
Im Rahmen der internationalen Konsumgütermesse Ambiente Frankfurt wurde am 6. Februar 2026 zum 50. Mal der Negativpreis „Plagiarius“ verliehen. Mit der Auszeichnung macht die Aktion Plagiarius e. V. seit 1977 auf besonders dreiste Fälle von Produkt- und Markenpiraterie aufmerksam und setzt ein deutliches Zeichen gegen Ideenklau, Designkopien und den wirtschaftlichen Schaden für kreative Unternehmen.
„Der Plagiarius ist keine positive Auszeichnung. Ausgezeichnet wird nicht der Originalhersteller, sondern der Plagiator“, stellte Dr. Aliki Busse, Fachanwältin für Gewerblichen Rechtsschutz und Partnerin der Kanzlei Maiwald GmbH, bei der Begrüßung klar. Ihr Vater hatte vor 50 Jahren den Plagiarius-Negativ-Preis mit dem schwarzen Zwerg als Maskottchen aus der Taufe gehoben. Die Auszeichnung stelle keine rechtliche Bewertung dar, sondern eine moralische Einordnung besonders rücksichtsloser Nachahmungen: „Wir sprechen kein Recht, aber wir machen auf Unrecht aufmerksam.“
Produkt- und Markenpiraterie ist heute ein lukratives Milliardengeschäft. Vom ideenlosen Mitbewerber über Billig-Direktplattformen bis hin zu international organisierten kriminellen Netzwerken profitieren zahlreiche Akteure von rechtsverletzenden Kopien. Der europäische Markt wird zunehmend mit ungeprüften, falsch deklarierten und nicht EU-konformen Produkten überschwemmt – mit gravierenden Folgen für fairen Wettbewerb, Verbrauchersicherheit, Umwelt und Innovationskraft.
Zum 50. Jubiläum wurden erneut drei Hauptpreise, mehrere gleichrangige Auszeichnungen sowie erstmals zwei Sonderpreise vergeben. „Dass wir hier heute zum 50. Mal zusammenkommen, ist eigentlich ein Skandal“, sagte der diesjährige Laudator Dr. Hans-Jürgen Völz, Bundesgeschäftsleiter Volkswirtschaft beim Mittelstand BVMW. „Es ist das unfreiwillige Eingeständnis, dass Dreistigkeit und Ideenlosigkeit Konjunktur haben – und diese Konjunktur flacht nicht ab, sondern wächst wie eine Lawine oder ein Tsunami.“
Zoll zieht rechtsverletzende Produkte aus dem Verkehr
Laut der Aktion Plagiarius e.V. wurden im Jahr 2024 an den EU-Außengrenzen und im EU-Binnenmarkt insgesamt mehr als 112 Millionen gefälschte Artikel mit einem geschätzten Wert von etwa 3,8 Milliarden Euro beschlagnahmt, so die Europäische Kommission und das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO). Den internationalen Handel mit Fälschungen bezifferten EUIPO und OECD für 2021 auf alarmierende 467 Milliarden USD, was 2,3% des Welthandels entspricht. Und das sind nur die nachweislichen Aufgriffe von Zoll- und Polizeibehörden. Die Dunkelziffer wird deutlich höher geschätzt. Der Zoll beschlagnahmt regelmäßig rechtsverletzende Fälschungen u.a. von Bekleidung, Accessoires & Sportartikeln, Unterhaltungselektronik, Spielzeug, Parfums & Kosmetika, Zigaretten, bis hin zu Medikamenten, berichtete der Referent. Er fände es ja sinnvoller, dass die EU sich stärker der wirksamen Bekämpfung des Plagiats-Unwesens widme, statt Mittelstand und Betrieben mit dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) zusätzlich – kaum leistbare – Lasten aufzuerlegen. Selbst wenn nach der neuen Regelungen des (LkSG) „nur“ noch für Firmen mit mindestens 5.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mindestens 1,5 Milliarden Euro gelten sollen, gäben die Großunternehmen die Pflichten an ihre – meist mittelständischen – Lieferanten weiter. Sie müssten dann nachweisen, dass sie alle Punkte ihrer „Liefer-/Herstellungs-Kette) entsprechend eingehalten hätten.

