„Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“ ab 19. März 2026 im Städel Museum Frankfurt

Claude Monet „Étretat. Die Felsnadel und das Felsentor von Avral“ 1885 © Foto Diether v. Goddenthow

Mit der fulminanten Sonderausstellung „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“ widmet sich das Städel Museum vom 19. März bis 5. Juli 2026 der künstlerischen Entdeckung des an der Alabasterküste der Normandie gelegenen Fischerdorfes Étretat im 19. Jahrhundert und dessen Einfluss auf die Malerei der Moderne. In 12 Sälen präsentiert es im Ausstellungshaus gut 170 herausragende Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und historische Dokumente aus führenden französischen, deutschen und weiteren internationalen Museen sowie aus Privatsammlungen, darunter allein 24 Werke von Claude Monet.

Gustave Courbets berühmtes Bild „Die Woge“ 1869. © Foto Diether v. Goddenthow

„In den rund hundert Jahren von der Romantik bis zur Klassischen Moderne zeigt sich eine vielgestaltige Veränderung des künstlerischen Blicks auf die beeindruckende Küstenlandschaft rund um den kleinen Ort Étretat. Von stimmungsvollen Aquarell- und Ölstudien über frühe Fotografien bis hin zu Claude Monets berühmten Gemälden der imposanten Felsen spannt sich der Bogen. Étretat war mit seiner einzigartigen Küstenlandschaft ein Anziehungspunkt für Künstler mehrerer Generationen. In der Zusammenarbeit mit dem Musée des Beaux-Arts de Lyon war es uns ein zentrales Anliegen, Courbets epochale Wogen-Bilder und Monets serielle Landschaftsgemälde in einen erweiterten Kontext zu stellen und Étretats Bedeutung für die moderne Kunst sichtbar zu machen“, so Alexander Eiling und Eva Mongi-Vollmer, Kuratoren der Ausstellung am Städel Museum.

Eine der Hauptattraktionen in Raum 5, „Étretat als Motiv für Pioniere der Fotografie“ ist Anselm Feuerbachs „Das Felsentor Manneporte bei Étretat“, hier ein Bildausschnitt. © Foto Diether v. Goddenthow

Die Ausstellung vereint neben Werken von Eugène Delacroix, Gustave Courbet, Claude Monet und Henri Matisse eine Vielzahl weiterer wichtiger Positionen der modernen und zeitgenössischen Kunst – von Johann Wilhelm Schirmer und Eugène Le Poittevin über Camille Corot und Eugène Boudin bis hin zu Elger Esser. Gemeinsam verdeutlichen die Arbeiten die anhaltende Faszination, die dieser Ort bis heute ausübt. Die Leihgaben stammen unter anderem aus den Staatlichen Museen zu Berlin, dem Fitzwilliam Museum in Cambridge, dem Metropolitan Museum of Art in New York, der National Gallery of Canada in Ottawa sowie dem Musée d’Orsay in Paris.

Claude Monet schärfte wie kein anderer Maler den Blick auf Étretat und prägte den Ort in eindrucksvoller Weise als Zentrum des Impressionismus, weswegen das Städel sich für den Titel „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“ entschied. Monet schuf in Étretat über 80 Gemälde. „Ein Drittel davon ist aus Anlass dieser Ausstellung aus der ganzen Welt nach Frankfurt gekommen“, freut sich Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums. „Wir sind darüber sehr glücklich und danken allen Leihgebern – bis hin nach San Francisco –, die diese Schätze zunächst nach Lyon und anschließend nach Frankfurt geschickt haben“, so Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums.

Raum 3 Étretats Weg in die Kunst. © Foto Diether v. Goddenthow

„Mit dieser Sonderausstellung widmen wir uns erstmals der Entstehung des Mythos Étretat. Der Küstenort mit seinen markanten Felsentoren und dem einzigartigen Licht fasziniert Künstler seit dem 19. Jahrhundert und hat bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren. In Étretat entwickelte Claude Monet seine berühmten Motivreihen, die den Impressionismus entscheidend prägten. Besonders stolz sind wir darauf, dass zwei herausragende Werke aus der Städel-Sammlung, die in Étretat entstanden sind, den Ausgangspunkt der Schau bilden: Monets Mittagessen und Gustave Courbets Woge.

