Monet – Cézanne – Matisse The Scharf Collection – vom 12.3. – 9.8.2026 im Düsseldorfer Kunstpalast

Monet – Cézanne – Matisse The Scharf Collection 12. März – 9. August 2026- Es gibt kaum einen wegweisenden Namen der Moderne, der nicht in der Scharf Collection vertreten ist. © Foto Diether v. Goddenthow

Monet, Cézanne, Matisse – kaum ein wegweisender Name der Moderne fehlt in der Scharf Collection. Vom 12. März bis 9. August 2026 wird erstmals eine der bedeutendsten deutschen Privatsammlungen des französischen Impressionismus und Post-Impressionismus – nach ihrer Präsentation in Berlin nun im Düsseldorfer Kunstpalast – umfassend um  60 Werke ergänzt – der Öffentlichkeit vorgestellt.

Mit rund 180 Exponaten präsentiert der Kunstpalast die beeindruckende Bandbreite dieser fulminanten Sammlung, die vom frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart reicht. Neben Meisterwerken von Claude Monet, Auguste Renoir, Paul Cézanne und Pierre Bonnard werden auch Arbeiten von Henri de Toulouse-Lautrec und Henri Matisse gezeigt – ein weiterer Schwerpunkt der Sammlung. Eine Privatsammlung von vergleichbarer Qualität und Vielfalt sei ihm in Deutschland nicht bekannt, betonte Felix Krämer, Generaldirektor und künstlerischer Leiter des Kunstpalastes Düsseldorf, beim Presserundgang.

Eine Kunstsammlung in vier Generationen

„Die Scharf Collection geht auf einen Zweig der renommierten Berliner Sammlung Otto Gerstenbergs (1848-1935) zurück Als Generaldirektor der Victoria-Versicherung – später ging diese in der Düsseldorfer ERGO Group auftrug Gerstenberg maßgeblich zum nationalen und europaweiten Erfolg des Unternehmens bei. Um 1900 begann er im großen Stil Kunst zu sammeln“, so Krämer.  ,,Dass eine Privatsammlung über vier Generationen mit so großer Leidenschaft für die Kunst aufgebaut wird, ist bemerkenswert. Aus dem vielfältigen Bestand konnten wir eine Präsentation entwickeln, die sowohl hochkarätige Werke weltbekannter Künstler*innen zeigt als auch Raum für Neuentdeckungen lässt“, unterstreicht Kuratorin Kathrin DuBois, Leiterin der Sammlung Malerei bis 1900 im Kunstpalast, in ihrer anschließenden Einführung.

Impression der Ausstellung Monet – Cézanne – Matisse The Scharf Collection vom 12. März – 9. August 2026 im Düsseldorfer Kunstpalast. © Foto Diether v. Goddenthow

Zunächst habe sein Interesse der deutschen und niederländischen Grafik des 15. und 17. Jahrhunderts gegolten. Bald habe er seine Sammlung mit Künstlern wie Francisco de Goya, John Constable und Gustave Courbet um europäische Malerei des 19. Jahrhunderts erweitert, bevor er sich der Kunst seiner Zeitgenossen zugewandt habe, so die Kuratorin. Otto Gerstenberg habe hochkarätige Werke unter anderem von Edgar Degas, Claude Monet und Auguste Renoir zusammengetragen, die die Ausrichtung der heutigen Scharf Collection auf den französischen Impressionismus begründet hätten. Ein weltweit einzigartiges Highlight der Sammlung sei das nahezu vollständige grafische Werk von Henri de Toulouse-Lautrec. In ausladender Petersburger Hängung werde in der Ausstellung im Kunstpalast neben seinen berühmten Werbeplakaten des Fin de Siècle auch die Mappe Elles (1896) gezeigt, in der der Künstler bewusst stille Momente aus dem Alltag von Prostituierten dargestellt habe.

Claude Monets „Waterloo Bridge“-Bilder (1899–1903) ist eines der Serie von über 40 impressionistischen Gemälden, die die Londoner Brücke im dichten Nebel und wechselnden Lichtverhältnissen zeigen. © Foto Diether v. Goddenthow

