Bürokratieabbau und größte Brille der Welt im Mittelpunkt beim Parl. Neujahrstreffen der HAA in Wiesbaden

Alexander Repp, Präsident der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks, begrüßt die Gäste zum Parlamentarischen Neujahrstreffen im Wiesbadener Kurhaus. © Foto Diether v. Goddenthow

Im Kurhaus Wiesbaden fand am 4. Februar 2026 das Parlamentarische Neujahrstreffen 2026 der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks statt. Als Festredner sprach Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori. Für eine besondere Überraschungsaktion sorgte die Präsentation der größten Brille der Welt im Kurhaus-Foyer.

Begrüßt wurden die rund 250 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur von Alexander Repp, Präsident der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks, sowie Rainer von Borstel, Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen der persönliche Austausch sowie aktuelle wirtschaftspolitische Themen und die Rahmenbedingungen für Unternehmen und das Handwerk in Hessen.

Alexander Repp

Alexander Repp, Präsident der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks, fordert unter anderem wirksame Maßnahmen zu raschen Bürokratieabbau. © Foto Diether v. Goddenthow

Alexander Repp, Präsident der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks, zeichnete in seiner Eröffnungsrede ein realistisches Bild der aktuellen Lage. Zwar habe sich die Geschäftslage zu Beginn des Jahres 2025 zunächst leicht verbessert, dieser Effekt sei jedoch nicht nachhaltig gewesen. Bereits im Verlauf der zweiten Jahreshälfte habe sich die Stimmung wieder deutlich eingetrübt. Der Anteil der Betriebe mit schlechter Geschäftslage stieg im dritten Quartal auf 18 Prozent und erreichte damit erneut das Niveau vom Jahresende 2024. Besonders im Bau- und Ausbauhandwerk verschlechterten sich die Erwartungen für die Wintermonate spürbar.

Die Auftragslage bleibe angespannt: Rund ein Drittel der Betriebe meldete rückläufige Auftragseingänge – bereits im zweiten Jahr in Folge. Gleichzeitig sank die durchschnittliche Auftragsreichweite von neun auf acht Wochen. Steigende Kosten für Energie, Dienstleistungen und Vorprodukte belasteten die Betriebe zusätzlich, da höhere Einkaufspreise vielfach nur teilweise weitergegeben werden könnten. Die Investitionsbereitschaft sei 2025 erneut zurückgegangen, während der Personalbestand insgesamt stabil blieb.

Mit Blick auf 2026 schloss sich Repp der bundesweiten Prognose eines moderaten Umsatzzuwachses von rund einem Prozent an, der inflationsbereinigt jedoch kein reales Wachstum bedeute. Trotz hoher struktureller Belastungen durch Personal-, Energie- und Vorleistungskosten erweise sich das Handwerk weiterhin als widerstandsfähig und stabiler Faktor für Wirtschaft und Beschäftigung. Voraussetzung für einen Aufschwung seien jedoch höhere öffentliche Investitionen sowie verlässliche finanzielle, steuerliche und regulatorische Rahmenbedingungen.

Der Betriebsbestand im hessischen Handwerk blieb 2025 mit 78.532 Betrieben nahezu unverändert. Die bundesweit stark gestiegene Zahl der Insolvenzen habe sich bislang nicht in gleichem Maße in Hessen niedergeschlagen, werde aber aufmerksam beobachtet.

Talkrunde der Fraktionsvorsitzenden des Hessischen Landtags, moderiert von Ariane Focke. (v.li.) Dr. Ralf-Norbert Bartelt, stellvertretender Fraktionsvorsitzender CDU im Hessischen, Mathias Wagner, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90 / Die Grünen im Hessischen Landtag, Tobias, Eckert, Fraktionsvorsitzender SPD im Hessischen Landtag, Moderatorin Ariane Focke, Journalistin, Andreas, Lichert, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD im Hessischen Landtag, Oliver Stirböck, MdL, Fraktion der FDP im Hessischen Landtag.© Foto Diether v. Goddenthow

Ein zentrales Thema bleibe zudem die Fachkräftesicherung. Zwar wurden im Ausbildungsjahr 2025 etwas mehr neue Lehrverträge abgeschlossen als im Vorjahr, das Niveau von vor der Corona-Pandemie werde jedoch weiterhin nicht erreicht. Es fehle nicht an Ausbildungsplätzen, sondern an Bewerberinnen und Bewerbern. Ausbildung sei die Grundlage der Zukunftsfähigkeit des Handwerks und müsse weiter gestärkt werden.