Dr. Völz betonte die besondere Bedeutung von Innovationen für die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands: „Innovationen sind praktisch die einzige harte Währung, mit der sich unsere Unternehmen im globalen Wettbewerb behaupten können.“ Wer geistiges Eigentum unbefugt kopiere, untergrabe nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg innovativer Unternehmen, sondern beschädige systematisch die Investitionsbereitschaft am Standort Deutschland.
Innovationen entstehen nicht durch „Copy-Paste“ – sondern durch Mut und Leistung
Ob attraktives Produktdesign oder innovative technische Lösung, ob Film, Musik, Mode oder Kunst – jede Entwicklung von einer ersten Idee bis zum marktreifen Produkt ist ein zeitintensiver Prozess. In jedem Original steckt neben Kreativität, technischem Wissen und dem Anspruch an Qualität und Langlebigkeit auch Mut, da Kreativschaffende und Markenhersteller finanziell in Vorleistung gehen. Dieses Risiko muss sich lohnen, unterstrich Völz.
Der Plagiarius prangert dabei längst nicht mehr nur einzelne Produktkopien an. Heute seien ganze Identitäten betroffen – von massenhaft vervielfältigten Designkopien auf Plattformen bis hin zu professionell gestalteten Fake-Shops. „Das ist kein Kavaliersdelikt. Das ist kriminell“, so Völz. Besonders kritisch sei, dass rechtsverletzende Angebote trotz Löschung immer wieder neu auftauchten: „Es fehlt der Wille zur Prävention – obwohl die technischen Möglichkeiten vorhanden wären.“

Die ausgezeichneten Fälle zeigen eindrücklich, dass gleiches Aussehen nicht gleiche Qualität oder Sicherheit bedeutet. Billige Nachahmungen sparen an Material, Verarbeitung und Kontrolle – mit teils erheblichen Risiken für Verbraucher. Gerade bei sensiblen Produkten, etwa für Kinder oder im technischen Bereich, wird deutlich, wie gefährlich Plagiate sein können.
Seit 50 Jahren setzt die Aktion Plagiarius deshalb auf Öffentlichkeit als wirksames Mittel der Abschreckung. Mit Pressearbeit, Ausstellungen und Vorträgen wird der Wert geistigen Eigentums sichtbar gemacht und für fairen Wettbewerb sensibilisiert. Die ikonische Trophäe – der schwarze Zwerg mit goldener Nase – steht dabei sinnbildlich für die enormen Profite ideenloser Nachahmer.
Museum Plagiarius in Solingen –
Die Preisträger des Jahres 2026 sind ab dem 13. Februar 2026 im Museum Plagiarius in Solingen zu sehen – im direkten Vergleich von Original und Plagiat. Die Botschaft des Jubiläumsjahres ist eindeutig: Innovation entsteht nicht durch Copy-Paste, sondern durch Mut, Leistung und Respekt vor dem Original. Das Museum Plagiarius zeigt in seiner einzigartigen Ausstellung mehr als 350 Plagiarius-Preisträger, jeweils Original und Plagiat im direkten Vergleich. In Führungen werden Fakten und Hintergründe vermittelt, mit Kli-schees aufgeräumt und Besucher zum Nach- und Umdenken angeregt: Nicht kritiklos (Dupe) Influencern und unseriösen Anbietern glauben. Kein Ramsch, sondern ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zu den Plagiaten von 1977 bis heute gehören neben klassischen Konsum- und Haushaltsartikeln, auch Möbel, Werkzeuge, Sanitärprodukte, Spielzeug bis hin zu gefährlichen, nicht funktionierenden, Druckmessgeräten, Autofelgen, Motorsägen, und Notfall-Beatmungsgeräten.
(Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)
