Der Hessische Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen, die Kunsthandwerker und Kunsthandwerkerinnen in Deutschland erhalten können. Am 6. Februar 2026 wurde er bereits zum 74. Mal verliehen Den 1. Preis erhielt Pura Ferreiro für ihre Halskette „Third-Millennium-Revival-Necklace“ © Foto Diether v. Goddenthow

Man könnte sich fast an Kants „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ erinnert fühlen, als Dr. Sabine Wilp, Präsidentin des Bundesverbandes für das Deutsche Kunsthandwerk (BK), auf der 74. Verleihung des Hessischen Staatspreises für das Deutsche Kunsthandwerk zur Ambiente Frankfurt am 6. Februar 2026 leidenschaftlich ihren Kolleginnen und Kollegen zurief: „Haben Sie den Mut zum Begriff Kunsthandwerk.“ Er sei „der beste Begriff für das, was wir tun: eine Symbiose von Kunst und Handwerk.“

(v.li) Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori, Mutter von Förderpreisträger Paul Hirmer („Plumage“), der im Ausland war, Günter Matten, 3. Preis (Feuerstelle „FARO“), Pura Ferreiro 1. Preis (Halskette „Third-Millennium-Revival-Necklace“), Martin Wilmes 2. Preis (Möbelobjekt „Round About“), Dr. Sabine Wilp, Präsidentin des Bundesverbandes für das Deutsche Kunsthandwerk (BK). Hintere Reihe: Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. © Foto Diether v. Goddenthow

Dass dem so ist, zeigten einmal mehr die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger sowie Nominierten der deutschlandweit renommiertesten Auszeichnung des Kunsthandwerks. Die Preisverleihung fand am 6. Februar im Rahmen der Ambiente, der Leitmesse für die globale Konsumgüterindustrie, während einer Feierstunde in Beisein des stellvertretenden Ministerpräsidenten und Wirtschaftsministers Kaweh Mansoori statt.

Stand-up-Comedian, Jakob Schwerdtfeger. © Foto Diether v. Goddenthow

Strahlende Gewinner sind die Goldschmiedin Pura Ferreiro (1. Platz), der Möbeltischler Martin Wilmes (2. Platz) und der Schmiede- und Metallbaumeister Günter Matten (3. Platz). Den Förderpreis erhielt der Fashion-Designer Maurizio Paul Hirmer für sein Federkunstwerk „Plumage“.

Durch das Programm führte der Stand-up-Comedian, Freestyle-Rapper und Kunsthistoriker Jakob Schwerdtfeger. Er findet es sogar schade, „dass zwischen Kunst und Kunsthandwerk oft so stark getrennt wird“. Im Mittelalter sei dies nicht der Fall gewesen: Dort hätten alle Künste zusammengewirkt, um etwa Kirchen möglichst prächtig zu gestalten. Glasfenster, Teppiche, Skulpturen und Figurenschmuck, Wandmalereien und Altarverzierungen – alles habe ineinandergegriffen. Das sei Kunsthandwerk pur.

 

Innovationen, die aus der Werkstatt kommen

Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori. © Foto Diether v. Goddenthow

Überreicht wurde der Hessische Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk 2026 durch Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori und BK-Präsidentin Dr. Sabine Wilp. Mansoori hob hervor, dass der Preis „für Qualität, für Kreativität und für handwerkliche Exzellenz“ stehe. „Er macht sichtbar: Kunsthandwerk ist Teil dessen, was unser Bundesland Hessen so stark macht – nämlich Können, Präzision und Ideenreichtum sowie die Fähigkeit, aus Materialien etwas Neues zu erschaffen, etwas Nachhaltiges, etwas, das Bestand hat.“

Handwerk, so der Wirtschaftsminister, bedeute harte Arbeit: lange Tage, körperliche Anstrengung, hohe Konzentration – aber auch sehr viel Liebe, Leidenschaft und Sorgfalt. Kunsthandwerk mache zugleich Freude: Freude am Gestalten, Freude am Material und Freude daran, etwas Eigenes zu schaffen. Leidenschaft werde sichtbar, Können spürbar. „Genau das zeigen uns heute auch die Nominierten sowie die Preisträgerinnen und Preisträger sehr eindrucksvoll. Schon die Nominierung zu diesem Preis ist ein Ausweis von Qualität. Mich beeindruckt immer wieder, welche Bandbreite und welches Niveau das Kunsthandwerk zeigt.“

