Museum für Kommunikation Programmvorschau 2026: Künstliche Intelligenz, Demokratiebildung und Erinnerungskultur

Die Freiheit des Mobiltelefons: telefonieren im fahrenden Auto, um 1980. © Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Das Museum für Kommunikation setzt 2026 seine inhaltlichen Schwerpunkte auf Künstliche Intelligenz, Medienkompetenz und gesellschaftlichen Dialog. Im Rahmen eines Pressegesprächs zieht Direktorin Dr. Annabelle Hornung eine Bilanz ihres ersten Amtsjahres und gibt einen Ausblick auf das kommende Programmjahr.

Ein zentrales Thema bleibt die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz und ihren Chancen sowie Risiken für Gesellschaft und Kommunikation. Am 27. Mai 2026 eröffnet das Museum den Stelenwald „20+1: 20 und (d)eine Perspektive auf KI“ neu in der Dauerausstellung. Grundlage sind Beiträge aus der Öffentlichkeit, die im Rahmen eines Ideenforums im Dezember 2025 gesammelt wurden. Die seit 2017 integrierten digitalen Stelen werden mit aktuellen Statements von Fachleuten zu selbstlernenden Algorithmen und deren gesellschaftlichem Einfluss neu bespielt.

Das Jahresprogramm beginnt bereits im Januar mit dem 100-jährigen Jubiläum der Mobiltelefonie. Ab dem 14. Januar widmet sich eine Pop-up-Ausstellung im Museumsfoyer sowie eine digitale Präsentation auf der Museumswebsite der Geschichte des mobilen Telefonierens.

Ideenforum 6. Dezember 2025 | Co-kreative Angebote für das Publikum. © Museumsstiftung Post und Telekommunikation / Foto: Stefanie Kösling

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Erinnerungskultur. Ab dem 29. Januar 2026 zeigt das Museum die Ausstellung „Die Nazis waren ja nicht einfach weg“, die in Zusammenarbeit mit dem Schulmuseum der Universität Erlangen-Nürnberg entstanden ist. Sie thematisiert den gesellschaftlichen Umgang mit dem Nationalsozialismus seit 1945 und richtet sich insbesondere an junge Menschen. Begleitveranstaltungen stellen regionale Bezüge her und bieten Gespräche mit Initiativen, Zeitzeugen und geführte Rundgänge zu Orten der Frankfurter NS-Geschichte.

Im August eröffnet die Ausstellung „Samizdat: Worte der Freiheit in der Tschechoslowakei 1939–1989“. Anlässlich des Gastlandauftritts Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse rückt sie die Produktion und Verbreitung verbotener Literatur unter diktatorischen Bedingungen in den Fokus. Die Ausstellung beleuchtet die Samizdat-Bewegung als Ausdruck von Widerstand gegen Zensur und staatliche Kontrolle.

Den Abschluss des Ausstellungsjahres bildet die große Sonderausstellung „Familienbande“, die ab dem 22. Oktober 2026 zu sehen ist. Sie untersucht, wie sich Familienkommunikation in einer vernetzten Welt verändert. Ergänzt wird die Ausstellung durch einen intergenerationellen Audioguide, der in Workshops gemeinsam mit unterschiedlichen Gruppen entwickelt wird.

Auch im Bereich der Vermittlung baut das Museum sein Angebot weiter aus. Ziel ist es, Medienbildung als Beitrag zur Demokratieförderung zu verstehen. Workshops, Führungen und Weiterbildungsangebote vermitteln Kompetenzen im Umgang mit Kommunikationstechnologien und Künstlicher Intelligenz. In Kooperation mit der Volkshochschule Frankfurt werden Kurse angeboten, die unter anderem den Einsatz von KI-Anwendungen im Alltag sowie die Frage von Vorurteilen und Diskriminierung durch Algorithmen thematisieren.

Ausstellung „NACHRICHTEN – NEWS (bis 6. September 2026 © Museumsstiftung Post und Telekommunikation / Foto: Stefanie Kösling

Bis September 2026 begleitet das Museum zudem die Ausstellung „NACHRICHTEN – NEWS“ mit einem umfangreichen Rahmenprogramm zur Orientierung in der wachsenden Nachrichtenflut. Ein Aktionstag zum Lokaljournalismus am 5. Mai 2026 sowie Diskussionsformate mit Vertretern aus der Medienbranche vertiefen das Thema.

Zwei weitere Pop-up-Ausstellungen im Museumsfoyer widmen sich dem Jubiläum der Mobiltelefonie sowie Designklassikern aus der Sammlung des Museums im Rahmen der World Design Capital 2026.

