
Mit einem Festakt im Kurhaus Wiesbaden hat das Bundeskriminalamt (BKA) sein 75-jähriges Bestehen gefeiert. Mehr als sieben Jahrzehnte nach seiner Gründung im Jahr 1951 blickte die Behörde auf eine gelebte Sicherheitskultur zurück, die sie von einer kleinen kriminalpolizeilichen Zentralstelle zu einer der wichtigsten Sicherheitsinstitutionen Deutschlands geführt hat.
Rund 600 geladene Gäste aus Politik, Sicherheitsbehörden und Justiz nahmen an der Veranstaltung in Wiesbaden teil. Zu den prominenten Gästen zählten die ehemaligen BKA-Präsidenten Ulrich Kersten, Hans‑Ludwig Zachert und Jörg Ziercke. Ebenfalls anwesend waren der hessische Innenminister Roman Poseck, Wiesbadens Oberbürgermeister Gert‑Uwe Mende sowie zahlreiche Mitglieder des Deutscher Bundestag, darunter der Wiesbadener Bundestagsabgeordnete Stefan Korbach. Auch Vertreterinnen und Vertreter des Bundesinnenministeriums, der Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern, der Justiz und der Polizeigewerkschaften waren gekommen.

Als Festredner sprachen Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Beide würdigten die Arbeit der Behörde und ihre Bedeutung für die Sicherheit in Deutschland.
„Deutschland gehört zu den sichersten Ländern der Welt. Dass dies so ist, dazu hat das Bundeskriminalamt ganz maßgeblich beigetragen“, sagte der Kanzler. Die Geschichte des BKA sei „eine Erfolgsgeschichte“. Sicherheit sei jedoch kein stabiler Zustand, sondern eine dauerhafte staatliche Aufgabe. Seit seiner Gründung habe sich das Bundeskriminalamt dieser Aufgabe verschrieben und arbeite für die Sicherheit und Freiheit der Bürgerinnen und Bürger.

Vom Provisorium zur zentralen Sicherheitsbehörde
Das Bundeskriminalamt war 1951 als kriminalpolizeiliche Zentralstelle des Bundes gegründet worden, um die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern zu koordinieren. Grundlage war das BKA-Gesetz vom 15. März 1951, das dem Amt eine zentrale Rolle in der Bekämpfung überregionaler Kriminalität zuwies.
Zu Beginn arbeiteten lediglich 355 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die neue Behörde – zunächst in Hamburg. Bereits 1952 zog das BKA nach Wiesbaden um, damals noch in ein provisorisches Gebäude. Heute beschäftigt die Behörde mehr als 9.000 Menschen.
Ihre Standorte befinden sich in Wiesbaden, im nordrhein-westfälischen Meckenheim und in Berlin. Hinzu kommen zahlreiche Auslandsverbindungsstellen: BKA-Beamtinnen und -Beamte arbeiten inzwischen an mehr als 50 Standorten weltweit.

Auch BKA-Präsident Holger Münch, der selbst einst als Personenschützer nach der Wende beim Sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf begann, betonte: 75 Jahre Bundeskriminalamt stünden für Professionalität, Innovationskraft und eine enge Zusammenarbeit im nationalen wie internationalen Sicherheitsverbund. Mehr als 9.000 Beschäftigte aus über 70 Berufen arbeiteten täglich daran, Kriminalität zu bekämpfen und Gefahren abzuwehren – im Inland und im Ausland, analog und digital.
Zentrale Funktionen der deutschen Polizei
Das BKA erfüllt bis heute vor allem eine Zentralstellenfunktion für die Polizeien der Länder. Es sammelt und analysiert kriminalpolizeiliche Informationen, koordiniert bundesweite Fahndungen und betreibt kriminaltechnische Untersuchungen.
Zugleich vertritt Deutschland in internationalen Polizeiorganisationen wie Interpol und Europol. Darüber hinaus ist das Amt für den Personenschutz der Mitglieder der Bundesregierung sowie anderer besonders gefährdeter Persönlichkeiten verantwortlich.
Ein weiterer wichtiger Aufgabenbereich ist die Analyse der Kriminalitätslage. Dazu erstellt das BKA unter anderem die Polizeiliche Kriminalstatistik sowie zahlreiche Lagebilder zu einzelnen Kriminalitätsphänomenen – etwa zu Cybercrime oder Rauschgiftkriminalität.
Meilensteine der Entwicklung