Gefordert sei dabei stets, klassische Werkstoffe neu zu denken, innovative und nachhaltige Ansätze zu entwickeln, experimentelle Formen zu zeigen und zugleich höchste handwerkliche Präzision zu wahren. Kunsthandwerk verbinde Tradition, Experiment und Zukunft – und zeige, dass Innovation nicht nur im Labor entstehe, sondern oft in Werkstätten: dort, wo Erfahrung, Materialkenntnis und Gestaltungswille zusammenkommen. Kunsthandwerk, so Mansoori abschließend, sei immer Arbeit von Menschen für Menschen.

Impression vom Stand „Hessisches Kunsthandwerk“ auf der Ambiente in Frankfurt. © Foto Diether v. Goddenthow

Kunsthandwerk for Democracy – World Design Capital
Kunsthandwerk schafft Verbindung. Deshalb passe es besonders gut, dass Frankfurt und die Metropolregion Frankfurt RheinMain 2026 den Titel „World Design Capital“ tragen. Das Motto lautet: Design for Democracy. Atmospheres for a Better Life.

Wenn er an „Design for Democracy“ denke, sei das für ihn – dessen Eltern aus dem Iran flüchten mussten – in einer Zeit, in der Demokratie von außen wie von innen unter Druck stehe, weit mehr als ein Slogan. Gestaltung habe eine besondere Kraft. Design sei mehr als Ästhetik: Es könne Brücken bauen, Räume schaffen, in denen Menschen sich begegnen. Es könne Dinge so gestalten, dass sie verständlich, zugänglich und alltagstauglich seien – und damit das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit unserer Gesellschaft insgesamt stärken.

Genauso verhalte es sich im design- und anwendungsorientierten Kunsthandwerk. Denn auch Kunsthandwerk sei nicht nur Ästhetik. „Es ist Haltung: Sorgfalt statt Schnellschuss, Qualität statt Wegwerfmentalität, Verantwortung statt Beliebigkeit. Und es zeigt, wie aus Können und Kreativität etwas entsteht, das uns alle verbindet – über Milieus, Generationen und unterschiedlichste Hintergründe hinweg“, sagte Mansoori.

Die große transformative Kraft zeitgenössischen Kunsthandwerks
Die große transformative Kraft des zeitgenössischen Kunsthandwerks stellte Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt, heraus: „Zeitgenössisches Kunsthandwerk findet Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit in seinen eigenen Stärken: Können, Präzision und kulturelles Erbe. Gerade daraus entsteht Neues – zukunftsweisend, relevant und international anschlussfähig. Dieser Anspruch passt perfekt zur Ambiente, die sich als verlässlicher Kompass für die globale Konsumgüterindustrie versteht.“
Denn Kunsthandwerk ist nicht das Gegenteil von Fortschritt – es ist eines seiner wertvollsten Werkzeuge. Kunsthandwerk gestaltet Zukunft: mit den Händen, mit dem Kopf, aber auch mit ganz viel Herz. Zum Wettbewerb 2026 seien erneut sehr viele, sehr starke Einreichungen eingegangen, was der Jury – da zeigte sich Braun überzeugt – die Auswahl nicht leicht gemacht habe.

Die Fachjury
Die Fachjury, auch 2026 eigens für den Wettbewerb berufen, vereinte herausragende Persönlichkeiten aus Kunsthandwerk, Design und Medien. Der Jury gehörten an:
• Alexandra Gerlach, Referentin für Handwerk, Mittelstand, Handel und Wirtschaftsrecht im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum
• Dr. Sabine Wilp, Präsidentin des Bundesverbandes Kunsthandwerk
• Matthias Wagner K, Direktor des Museums Angewandte Kunst Frankfurt
• Peter-Philipp Schmitt, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
• Fabio Vogel, Glasgestalter und erster Preisträger des Jahres 2025

„Ich würde in die Zukunft reisen.“

Dr. Sabine Wilp, Präsidentin des Bundesverbandes Kunsthandwerk. © Foto Diether v. Goddenthow

Bevor BK-Präsidentin Dr. Sabine Wilp gemeinsam mit Kaweh Mansoori die Preisträgerinnen und Preisträger bekannt gab, die Urkunden überreichte und die Jurybegründungen verlas, stellte Jakob Schwerdtfeger ihr noch ein, zwei Fragen. Etwa die, in welches Kunstzeitalter sie reisen würde, gäbe es eine Zeitmaschine.