Gerstenbergs Tochter Margarethe Scharf (1889–1961), so DuBois, habe einen großen Teil der Sammlung während des Zweiten Weltkriegs retten können und ihn an ihre beiden Söhne Walther (1923–1996) und Dieter Scharf (1926–2001) vererbt. Die heutige Scharf Collection gehe auf den Familienzweig Walther Scharfs zurück, der gemeinsam mit seiner Frau Eve und ihrem Sohn René an den französischen Schwerpunkt angeknüpft und die Sammlung um Schlüsselwerke ergänzt habe. Dazu zähle etwa Monets Waterloo Bridge (1903), Teil einer rund vierzig Gemälde umfassenden Serie, die die berühmte Londoner Brücke im stetig wechselnden Farb- und Lichtspiel zeige. Hinzugekommen sei auch Pierre Bonnards intimes Gemälde Die große Badewanne (1937/39), das dessen Ehefrau Marthe liegend in einer Badewanne zeige. Mit dem Künstlerbuch Jazz (1947) von Matisse sei zudem eine Ikone der Moderne vertreten, die zwanzig seiner charakteristischen Papierschnitte, darunter das oft reproduzierte Blatt Ikarus, vereine. Gleichzeitig habe sich die Sammlung französischen Positionen der Nachkriegszeit geöffnet, etwa von Maurice Estève, Charles Lapicque und Jean René Bazaine.

Monet Cézanne Matisse – The Scharf Collection im Kunstpalast, Foto: Anne Orthen

René Scharf, der von 1984 bis 2003 zunächst für Christie’s und das Museum of Modern Art gearbeitet habe und anschließend als Kunsthändler in New York tätig gewesen sei, habe den Kern der Sammlung um Werke der klassischen Moderne und des Abstrakten Expressionismus, etwa von Sam Francis, erweitert. Heute richteten René und seine Frau, die Rechts- und Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht Christiane Scharf, ihren Blick auch auf die zeitgenössische Kunst und führten damit die familiäre Sammlungstradition in die Gegenwart fort. Zu den neueren Erwerbungen gehörten internationale Positionen wie Robert Longo und Sean Scully, aber auch Künstlerinnen und Künstler der aufstrebenden Berliner Kunstszene, die das Sammlerehepaar früh gemeinsam für sich entdeckt habe. Diese verdeutlichten die Vielfalt der zeitgenössischen Malerei im Umgang mit Farbe und Form – von Jonas Burgerts surrealer Figuration über Martin Eders provokante Pop-Ästhetik bis hin zu Katharina Grosses monumentalen Abstraktionen.

Die einzige nicht aus der Sammlung der Scharfs stammende Leihgabe in der Ausstellung steuert die ERGO Group bei: ein von dem deutschen Impressionisten Max Liebermann gemaltes Porträt des Sammlers Otto Gerstenberg. Die historische Verbindung der ERGO zu Otto Gerstenberg verleihe dieser Ausstellung eine besondere Bedeutung. Ohne die großzügige Unterstützung der EEGO-Versicherung wäre diese Ausstellung in diesem Rahmen kaum möglich gewesen, unterstreicht Krämer.

Die Weiterentwicklung der Sammlung
Heute widmet sich das Sammlerehepaar René und Christiane Scharf verstärkt zeitgenössischen Positionen und führt damit ein familiäres Engagement für künstlerische Innovation fort, das sich über vier Generationen erstreckt. In elf Ausstellungsräumen entfaltet sich ein Panorama der Kunstgeschichte über drei Jahrhunderte – von den Wegbereitern der Moderne bis zu aktuellen Positionen der Gegenwartskunst.

Erstmals in ihrer Gesamtheit in der Öffentlichkeit

Impression der Ausstellung Monet – Cézanne – Matisse The Scharf Collection vom 12. März – 9. August 2026 im Düsseldorfer Kunstpalast. © Foto Diether v. Goddenthow

Bislang war die Scharf Collection ausschließlich anonym und lediglich durch vereinzelte Leihgaben öffentlich sichtbar. Die von Felix Krämer, vermittelt durch seine Kontakte zum Sammlerehepaar René und Christiane Scharf, gemeinsam mit der Alte Nationalgalerie in Berlin konzipierte Ausstellung wurde für die Präsentation in Düsseldorf um mehr als 60 Werke erweitert.

Darunter befinden sich Arbeiten von Edgar Degas sowie japanische Farbholzschnitte des 19. Jahrhunderts. Die Ausstellung vereint Gemälde, Arbeiten auf Papier und Skulpturen aus drei Jahrhunderten. Besucherinnen und Besucher der erfolgreichen Berliner Präsentation dürfen sich im Düsseldorfer Kunstpalast auf eine deutlich erweiterte Werkfülle, eine teilweise verbesserte Ausleuchtung sowie eine besondere Hängung – etwa der Arbeiten von Henri de Toulouse-Lautrec – freuen, die neue Perspektiven auf die Sammlung eröffnet.