In seiner Rede erinnerte Bundeskanzler Friedrich Merz an wichtige Etappen der Behördenentwicklung. Ende der 1960er-Jahre wurde das Bundeskriminalamt erstmals vom Generalbundesanwalt mit eigenen Ermittlungen beauftragt. Anfang der 1970er-Jahre erhielt es zusätzliche Befugnisse zur Bekämpfung grenzüberschreitender organisierter Kriminalität – etwa im Drogen- oder Waffenhandel.
Eine historische Bewährungsprobe stellte der Terrorismus der Rote Armee Fraktion dar. Mitte der 1970er-Jahre richtete das BKA eine eigene Abteilung zur Terrorismusbekämpfung ein. Unter Präsident Horst Herold entwickelte die Behörde neue Fahndungsmethoden, darunter die damals innovative computergestützte Rasterfahndung.
Auch technologisch setzte das BKA früh auf Innovation. Bereits 1972 wurde das Fahndungs- und Informationssystem INPOL eingeführt, das erstmals bundesweit polizeiliche Daten vernetzte.
Mit der europäischen Integration gewann die internationale Zusammenarbeit zunehmend an Bedeutung. Das BKA intensivierte seine Kooperation mit europäischen Polizeibehörden und vertrat Deutschland sowohl bei Interpol als auch bei Europol.

Neue Herausforderungen seit dem 21. Jahrhundert
Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde die Bedrohung durch internationalen Terrorismus neu bewertet. In Deutschland entstanden neue Kooperationsstrukturen der Sicherheitsbehörden, darunter das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum.
Zugleich verlagerte sich Kriminalität immer stärker in den digitalen Raum. Cyberangriffe, Onlinebetrug und international vernetzte Tätergruppen gehören inzwischen zu den zentralen Herausforderungen der Ermittlungsarbeit. Das BKA baute daher spezialisierte Einheiten für Cyberermittlungen, IT-Forensik und Datenanalyse auf und arbeitet unter anderem im Nationalen Cyber-Abwehrzentrum mit anderen Behörden zusammen.
Auch politisch motivierte Kriminalität, Spionage, Sabotage sowie komplexe Formen organisierter Kriminalität stehen zunehmend im Fokus.
Sicherheit in Zeiten globaler Umbrüche
Der Bundeskanzler stellte die Arbeit des BKA in einen größeren sicherheitspolitischen Kontext. Deutschland befinde sich in einer Zeit globaler Umbrüche, in der hybride Bedrohungen, Desinformation, Cyberangriffe und Spionage neue Risiken darstellten.
Zugleich verwies er auf aktuelle Entwicklungen der Kriminalitätslage: Gewaltverbrechen, Messerangriffe, Cyberkriminalität und politisch motivierte Straftaten stellten die Sicherheitsbehörden vor wachsende Anforderungen.
Das Bundeskriminalamt müsse deshalb weiterhin technisch und rechtlich auf dem neuesten Stand bleiben. Dazu gehöre auch die Nutzung moderner Technologien wie KI-basierter Datenanalysen oder digitaler Ermittlungsinstrumente – stets auf Grundlage des Rechtsstaats und unter Wahrung der Freiheitsrechte.
Dank an die Beschäftigten
Mehrfach betonten die Redner die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BKA. Viele von ihnen arbeiteten fern öffentlicher Aufmerksamkeit – in kriminaltechnischen Laboren, Analysezentren oder internationalen Lagebildern. Andere wiederum stünden im operativen Einsatz, etwa beim Schutz politischer Amtsträger im In- und Ausland.
Bundeskanzler Friedrich Merz dankte ihnen ausdrücklich für ihren Einsatz: Sie arbeiteten mit Engagement, Professionalität und Leidenschaft für die Sicherheit des Landes.

