
Wiesbaden. Das Haus Hessen hat dem Land Hessen angeboten, Verantwortung für mehrere seiner Schlösser, Parks und Museen zu übernehmen. Ziel sei es, die bedeutenden Kulturgüter dauerhaft zu sichern und der Öffentlichkeit langfristig zugänglich zu halten. Ministerpräsident Boris Rhein bezeichnete den Vorstoß am Sonntag in Wiesbaden als „Zeichen des Vertrauens und kulturpolitisches Signal mit großer Strahlkraft, das höchsten Respekt verdient“.
Bei den betroffenen Liegenschaften handele es sich um weit mehr als historische Bauwerke, sagte Rhein. Die Anlagen seien Träger von Erinnerung, Identität und kulturellem Erbe. Sie erzählten von Persönlichkeiten, die Hessen geprägt hätten, und schüfen Räume, in denen Geschichte bis heute erlebbar sei. Das Land werde den Vorschlag nun sorgfältig und ergebnisoffen prüfen – mit Blick auf die herausragende historische Bedeutung der angebotenen Kulturgüter.
Zu dem Angebot gehören unter anderem das Schloss Friedrichshof in Kronberg, das Schloss Fasanerie mit dem Schlossmuseum bei Eichenzell, die beiden Mausoleen auf der Rosenhöhe in Darmstadt sowie mehrere Wohnimmobilien und Liegenschaften in Eichenzell, Hanau und Kronberg. Das Land soll sicherstellen, dass diese Orte dauerhaft erhalten bleiben und ihr kulturhistorischer Wert für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglich bleibt.
Donatus Landgraf von Hessen, Chef des Hauses Hessen, sprach von einem intensiven familieninternen Entscheidungsprozess. Man habe sich entschlossen, dem Land anzubieten, die Kulturstiftung des Hauses Hessen mit allen Rechten und Pflichten zu übernehmen. Damit wolle die Familie dazu beitragen, das kulturelle und historische Erbe Hessens verantwortungsvoll zu bewahren und in staatliche Hände zu übergeben.
Er verwies darauf, dass das Haus Hessen infolge des Ersten Weltkriegs im Jahr 1928 mit der Gründung der Hessischen Hausstiftung verpflichtet worden sei, sein historisches Erbe zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu zählten neben Schloss Fasanerie und Schloss Friedrichshof weitere Herrenhäuser, Parkanlagen sowie umfangreiche Kunstsammlungen. Eine Übergabe der Kulturstiftung an das Land könne nach Einschätzung des Hauses Hessen beide Stiftungen langfristig sichern und ihnen ermöglichen, ihren Aufgaben im Kultur- und Denkmalschutz weiterhin vorbildlich nachzukommen. Gemeinsam mit seiner Familie freue er sich, nun in partnerschaftlicher Weise mit dem Land Hessen eine solche Lösung zu prüfen. Zugleich begrüßte er die Offenheit der Landesregierung für diesen Prozess.
Auch Kulturminister Timon Gremmels zeigte sich erfreut über das Angebot. Der Kunst- und Kulturbesitz des Hauses Hessen sei in Europa einzigartig und präge die Geschichte weit über die Landesgrenzen hinaus. Bereits heute würden große Teile dieses Erbes durch Einrichtungen wie Hessen Kassel Heritage und die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen öffentlich zugänglich gemacht. Nun solle ergebnisoffen geprüft werden, wie weitere Kulturgüter dauerhaft erhalten und so präsentiert werden könnten, dass sie für alle erlebbar blieben. Dabei gehe es auch um die Frage, wie mögliche Kosten aus Stiftungserlösen gedeckt werden könnten. Eine Zusammenarbeit mit dem Haus Hessen könne eine bedeutende Weiterentwicklung des kulturellen Erbes und eine Stärkung des Kulturstandorts Hessen bedeuten.
Finanzminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz begrüßte die Initiative ebenfalls. Der Vorschlag betreffe Schlösser, Parks und Museen, die zu den bedeutendsten Kulturgütern des Landes zählten und weit über Hessen hinaus bekannt seien. Das Land werde die kulturellen, denkmalpflegerischen und finanziellen Auswirkungen sorgfältig prüfen, um gemeinsam mit dem Haus Hessen zu entscheiden, ob und in welcher Form eine Übernahme im Interesse der Allgemeinheit möglich sei.