Mit seinem Programm 2026 positioniert sich das Museum für Kommunikation erneut als Ort der Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen an der Schnittstelle von Technologie, Medien und Demokratie.

 

Ausstellungsprogramm Fortlaufende Ausstellungen
Bis 6. September 2026
NACHRICHTEN – NEWS

Seit April 2025
Mediengeschichte(n) … mit Kunst erzählt
Seit Dezember 2025
Dauerausstellung: Neue KI-Inseln

Neue Sonderausstellungen

14. Januar bis 31. Mai 2026
Pop-Up-Ausstellung: 100 Jahre unterwegs telefonieren
30. Januar bis 26. Juli 2026
Sonderausstellung: „Die Nazis waren ja nicht einfach weg: Vom Umgang mit dem Nationalsozialismus in Deutschland seit 1945“
Mai 2026
Dauerausstellung: „20+1: 20 und (d)eine Perspektive auf KI“

Juni 2026 bis Ende 2026
Pop-Up-Ausstellung: 10 Designklassiker der Dauerausstellung (im Rahmen des World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026)

20. August 2026 – 10. Januar 2027
Sonderausstellung: „Samizdat: Worte der Freiheit in der Tschechoslowakei 1939 – 89“

22. Oktober 2026 bis 5. September 2027
Familienbande

Auswahl Veranstaltungen 2026
Do, 12. Februar 2026, 9 – 15 Uhr
Glauben, Meinen, Wissen: Fake News am Beispiel des Klimawandels
Eine partizipative Bildungsveranstaltung ab Jahrgangsstufe 8
Die zunehmende Verbreitung von Desinformationen stellt Schulen und Bildungseinrichtungen
vor große Herausforderungen. Umweltlernen Frankfurt, das Museum für Kommunikation und
das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) laden daher zu einer gemeinsamen
Veranstaltung zur Förderung der Medienkompetenz ein. Thematische Leitthema ist dabei der
Klimawandel. Schüler:innen ab der 8. Klasse erhalten die Gelegenheit, ihre Fragen an
Expert:innen aus den Bereichen Social Media, Journalismus, KI und
Wissenschaftskommunikation zu richten.
Anmeldung per Mail an: matthias.kerber@stadt-frankfurt.de
KI-Kurse in Kooperation mit der vhs Frankfurt

18. Februar 2026, 17 – 20 Uhr
Wie kann künstliche Intelligenz mein Leben vereinfachen? – Versprechungen
und Anwendungen des KI-Einsatzes für ältere Menschen
Optional: 16 – 16:30 Uhr Kurzführung zum neuen KI-Bereich in der Dauerausstellung

18. März 2026, 17 – 20 Uhr
KI-Apps mit dem Smartphone clever einsetzen – Textarbeit, Recherche und
mehr Produktivität im Alltag
Optional: 16 – 16:30 Uhr Kurzführung zum neuen KI-Bereich in der Dauerausstellung

22. April 2026, 17 – 20 Uhr.
Wo entsteht mehr Diskriminierung: beim Menschen oder bei der Maschine?
Optional: 16 – 16:30 Uhr Kurzführung zum neuen KI-Bereich in der Dauerausstellung

25. Februar 2026, 11 – 15 Uhr | 15. April, 13:30 – 15:30 Uhr | 10. Juni 13:30 – 15.30 Uhr

Lehrkräfte- und Multiplikator:innen-Fortbildung

Wie kann die NS-Zeit heute zeitgemäß und partizipativ im schulischen und außerschulischen Kontext vermittelt werden? Im Rahmen der Ausstellung „Die Nazis waren ja nicht einfach weg“ lernen Lehrkräfte und pädagogische Multiplikator:innen das partizipatorische Vermittlungskonzept der Ausstellung kennen. Der Kurator Dr. Mathias Rösch gibt Einblicke in Konzeption und Zielsetzungen. In Kleingruppen entwickeln die Teilnehmenden darauf aufbauend zeitgemäße Vermittlungsansätze für Unterricht und (außer-)schulische Projekte.
Anmeldung per Mail an: vermittlung.mfk-frankfurt@mspt.de Mi, 25. Februar 2026, 17 – 19 Uhr
Erzählcafé mit Initiativen zur Erinnerungsarbeit und Dr. Mathias Rösch