Jubiläum mit Blick nach vorn
75 Jahre nach seiner Gründung präsentierte sich das Bundeskriminalamt als moderne, international vernetzte Sicherheitsbehörde.
Der Festakt im Wiesbadener Kurhaus machte zugleich deutlich: Die Herausforderungen für die Polizei verändern sich ständig – von Terrorismus über organisierte Kriminalität bis hin zu Cyberangriffen und hybriden Bedrohungen.
Das BKA blickte deshalb nicht nur auf seine Geschichte zurück, sondern auch nach vorn. Ziel bleibe es, Kriminalität wirksam zu bekämpfen und damit dazu beizutragen, dass Deutschland auch in Zukunft ein sicheres Land bleibt.
In seiner 75-jährigen Geschichte war das Bundeskriminalamt (BKA) an zahlreichen spektakulären Ermittlungen, Fahndungen und sicherheitspolitischen Herausforderungen beteiligt. Einige Fälle haben die deutsche Sicherheitsarchitektur nachhaltig geprägt und gelten bis heute als Meilensteine der Polizeiarbeit.
Im Folgenden ein Überblick über besonders prägende Einsätze und Ermittlungsfelder.
Terrorismus der RAF in den 1970er- und 1980er-Jahren
Die größte Bewährungsprobe der jungen Behörde war der Terrorismus der Rote Armee Fraktion (RAF).
Während des sogenannten Deutschen Herbstes koordinierte das BKA bundesweite Fahndungen nach führenden RAF-Mitgliedern wie Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof.
Besonders spektakulär war die Fahndung nach den Entführern des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer im Jahr 1977. Die bundesweite Großfahndung mit tausenden Polizeikräften wurde maßgeblich vom BKA koordiniert.
In dieser Zeit entwickelte das BKA neue Methoden wie die computerbasierte Rasterfahndung und baute spezialisierte Antiterrorstrukturen auf.
Internationale Terrorismusbekämpfung nach 9/11

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 spielte das BKA eine zentrale Rolle bei der Aufklärung der sogenannten Hamburger Terrorzelle um Mohamed Atta.
Ein Teil der Attentäter hatte sich zuvor in Hamburg aufgehalten. Deutsche Ermittler arbeiteten daher eng mit internationalen Behörden zusammen.
In der Folge entstanden neue Strukturen der Terrorabwehr, darunter das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum in Berlin, in dem das BKA bis heute eine Schlüsselrolle spielt.
Organisierte Kriminalität und Drogenhandel
Seit den 1970er-Jahren bekämpft das BKA internationale Netzwerke der organisierten Kriminalität. Dazu gehören unter anderem:
- internationale Drogenkartelle
- Waffenhandel
- Geldwäsche-Netzwerke
- Menschenhandel
Große internationale Ermittlungsverfahren richteten sich etwa gegen italienische Mafiaorganisationen wie die ‚Ndrangheta sowie gegen internationale Kokain- und Heroinringe.
Fahndung nach RAF-Terroristen über Jahrzehnte
Auch nach dem Ende der RAF-Terrorserie blieb das BKA mit spektakulären Fahndungen beschäftigt.
Ein Beispiel ist die jahrzehntelange Suche nach ehemaligen RAF-Mitgliedern der dritten Generation. Internationales Aufsehen erregte etwa die Festnahme von Daniela Klette im Jahr 2024 in Berlin nach mehr als 30 Jahren im Untergrund.
Bekämpfung von Kinderpornografie-Netzwerken
Ein besonders belastendes Ermittlungsfeld sind große Missbrauchs- und Kinderpornografie-Komplexe im Internet.
Zu den bekanntesten Verfahren zählen:
- der Missbrauchskomplex von Bergisch Gladbach
- internationale Darknet-Plattformen wie „Boystown“
Hier arbeitet das BKA regelmäßig mit Ermittlern aus Dutzenden Ländern zusammen, um Täter zu identifizieren und Netzwerke zu zerschlagen.
Große Cybercrime-Ermittlungen
Mit der Digitalisierung der Kriminalität rückten Cyberangriffe und Onlinekriminalität immer stärker in den Fokus.
Das BKA koordinierte internationale Ermittlungen gegen:
- große Darknet-Marktplätze für Drogenhandel
- Hackergruppen
- internationale Online-Betrugsnetzwerke
Beispielsweise gelang 2021 die Abschaltung des Darknet-Marktplatzes DarkMarket, eines der weltweit größten illegalen Handelsportale.
Staatsschutz und Spionage
In den vergangenen Jahren beschäftigten auch neue Formen hybrider Bedrohungen das BKA:
- Spionagefälle für ausländische Nachrichtendienste
- Sabotageverdacht gegen kritische Infrastruktur
- Desinformationskampagnen
- Cyberangriffe auf staatliche Institutionen
- Ein Beispiel ist der groß angelegte Hackerangriff auf den Deutscher Bundestag im Jahr 2015, dessen Aufklärung ebenfalls vom BKA begleitet wurde.
Personenschutz für die politische Spitze
Eine weniger sichtbare, aber hochsensible Aufgabe ist der Schutz von Verfassungsorganen.
Die Sicherungsgruppe des BKA schützt unter anderem:
- den Bundespräsidenten
- den Bundeskanzler
- Mitglieder der Bundesregierung
- internationale Staatsgäste
Dabei begleiten BKA-Beamtinnen und -Beamte deutsche Spitzenpolitiker weltweit – etwa bei Staatsbesuchen oder internationalen Gipfeltreffen.
Katastrophenidentifizierung – Identifizierungskommission (IDKO)