Ergänzt werden sie durch hochkarätige internationale Leihgaben, darunter allein 24 Werke von Monet. Unser herzlicher Dank gilt allen Leihgebern sowie unseren Förderern für ihre großzügige Unterstützung. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit unseren Besucherinnen und Besuchern der bis heute anhaltenden Faszination Étretats nachzuspüren“, erklärt der Städel-Direktor

Raum 7: Eugène Le Poittevins Seebad in Étretat (1865) hält das neue Phänomen des Wellenbadens im Meer als Therapie für diverse Beschwerden fest. Aus lokalen Fischern wurden Badegehilfen, hier an ihren roten Hemden zu erkennen, die beispielsweise die Gäste mit Leiterwagen so weit ins Meer hinausschoben, bis diese von erhöhten Sprungbrettern ins Wasser hüpfen konnten. Eine Besonderheit war, dass sich Frauen nicht wie in anderen Kurorten in abgegrenzten Bereichen aufhalten mussten. Das machte Étretat besonders beliebt. © Foto Diether v. Goddenthow

Wie sich in der Ausstellung, die mit Henri Matisses Étretat-Werken von 1920 in Raum 12 endet, eindrücklich nachvollziehen lässt, spielte Étretat eine bedeutende Rolle bei der Entstehung einer neuen Malerei, die als Impressionismus in die Kunstgeschichte einging. Das Interesse der Künstler galt vor allem der charakteristischen Klippenlandschaft, die zugleich als aufregend schön und bedrohlich wahrgenommen wurde. Der Betrachter staunt dabei, wie spannend eine Ausstellung sein kann, deren Fokus sich ganz auf die künstlerische Erfassung der imposanten Felsenküste richtet. Immer mehr Maler und Schriftsteller, später auch Fotografen, reisten nach Étretat und machten den abgelegenen Ort durch ihre Werke über die Grenzen Frankreichs hinaus berühmt. Mit der zunehmenden touristischen Erschließung um 1850 entwickelte sich Étretat zu einem beliebten Seebad und zu einem Treffpunkt für Künstler, Intellektuelle und das Pariser Bürgertum: Gustave Courbet malte hier seine berühmten Wellenbilder, Guy de Maupassant erhob Étretat literarisch zu einem Sehnsuchtsort, und der Gentleman-Gauner Arsène Lupin, die Romanfigur von Maurice Leblanc, hortete hier seine Kunstschätze.

 

DIE AUSSTELLUNG

Immersiv-imposante Einstimmung auf „Monets Küste“ in die Steilküstenwelt der Bucht von Étretat in der Normandie. © Foto Diether v. Goddenthow

Einen wunderbaren Auftakt der Ausstellung bildet eine immersive Show auf Basis eines grandiosen dreidimensionalen Scans der Felsformationen der Bucht von Étretat. Sie lässt die Besucher rund 15 Minuten lang zur Einstimmung die Kreidefelsküste im Wechselspiel von Sonnenauf- und -untergang entlang der Küste fliegen. Produziert hat die Show das Pariser Unternehmen ICONEM, das auf die Digitalisierung von gefährdeten Kultur- und Naturgütern spezialisiert ist. Allein dieses Erlebnis wäre ein Museumsbesuch wert, insbesondere, wenn man weiß, dass seit Mai 2025 weite Teile der Kreidefelsen in Étretat, inklusive der berühmten Felsbögen und bestimmter Strandabschnitte, aufgrund akuter Einsturzgefahr und fortschreitender Erosion für Besucher gesperrt sind.

Insofern sind die Werke der Impressionisten von Étretat zusehends wertvolle Dokumente. Die Entwicklung im 19. Jahrhundert – vom Fischerdorf über das Seebad zum Künstlerort – geht bereits auf die Zeit der Romantik um 1800 zurück. Damals, noch ein Geheimtipp für Intellektuelle, erfreute sich die Alabasterküste bei Étretat großer Beliebtheit bei Malern und Schriftstellern, nachdem sie durch erste Darstellungen der Felsformationen von Kollegen animiert worden waren. In der Folge mauserte sich das nicht einmal durch eine befestigte Straße erreichbare abgeschiedene Fischerdorf im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem Zentrum für Literaten und Künstler.