Im Anschluss an eine gemeinsame Führung durch die Ausstellung „Die Nazis waren ja nicht einfach weg“ geben lokale Initiativen (u.a. Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main und Förderverein für die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte KZ Katzbach in den Adlerwerken) Einblicke in ihre Arbeit für eine lebendige Erinnerungskultur. Sie berichten von ihren Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolgen im Einsatz für Aufklärung und gesellschaftliche Verantwortung. Ausstellungskurator Dr. Mathias Rösch erzählt zudem von der Entstehung der Ausstellung und von der intensiven Zusammenarbeit mit Jugendlichen, deren Perspektiven und Fragen maßgeblich in die Konzeption eingeflossen sind.
Anmeldung: https://eveeno.com/erzaehlcafe-erinnerungsarbeit Do, 26. Februar 2026, 14 Uhr
Kinder 1945 – Zeitzeug:innen 2025

In dem Dokumentarfilm „Kinder 1945 – Zeitzeugen 2025“ portraitiert Rebekka Waitz sechs Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet, die auf ihre Kindheit im Ausnahmezustand während und nach dem zweiten Weltkrieg zurückblicken. Sie berichten über den Schulbesuch, das Spielen in den Trümmern und schildern alltägliche Probleme, wie z.B. die Lebensmittelbeschaffung. Ausschnitte aus dem Film bilden die Grundlage für ein Gespräch zwischen Ausstellungskurator Dr. Mathias Rösch mit den Zeitzeug:innen Bruni Freyeisen und Rolf Heinemann. Die teilnehmenden Schulklassen bekommen die Möglichkeit, ebenfalls Fragen zu stellen.

Anmeldung und Tickets: https://eveeno.com/schulklassen-zeitzeuginnen So, 8. März 2026, 19 Uhr

ICH! Neue ungehaltene Reden ungehaltener Frauen

Die Zeiten sind grau. Kriege, Autokraten, Machtspiele dominieren die Nachrichten. Und immer wieder die Sehnsucht nach Hoffnung. Und die geben Frauen sich jetzt selbst. Sie ergreifen das Wort, sind ungehalten und viele. „ICH!“ ist Hoffnung und Warnung zugleich. Weil die ungehaltenen Reden eine Welt der Vielfalt offenbaren, die reich und unkontrollierbar ist. Ein Triumph der Toleranz, Offenheit und Neugier. Eine Veranstaltung in Kooperation mit S. FISCHER, gefördert von Kulturamt Frankfurt und Frauenreferat der Stadt Frankfurt.
12. März 2026, 10 – 16.30 Uhr

News Avoidance – keine Nachrichten sind auch keine Lösung?
Fortbildung für Multiplikator:innen der Kinder- und Jugendarbeit und der Sozial- und Bildungsarbeit
In einer Welt voller Krisen, Katastrophen und Dauer-Updates meiden viele (nicht nur!) junge Menschen Nachrichten ganz bewusst. Viele sehen hierin einen Weg, um sich vor ungewolltem Doomscrolling, belastenden Gefühlen und einer permanenten Überforderung zu schützen.
Was bedeutet diese „News Avoidance“ für demokratisches Gestalten und gesellschaftliche Teilhabe? Braucht es zur Meinungsbildung und tiefem Verständnis tagespolitische Nachrichten? Welche Rolle spielt digitaler Dauerstress – und welchen Beitrag kann politische Bildung leisten, um einen selbstbestimmten Medien- und Nachrichtenkonsum zu fördern?

In Kooperation mit dem Zentrum für gesellschaftliche Verantwortung und dem Gallus Zentrum Frankfurt. Die Fortbildung findet im Rahmen der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung statt und wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
Do, 26. März 2026, 19 Uhr

KI – Freundin oder Datenkrake? Wie können vulnerable Gruppen sicher mit KI kommunizieren?

In den Sozialen Medien, im Unterhaltungs- und Bildungsbereich laden zahlreiche Angebote zur Kommunikation ein. Künstliche Intelligenz bietet hier gerade auch Menschen mit Einschränkungen und Kindern neue Chancen. Doch wie können diese vulnerablen Gruppen (daten)sicher und selbstbestimmt digital kommunizieren? Expert:innen aus Psychologie, Ethik, Recht und der Praxis präsentieren Lösungsvorschläge aus dem Forschungsprojekt DiversPrivat und laden das Publikum zur Diskussion ein. Geleitet wird das Projekt von Nicole Krämer. Sie ist Professorin für Sozialpsychologie, Medien und Kommunikation an der Universität Duisburg-Essen.
Anmeldung: https://eveeno.com/ki-divers-privat Mi, 15. April 2026, 18 Uhr

