompliziert erste Kontakte knüpfen, sich vorstellen oder offene Fragen klären. Gleichzeitig nutzten Unternehmen die Gelegenheit, Bewerbungstipps zu geben und auf Praktikumsangebote aufmerksam zu machen.

Gute Vorbereitung zahlt sich aus
Viele Schülerinnen und Schüler hatten ihren Messebesuch bereits im Vorfeld geplant. Über Online-Plattformen konnten sie sich vorab über Ausbildungsangebote informieren und teilweise sogar Gesprächstermine vereinbaren. Wer noch unsicher hinsichtlich der eigenen beruflichen Richtung war, konnte digitale Interessen- und Talenttests nutzen. Diese halfen dabei, persönliche Stärken besser einzuschätzen und passende Berufsfelder sowie potenzielle Ausbildungsbetriebe zu entdecken. Thematische Parcours auf dem Messegelände unterstützten zusätzlich bei der Orientierung und erleichterten die gezielte Suche nach geeigneten Unternehmen.

Informationen rund um den Berufseinstieg
Neben den Gesprächen an den Messeständen bot auch das vielseitige Rahmenprogramm zahlreiche Mehrwerte. Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehrkräfte profitierten von Vorträgen der Wirtschaftsjunioren bei der IHK, die praxisnahe Tipps rund um Bewerbung und Berufsorientierung vermittelten und junge Besucher beim Rundgang begleiteten. Weitere Fachreferenten informierten über duale Studienmöglichkeiten verschiedener Anbieter, Karriereperspektiven in sozialen Berufen sowie über die hessenweiten Praktikumswochen 2026, die von Juni bis August stattfinden und zusätzliche Einblicke in unterschiedliche Branchen ermöglichen.

(Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)

Weitere Infos rund um Berufseinstieg und Ausbildung:

IHK Wiesbaden

HWK Wiesbaden