
Auch in Krisenzeiten den Mut nicht zu verlieren, sondern auf die gemeinsamen Stärken zu setzen, war der Tenor des diesjährigen traditionellen Neujahrsempfangs am 8. Januar 2026 in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei. Trotz des winterlichen Wetters waren aus allen Teilen Rheinland-Pfalz’ rund 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft der Einladung von Ministerpräsident Alexander Schweitzer, seiner Frau Barbara sowie den Mitgliedern des Kabinetts gefolgt. Für kleine Glücksmomente sorgten Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger, die die Gäste bereits im Foyer mit jeweils einem kleinen traditionellen Glücksbringer begrüßten. Dort präsentierten sich auch an einem Infostand Vertreterinnen und Vertreter des Kultursommers Rheinland-Pfalz 2026 mit dem Motto „Die Goldenen Zwanziger“.
In seiner Ansprache betonte Ministerpräsident Schweitzer das Vertrauen in die Stärke des Landes und seiner Menschen. „Rheinland-Pfalz kann auf sich und seine Stärken vertrauen. Dazu geben vor allem die Menschen in unserem Land guten Grund. Genau in dieser Vielfalt und Kraft liegt der Schlüssel zu lebendiger Demokratie und zu erlebter Zufriedenheit“, sagte Schweitzer. Der aktuelle Glücksatlas belege, dass Rheinland-Pfalz im Ländervergleich an der Spitze liege, wenn es um die Zufriedenheit der Menschen gehe. „Das kommt nicht von ungefähr.“
Besonders hob der Ministerpräsident das ausgeprägte bürgerschaftliche Engagement hervor. Der Freiwilligensurvey zeige, dass sich jede dritte Person im Land ehrenamtlich engagiere – deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt. „Rund 1,4 Millionen Menschen schauen über den eigenen Tellerrand und packen an. Das ist Rheinland-Pfalz. Wir leben in einer offenen und modernen Gesellschaft, in einem echten Zusammenhalt-Land.“ Den anwesenden Gästen dankte er für ihren Einsatz: „Jede und jeder hier bereichert Rheinland-Pfalz, trägt zum Funktionieren, zum Gelingen und zu Neuem bei.“ Der enge Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen sei Kern des rheinland-pfälzischen Politikstils, der für kurze Wege, enge Zusammenarbeit und Verlässlichkeit stehe – „die DNA unseres Landes“.
Mit Blick auf die kommenden Jahre stellte Schweitzer die historische Investitionsoffensive des Landes in den Mittelpunkt. 2026 werde das Jahr, in dem kluge Investitionen spürbar würden. Das Regionale Zukunftsprogramm in Höhe von 200 Millionen Euro sei bereits zu über 90 Prozent bewilligt, sodass die Kommunen nun mit voller Kraft investieren könnten. Herzstück der Offensive sei der „Rheinland-Pfalz-Plan für Bildung, Klima und Infrastruktur“ mit einem Volumen von über fünf Milliarden Euro. „Das ist ein historischer Moment, der gemeinsam mit dem Bund eröffnet wird. Wir investieren in Bildung, Klima, Energie, Digitalisierung, Verkehr, Gesundheit und Bevölkerungsschutz.“

Mehr als die Hälfte der Mittel könnten die Kommunen eigenständig einsetzen. Die Landesregierung habe das Programm in enger Abstimmung mit der kommunalen Familie entwickelt, um einfache Verfahren, mehr Tempo und schnelle Wirksamkeit zu ermöglichen. „Im ersten Halbjahr 2026 kann richtig losgelegt werden.“ Konkret bedeute das etwa die Sanierung und Modernisierung von Schulen oder die Schaffung von Begegnungsorten wie Seniorentreffs, um Dorfgemeinschaften lebendig zu halten. Eine neue Experimentierklausel gebe den Kommunen zusätzlich Spielraum für innovative Lösungen. „Die Kommunen sind die Experten für die Umsetzung ihrer Aufgaben vor Ort.“
Auch die Föderale Modernisierungsagenda, die unter rheinland-pfälzischem Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz erarbeitet wurde, griff Schweitzer auf. Ziel sei es, Bürokratie abzubauen und staatliches Handeln zu vereinfachen. „Entlasten und Ermöglichen – das bedeutet mehr Zeit und Gestaltungskraft für Bürgerinnen und Bürger, für Unternehmen, für die Familie, den Betrieb und das Ehrenamt.“
Im Bildungsbereich verwies der Ministerpräsident auf die hohe Durchlässigkeit im Land. In keinem anderen westdeutschen Bundesland hätten Kinder ohne akademischen Elternhintergrund bessere Chancen auf den Wechsel aufs Gymnasium. „Das ist gelebte Durchlässigkeit in Rheinland-Pfalz. Das ist unser Aufstiegsversprechen.“ Jeder vierte Euro des Landeshaushalts fließe in die Bildung, zudem sei mit 45.000 Lehrkräften ein historischer Höchststand erreicht.
Rheinland-Pfalz sei zugleich ein Land der guten Arbeit. In vielen Regionen herrsche Vollbeschäftigung, die Arbeitslosenquote sei die drittniedrigste bundesweit. Das gute Miteinander der Sozialpartner sei ein klarer Standortvorteil. Internationale Unternehmen wie AbbVie in Ludwigshafen, Eli Lilly in Alzey, Novo Nordisk in Mainz und Vulcan Energy Resources in Landau hätten sich bewusst für Rheinland-Pfalz entschieden. „Diese Entscheidungen sind ein starkes Vertrauenssignal in unseren Standort, in unsere Menschen und in unsere gemeinsame Zukunft.“
Mit der Ausweisung von 13 neuen Turboflächen gehe das Land einen weiteren Schritt, um Investitionen zu ermöglichen. Nach Zustimmung der jeweiligen Kommunen könnten vorbereitende Arbeiten für Industrie- und Gewerbegebiete bereits im Januar beginnen. „Die Botschaft an Unternehmen ist klar: Rheinland-Pfalz ist bereit. Wer hier investieren will, findet Partner, die Ansiedlungen aktiv unterstützen und Wege ebnen, statt Hürden aufzubauen.“
Der Ministerpräsident erinnerte auch an die Flutkatastrophe im Ahrtal, deren fünfter Jahrestag im Juli 2026 begangen wird. „2026 wird ein Jahr des Gedenkens sein. Zugleich setzen wir den Wiederaufbau mit voller Kraft fort.“ Fortschritte wie die Elektrifizierung der Ahrtalbahn und das Engagement der Zukunftsregion Ahr e. V. zeigten, dass der Wiederaufbau sichtbar voranschreite.
Abschließend betonte Schweitzer, dass wirtschaftliche Stärke kein Selbstzweck sei. „Sie ist die Grundlage dafür, dass wir als Land Verantwortung übernehmen können – für die Menschen, die Unterstützung brauchen, und für eine Zukunft, die niemanden zurücklässt.“ Projekte wie GemeindeschwesterPlus oder Housing-First-Modelle gegen Obdachlosigkeit stünden exemplarisch für diesen Anspruch. „Rheinland-Pfalz ist ein Land voller Geschichten über gelingenden Fortschritt – von Raiffeisens genossenschaftlicher Idee aus dem Westerwald bis zur modernen Biotechnologie. Daher gilt: Vertrauen wir uns und unserem Land.“
( Staatskanzlei Rheinland-Pfalz /Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)