Für Wilp keine komplizierte Frage: „Ich würde in die Zukunft reisen.“ Für die Vergangenheit brauche sie keine Zeitmaschine – dafür könne man etwa zu Professor Matthias Wagner K ins Museum Angewandte Kunst gehen oder eines der vielen anderen wunderbaren Museen für Kunst und Gewerbe besuchen. Dort lasse sich die gesamte Geschichte des Kunsthandwerks über Länder und Epochen hinweg betrachten. „Mich interessiert vielmehr“, so Wilp, „wie es weitergeht: Bleibt der authentische Umgang mit dem Material? Bleibt diese enorme Fachkenntnis im Bearbeiten von Materialien? Wie viel Digitalisierung kommt dazu? Spielt KI wirklich eine Rolle – oder ist das eher so ein Zeit-Kick?“

„Ich kämpfe für diesen Begriff Kunsthandwerk“

Hessischen Staatspreis für das deutsche Kunsthandwerk 2026. Nominierte Arbeiten. © Bundesverband Kunsthandwerk e.V.

Schwerdtfeger legte noch eine Schippe drauf, als er von der BK-Präsidentin wissen wollte, welches „richtig nervige Vorurteil gegenüber dem Kunsthandwerk“ sie „gerne jetzt mal vor all diesen Menschen aus der Welt schaffen“ würde. Auch darauf hatte Wilp eine klare Antwort:

„Viele Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker – und auch viele Menschen, die mit dem Thema zu tun haben – mögen den Begriff Kunsthandwerk nicht. Sie finden ihn altmodisch, verstaubt, überlebt. Sie arbeiten sich an dieser Begrifflichkeit ab und wünschen sich Alternativen wie Contemporary Craft, Applied Arts oder etwas anderes. Und ich möchte ihnen eigentlich zurufen und Mut machen: Es ist der beste Begriff für das, was wir tun. Er beschreibt eine Symbiose von Kunst und Handwerk, von Können, Ideenreichtum und Bandbreite.“

Als Kunsthandwerk lasse sich sowohl ein wunderschönes Gefäß als Gebrauchsgegenstand zeigen als auch reine Kunst, ein Werk ohne funktionalen Nutzen. „Wir haben alle Optionen“, so Wilp, „handwerklich, künstlerisch oder kunsthandwerklich zu arbeiten – warum sollten wir uns beschränken?“

Das Vorurteil, der Begriff Kunsthandwerk sei antiquiert, sei genau das, was sie abschaffen wolle: „Dafür kämpfe ich. Ich kämpfe für diesen Begriff, so altmodisch er auch erscheinen mag. Es ist unser ureigener, sehr deutscher und sehr wunderbarer Begriff. Und Sie, Herr Schwerdtfeger, haben es vorhin gesagt: Im Mittelalter gab es diese Unterscheidung ja gar nicht. Deshalb sage ich: Haben Sie Mut zu diesem Begriff.“
Tosender Applaus!

Trend zur Verjüngung des deutschen Kunsthandwerks setzt sich fort

Bei der Preisvergabe zeigte sich erneut, dass sich der Trend zur Verjüngung des deutschen Kunsthandwerks fortsetzt. Insgesamt gingen 140 Einreichungen ein, mehr als 40 davon von Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern, die aufgrund ihres Alters für den Förderpreis infrage gekommen wären.