Raum 3 „Étretats weg in die Kunst“ zeigt eine Serie hochwertiger naturrealistischer Bilder Johann Wilhelm Schirmer, dem Mitbegründer der berühmten Düsseldorfer Malschule. Im Auge der Betrachter Schirmers „Felsküste bei Étretat“ 1836. Er hatte die fotorealistisch anmutenden Werke nicht als Kunst deklariert, sondern „lediglich“ zu Studienzwecken angefertigt. Das war drei Jahre vor der offiziellen Geburtsstunde 1839. © Foto Diether v. Goddenthow

Als einer der ersten Künstler hielt sich Eugène Isabey (1803–1886) für längere Zeit in Étretat auf und schuf zahlreiche Landschaftsaquarelle, die einen Eindruck von der Ursprünglichkeit des Ortes vermitteln. Auch der deutsche Johann Wilhelm Schirmer (1807–1863) war einer der frühen Maler, der in den 1830er-Jahren Ölstudien von Étretat anfertigte, die durch ihre brillante, fast fotorealistische Darstellung hervorstechen und die Betrachter überraschen werden. Eugène Delacroix (1798–1863) hielt die Küste in stimmungsvollen Gouachen und Aquarellen fest – so eindrucksvoll, dass Monet eines seiner Werke erwarb. All diese frühen Arbeiten gaben entscheidende Impulse, die Étretats Küste nicht nur für Künstler zum Sehnsuchtsort werden ließen.

Eugène Le Poittévin (1806–1870)  Panorama Seebad in Étretat

Raum 7 Eugène Le Poittevin „Das Seebad. Strand von Étretat“ 1865 © Foto Diether v. Goddenthow

Zur gleichen Zeit machten reich illustrierte Reiseführer Étretat überregional bekannt, und die Küste entwickelte sich zu einem beliebten Ziel für Touristen. Eugène Le Poittévin (1806–1870) zeigte in seinem Panorama Seebad in Étretat (1866) den frühen Badetourismus und feierte mit seinen Gemälden im Pariser Salon große Erfolge, die Étretat vor allem beim städtischen Publikum populär machten. Le Poittévins Blick richtete sich auch auf den Alltag der Fischer, den er in romantisierenden Darstellungen wiedergab. Die Besucher finden seine Werke in Raum 7, zum Start dieses Ausstellungsteils im Ausstellungshaus.

Die Vielzahl an Darstellungen von Étretat sowie zeitgenössische Publikationen trugen maßgeblich zur Entstehung des Mythos rund um den Küstenort und dessen zunehmende Popularisierung bei. Die lokalen Lebensweisen und das Erscheinungsbild des Ortes veränderten sich grundlegend, und Étretat wurde zu einem sozialen und kulturellen Raum, in dem sich Fischerdorf, Seebad und Künstlerort überlagerten und gegenseitig beeinflussten.

Gustave Courbets Wellenbilder

Raum 4 widmet sich Courbets Aufenthalt in Etretat, unter anderem mit seinen berühmten Wellenbildern. © Foto Diether v. Goddenthow

Den berühmten Wellenbildern von Gustave Courbet (1819–1877) ist in der Ausstellung ein eigener Raum 4 gewidmet. Ein Sturm, den der Künstler 1869 aus seinem Atelier in Étretat beobachtete, war Ausgangspunkt für eine Reihe von rund 20 Gemälden. In den Naturdarstellungen der Klippen und der rauen Wellen verzichtet Courbet sowohl auf erzählerische oder charakteristische Elemente des Ortes als auch auf die Darstellung der Bevölkerung. Er konstruiert bewusst eine künstlerische Realität, indem er den Bildraum durch Perspektivwechsel verfremdet oder verkürzt. Die Farbe trägt er nicht mit dem Pinsel, sondern mit dem Palettmesser auf – so entsteht eine raue, krustige Oberfläche, die mit den damaligen Regeln der akademischen Malerei bricht. Die beiden Gemälde mit dem Titel Die Woge aus der Städel-Sammlung (1869) und aus dem Musée des Beaux-Arts de Lyon (1869/70) sind herausragende Beispiele dieser Werkgruppe und werden durch weitere hochkarätige Leihgaben wie Felsen von Étretat (um 1869/70) oder Die ruhige See (1869) ergänzt. Im Pariser Salon von 1870 feierte Courbet mit diesen Motiven einen beispiellosen Erfolg. Nachfolgende Künstler – darunter Monet – sollten sich an Courbets Werken messen.

