Impressionen art karlsruhe 2025 © Messe Karlsruhe/Carlotta Roob

Bald ist es  wieder soweit: dann öffnet die art karlsruhe 2026 – Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst vom 5. bis 8. Februar ihre Tore, schwerpunktmäßig mit den beiden Formaten re:discover und re:frame, um Kunst für Kunstliebhaber und alle, die es werden wollen, noch erlebbarer und sichtbarer zu machen. Die Messe setzt damit erneut ein klares Zeichen: Kunst ist mehr als Ware, sie ist Geschichte, Gegenwart und Verantwortung zugleich.

Mit re:discover und re:frame rückt die art karlsruhe auch 2026 zentrale Fragen des Kunstmarkts in den Fokus. Was geschieht mit künstlerischen Positionen, wenn Karrieren unterbrochen werden oder aus dem öffentlichen Blick geraten? Wie kann das Werk von Künstlern bewahrt, vermittelt und weiterentwickelt werden, wenn sie nicht mehr leben? Die beiden kuratierten Formate geben darauf keine abstrakten Antworten, sondern zeigen konkrete Beispiele verantwortungsvoller Galeriearbeit.

Impressionen art karlsruhe 2025
© Messe Karlsruhe/Carlotta Roob

re:discover widmet sich künstlerischen Biografien mit Brüchen, Pausen und Neuanfängen. Seit seiner Einführung 2024 hat sich das Format als feste Größe etabliert. Für die dritte Ausgabe wurden 20 Positionen ausgewählt, deren Werke neue Aufmerksamkeit verdienen. Besonders herausragend ist die Präsentation der Fotografin Vera Mercer durch die Galerie Schlichtenmaier. Die 1936 in Berlin geborene Künstlerin ist bekannt für ihre opulenten Stillleben, die an barocke Bildwelten erinnern und zugleich von einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte zwischen Berlin, Paris und den USA erzählen. Erst spät hat Mercer ihr eigenes Werk konsequent in den Mittelpunkt gestellt – und reist mit 89 Jahren persönlich zur art karlsruhe an.

Weitere starke Positionen prägen re:discover 2026: Detel Aurand (Galerie Claeys) zeigt poetische Arbeiten zwischen Abstraktion und Figuration, gespeist aus Naturerfahrungen und inneren Bildern. Oliver Braig, präsentiert von augsburg contemporary, überzeugt mit präziser, oft humorvoller Konzeptkunst, die Sprache, Raum und Bedeutung miteinander verschränkt. Gemeinsam mit zahlreichen weiteren Positionen entsteht ein Parcours des zweiten Blicks – und nicht selten eines neuen Starts.

Während re:discover lebendige Karrieren neu beleuchtet, richtet re:frame den Blick auf das, was bleibt. Das Format zeigt, wie der Umgang mit Künstlernachlässen verantwortungsvoll, sichtbar und zukunftsorientiert gestaltet werden kann. Sechs Galerien präsentieren 2026 beispielhafte Modelle der Nachlasspflege. Ein herausragendes Beispiel ist das Schaulager Adlmannstein der Kunstpartner Wilma Rapf-Karikari und Ingo Kübler, das Depot, Ausstellungsraum und Begegnungsort verbindet und mehrere Nachlässe aktiv betreut.

Die Galerie Alfred Knecht zeigt erstmals den Nachlass des 2024 verstorbenen Karlsruher Künstlers Andreas Lau, dessen großformatige Porträts weit über die Region hinaus Wirkung entfaltet haben. Weitere Präsentationen machen deutlich: Nachlässe sind kein Endpunkt, sondern Ausgangspunkt für neue Vermittlung und neue Perspektiven.

Mit re:discover und re:frame positioniert sich die art karlsruhe 2026 als Messe, die über den Moment hinaus denkt. Sie schafft Sichtbarkeit, fördert Dialog und übernimmt Verantwortung – für Kunst, für Biografien und für das Weiterdenken künstlerischer Arbeit über Lebensgrenzen hinweg.

(Heike von Goddenthow /RheinMainKultur.de)

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