Damit setzt die 74. Ausgabe des renommierten Wettbewerbs einen bereits seit Jahren anhaltenden Trend fort: Das deutsche Kunsthandwerk verjüngt sich kontinuierlich. Diese Entwicklung spiegelt sich nicht nur im sinkenden Altersdurchschnitt der Teilnehmenden wider, sondern auch in konzeptionell starken Arbeiten, die Technologie und Handwerk in einem zukunftsweisenden, schöpferischen Prozess verbinden.

Alle 25 für den Wettbewerb 2026 nominierten Arbeiten sind vom 6. bis 10. Februar 2026 in einer großen Ausstellung auf der Ambiente zu sehen – in Halle 3.1 im Produktsegment Interior Design.

Preisträger und Preisträgerinnen 2026 – Werk und Jurystatement

Pura Ferreiro (1. Platz), durch zwei Vitrinen_ Plexiglasscheiben mit ihrem großen, aus granuliertem 900er-Gold und schwarz oxidiertem 925er-Silber bestehenden Halsschmuck. © Foto Diether v. Goddenthow

1. Preis: Pura Ferreiro | Halskette „Third-Millennium-Revival-Necklace“
Pura Ferreiro steht für exzellentes Handwerk und künstlerisch hochwertiges Design. Ihre Arbeiten sind extrem arbeitsaufwändig, ihr Stil unverwechselbar. Bekannt ist die Münchner Goldschmiedin wegen ihrer Faszination für die Granulation, mit der sie sich bereits seit 1990 beschäftigt. Darin werden winzige Kügelchen aus Gold ohne Löt auf die Schmuckstücke aufgeschweißt. So entstehen feinste Ornamente, Muster, Formen und Linien auf der Oberfläche der Objekte.

Pura Ferreiro mit Minister Mansoori und Messe-Chef Braun. © Foto Diether v. Goddenthow

Für den Wettbewerb reichte Ferreiro ihr „Third-Millennium-Revival-Necklace“ ein. Der große Halsschmuck besteht aus granuliertem 900er-Gold und schwarz oxidiertem 925er-Silber. Insgesamt 260 Einzelteile bilden eine 100 cm lange Kette, die von antiken, hellenistischen Vorbildern inspiriert ist. Alle goldenen Elemente sind mit unterschiedlichen Mustern granuliert. Besonders reizvoll befand die Jury die Detailfreude des außergewöhnlichen Halsschmucks, denn zwischen den klassischen Bucheckern und Amphoren verstecken sich drei recht zeitgenössische Figuren: ein gottgleicher, geflügelter Geschäftsmann (Eros), eine tanzende Influencer-Göttin (Nike) und ein Astronaut (Der Mensch wird selbst zum Gott und erkundet das Universum). Drei Platzhalter für die Götter und Göttinnen unserer Zeit.

2. Preis: Martin Wilmes | Möbelobjekt „Round About“

Martin Wilmes 2. Preis, neben seinem Schrank-Objekt „Round About“ © Foto Diether v. Goddenthow

Martin Wilmes lebt und arbeitet in Bremen. Er hat eine Lehre als Möbeltischler absolviert und sich 2000 mit einer eigenen Werkstatt selbstständig gemacht, um seinen künstlerischen Ideen Raum zu geben. Seine Möbelkunst wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Kern seiner Tätigkeit und seines künstlerischen Selbstverständnisses ist die Erarbeitung freier Werkstücke aus Massivholz, in denen er seine gestalterischen Ideen und Prinzipien umsetzt und weiterentwickelt.

Martin Wilmes mit Frankfurter Messe-Chef Braun und Wirtschaftsminister Mansoori. © Foto Diether v. Goddenthow

Martin Wilmes bewegt sich im Grenzbereich zwischen Objekt und Möbel. Frei im Raum stehend, entfalten seine allansichtigen Werkstücke ihre volle skulpturale Wirkung. So treffen sich Funktionalität und ästhetische Wandelbarkeit in den unverwechselbaren Möbelobjekten. Sein jüngstes Stück „Round About“ ist aus europäischem Ahorn gefertigt; der nicht sichtbare Drehkranz besteht aus Stahl. Die mit Kreidefarbe gestalteten Flächen akzentuieren die Strukturen und ermöglichen variable Ansichten beim Vertauschen und Drehen von Schubladen, Platten und Türen. Das Jury-Urteil: „Ein Schrank, der an luftiger Leichtigkeit kaum zu überbieten ist.“

