
Wie die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) jüngst in Studien nachweisen konnte, kann der bewusste Verzicht auf digitale Medien das Wohlbefinden kurzfristig steigern. Wer sein Smartphone oder andere digitale Geräte zeitweise beiseitelegt, fühlt sich für eine gewisse Zeit besser gelaunt, energetischer und sozial stärker verbunden. Entscheidend ist dabei jedoch, dass diese digitale Pause freiwillig erfolgt: Wird der Verzicht als Zwang empfunden, kann sich der positive Effekt ins Gegenteil verkehren. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Alicia Gilbert, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Publizistik der JGU, gemeinsam mit zwei Kollegen von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), die kürzlich im Fachjournal Communication Research veröffentlicht wurde.
Beobachtender Ansatz statt Interventionsstudie

Zwar existieren nach Angaben von Gilbert bereits einige Studien zu Digital Disconnection. Doch seien diese oft als Interventionsstudien angelegt: Die Forschenden geben dabei genau vor, auf welche Weise und in welchem Ausmaß auf digitale Medien verzichtet werden soll. „Es wird derzeit jedoch stark diskutiert, ob dieses Studiendesign die Ergebnisse beeinflusst, da sich die Teilnehmenden durch die Vorgaben im Alltag eingeschränkt fühlen könnten“, erläutert Gilbert. Gestützt wird diese Vermutung durch die widersprüchlichen Ergebnisse, zu denen bisherige Studien kamen: Von einer Besserung des Wohlbefindens über keinen messbaren Einfluss bis hin zu Stressgefühlen durch Digital Disconnection ist alles vertreten.
Die Forschenden der JGU und der FAU zogen ihre Studie daher anders auf: Statt konkrete Anweisungen zu geben, beobachteten sie, wie und in welchem Maße junge Menschen Digital Disconnection in ihrem Alltag bereits anwenden und wie sich dies auf ihr Wohlbefinden auswirkt. Dazu befragten sie die Teilnehmenden zwei Wochen lang mehrmals täglich nach aktuellen Digital-Disconnection-Handlungen sowie dem persönlichen Befinden. 237 Personen zwischen 18 und 29 Jahren nahmen an der Studie teil, insgesamt berichteten sie über 12.407 Situationen. Zu den Strategien, die die Forschenden abfragten, gehörten nicht nur die komplette Abstinenz etwa von Social Media, sondern auch kleinere Ansätze wie das Stummschalten von Benachrichtigungen oder das zeitweise Einschalten des Flugmodus. „Es zeigte sich, dass die Teilnehmenden vielfach auch in Situationen, in denen sie angaben, von einem digitalen Medium zu disconnecten, andere digitale Medien weiterhin nutzten – etwa wenn sie das Smartphone weglegten, aber gerade am Laptop arbeiteten. Digital Disconnection und Mediennutzung fanden somit vielfach gleichzeitig statt“, berichtet Gilbert.
Veröffentlichung:
A. Gilbert et al., Disconnect to Recharge: Well-Being Benefits of Digital Disconnection in Daily Life, Communication Research, 11. November 2025, DOI: 10.1177/00936502251387830
https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/00936502251387830
(Quelle: Uni-Mainz)