Nach der verheerenden Flutkatastrophe des Tsunami im Indischen Ozean 2004 spielte das Bundeskriminalamt (BKA) eine zentrale Rolle bei der Identifizierung deutscher Opfer in Thailand. Die Katastrophe am 26. Dezember forderte in den Urlaubsregionen um Phuket und Khao Lak tausende Menschenleben, darunter mehrere hundert deutsche Staatsbürger. Insgesamt wurden mehr als 500 deutsche Todesopfer identifiziert.
Das BKA entsandte unmittelbar nach der Katastrophe zahlreiche Spezialisten, die in provisorischen Identifizierungszentren, insbesondere im Tsunami Victim Identification Centre in der Provinz Phang Nga, arbeiteten. Dort wurden die Leichname untersucht, dokumentiert und mit Vermisstenmeldungen abgeglichen. Die Identifizierung erfolgte nach internationalen Standards der Disaster Victim Identification (DVI) und kombinierte DNA-Analysen, Fingerabdruckvergleiche, zahnmedizinische Untersuchungen sowie persönliche Merkmale und Gegenstände. Parallel dazu sammelten Ermittler in Deutschland Vergleichsdaten von Angehörigen, Zahnärzten und Behörden.
Für solche Einsätze ist beim BKA vor allem die Identifizierungskommission (IDKO) zuständig, eine spezialisierte Einheit des kriminaltechnischen Bereichs. Sie setzt sich aus Kriminaltechnikern, Rechtsmedizinern, DNA-Experten, Daktyloskopen, Zahnmedizinern und Ermittlern für Vermisstenfälle zusammen. Im Fall des Tsunamis arbeiteten die deutschen Spezialisten eng mit internationalen Teams aus Europa, den USA, Australien und Interpol zusammen.
Der Einsatz in Thailand galt als eine der größten internationalen Identifizierungsoperationen der Geschichte. Er fand unter extremen Bedingungen statt: tropisches Klima, zerstörte Infrastruktur und tausende Opfer aus über 30 Nationen erschwerten die Arbeit. Dennoch gelang es den internationalen Teams, den Großteil der Opfer eindeutig zu identifizieren und den Angehörigen Gewissheit zu geben.
Die Erfahrungen des Tsunami-Einsatzes führten weltweit zu Verbesserungen in der Organisation internationaler Katastrophenidentifizierungen. Auch das BKA passte seine Verfahren weiter an, etwa bei digitaler Dokumentation und internationalem Datenaustausch. Für die Behörde blieb der Einsatz eine der größten und emotional belastendsten Operationen ihrer Geschichte – und zugleich ein Beispiel für die oft wenig sichtbare, aber für Angehörige lebenswichtige Arbeit kriminaltechnischer Spezialisten.
75 Jahre BKA sind auch 75 Jahre Sicherheit für unsere freiheitliche Demokratie

Von der Terrorismusbekämpfung der 1970er-Jahre über internationale Drogen- und Mafiaermittlungen bis hin zu Cybercrime, hybriden Bedrohungen sowie der Identifikation von Toten und der Feststellung von Todesursachen bei unklaren Fällen: Die Geschichte des Bundeskriminalamts ist eng mit den sicherheitspolitischen Herausforderungen der Bundesrepublik verbunden. Viele dieser Einsätze haben die Methoden moderner Polizeiarbeit geprägt – von der Rasterfahndung bis zu digitalen Ermittlungs- und Forensikverfahren.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundeskriminalamts schützen dabei alle Menschen in Deutschland – unabhängig von politischer Einstellung, Religion oder ethnischer Herkunft. Das gilt auch für jene, die der Arbeit des BKA kritisch oder ablehnend gegenüberstehen.
„Das Ziel ist Sicherheit für alle, denn ohne Sicherheit kann es keine Freiheit geben“, betonte BKA-Präsident Holger Münch.
(Dokumentation: Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)