3. Preis: Günter Matten | Feuerstelle „FARO“

Günter Matten 3. Preis für seine Feuerstelle „FARO“ mit Frankfurter Messe-Chef Braun und Wirtschaftsminister Mansoori. © Foto Diether v. Goddenthow

Der in Lindau ansässige Schmiede- und Metallbaumeister Günter Matten steht seit 1976 für einzigartige Feuerstellen, die von Hand gefertigt werden. Dafür wurde er bereits 1988 mit dem Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk ausgezeichnet. 2026 konnte er sich mit der von ihm gestalteten Feuerstelle „FARO“ erneut in dem renommierten Wettbewerb durchsetzen.

Feuerstelle „FARO“ © Foto Diether v. Goddenthow

Die Jury überzeugte vor allem der ästhetisch behutsame Umgang mit dem Element Feuer, welcher Ästhetik, Sicherheit und hohe Funktionalität auf elaborierte Weise vereint. Die klare Form und die Metallfarbe zeigen sich als besonders gut geeignet, das lebendige Formenspiel und die glühenden Farben der Flammen zur Geltung zu bringen. Das Exponat stellt eine ungewöhnliche, sowohl innen wie außen um 360 Grad drehbare Feuerstelle dar. Die Außenverkleidung besteht aus Tombakrohren. Besonders faszinierend präsentiert sich der Blick direkt ins Feuer bei geöffneter Front oder alternativ durch die Zwischenräume der senkrechten Stäbe bei geschlossener Front.

Förderpreis: Maurizio Paul Hirmer | Federkunstwerk „Plumage“

Maurizio Paul Hirmer ist einer der ganz wenigen Kunsthandwerker in Deutschland, die sich der Federkunst verschrieben haben. Seit seiner Kindheit faszinieren ihn organische Formen aus der Natur. Bis heute prägt dies seinen gestalterischen Ansatz. Inspiriert von Flora und Fauna verbindet Maurizio Paul Hirmer in seinen Arbeiten Ästhetik mit Verantwortung: ökologisch, gesellschaftlich und kulturell. Während seines Fashion-Design-Studiums entwickelte er ein nachhaltiges Materialverständnis und den Wunsch, handwerkliches Wissen in zeitgenössische Kontexte zu überführen. Im Fokus stehen handgefertigte Arbeiten, die sich mit der Beziehung von Mensch, Natur und Identität auseinandersetzen.

Förderpreis: Maurizio Paul Hirmer (vertreten durch seine Mutter), für sein Federkunstwerk „Plumage“ © Foto Diether v. Goddenthow

Seine Federkunstwerke „Plumage“ basieren auf einer von ihm weiterentwickelten Variante der Puttawus-Knotentechnik, inspiriert von der Federkunst nordamerikanischer Ureinwohner. Daraus entstehen Netzstrukturen, auf denen Federn einzeln vernäht werden. Neben der hohen kunsthandwerklichen Finesse schätzt die Jury das Gesamtkonzept: Hirmers Objekte bewegen sich zwischen tragbarer Dekoration, Wandobjekt, traditionellem Handwerk und zeitgenössischem Design mit dem Ziel, nachhaltige Alternativen aufzuzeigen und kulturelles Erbe erfahrbar zu machen.

Hessischer Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk

Der Hessische Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen, die Kunsthandwerker und Kunsthandwerkerinnen in Deutschland erhalten können. 2026 wird er bereits zum 74. Mal verliehen. Der Staatspreis wurde 1951 durch den damaligen Hessischen Ministerpräsident Georg August Zinn ins Leben gerufen, um einen besonderen Anreiz für herausragend kreative Leistungen zu schaffen. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten, die durch eigenständige Gestaltungsansätze, Innovationskraft, die souveräne Beherrschung von Material und Technik sowie ein stimmiges Gesamtbild überzeugen. Seit seiner Einführung wird der renommierte Preis im Rahmen der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt vergeben.

(Dokumentation – Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)

Hessischer Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk

Bundesverbandes für das Deutsche Kunsthandwerk e.V. (BK)