Wie Stress unser Immunsystem schädigen kann – Psychoneuroimmunologin Prof. Eva Peters erklärt in „Stress verstehen“ wieso!

Stressforscherin Professor Dr. Eva Peters stellt ihr sensationell gelungenes Buch „Stress verstehen …“ am FAZ-Stand auf der Frankfurter Buchmesse vor. © Foto: Diether v. Goddenthow

Wussten Sie, dass Stress neurogene Entzündungen erzeugen kann, die unser Immunsystem in permanente Alarmbereitschaft versetzen und zu körperschädigenden Überreaktionen führen? Ein so dauerhaft überspannt arbeitendes Immunsystem kann sprichwörtlich aus einer Mücke einen Elefanten machen und unter Umständen bereits auf kleinste Störungen körperliche Reaktionen auslösen, „die in keinem Verhältnis mehr zum Anlass“ stehen. Diese Zusammenhänge zwischen Stress und ganz unterschiedlichen Erkrankungen hat Eva Peters, Professorin für Psychoimmunologie an der Berliner Charité, für Laien verständlich zusammengetragen in „Stress verstehen. Wenn Körper und Psyche Alarm schlagen. Ursachen und Symptome erkennen, mit individuellen Strategien Stress bewältigen.“ Erschienen im C.H.-Beck-Verlag, München 2025, Beck Paperback, Band 6598.

Dieses derzeit  beste aktuelle Sachbuch zum Thema Stress beschäftigt sich auf tiefgründige und zugleich zugängliche Weise mit einem Phänomen, das nahezu jeden betrifft. Wer wäre schon frei von schädlichem Stress in einer Zeit, in der beruflicher Druck, ständige Erreichbarkeit und innere Überforderung für viele Menschen zur Normalität geworden sind? Eva Peters’ Buch liefert fundierte Erklärungen, konkrete Erkenntnisse und motivierende Perspektiven – ohne dabei in bloße Selbsthilfe-Plattitüden zu verfallen. Es zeigt zudem auf, dass unkontrollierter Dauerstress zu zahlreichen akuten und chronischen Erkrankungen führen kann, schwere Nervenschäden verursacht und Menschen im Extremfall sogar in den Rollstuhl bringen oder das Leben kosten kann. Zwar ist das aus Japan bekannte Karōshi-Phänomen, das „Arbeiten bis zum Tode“, nicht explizit Buchthema, doch geht es der Autorin vor allem darum, den   Zusammenhang zwischen Dauerstress und der Schädigung unserer Immunabwehr mit fatalen gesundheitlichen Folgen und langfristigen Konsequenzen aufzuzeigen, und zu sagen, wie wir vorbeugen können. Das ist ihr bestens gelungen.

Eva Peters, Professorin für Psychoneuroimmunologie sowie Fachärztin für psychosomatische Medizin und Dermatologie, nimmt ihre Leser mit auf eine vielschichtige Reise durch die Mechanismen von Stress, wie er im Körper, im Denken und im sozialen Miteinander entsteht. Ausgangspunkt ist eine alltagsnahe Frage, die wir alle kennen: Was passiert eigentlich, wenn uns „alles zu viel wird“? Durch lebensnahe Beispiele – etwa die bekannte Situation, in der unangenehme Erwartungen auf uns zukommen und wir innerlich Alarm schlagen – macht Peters schon früh deutlich, dass Stress nicht nur ein Gefühl im Kopf ist, sondern eine körperliche, emotionale und soziale Reaktion, die unser gesamtes System beeinflusst.

Das Buch ist klar strukturiert und beleuchtet Stress aus verschiedenen Blickwinkeln. Peters erklärt die physiologischen Grundlagen – etwa, wie Stresshormone wirken oder wie sich chronischer Druck auf das Immunsystem auswirkt – ebenso wie psychologische und soziale Dimensionen, die Stress verstärken oder abschwächen können. Besonders wertvoll ist ihre Betonung, dass Stress nicht per se „schlecht“ ist: In der richtigen Dosis kann er als Anpassungsreaktion sinnvoll und sogar hilfreich sein. Erst wenn Stress dauerhaft wird, äußert er sich als Belastung, die Gesundheit und Wohlbefinden ernsthaft gefährden kann.

Ein weiterer Pluspunkt des Buches ist seine Alltagsnähe: Peters vermittelt wissenschaftliche Erkenntnisse nicht als abstrakte Theorien, sondern verknüpft sie mit Situationen, die viele Leser direkt aus dem eigenen Leben kennen. Das erhöht nicht nur das Verständnis, sondern auch die Motivation, sich aktiv mit dem eigenen Stressverhalten auseinanderzusetzen. Zahlreiche Kapitel widmen sich dem Erkennen von Warnsignalen und dem Finden individueller Bewältigungsstrategien – von kognitiven Einstellungen über zwischenmenschliche Aspekte bis hin zu Präventionsansätzen.

Dabei beeindruckt das Buch durch eine gelungene Balance zwischen wissenschaftlicher Fundierung und verständlicher Sprache: Komplexe Zusammenhänge werden klar erläutert, ohne die Leser mit Fachjargon zu überfordern. Zugleich verzichtet Peters darauf, einfache Rezepte zu versprechen. Stattdessen ermutigt sie zu einem reflektierten Umgang mit Stress – als Prozess, der bewusst wahrgenommen, verstanden und aktiv gestaltet werden kann.

Zudem zeigt Stress verstehen, dass Stressreaktionen individuell sehr unterschiedlich erlebt werden – beeinflusst von biologischen, psychischen und sozialen Faktoren. Peters geht auch auf Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowie auf langfristige Folgen chronischer Belastung ein, was das Buch besonders differenziert und umfassend macht.

Fazit:
Stress verstehen ist ein wichtiges, klug geschriebenes und praxisnahes Buch für alle, die Stress nicht nur „fühlen“, sondern wirklich verstehen wollen. Es verbindet wissenschaftliche Tiefe mit alltagsrelevanter Anwendbarkeit, regt zur Selbstreflexion an und zeigt: Stress ist kein „Feind“, sondern ein Signal – und wer dieses Signal versteht, kann sein Leben gesünder und bewusster gestalten.

(Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)

 

Peters, Eva: Stress verstehen. Wenn Körper und Psyche Alarm schlagen. Ursachen und Symptome erkennen, mit individuellen Strategien Stress bewältigen. C.H.Beck Verlag, München 2025, Beck Paperback Band 6598, 223 Seiten, ISBN 978-3-406-83647-3.