Étretat als Motiv für Pioniere der Fotografie

Bereits Anfang der 1850er-Jahre beginnen aristokratische und bürgerliche Hobbyfotografen Etretat abzulichten. Die wohlhabenden Urlauber nutzen die noch neue Technik der Fotografie auf äußerst kreative Weise. Die erste Fotoserie zu Etretat erscheint 1853 und stammt wahrscheinlich von dem gelernten Chemiker Alphonse Davanne. © Foto Diether v. Goddenthow

Bereits wenige Jahre nach der Erfindung der Fotografie wurde Étretat zu einem fotografischen Motiv. Eine der ersten Fotoserien von Étretat entstand 1852 und wurde vermutlich von dem Chemiker Alphonse Davanne (1824–1912) realisiert. Zehn Jahre später nahm er eine weitere Serie auf, deren großformatige Abzüge sich durch ihre technische Perfektion auszeichnen. Davanne hält in diesen seltenen Fotografien sowohl die eindrucksvolle Landschaft als auch den wachsenden Ort und den dicht mit Booten belegten Strand fest. Paul Gaillard (1832–1890) experimentierte parallel mit verkürzten Belichtungszeiten, um Bewegungen von Wellen und Badegästen festzuhalten. Die Fotografie hatte gleichzeitig Auswirkungen auf das Werk einiger Maler, wie etwa Anselm Feuerbach (1829–1880), der sich nie selbst in Étretat aufgehalten hat und dem wahrscheinlich eine Fotografie als direkte Vorlage für das Gemälde Das Felsentor. Manneporte bei Étretat (um 1860) diente. Bis heute berufen sich umgekehrt auch Fotografen auf Gemälde von Étretat: Balthasar Burkhard (1944–2010) tritt mit seinen Momentaufnahmen von Wellen in die Fußstapfen von Courbet, während Elger Esser (*1967) in seinen nostalgischen, menschenleeren Fotografien wie Étretat (nach Schirmer) (2006) unter anderem auf den Maler Johann Wilhelm Schirmer Bezug nimmt.

Raum 10: Monet und Étretat

Raum 10 Monet und Etretat, Monet widmet sich während seiner Aufenthalte in Etretat mehreren Gemälden gleichzeitig, um unterschiedliche Wetter- und Lichteffekte festzuhalten. Etretat und seine Klippen sind daher eng verbunden mit jener Form des seriellen Arbeitens, die zu einem Markenzeichen von Monets Malerei werden und der modernen Kunst entscheidende Impulse geben sollte. © Foto Diether v. Goddenthow

Einen ganzen Saal, Raum 10, widmet das Städel Museum „Monet und Étretat“. „Zwischen 1864 und 1886 hielt sich Monet mindestens sechs Mal in Étretat auf. In dieser Zeit entstanden rund 80 Gemälde, mehrere Pastelle und eine Reihe von Zeichnungen, die bis heute den Blick auf den Ort prägen. Étretat bildet somit einen Schwerpunkt in Monets künstlerischer Auseinandersetzung mit der normannischen Küste. Zahlreiche Briefe zeugen von seinem Anspruch, sich von den bereits etablierten Darstellungen Étretats abzusetzen und etwas Neues zu schaffen.

Nach seinen ersten Aufenthalten 1864 und 1868/69, bei denen eines der Hauptwerke der Städel-Sammlung, Das Mittagessen (1868/69), entstand, kehrte Monet Anfang der 1880er-Jahre mit der Aussicht auf kommerziell erfolgreiche Motive mehrfach, meist außerhalb der Badesaison, nach Étretat zurück. In den Gemälden dieser Zeit verzichtet der Künstler bewusst auf die mondäne Darstellung des Ortes und konzentriert sich beim Malen im Freien auf die unmittelbare Wiedergabe seiner Natureindrücke. Seine Malweise in scheinbar spontanen, rhythmischen Pinselstrichen und die feine Abstimmung der Farbwerte auf der Leinwand stehen exemplarisch für die impressionistische Malerei.