Podiumsdiskussion: „Nach dem Erinnern? – Über die Zukunft der Erinnerungskultur“

Die Diskussion richtet den Blick auf Gegenwart und Zukunft der Erinnerungskultur:
Wie verändert sich das Erinnern in einer vielfältigen, digitalen und politisch polarisierten Gesellschaft? Welche Rolle spielen politische Bildung, mediale Öffentlichkeit und postmigrantische Perspektiven? Und was bedeutet Verantwortung für Geschichte in einer Zeit, in der traditionelle Formen des Gedenkens zunehmend unter Druck geraten?
Anmeldung: https://eveeno.com/diskussion-zukunft-erinnerungskultur Di, 5. Mai 2026

Tag des Lokaljournalismus | Aktionstag mit Workshops und Podiumsdiskussion

Mit einem „Tag des Lokaljournalismus“ wollen die regionalen Zeitungsverlage ihre Bedeutung und Leistungsstärke in einer zunehmend digitalen Medienwelt unter Beweis stellen. Frei nach dem Motto „Raus aus den Redaktionen, rein ins Leben“ soll die Aktion dazu motivieren, lokalen Medienmarken größtmögliche Sichtbarkeit zu verschaffen und mit Menschen auch in Alltagssituationen in den persönlichen Dialog zu gehen. Vormittags können Schulklassen im Museum am Angebot der Initiative für Nachrichtenkompetenz #UseTheNews teilnehmen. Am Nachmittag finden Angebote für Familien statt. Eine Talkrunde am Abend mit bekannten Journalist:innen aus der Region zum Thema „Lokale Berichterstattung als wohltuende
Alternative zu den unerfreulichen Nachrichten aus aller Welt?“ schließt den Tag ab.

Mi, 10. Juni 2026, 18.30 Uhr

Gesprächsrunde „Der Nationalsozialismus im Familiengedächtnis“ mit Monique Behr, Jutta Ströter-Bender und Veronika Moos. Moderiert von Dr. Mathias Rösch

Der Nationalsozialismus spielt in vielen deutschen Familiengeschichten bis heute eine Rolle. Besonders in den letzten Jahrzehnten haben sich Kinder und Enkel der Kriegs- und NS-Generation intensiver mit ihrer Herkunft beschäftigt. Dabei stoßen sie oft auf bislang verschwiegene Aspekte der Vergangenheit. In der Ausstellung „‚Die Nazis waren ja nicht einfach weg.‘ Vom Umgang mit dem Nationalsozialismus in Deutschland seit 1945“ zeigt das Kapitel „Unbekanntes Erbe“ beispielhaft, wie in Familien an die NS-Zeit erinnern, wie sie nach Spuren suchen und welche Geschichten dabei in Opfer- sowie Täterfamilien sichtbar werden. Die Gesprächsrunde fragt danach, was innerhalb der Familien erzählt oder verschwiegen wurde. Sie thematisiert außerdem, wie Nachkommen verborgene Geschichten aufgedeckt haben und wie sie heute mit diesen Erkenntnissen leben.
Anmeldung: https://eveeno.com/diskussion-familiengedaechtnis Immer am ersten Sonntag des Monats, 13.30 – 14.30 Uhr
Familienführungen zu Kunst und Nachrichten

An jedem ersten Sonntag im Monat lädt das Museum zu Familienrundgängen ein. Die Rundgänge finden im Wechsel in den Kunsträumen oder in der Sonderausstellung NACHRICHTEN – NEWS statt. Die Familienrundgänge laden zum Mitmachen, Fragenstellen und Austausch ein und bieten Kunst- und Medienvermittlung für alle Generationen.
Anmeldung und Tickets: https://t1p.de/gjxyg Sa, 25. April 2026

Nacht der Museen – Good Vibes, Good News

In Zeiten von endlosem Scrollen, schlechten Nachrichten und Falschmeldungen ist es wichtig, den Mut nicht zu verlieren. Bei dieser Nacht der Museen stehen daher „Good Vibes“ im Mittelpunkt. Wir schütteln ab, was uns runterzieht und erleben die verbindende Kraft von Musik und Tanz. Gute Nachrichten tragen uns durch den Abend.

Fr, Sa, So 28. – 30. August 2026

Museumsuferfest
Drei Tage im August feiern Menschen entlang des Mainufers die Frankfurter Museen mit ihren Programmangeboten, erleben Bühnenproduktionen und Inszenierungen. Zu dem spektakulären Kulturfestival reisen Menschen aus ganz Europa an. Ein detailliertes Programm des Museums zu den Festlichkeiten folgt.

Museum für Kommunikation Frankfurt a.Main