Frankfurter Neujahrempfang im Völler-Fieber – Mike Josef für Nulltoleranz für Angreifer auf Helfer

Das Schüler‑Jazzensemble Frankfurt bot den musikalischen Rahmen des Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt am 15.01.2026 im Kaisersaal des Römers. © Foto Diether v. Goddenthow

Beim Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt am Main am Donnerstag, 15. Januar, ließ Oberbürgermeister Mike Josef das vergangene Jahr Revue passieren und blickte in einer ermutigenden Rede zuversichtlich auf 2026. Dabei betonte er die Kraft der Gemeinschaft und das Verbindende einer Stadt, die auch in herausfordernden Zeiten zusammensteht.

Oberbürgermeister Mike Josef in Begleitung mit den Ehrengästen: Generalkonsul der Republik Jemen Waleed Mohammed Ali Al-Shahari und Fußball-Legende Rudi Völler. © Foto Diether v. Goddenthow

Rund 1.400 Gäste aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft waren am Donnerstagabend in den Frankfurter Römer gekommen – so viele wie noch nie zuvor. Ob das womöglich am Ehrengast liege, witzelte Josef, bevor er Fußball-Legende Rudi Völler unter tosendem Applaus begrüßte. Frankfurt habe in Völlers Leben immer eine besondere Rolle gespielt, betonte der Oberbürgermeister. Zwar sei Völler in Hanau aufgewachsen, doch bis heute sage er von sich, dass er aus dem Rhein-Main-Gebiet komme und Frankfurt stets Teil seiner Identität geblieben sei. Josef zitierte aus einem FAZ-Interview vom 15. Januar 2026: „Das ist und bleibt meine Heimat, ich merke immer, wie wohl ich mich hier fühle. Ich mag die Art der Frankfurter und der Menschen aus der Region. Auch den Dialekt, den ich immer noch in meiner Sprache habe.“

Diese Worte lieferten die Steilvorlage für Josefs Rede „Die ganze Stadt im Blick“, in der er eindrucksvoll darlegte, warum Frankfurt trotz aller Herausforderungen eine besonders lebenswerte und einzigartige Stadt sei – mit enormem Potenzial. Im weltweiten Ranking 2025 von The Economist, Mercer und Numbeo habe Frankfurt Platz 8 erreicht, „deutlich vor allen anderen deutschen Städten und vor vielen Millionenmetropolen weltweit“, betonte Josef. Die Studie würdige Frankfurt als Standort der Europäischen Zentralbank und als wichtigstes kontinentaleuropäisches Finanzzentrum, das globale Wirtschaftskraft mit hoher Lebensqualität verbinde. Und es sei ein Top-Reiseziel weltweit. Die Mainmetropole überzeuge durch ihre einzigartige Mischung aus internationalem Weltstadt-Flair und überschaubaren Dimensionen – und sei damit, so Josef, „genau der richtige Ort für die World Design Capital, auf die wir uns gemeinsam freuen“.
Die Frankfurter sollten sich nicht kleiner machen, als sie seien, um eine gute Zukunft zu gestalten. „Wir haben dafür alle Potenziale, alle Chancen“, sagte der Oberbürgermeister. Frankfurt sei stärker, als es sich oft selbst zutraue, und verfüge über beste Voraussetzungen für die kommenden Jahre – wenn diese entschlossen und gemeinsam genutzt würden.

Oberbürgermeister Mike Josef begrüßt über 1400 Gäste beim Neujahrsempfang 2026 der Stadt Frankfurt im Kaisersaal des Römers. © Foto Diether v. Goddenthow

Einen zentralen Schwerpunkt seiner Rede legte Josef auf das Thema Sicherheit. Zwar habe sich die Lage durch die enge Zusammenarbeit von Stadt, Polizei und Land verbessert, doch dürften die bestehenden Probleme nicht beschönigt werden. Die Angriffe auf Rettungskräfte in der Silvesternacht seien eine klare Grenzüberschreitung gewesen. Wer Helfer angreife, greife die gesamte Stadtgesellschaft an. Gewalt dürfe niemals relativiert werden, insbesondere nicht gegenüber denen, die für Sicherheit und Ordnung sorgen. Hier gelte eine klare Linie der Null Toleranz.
Mit ebenso deutlichen Worten sprach Josef über die Situation im Bahnhofsviertel. Zahlreiche Maßnahmen seien bereits umgesetzt worden, darunter Waffenverbotszonen, Videoüberwachung und städtebauliche Aufwertungen. Doch das reiche noch nicht aus. Die Situation könne so nicht bleiben – weder für die suchtkranken Menschen noch für die Stadt insgesamt. Notwendig sei ein stärkerer Fokus auf Ausstiegs- und Hilfsangebote, verbunden mit dem klaren Bekenntnis zur Menschenwürde.
Eng damit verknüpft sei das Thema Sauberkeit. Eine lebenswerte Stadt brauche Ordnung, Respekt und Konsequenz. Erhöhte Bußgelder, verstärkte Kontrollen und eine bessere Organisation der Reinigung seien daher unerlässlich, um Stadtbild und Sicherheitsgefühl nachhaltig zu verbessern.

Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef hielt eine mit viel Beifall bedachte ermutigende Rede. © Foto Diether v. Goddenthow

Großen Raum nahm auch die demokratische Handlungsfähigkeit Frankfurts ein. Trotz politischer Brüche und wechselnder Mehrheiten seien im vergangenen Jahr richtungsweisende Entscheidungen getroffen worden, etwa zum Neubau der Städtischen Bühnen, zu einer Multifunktionshalle, zum neuen „Stadtteil der Quartiere“ oder zur Einhausung der A661. Josef würdigte ausdrücklich die Bereitschaft der demokratischen Parteien, das Gemeinwohl über parteipolitische Interessen zu stellen. Darin zeige sich die Stärke einer funktionierenden Demokratie – und ihre Wirkung als Gegenmodell zu populistischen und extremistischen Tendenzen.

Zugleich unterstrich der Oberbürgermeister die Bedeutung einer starken Wirtschaft als Grundlage für sozialen Zusammenhalt. Nur wirtschaftliche Stabilität ermögliche Investitionen in bezahlbaren Wohnraum, Bildung, Kitas und soziale Entlastungen. Maßnahmen wie der Erzieherinnenzuschlag, der Mietenstopp, der Ausbau geförderten Wohnens, der Frankfurt-Pass oder der kostenfreie Eintritt für Kinder und Jugendliche in viele städtische Einrichtungen seien Ausdruck einer Stadtpolitik, die niemanden zurücklassen wolle. Frankfurt sei eine Stadt für alle – nicht nur für jene, die es sich leisten könnten.

Mit Blick auf die kommenden Jahre kündigte Josef an, den Schwerpunkt klar auf die Umsetzung großer Investitionsprojekte zu legen. Es gehe nicht um Symbolpolitik, sondern um konkrete Verbesserungen im Alltag: bessere Schulen, bezahlbares Wohnen, kulturelle Teilhabe, Sicherheit, Sauberkeit, Sport und gesellschaftliches Engagement. Sein Leitmotiv: das Verbindende suchen, nicht das Trennende. Frankfurt sei mehr als die Summe seiner Teile – über den Weg könne gestritten werden, über das Ziel jedoch nicht.

Der Kaisersaal im Völler-Fieber

Fußball-Legende Rudi Völler im Interview mit Sportjournalist und Ex-DFB-Sprecher Harald Stenger © Foto Diether v. Goddenthow

Nach einer zweiten swingenden Jazzeinlage des Schüler-Jazzensemble Frankfurt betrat Rudi Völler die Bühne für ein Interview mit Sportjournalist und Ex-DFB-Sprecher Harald Stenger beim Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt. Ein eindrucksvolles Video ließ noch einmal Völlers beeindruckende Fußballer-Karriere Revue passieren und versetzte den Kaisersaal in regelrechtes Völler-Fieber. Im Gespräch zeigte sich der ehemalige Nationalspieler und heutige DFB-Sportdirektor mit Blick auf das bevorstehende Fußballjahr 2026 ausgesprochen optimistisch. Trotz einer, wie er sagte, „holprigen“ Qualifikation ist Völler überzeugt, dass die deutsche Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko eine gute Rolle spielen wird. Einen Titel versprach er zwar nicht, betonte aber, dass sein Team allen Gegnern „wirklich schwer machen werde, uns zu schlagen“. Entscheidend seien dabei Teamgeist und die Rückkehr verletzter Schlüsselspieler wie Jamal Musiala, so Völler.Er warnte zugleich vor starken Konkurrenten, namentlich Spanien und Frankreich, und sprach mit einem Augenzwinkern über seine frühere Verbindung zu Frankreichs Trainer Didier Deschamps, den er aus gemeinsamen Tagen in Marseille kennt.

Impression aus dem Kaisersaal. © Foto Diether v. Goddenthow

Ein anderer, eher persönlicherer Gesprächsstrang betraf Völlers Beziehung zur Region: Bei der Veranstaltung im Frankfurter Römer erinnerte er daran, wie sehr ihm Offenbach und das Rhein Main Gebiet am Herzen liegen und wie früh seine Verbindung zur lokalen Fußballkultur begann – inklusive eines augenzwinkernden Bekenntnisses zu den Offenbacher Kickers.

Insgesamt präsentierte sich Völler als Botschafter des deutschen Fußballs: gut gelaunt, realistisch in seiner Einschätzung und voller spürbarem Enthusiasmus für die bevorstehenden sportlichen Herausforderungen. Damit lieferte er einen kurzweiligen und inspirierenden Gesprächsbeitrag, der beim anschließenden Get-together in allen Räumen und Sälen des Römers nahtlos in eine ausgelassene, gut gelaunte Stimmung überging.

(Diether von Goddenthow – RheinMainKultur.de)