Raum 10 Monet und Etretat, © Foto Diether v. Goddenthow

Um unterschiedliche Wetter- und Lichteffekte festzuhalten, arbeitete Monet parallel an mehreren Gemälden. Étretat ist daher eng verbunden mit jener Form des seriellen Arbeitens, die zu einem Markenzeichen seiner Malerei werden und entscheidende Impulse für die weitere Entwicklung der modernen Kunst geben sollte. Werke dieser Schaffensphase wie Stürmisches Meer bei Étretat (1883), Étretat. Die Felsnadel und das Felsentor von Aval (1885), Steilküste von Aval (1885) oder Étretat. Die Manneporte (1885/86) sind in der Ausstellung vereint. Monets Motive aus Étretat sprachen einen großen Käuferkreis an und trugen damit nicht nur entscheidend zu seinem künstlerischen Erfolg bei, sondern verstärkten auch den Mythos um Étretat.

Monet und die Folgen

Die zunehmende Beliebtheit des Ortes bei zahlungskräftigen Touristen eröffnet einen großen Absatzmarkt, der immer mehr Künstler nach Etretat lockt. Die Konzentration auf die erhabene Klippenlandschaft kennzeichnet auch das Werk zahlreicher Künstler, die in der Nachfolge von Monet nach Etretat kommen. © Foto Diether v. Goddenthow

Étretats zunehmende Beliebtheit bei zahlungskräftigen Touristen erschloss einen großen Absatzmarkt für Étretat-Motive. Die Werke waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts fester Bestandteil in Ausstellungen und Galerien in Frankreich und lockten immer mehr Künstler an die Küste. Eugène Boudin (1824–1898) integrierte Szenen aus dem Alltag der lokalen Bevölkerung in seine Landschaftsgemälde und zeigte so eine Facette des Ortes, die Monet in seinen zumeist menschenleeren Darstellungen ausklammerte. Die Konzentration auf die erhabene Klippenlandschaft kennzeichnet auch das Werk zahlreicher Künstler, die in der Nachfolge Monets nach Étretat kamen. Ihre Bilder sind unterschiedlichen Stilrichtungen zuzuordnen: von impressionistisch formauflösender Malerei bei Émile Schuffenecker (1851–1934) über präzise Naturdarstellungen bei Paul Leroy bis hin zu Jean Francis Auburtins (1866–1930) großformatigen, durch japanische Farbholzschnitte inspirierten Aquarellen und Gouachen. Auch Gustave Caillebotte (1848–1894) besuchte Étretat. In seinem Werk Mann im Arbeitskittel (1884) vermeidet er es jedoch, ortstypische Anhaltspunkte wiederzugeben.

Henri Matisse prangert in „Étretat. Die Fässer“ (um1920) die damals schon beginnende Umweltverschmutzung als eine der negativen Folgen des Massentourismus an. © Foto Diether v. Goddenthow

Im Sommer 1920 fertigte Henri Matisse (1869–1954) während zweier Aufenthalte in Étretat mehr als 40 Gemälde und zahlreiche Zeichnungen an. Ein Großteil dieser Arbeiten wurde noch im selben Jahr in Paris ausgestellt und unterstreicht die anhaltende Beliebtheit von Motiven aus Étretat. In bewusster Auseinandersetzung mit den Gemälden von Courbet und Monet widmet sich Matisse der Küste aus verschiedenen Perspektiven – die Bilder erscheinen wie bei seinen Vorbildern meist menschenleer. Mit wenigen Strichen und reduzierter Farbpalette fängt er beispielsweise in Étretat. Die Fässer (1920) die charakteristischen Elemente des Strands ein.

Seit mehr als 150 Jahren ist Étretat mittlerweile Urlaubsort und Ziel des internationalen Tourismus. Die Besucherströme bedrohen die Steilküste jedoch ebenso wie die Erosion und der Klimawandel.

Die Untersuchung des Mythos Étretat ermöglicht es, wie unter einem Brennglas die ambivalenten Auswirkungen der Popularisierung eines Ortes sowie die Rolle der Kunst dabei nachzuvollziehen. Mit „Monets Küste. „Die Entdeckung von Étretat“ lädt das Städel Museum dazu ein, die Faszination Étretats – einer Wiege des Impressionismus – neu zu erleben. Die Ausstellung ist sehr empfehlenswert.

(Dokumentation Diether von Goddenthow /RheinMainKultur.de)

Alle weiteren Information: Städel Museum Frankfurt.