Bürokratieabbau – mehr Wachstumskultur schaffen – IHK-Empfang Frankfurt

IHK-Präsident Ulrich Caspar begrüßt die Gäste zum Jahresempfang 2026 der IHK Frankfurt am Main. © Foto Diether v. Goddenthow

Gut 1.500 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft kamen zum gestrigen Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Main zusammen. Im Zentrum der Veranstaltung standen die Forderungen nach wirksamerem Bürokratieabbau, mehr Infrastrukturinvestitionen und einer stärkeren Wachstumsorientierung, um die wirtschaftliche Dynamik in der Metropolregion FrankfurtRheinMain, in Hessen und darüber hinaus zu stärken.

(v.l.) IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Clemens Christmann, Hessischer Ministerpräsident Boris Rhein, IHK-Präsident Ulrich Caspar, Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef. © Foto Diether v. Goddenthow

In seiner Ansprache rief Ulrich Caspar, Präsident der IHK Frankfurt am Main, dazu auf, die Belange der Wirtschaft bei politischen Entscheidungen – von den Städten und Gemeinden bis hin zur EU – stärker zu berücksichtigen, um mehr Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Politik und Gesellschaft sollten sich von einer „Vollkasko-Mentalität“ verabschieden, in der ein allumfassend sorgender Staat Bürger und Unternehmen vor sämtlichen Risiken schütze. Caspar sagte: „Nötig ist mehr Freiheit in Eigenverantwortung. Unsere wichtigste Forderung ist deshalb der Abbau von Überregulierung – in der Region FrankfurtRheinMain genauso wie in Hessen, Deutschland und der EU.“ Deregulierung wünschten sich alle Branchen: Industrie und Handel, Banken und Versicherungen sowie weitere Dienstleistungsbereiche wie Gastronomie und Hotellerie.

IHK-Präsident Ulrich Caspar. © Foto Diether v. Goddenthow

„Unser zweiter Wunsch zielt auf eine bessere digitale und verkehrliche Infrastruktur. Wir wollen unsere Stärke als Digitalhauptstadt Europas festigen, um die Märkte der Zukunft zu erschließen. Zudem brauchen wir den Ausbau und die Modernisierung der Verkehrswege für alle Verkehrsträger, damit Beschäftigte, Kunden, Lieferanten und Touristen schneller an ihr Ziel kommen. Damit einhergehen sollte ein Ende der Benachteiligung des Auto- und Lkw-Verkehrs in einigen Städten“, sagte Caspar.

Der IHK-Präsident betonte, dass Deutschland und insbesondere die Metropolregion weiterhin ein hochattraktiver Standort seien. Frankfurt genieße als europäischer Finanzplatz weltweit hohes Renommee. Auch die Kreativwirtschaft der Mainmetropole spiele im globalen Vergleich in der Spitzenliga. „Vielleicht sollten wir dann und wann unsere Frankfurter Zurückhaltung überwinden und offensiver in die Welt hinaustragen, wie gut es ist, hier zu leben und zu wirtschaften. Auch wenn Frankfurt zu den kleineren Weltmetropolen zählt, können wir mit Fug und Recht sagen: Frankfurt und die Region bilden eine großartige Weltmetropole.“

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein nannte fünf zentrale Bereiche seiner Politik: Souveränität, Aufschwung, Reformen, Zuversicht und Demokratie. Er bescheinigte der Frankfurter IHK, die Herzkammer der hessischen Wirtschaft und ein vorbildliches Beispiel für die starke Wirtschaftskraft des Landes zu sein. „Seit Jahrzehnten sind hessische Unternehmen Wachstumsmotor für ganz Deutschland.

Boris Rhein, Hessischer Ministerpräsident. © Foto Diether v. Goddenthow

Doch die Zeit der Komfortzonen ist vorbei: Wir erleben eine Wiederkehr von Krisen und Kriegen, einen veritablen Zoll- und Handelskonflikt und große Transformationsprozesse. Um das wirtschaftliche Wachstum in diesen turbulenten Zeiten wieder anzukurbeln, müssen wir Deutschland resilienter und souveräner machen. Mit dem Booster für mehr Wachstum und Beschäftigung auf Bundesebene, der größten Investitionsoffensive in der Geschichte Hessens und unserem hessischen Bürokratieabbaugesetz sind die ersten Schritte dazu gemacht. Wenn wir unsere Chancen gemeinsam nutzen und uns auf unsere Stärken besinnen, gelingt uns 2026 die Rückkehr auf den Wachstumspfad und zu neuer Wettbewerbsfähigkeit.“

Zudem forderte Rhein deutlich mehr Investitionen in die heimische Rüstungsindustrie sowie eine Deutschland-Garantie für die Verteidigungsindustrie. „Wir müssen unsere Verteidigungsfähigkeit entschlossen ausbauen – mit einer starken Bundeswehr, einer gut aufgestellten zivilen Verteidigung und erfolgreichen Unternehmen. Mit den zusätzlichen Verteidigungsmilliarden des Bundes muss ein Kampffähigkeits- und Konjunkturpaket für Deutschland geschnürt werden – mit Aufträgen für die nationale Rüstungsindustrie, Investitionen in die Produktion, die Wehrfähigkeit der Infrastruktur und die Erforschung modernster Waffensysteme.“ Frieden, Freiheit und Wohlstand seien auch das Ergebnis von Investitionen in die Verteidigung, so Rhein: „Von einer starken Rüstungsindustrie profitiert das ganze Land.“

Mike Josef, Oberbürgermeister Frankfurt am Main. © Foto Diether v. Goddenthow

Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef, frisch vom Weltwirtschaftsforum in Davos zurück, zeigte sich beeindruckt davon, wie rasant sich Weltordnung, Zeitgeist und Rhetorik veränderten. Vor ein paar Jahren sei noch Greta Thunberg Hauptrednerin gewesen, in diesem Jahr Donald Trump. Der Zeitgeist lasse sich jedoch nicht beliebig drehen; umso wichtiger seien ein gemeinsames Wertefundament und die Achtung der Menschenwürde auf Basis des Grundgesetzes. Er sei immer wieder beeindruckt „von dem Engagement und der Kreativität der Unternehmer“. Josef sagte: „Ich danke der IHK und allen engagierten Unternehmerinnen und Unternehmern, die unsere Stadt stetig nach vorn bringen.“ Die Frankfurter Wirtschaft gehe mit Zuversicht in das Jahr 2026. „Wir haben ein aufregendes Jahr vor uns: Im Frankfurter Westen stehen mit den Projektstarts von Sanofi und Vulcan Energy echte Leuchtturmprojekte an. Außerdem eröffnen wir das neue Terminal 3 am Flughafen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist auf 651.000 gestiegen. Die Messe Frankfurt wächst weiter – international, aber vor allem an ihrem Heimstandort. Die Frankfurter Wirtschaft ist weiterhin stark und entwickelt sich positiv. Der heutige Abend stimmt mich optimistisch, dass diese Entwicklung anhält. Die Potenziale in der Region sind riesig – lassen Sie sie uns gemeinsam nutzen.“

(IHK Frankfurt a.M. /Diether von Goddenthow RheinMainKultur.de)