Deutlich kritisch äußerte sich Repp zur zunehmenden Bürokratiebelastung. Handwerker wollten arbeiten und nicht einen Großteil ihrer Zeit mit Formularen verbringen. Zudem bereite ihm Sorge, dass Kommunen Bauvorhaben immer häufiger an Generalunternehmer vergeben, statt sie in Einzelgewerken auszuschreiben – mit der Folge, dass insbesondere kleinere, regionale Betriebe zunehmend vom Wettbewerb ausgeschlossen würden.

Kaweh Mansoori

Hessens stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori versprach, sich für eine weitere Beschleunigung des Bürokratieabbaus einzusetzen. © Foto Diether v. Goddenthow

Hessens stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori unterstrich die zentrale Bedeutung des Handwerks für den Wirtschaftsstandort Hessen. Ob beim Wohnungsbau, der Verkehrsinfrastruktur oder der digitalen Transformation – überall sei die Kompetenz und Leistungsfähigkeit des Handwerks unverzichtbar. Entsprechend setze die Landesregierung bei der Bewältigung zukünftiger Herausforderungen gezielt auf das Handwerk.

Vor diesem Hintergrund kündigte Mansoori an, im Zuge der geplanten Novelle der Hessischen Gemeindeordnung die Regelungen zur wirtschaftlichen Betätigung der Kommunen überprüfen zu wollen. Ziel sei es, sowohl den Interessen der Kommunen als auch den Belangen des Handwerks gerecht zu werden. Er zeigte sich zuversichtlich, gemeinsam eine tragfähige Lösung zu finden, die beiden Seiten Planungssicherheit bietet.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen der persönliche Austausch sowie aktuelle wirtschaftspolitische Themen und die Rahmenbedingungen für Unternehmen und das Handwerk in Hessen. © Foto Diether v. Goddenthow

Als zentrale wirtschaftliche Herausforderungen für das Handwerk benannte Mansoori die Energiekosten, den Fachkräftemangel und die Bürokratiebelastung. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liege daher auf dem Bürokratieabbau, insbesondere im Baurecht. Mit der Kommission „Innovation im Bau“ solle das Bauen vereinfacht, beschleunigt und deutlich weniger bürokratisch werden. Ziel sei es, Verfahren zu verschlanken, technische Vorgaben zu reduzieren und überflüssige Normen abzubauen – ohne Abstriche bei Qualität und Sicherheit. Durch eine geringere technische Komplexität, mehr Bauen im Bestand und eine stärkere Berücksichtigung des demografischen Wandels wolle das Land den Wohnungsbau ankurbeln und die Baupraxis insgesamt effizienter gestalten.

Bei den Energiekosten setze die Landesregierung auf eine verlässliche Versorgung und wolle sich dafür auch auf Bundesebene einsetzen. Dem Nachwuchs- und Fachkräftemangel begegne Hessen unter anderem mit dem kostenfreien Meisterbrief sowie mit Initiativen wie den Praktikumswochen. Berufsorientierung an Schulen und die Stärkung der dualen Ausbildung seien entscheidend, um dem Fachkräftebedarf langfristig zu begegnen.

Größte Brille der Welt

Eine gelungene Überraschung des Abends war die Präsentation der größten Brille der Welt durch Sven Empen. Rechts demonstriert er, wie sich damit „Durchblick gewinnen“ lässt – ein Angebot, von dem zahlreiche Parlamentarier gerne Gebrauch machten. © Foto Diether v. Goddenthow

Für einen besonderen Blickfang beim Parlamentarischen Neujahrsempfang der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks im Wiesbadener Kurhaus sorgte der Augenoptikermeister Sven Empen aus Tettnang. Im Foyer präsentierte er seine spektakuläre Konstruktion: die größte optische Brille der Welt.

Die größte Brille der Welt steht im Guinnessbuch der Rekorde. © Foto Diether v. Goddenthow

Das außergewöhnliche Objekt misst rund 3,50 Meter in der Breite, ist etwa 1 Meter hoch und verfügt über 3,90 Meter lange Bügel. Gefertigt aus nahezu 700 feingeschliffenen Brillengläsern, wiegt die Brille rund 370 Kilogramm und besteht aus acht montierbaren Einzelteilen. Die Idee zur besonderen Glasstruktur geht auf Empens Kindheit zurück: Inspiriert von den butzenscheibenartigen Kirchenfenstern seiner Heimatgemeinde entwickelte er das Prinzip vieler einzelner Gläser, die zusammen ein großes Ganzes ergeben.

Empens Erläuterungen und die Präsentation der monumentalen Brille fanden große Bewunderung bei den Gästen. Schnell wurde sie zu einem der beliebtesten Fotomotive des Abends und setzte ein sichtbares Zeichen für Kreativität, handwerkliche Präzision und Innovationsgeist im Handwerk.

(Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)