Ausstellungsrundgang

Innovation und Tradition

Der Rundgang beginnt mit einem Raum, der dem Begründer der Sammlung, Otto Gerstenberg, gewidmet ist. Ein Porträt von Max Liebermann empfängt die Besucherinnen und Besucher und verweist zugleich auf Gerstenbergs Berliner Umfeld.

Die präsentierten Werke zeigen Künstler aus Otto Gerstenbergs eigener Generation ebenso wie Vertreter der vorausgehenden Epoche, darunter Jean-Baptiste Camille Corot, Eugène Delacroix und Gustave Courbet. Der Raum verdeutlicht, dass künstlerische Innovation häufig aus der Auseinandersetzung mit Tradition entsteht – ein Leitgedanke, der sich durch die gesamte Sammlung zieht.

Kunst und Wirklichkeit

Impression der Ausstellung Monet – Cézanne – Matisse The Scharf Collection vom 12. März – 9. August 2026 im Düsseldorfer Kunstpalast. Honoré Daumier (1808–1879), Kunstfigur: Ratapoil (haarige Ratte). Sie soll die gewaltbereiten hinterhältigen Unterstützer Louis-Napoleon Bonapartes karikieren. © Foto Diether v. Goddenthow

Im folgenden Raum begegnen die Besucher einem umfangreichen Konvolut des französischen Karikaturisten Honoré Daumier. Seine Lithografien und plastischen Arbeiten spiegeln die politischen Spannungen des 19. Jahrhunderts wider und zeigen gesellschaftliche Typen mit scharfem, oft satirischem Blick. Otto Gerstenberg trug zu Beginn des 20. Jahrhunderts die größte Daumier-Sammlung Deutschlands zusammen.

Die andere Hälfte des Raumes ist der spanischen Kunst gewidmet. Radierungen von Francisco de Goya, darunter Blätter aus der Serie Desastres de la Guerra, zeigen eine schonungslose Auseinandersetzung mit Krieg und Gewalt. Die Werke verdeutlichen, wie stark Goyas Bildsprache spätere französische Künstler beeinflusste.

Paul Cézanne

Paul Cézanne (1839 – 1906) Flusslandschaft mit Häusern, um 1904, © Foto Diether v. Goddenthow

Ein anschließender Saal widmet sich ganz Paul Cézanne, einer Schlüsselfigur der modernen Kunst. Seine Malerei löst sich von klaren Konturen und modelliert Formen durch nebeneinandergesetzte Farbflecken. Die Bilder zeigen, wie Cézanne Natur nicht einfach abbildete, sondern in eine eigenständige Bildstruktur überführte.

Sein Einfluss auf Künstler wie Pablo Picasso und Henri Matisse wird hier besonders nachvollziehbar. Obwohl Cézannes Werke lange vom Pariser Salon abgelehnt wurden, entwickelte sich seine Kunst später zu einem entscheidenden Ausgangspunkt der Moderne. Eine Sammlungslücke Otto Gerstenbergs wurde erst durch spätere Erwerbungen der Familie Scharf geschlossen.

Licht und Farbe

Ausstellungs-Impression Raum 4 © Foto Diether v. Goddenthow

Der Rundgang führt nahezu unmerklich in den größten Ausstellungssaal. Zentrum des Raumes ist ein Schlüsselwerk von Claude Monet: Impression, Sonnenaufgang, jenes Gemälde, das 1874 der Kunstrichtung des Impressionismus ihren Namen gab.

Hier wird die Abkehr von der akademischen Ateliermalerei sichtbar. Künstler arbeiteten zunehmend im Freien und machten Licht, Atmosphäre und Wahrnehmung selbst zum Thema ihrer Kunst. Monets Serienmalerei – etwa Darstellungen der Waterloo Bridge – zeigt wechselnde Lichtstimmungen desselben Motivs.

Werke von Auguste Renoir lenken den Blick stärker auf den Menschen, während Pierre Bonnard neue Perspektiven auf alltägliche Szenen entwickelt. Gemeinsam verbindet die Künstler die intensive Auseinandersetzung mit Farbe als eigenständigem Ausdrucksmittel.

Japan in Frankreich

Katsushika Hokusai aus der Serie „36 Ansichten des Berges Fuji“ 1829 – 1833. © Foto Diether v. Goddenthow

Im nächsten Raum treten Werke von Pierre Bonnard und Édouard Vuillard in den Mittelpunkt. Beide gehörten zur Künstlergruppe Les Nabis, die neue Wege im Umgang mit Fläche, Linie und Farbe suchte.

