Bunt, laut und voller Helau – Wiesbaden feiert 77 Jahre Fastnachtssonntagszug

Der „Dacho-Drachen“ begrüßt die Jecken rund um die Wilhelmstraße. © Foto Diether v. Goddenthow

WIESBADEN. Mit einem dreifach donnernden „Helau!“ hat die hessische Landeshauptstadt am Sonntag, 15. Februar 2026, den Höhepunkt der Kampagne gefeiert: den traditionellen Fastnachtssonntagsumzug durch die Innenstadt. In diesem Jahr stand der Zug unter einem besonderen Motto – „77 Jahre Fastnachtssonntagszug“. Seit nunmehr 77 Jahren schlängelt sich der närrische Lindwurm durch die Straßen Wiesbadens und ist damit fester Bestandteil des städtischen Veranstaltungskalenders.

Schon Stunden vor dem geplanten Beginn um 12.11 Uhr säumten Zehntausende die Strecke. Trotz winterlich-kalter Temperaturen wurde geschunkelt, gesungen und gelacht. Nach Schätzungen verfolgten mehrere hunderttausend Besucherinnen und Besucher stimmungsvoll das närrische Spektakel entlang der Route.

Verspäteter Start – Stimmung ungebrochen

Die Dodos „Ein dreifach donnerndes Helau!“ © Foto Diether v. Goddenthow

Zu Beginn war etwas Geduld gefragt, da sich der Zug  mit einer guten halben Stunde Verzögerung in Bewegung setzte. Hintergrund waren verschärfte Sicherheitsauflagen: Nicht alle Sperren entlang der Strecke waren rechtzeitig vollständig eingerichtet, erst nach abschließender Freigabe durch die Polizei konnte es losgehen. Die Wartenden am Straßenrand ließen sich davon jedoch kaum beeindrucken. Mit Musik aus tragbaren Lautsprechern, Sprechchören und reichlich Humor verkürzten sie sich die Wartezeit.

Angeführt wurde der Zug vom Motivwagen der Dachorganisation Wiesbadener Karneval, dem sogenannten „Dracho“-Drachen – ein grünfarbenfrohes Symbol für die organisierte Wiesbadener Fastnacht. Dahinter reihten sich insgesamt 178 Zugnummern ein: Garden, Musikzüge, Fußgruppen und aufwendig gestaltete Motivwagen.

Ein Lindwurm durch die Innenstadt

Über 4,5 Kilometer zog sich der närrische Tross vom Bereich der Friedrich-Ebert-Allee durch das Herz der Stadt, vorbei am Wiesbadener Rathaus und über den Schlossplatz. Mehrere tausend Aktive beteiligten sich – viele von ihnen seit Monaten mit den Vorbereitungen beschäftigt.

Die Zugteilnehmer hatten sich ebenso fantasievoll herausgeputzt wie das Publikum. Klassische Funken in blau-weißen Uniformen marschierten im Gleichschritt, Tanzgarden wirbelten über den Asphalt, während Musikkapellen mit Trompeten und Trommeln für den passenden Rhythmus sorgten. Dazwischen rollten Wagen mit großformatigen Karikaturen, politischen Seitenhieben und lokalem Bezug.

Kreative Kostüme und starke Bilder

Hexen aus dem Rheingau und viele andere super kostümierte Fastnachter feierten uff de Gass! © Foto Diether v. Goddenthow

In der Menge dominierte ein farbenfrohes Meer aus Kostümen: Von Märchenfiguren über Filmhelden bis hin zu aufwendig gestalteten Tier- und Fantasiegestalten war alles vertreten. Besonders auffällig waren Gruppen in leuchtenden, teils illuminierten Outfits, die selbst den grauen Winterhimmel zum Strahlen brachten. Kinder reckten ihre Taschen nach Kamelle in die Höhe, Erwachsene prosteten den Aktiven auf den Wagen zu – beide Seiten sichtbar mit großem Vergnügen am gemeinsamen Feiern.

Die Motivwagen griffen neben Wiesbadener Themen auch bundespolitische Debatten auf – satirisch zugespitzt, aber mit dem für die Fastnacht typischen Augenzwinkern. Immer wieder brandete Applaus auf, wenn besonders detailreiche Konstruktionen vorbeizogen oder die Aktiven mit dem Publikum tanzten und sangen.

© Foto Diether v. Goddenthow

Feiern auf dem Schlossplatz bis in den Abend
Nach dem letzten Wagen war der Tag noch lange nicht beendet. Auf dem Schlossplatz vor dem Rathaus wurde weitergefeiert. Eine Bühne bot Musik und Moderation, viele Besucher blieben, schunkelten weiter oder stärkten sich an den Ständen. Bis in die frühen Abendstunden hinein herrschte dort Volksfestatmosphäre.

Ein Fest mit Tradition und Gemeinschaftssinn
Trotz der anfänglichen Verzögerung verlief der Fastnachtssonntagszug friedlich. Die Kombination aus verstärkten Sicherheitsmaßnahmen, engagierten Helfern und disziplinierten Besuchern sorgte für einen reibungslosen Ablauf.

Der 77. Wiesbadener Fastnachtssonntagszug hat damit eindrucksvoll bewiesen, wie lebendig diese Tradition ist. Hunderttausende – ob aktiv im Zug oder jubelnd am Straßenrand – machten die Innenstadt für einige Stunden zu einem der  närrischen Zentren Hessens.

Und morgen geht’s rüber nach Mainz zum Rosenmontags-Zug!

(Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)