Der Einfluss japanischer Farbholzschnitte wird deutlich sichtbar. Arbeiten von Katsushika Hokusai und Utagawa Hiroshige inspirierten durch ungewöhnliche Perspektiven, kräftige Farbkontraste und eine flächige Bildauffassung. Der sogenannte Japonismus prägte die französische Kunst nachhaltig und veränderte das Verständnis von Komposition grundlegend.

Der weibliche Körper

Ein weiterer Raum widmet sich dem Motiv des Sehens und Gesehenwerdens. Werke von Edgar Degas zeigen Frauen auf der Bühne oder in alltäglichen Momenten der Körperpflege. Die Darstellungen wirken beobachtend und konzentrieren sich auf Haltung und Bewegung statt auf idealisierte Schönheit.

Den Bildern gegenüber stehen Skulpturen von Aristide Maillol, deren ruhige und ausgewogene Körperformen zeitlose Harmonie anstreben. Der Raum macht unterschiedliche künstlerische Zugänge zum Thema des menschlichen Körpers sichtbar.

Henri de Toulouse-Lautrec

Ein weltweit einzigartiges Highlight der Sammlung ist das nahezu vollständige grafische Werk von Henri de Toulouse-Lautrec. In ausladender Petersburger Hängung wird in der Ausstellung im Kunstpalast neben seinen berühmten Werbeplakaten des Finde Siecle auch die Mappe Elles (1896) gezeigt, in welcher der Künstler bewusst die stillen Momente aus dem Alltag von Prostituierten darstellte. © Foto Diether v. Goddenthow

Ein eigener Saal ist Henri de Toulouse-Lautrec gewidmet, dessen Druckgrafik nahezu vollständig in der Scharf Collection vertreten ist. Seine Werke führen in das Pariser Nachtleben der Jahrhundertwende.

Plakate für das Moulin Rouge zeigen Tänzerinnen und Bühnenkünstler wie La Goulue oder Jane Avril. Mit großen Farbflächen, geschwungenen Linien und starken Kontrasten entwickelte Toulouse-Lautrec eine Bildsprache mit hohem Wiedererkennungswert und prägte früh den modernen Starkult.

Henri Matisse

Der folgende Raum zeigt die Entwicklung von Henri Matisse. Neben späteren, stark vereinfachten Arbeiten werden auch frühe Werke sichtbar, die noch vom Impressionismus beeinflusst sind.

Matisse strebte eine „Kunst des Gleichgewichts, der Reinheit und der Ruhe“ an. Linienzeichnungen und Druckgrafiken zeigen sein Modell Henriette Darricarrere in verschiedenen Varianten und verdeutlichen die Suche nach der klarsten formalen Lösung eines Motivs.

Neue Formen

Impression der Ausstellung Monet – Cézanne – Matisse The Scharf Collection vom 12. März – 9. August 2026 im Düsseldorfer Kunstpalast. © Foto Diether v. Goddenthow

Mit dem frühen 20. Jahrhundert beginnt eine Phase radikaler Neuerfindung der Bildsprache. Werke des Kubismus von Pablo Picasso und Juan Gris zerlegen vertraute Gegenstände wie Gitarren in geometrische Formen und setzen sie neu zusammen.

Skulpturen von Henri Laurens erweitern diese Experimente in den Raum. Arbeiten von Fernand Léger verbinden klare Strukturen mit starken Kontrasten und spiegeln die Erfahrung einer zunehmend technisierten Welt wider.

Kunst nach 1945

Der letzte Abschnitt des Rundgangs führt in die Nachkriegszeit und zur abstrakten Kunst. Werke von Jean René Bazaine, Maurice Estève und Charles Lapicque zeigen die Hinwendung zu einer gegenstandslosen Malerei, die nach 1945 breite Anerkennung fand.

Ab den 1990er Jahren erweiterte René Scharf die Sammlung um nordamerikanische Positionen, darunter Gemälde von Sam Francis, dessen Werk eine Verbindung zwischen amerikanischer Abstraktion und französischer Tradition herstellt.

Den Abschluss bilden zeitgenössische Arbeiten von Jonas Burgert, Martin Eder, Katharina Grosse und Anselm Reyle. Sie führen die zentrale Frage der Ausstellung in die Gegenwart: Wie greifen Künstler Traditionen auf – und welche neuen Wege eröffnen sich daraus für die Kunst von heute?

(Dokumentation: Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)

Kunstpalast Düsseldorf